Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 2 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2542917-2543107-2543110--0096-2543778- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 88 — Wunsch und der Pflicht gemäß vorznstehen. Die Furcht vor einem so nnerquiklichen Zustande ist es auch, welche Gemeinden mit einer geringer» Familienzahl die Errichtung von Schulen als unausführbar erscheinen läßt. Sie soll den Zuwachs von zwei oder drei Familien begünstigen, die sie nur nach schwer zu leistenden Opfern zu ernähren vermag; und wenn in der Folge auch nur ein Lehrer unfähig zu Dienstleistungen wird, was dann? Der Vorschlag des Herrn T. zu einer wechselseitigen Versicherung in der Art, wie er sie projektirt, dürste in der Ausführung: alle oder doch die meisten Gemeinden unseres Vaterlandes zu dem berührten Zwecke zu vereinen, auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen; Schwierigkeiten, die ich nicht nöthig erachte näher zu bezeichnen, da sie dein Erfahrnen, bei reifem Nachdenken sich von selbst vorstelten. Herr T. scheint wol selbst daran gedacht zu haben; in seinem lobenswerthen Eifer jedoch stellte er Voraussetzungen als Basis, die noch manchen Zweifel znlaffen. Nun erst, Herr Redaetenr! komme ich auf den eigentlichen Kern meines heutigen Briefes, dem ich die kleine Umschweifnng vorznschicken als nicht überflüssig erachtete. Im Jahre 1846 traten die hier augestellten israelitischen Lehrer zusammen, um über die geeigneten Mittel zu berathen: die durch Alter oder Krankheit zunt Unterrichte un fahig geworden en Lehrer, nnd na ch deren Ableben ihre Witwen und Waisen vor Mangel zu bewah reu?' Nach mehreren Berathungen kam man überein, sich mit den Lehrern: alter israelitischen Schulen in Ungarn in Eorrespoudenz zu sezen, und sie zu einem Vereine aufznfordern, dessen Zweck eine wechselseitige Affeeuranz sein sollte. In Pest oder Preßburg sollte die Ceutral-Leitnng sich besinden; das Land in Schulbezirke getheilt, sollte in jedem Bezirk eine Filial-Leitnng haben, deren Vorsteher die gesetzlichen Tutenre der Lehrerwitwen und Waisen sein sollten. Schreiber dieser Zeilen und Herr Raf. Basch wurden provisorisch ernannt, die erforderlichen Einleitungen zu treffen. Unsere briefliche Aufforderung wurde von den meisten Lehrern freudig begrüßt, und der Beitritt zugesagt. Wir ließen Aufrufe für sämmtliche Gemeinden zur Unterstützung des Vereins drucken: und es ward bestimmt: ein jeder Bezirk sollte einen oder zwei bevollmächtigte Herren abordnen; in den nächsten Herbstfeiertageu sollten wir in Pest oder Preßburg in einer Generalversammlung zusammentreten, die Statuten berathen, die landesfürstliche Genehmigung nachsnchen und die Vorsteher wählen. Ich und mein Freund Basch hatten auch bereits die Statuten vorgearbeitet, um der Generalversammzung einen fertigen Entwurf vorznlegen. Endlich — — zerschlug sich das ganze Projekt. Erlauben Sie mir, Herr Redakteur, über das „Warum?" einen dichten Schleier zu ziehen. Diejenigen, welche die zerstörende Ursache waren, mögen sich vor Gott und ihrem eigenen Gewissen rechtfertigen.