Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 2 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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— 68 — „Der Ewige unser Gott, der einzige Gott, ist Wahrheit! Seine vollkommene Lehre ist Wahrheit! In seinem Heiligthume, dem Andachtshanse, ist Wahrheit! Seine Profeten sind Wahrheit! Die Neumonde, die Zeiten der Versöhnung und der Erinnerung vor ihm sind Wahrheit! Und seine Gebote und Gesetze und Zeugnisse und Vorschriften und alle seine Worte sind Wahrheit!" Die Erinnerung an die Befreiung ans Ägypten fehlt hier ganz; das nationale Element tritt nur schwach hervor. Ganz ohne nationale Tendenz und Färbung sind die bisher noch gar nicht hervorgehobenen Grnndlehren Philo's. Dieselben befinden sich am Schluffe seines philosophischen Midrasch zur Schöpfungsgeschichte °). „Vieles — so lautet diese Stelle — lehrt uns Moses durch die eben dargestellte Schöpfungsgeschichte; vorzüglich verdanken wir ihm die fünf schönsten und vortrefflichsten Lehren, nämlich: I. Gott ist und regiert. Dies lehrt Mose im Gegensätze zu den Atheisten, deren manche das Dasein Gottes bezweifeln, manche mit frecher Stirne sogar leugnen, indem sie behaupten, daß nur diejenigen davoil reden, die mit fabelhaften Erdichtungen die Wahrheit verdunkeln. II. Gott ist Einer. Dies der Gegensatz zu den Polytheisten, die sich nicht entblöden, die schlechteste Regierungsfvrm, die Ochlokratie nämlich, von der Erde in den Himmel zu verlegen. III. Die Welt ist erschaffen. Dies der Gegensatz zu der Meinung derer, welche die Schöpfung nicht Gott znschreiben, sondern die Welt als nngeschaffen und von Ewigkeit her bestehend ansehen. IV. Die geschaffene Welt ist nur eine, wie der Schöpfer Einer ist, der durch diese Einheit ein sich selbst ähnliches Werk ins Dasein gerufen hat. Zur Vollendung des Weltalls hat er sich aller Substanzen bedient a); weil dasselbe nicht vollendet gewesen wäre, würde es nicht ans allen Theilen zusammengesezt worden sein. ') Eine polemische Anspielung ans den rabbauitischen Kalender. 2) De mundi opificio über. 3) Nach Plato.