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Ben Chananja · 1858-01-01 · 2 (1858) · p. Seite 95

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
1 (1858)
Issue
2 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 95 (sequence 47)
Language
German
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— 95 Zeiten ein ewig Lebendiges Wort, nicht ein todtes Bnch. Sie redete zu alten Geschlechtern, sie belehrte sie, sie prägte ihre volle Gesinnung in dem frischen Worte ans sie war immer ein unter ihnen Gegenwärtiges, nicht ein abgeschlossenes Buch des Alterthums, dessen Sinn man sich erschließen müsse, um die Anschauung einer dahmgeschwundeneu Zeit kennen zu lernen, während man etwa dabei seinen abweichenden Weg ging. Wenn man daher andere Werke des Alterthums bald nach den Ideen der Zeit, in welcher sie abgefaßt worden, zu deuten unternahm, und die Übertragung der eigenen und der Zeitansichten zu vermeiden bemüht war, so war es umgekehrt bei der Bibel. Das ewige Wort gehört nicht einer bestimmten Zeit an, es konnte nicht von der Zeit seiner Niederschreibung abhängig sein, es durste ebensowenig angeblich neuer Wahrheiten und Erkenntnisse entbehren. Daher trug eine jede Zeit, eine jede Richtung, eine jede Individualität in die Bibel ihre gauz eigene Auffassung hinein; daher die Erweiterungen, Deutungen, typischen und symbolischen Erklärungsversuche. Bei altem Streben und Verlangen nach objektiver Auffassung will eine solche nicht gelingen, und auch der Ungläubige trägt seine Antipathie in seine Erklärungsversuche hinein. Das mag nun große Unsicherheit der Exegese bewirken, um so höher jedoch zeigt sich darin die Bedeutung der Bibel, die Allen Altes ist. Was jedoch in späterer Zeit auf dem Boden der Eregese geschah, das mußte in früherer Zeit, als die Bibel noch nicht fest abgeschlossen war, durch Überarbeitung geschehen (S. 72)". In dieser angeblichen Überarbeitung und nachherigen theilweisen Wiederherstellung des Textes erkennt der Vers, die Spuren der „innern Entwickelung des Iudenthums," den „inuern großartigen Kampf des Iudenthums" (S. 17). Die Kämpfer waren die Sadducäer oder nach dem Vers. „Zadokiten" und die Pharisäer. Dieser Kampf der Parteien dauert noch in späterer Zeit fort, und mit ihm die Umarbeitung der thalmudischen Tradition. Bei dieser ist „das Werk der Umgestaltung so gänzlich durchgedrungen, daß man in den anerkannten Werken den Kampf von Jahrhunderten, das Herausgebären einer neuen Zeit aus einer sehr verschieden gestalteten Vergangenheit gar nicht mehr wahrnimmt. (S. 1Z7)." Wir enthalten uns vorläufig eines jeden Urtheils über die Ansichten des Vers., indem der Inhalt mehrerer Abhandlungen, welche wir unfern Lesern vorzulegen gedenken, ein näheres Eingehen auf die in dein Buche enthaltenen Specialitäten dringend erheischen wird. Vorläufig können wir zwei Bemerkungen nicht unterdrücken. Zunächst scheint es uns für den wissenschaftlichen Erfolg des Buches bedenklich, daß sich die „Zadokiten"-Hypothese wie ein rother Faden durch alle Theile desselben zieht. Wir sind nicht im Stande, vor der hasmonäischen Restanrationszeit einen Kamps zwischen „Zadokiten" und ihren Gegnern zu entdecken. Beim wirklichen Ausbruche der Sadducäerwirren sind die „Zadokiten" nicht mehr am Ruder! Doch darüber ein Mehreres in unserer AblMdlung über die große Versammlung und Simon dem Frommen. Ferner dürfte es schwer zu rechtfertigen sein, daß sich der Vers, der Mühe überhoben hat, ans die vorzadokitische Geschichte der Bibel näher einzugehen. Wir können uns nicht von der Überzeugung trennen, daß der Vers, ans diesem Wege das Gewagte mancher seiner Hy-

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