Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 3 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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135 — von fünf jährlich gewählten Vorstehern geleitet; doch läßt die Leitung viel, sehr viel zu wünschen übrig. Weder herrscht dabei die nötbige Einsicht, noch die nöthige Ordnung. Von einem Gemeindearchive ist keine Spur vorhanden. Vor einigen Jahren traten einige junge Leute zusammen, um den Neubau eines Schulhanses zu bewerkstelligen. Da die Wohlthätigkeit auch bei uns zu Haus ist, wie in allen jüdischen Gemeinden, so kam in kurzer Zeit der Betrag von 1500 Stück k. k. Dukaten zusammen. Es wurde ein sehr anständiges stockhohes Schnlhaus mit acht Lehrzimmern aufgesührt. Der Unterricht der hier ertheilt wird, beschränkt sich auf das Hebräischlesen, den Gesang der Bibelaccente, und auf die Übersetzung der Thora in den spagnolischen Jargon, welcher sich zu der spanischen Sprache ungefähr so verhält, wie der Dialekt unserer Brüder in Polen zur deutschen Sprache. Die Lehrer sind unwissend, und die Schüler bleiben es nicht «linder. So tief sind die Enkel derer gesunken, die einst die Träger der jüdischen Wissenschaft und Literatur waren! Ist der Knabe 13 Jahre alt, so wird er vom Vater ins Geschäft genommen oder er sucht sich einen Dienst. Da die serbische Regierung die Aufnahme jüdischer Handwerker in die Zünfte nicht unterstüzt, so kann sich die Zahl jüdischer Gewerbsleute nicht vermehren. Die inneren Nebelstände — und mit der Zeit vielleicht auch die äußeren — könnten gehoben werden, wenn die Gemeinde von der Kanzel herab über ihr wahres Wohl und Wehe belehrt, und zum Guten aufgemuntert würde. Dadurch würde den Einsichtigen und Bessergesinnten, deren es Gott sei Dank anch in unserer Mitte giebt, die Bahn geebnet und allmälig die bedeutende Zahl von Hindernissen überwunden werden, die eine Verbesserung unserer traurigen Zustände so sehr erschweren. Allein — was muß bei uns und überhaupt in alten jüdischen Gemeinoen der Türkei das Volk von der Kanzel hören! Gematria's und allerlei kabbalistische Spielereien, die überdies der überwiegenden Menge der Zuhörer nicht einmal verständlich sind! — Einer unserer Gematria-Prediger besuchte voriges Jahr einen Rabbinen in Österreich, und erzählte demselben klagend von den Streitigkeiten nnd Zerwürfnissen in seiner Gemeinde. Der Österreicher unterbrach ihn aber mit den Worten: Freuet euch, lieber Freund, dieser Zerwürfnisse! Wären die Mitglieder eurer Gemeinde einig untereinander, würden sie ohne Zweifel einen Nachfolger für ihren gegenwärtigen Rabbiner suchen! Habe ich nun die Schattenseiten geschildert, so darf ich auch nicht verschweigen, daß in mehreren türkischen Gemeinden ein besserer Geist zu herrschen beginnt, und daß an manchen Orten, wie namentlich in Salonich nnd Adrianopel, vortrefflich eingerichtete Schulen anfblühen. Hierüber, so wie über die neuesten Erzeugnissen der hebräischen Bnchdruckereien in der Türkei hoffe ich Ihnen in nächster Zukunft ausführlich berichten zu können. Auch zur Geschichte der Sabbathäer im Oriente werde ich Ihnen einige bisher unbekannte Spezialitäten mittheilen. 7. 81.