Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 2 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2542917-2543107-2543110--0100-2543782- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 92 — Gleichwol haben die beiden Gründer der neuen historischen Schule das religionsgeschichtliche Moment nur nebenher berührt, dagegen biografische und Literaturgeschichtliche Spezialitäten mit besonderer Vorliebe behandelt. Diese scheinbare Anomalie ist aber leicht ans der Tendenz zu erklären, welche sie verfolgten. Napo Port ist ganz vorzüglich nationaler Schriftsteller. Er läßt ehrwürdige Gestalten ans vergangenen Jahrhunderten mit ihren Werken und ihrem Wirken anstreten, nm in den Kindern der Gegenwart das jüdische Selbstbewußtsein zu wecken und zu beleben, und um die Halbwisser zum Schweigen zn bringen, die über jüdisches Alterthnm geringfchätzend urtheilen, ohne dasselbe zu kennen. Die geschichtliche Treue will er unverlezt wissen; es thut ihm aber wehe, wenn die Kritik anderer Forscher ans dein Kranze, den er um das Haupt einer seiner Helden gewunden, auch nur eine einzige Blume zn reißen wagt. Die ganze Macht seiner Gelehrsamkeit und seiner Kombinationsgabe bietet er auf, um die Freundschaft des Kaisers Marcus Anrelius Antoninus für R. Jehnda den Patriarchen als geschichtliche Thatsache zu retten!— Thetis war nun diese nationale Tendenz religionsgeschichtlichen Studien nicht sehr günstig; theils durfte Rapoport auch nicht hoffen, mit den Ergebnissen solcher Studien hervorzutreten. ohne augefochten zn werden. In Rücksicht auf die bibliche Einleitttttgswissenschaft, diese Grundlage der Religionsgeschichte, bekennet er dies selbst. „Zwar habe ich — sagt er in einem Briefe — viel Eregetisches geschrieben; es bleibt aber in meinem Pulte verschlossen. Ich bin allerdings überzengt, daß wir den göttlichen Geist, der die Profeten erleuchtete, desto mehr bewundern, je fleißiger wir die Kunde des Orients bei deren Auslegung benützen, und je genauer wir die Entstehungszeit eines jeden Profetischen Ausspruches zn bestimmen vermögen, und ich brenne zuweilen vor Begierde, die von mir gewonnenen Resultate auszusprechen. Gleichwol besinne ich mich stets eines Bessern, und ziehe das Stillschweigen vor, damit der böse Leumund mich nicht.verfolge. Ich beschränke daher meine Forschungen auf die nachbiblische Zeit, und zwar nur auf das was geschah, nicht auf das, was überliefert wurde')." Wen ergreift nicht das Gefühl inniger wehmntvolter Theilnahme für den Denker, der seine höchste Lebensfreude, die Forschung, mit bitterem Schmerze beschränken muß, um seine Lebeusrühe nicht zn stören? Um das Herbe dieses Opfers zu ermessen, braucht man Rapoport's biedere Persönlichkeit nicht einmal näher zu kennen! Die Veranlassung zu dem angeführten Herzensergüsse gab der Tadel der galizianischen Rabbinen, den ein konfidentielleö, später aber veröffenllicheS Schreiben Rapoport's erfahren mußte. In diesem Schreiben zeigt Rapoport nach seiner die kleinsten Specialitäten umfassenden Weise daß die von den Eitlen so warm gepflegte, voll den Andern so sehr perhorrescirte Pilpnlmethode schon in der babylonischen Gemara ihren Ursprung habe. Ferner vergleicht er die Richtung der Palästinenser nach dem Erlöschen ihrer Akademien mit der der heutigen russischen ') K. Chei». lll. S, 39. VN NVp: 11282.