Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 2 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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— 87 — Preßbuvg, im Jänner 1858. — Ihr mit offenen Herzen erwarteter Ben-Chanauja ist uns endlich zu Gesichte gekommen. Wäre es gleich eine Thorheit, bei dem ersten Anblicke desselben in einem prosetischen Geiste von seiner Zukunft zu sprechen so darf ich doch sagen, daß der Wnnsch alter Wohlgesinnten für seine lange Lebensdauer durch das 1. Monatheft vollkommen gerechtfertigt erscheint. Ich will es den Kritikern von Profession überlassen, sich über den höher» und mindern Werth der verschiedenen darin enthaltenen Nummern anszusprechen; ich erlaube mir nur einige Worte über die von Herrn Tomler ausgesprochenen Vorschläge für Lehrerversorgnng. Die Idee, dem jüdischen Lehrer eine ehrenvolle, sorgenfreie Stellung, und Beruhigung zu verschaffen wegen seiner Familie, wenn ein trauriges Geschick ihn einst unfähig macht seinem Berufe vorzustehen, oder wenn der Engel des Todes den Seinen die nährende Hand raubt; diese Idee, sage ich, steht in gar keiner Beziehung zu den Beschwerden und Mühseligkeiten seines Standes, die er hinnehmen soll, wie jeder Andere die Beschwerlichkeiten tragen muß, die keinem Stande und Berufe fehlen. Ganz irrig muß ich aber die Behauptung des Herrn T. nennen, als wenn tüchtigen, ehrlichen, ihrem Berufe treu lebenden Lehrern, von allen Seiten die gebührende Anerkennung versagt würde. Ausnahmsweise findet sich wol hier eine Mutter, die in ihrer Affenliebe die Fortschritte ihres Kindes einem Riesentalente desselben zuschreibt; dort wieder eine Andere, welche die Geistesträgheit ihres Lieblings dem trägen Witten des Lehrers in den Schuh schüttet. Hat aber der praktische Arzt nicht mehr Recht zu ähnlicher Klage? Die schnelle Heilung wird der kräftigen Natur; die Ausartung der Krankheit aber der Ungeschicklichkeit des Arztes zugeschrieben. Dem Rechtsanwalt geht es nicht besser: der glückliche Ansgang eines Rechtsstreites, ist für den Gewinnenden ein Beweis der Legitimität seiner Ansprüche; dem Verlierenden hingegen ein Beweis der Unwissenheit seines Verfechters. In dieser Beziehung ist ja der brave Schullehrer viel bester daran, da er doch zumeist in seinem Vorstande einen billig denkenden Beurtheiler und einen gerechten Beschützer sinder. Bei all den schiefen Beurtheilnngen Einzelner, vertrant man im allgemeinen doch dem bessern Arzt die Gesundheitspflege, dem scharfsinnigem Advokaten die Führung der Rechtsangelegenheit, dem ehrlichen verständigen Lehrer die Kinder an; und alle drei weiß die Welt zu finden und^ anzuerkenneu. Alle Familienväter, welche die Jngendbildnyg sich zur Lebensaufgabe machten; selbst jene, welche Ursache haben über ihre und der ihrigen Zukunft beruhigt zu sein, werden sich gegen Herrn T. gewiß gu dem innigsten Danke verpflichtet fühlen, daß er eine Diskussion in die Öffentlichkeit brachte, die ' eine Lebensfrage entscheiden soll für so viele bekümmerte Lehrer, für den bessern Bestand der Schulen, ja auch für viele bekümmerte Gemeinden; für solche nämlich, die in ihrer beschränkten Lage nicht die Mittel auszubringen vermögen, dem braven Lehrer, der lange ein Wohlthäter ihrer Kinder war, ein sorgenfreies Alter zu verschaffen, oder seiner hinterlassenen Familie nach Herzens--