Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 3 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Lesebücher der isr. Volksschule in Österreich. i. Eine, die Israeliten Österreichs zu tiefstem Dankgefühle gegen unsere allerhöchste Regierung verpflichtende, von Rabbinen und Lehrern mit freudiger Anerkennung begrüßte Gabe, womit unter andern, das Emporblühen des Jngendnnterrichts erzielenden Verordnungen unser hohes Kultus-Ministerium unsere Schule bedachte, stnd die im k. k. Schulbücherverlage erschienenen und seitdem vorschriftsmäßig in allgemeinen Gebrauch gekommenen Lesebücher für isr. Volksschulen. Schon die Eristenz genannter Lesebücher ist von höchster Bedentnng für die Stellung, die unsere Schute dadurch einnimmt. indem derselben von Seiten des Staates, gleich denen anderer Confessionen, die innere Berechtigung znerkannt worden ist, ihr eigenes Lesebuch zu haben, und mittelst desselben auf die Erstarkung einer jüdisch-nationalen Gesinnung hinwirken zu können. Von noch größerem Nutzen und Frommen aber ist das Lesebuch für das innere Gedeihen der Schule selber, und in noch höherem Grade für die Erfolge der Neligionslehre, die dadurch ein den ganzen Unterricht durchdringendes Element erhalten hat. Jeder Schulmann, der den didaktischen Werth eines Lesebuches, znmal des für die untern Volksschulen bestimmten, wo es den Mittelpunkt des ganzen Unterrichts bildet, zu würdigen versteht, und den Einfluß kennt, den dasselbe auf die erste Entwicklung alter edleren Gefühle und der religiösen insbesondere ansübt, wird diese Gabe mit gehobenem Selbstgefühle empfangen, und darin das wirksamste Mittel gefunden haben, das der Schule geboten werden konnte, der Abschwächung des religiösen Gefühls, wozu das Leben und leider auch oft das elterliche Hans genugsam Veranlassung geben, entgegenznwirken; und das kindliche, zur Nachahmung geneigte, für alles Große und Schöne empfängliche Gemüt rnit inniger Pietät gegen jene Persönlichkeiten zu erfüllen, die sich um die Erhaltung und Fortbildung des Jndenthnms oder um die Manifestirnng der ihm innewohnenden moralischen Kraft und Energie unsterblichen Ruhm erworben haben. Die scheinbare Unabsichtlichkeit des nach den angegebenen beiden Richtungen zielenden Lesestoffes, die Zufälligkeit, womit die abstrahirten Lehren sich darbieten, die in den Schülern durch das Interesse an dem Geschichtlichen erzeugte Spannung, machen den Eindruck um so tiefer, unauslöschlicher, und lassen ihn noch lange über die Schulzeit hinaus nachwirken. Erwägt man noch, daß der weitaus größere Theil der Schuljugend, während und nach der Schulzeit, außer dem Lesebuche keine andere Lektüre mehr in sich aufnimmt, und sein ganzes Wissen auf dasselbe beschränkt bleibt; ferner, daß nur das Lesebuch dem gewandten und mit dem nöthigen Wissen ausgerüsteten Lehrer die passendste Gelegenheit darreicht, eine Menge geschichtlichen Materials, woraus in der Volksschule keine besondere Disziplin gemacht werden kann, dessen