Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 2 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 93 — Juden, die in haggadischer Beschäftigung Ersatz sm die vernachlässigte Halacha suchen '). Der Tadel, den diese Äußerungen hervorriefen, ist leicht erklärlich. Napoport widmet der Entkräftung desselben ein eigenes sehr lehrreiches Sendschreiben an einen nicht genannten Freund, und hier macht er seinem gepreßten Herzen Lust, indem er sich über die resignationsvolle Begrenzung seiner Forschungen und Studien ansspricht. Die Schärfe seines Blickes auch in religionsgeschichtlichen Fragen beurkundet er jedoch dort, wo es ihm gegönnt ist, sich frei zu bewegen, wie in der Geschichte der Karäer Z. Von den Fesseln, die seinen Freund in Galizien drückten, war Zunz in Berlin gänzlich frei, wie schon seine Untersuchung über Dibre-Ha-Jamim beweist. Und doch hat er das religionsgeschichtliche Studium nur mittelbar gefördert. Mit universellerm Wissen, mit einem scharfer» Blicke, einer größer» Pietät für die theuern Vermächtnisse der Väter und mit einer wärmern Liebe zu seinen Glaubensbrüdcrn ist zwar schwerlich Jemand au die Bearbeitung jüdischer ALterthümer gegangen, als Zunz. Auch haben seine Arbeiten die ihnen gebührende Anerkennung gefunden. Von seinem 1832 erschienenen Werke: „Die gottesdienstlichen Vort r äge d e r I nd e n, historisch entwick e l t" urtheilt man in Deutschland: „Der Ne ich th um des wiffeufchaftlich beherrschten Materials, stellt dieses Buch in der deutschen Literatur den grammatischen Werken Jakob Grimms und den geografischen Carl Ritters zur Seite; die Schärfe und Sicherheit der Kritik, die Präzision und Klarheit des Styls gestattet den Vergleich mit Friedrich August Wolf; die Wärme in der Vertheidigung des Jndenthums und seiner Bekenner inacht den Verfasser zum Genossen Gabriel Niessers ^). Allein die jüdische Literatur ist ihm keine vorherrschend religiöse und theologische. Da Juden in allen Fächern geschrieben, und zwar meist hebräisch geschrieben haben; so muß nach seinem Dafürhalten dem jüdischen Schriftthnme ein allgemeinerer Charakcer vindieirt werden. „Das All spiegelt sich in den jüdischen Werken wie in den nichtjüdischen ab Daher ist bei ihm nicht der religionsgeschichtliche, sondern der Kultur- und literaturgeschichtliche Gesichtspunkt vorherrschend. Wenn er die gottesdienstlichen Vorträge der Juden historisch entwickelt, so beweist er, daß der jüdische Geist niemals in schmähliche Unthätigkeit versank, und daß das lebendige, belehrende und erbauende Wort zu allen Zeiten in der Synagoge gehört wurde; er zeigt wie man gelehvt hat und von wem die Lehre angegangen ist; er zählt die Werke auf, die den synagogalen Predigten ihren Ursprung verdanken; was aber gelehrt und gepredigt wurde, und wie sich Inhalt der Lehre und Predigt im Laufe der Jahrhunderte gestaltet habe, davon schweigt er entweder ganz, oder er begnügt sich mit leisen Andeutungen. Wenn er die jüdische Literatur voll Alerander bis aus die Gegenwart überschaut, so erscheint ihm K. Chem. 1., 83. ck'. -) K. Chem. V. S. 203. Z Stern Vorl. 321. ck'. ') Zur Gesch. n. Lit. S. 2.