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Ben Chananja · 1858-01-01 · 2 (1858) · p. Seite 50

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
1 (1858)
Issue
2 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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— 50 — den, die Zeit ihrer Aufzeichnung zu ermitteln, ihr Lehrgehalt in ein wohlgeordnetes systematisches Ganzes zu bringen, und die Entwickelung der religiösen Anschauungen im Lause der Zeiten nachzuweisen ist. Endlich muß sie den Gebrauch ihrer Waffen gerne jedem gönnen, der dem Aberglauben auf eine wirksame Weise entgegentreten will. Niemals wird sie aber die menschliche Vernunft als alleinige Quelle, niemals als alleinige Richtschnur religiöser Erkenntniß betrachten. Die religiöse Erkenntniß des Gläubigen ruht wesentlich nicht auf inneren, dem Glaubenöinhalte selbst entnommenen Gründen; vielmehr ist das unbedingte Vertrauen auf die Tüchtigkeit und Zuverlässigkeit der Offeubarungszengen ihr eigentliches Fundament. Von diesem Vertrauen erfüllt, eignet der Gläubige sich den Offcnbarungsinhalt an, nimmt er denselben in Geist und Gemüt aus, und läßt sich davon durchdrungen. Heilig, wie die Pflicht des freudigen' Gehorsams gegen das geoffenbarte Gesetz, ist ihm die Pflicht der innigen Aneignung der geoffenbarten Lehre. Jenes ist der Leitstern seines Lebens, diese die Sonne seines Glaubens. Allein kennet das Jndenthum wirklich eine solche Glaubens- Pflicht? fordert es von seinen Bekennern die Aneignung gewisser Glaubensdogmen? Begnügt es sich nicht, denselben Gesetze für ihr Verhalten vorzuschreiben, ohne der Freiheit ihres Denkens irgend eine Grenze zu setzen? — Diese Fragen könnten dem, der mit dem Wesen einer positiven Religion vertrant ist, seltsam und überflüssig scheinen. Allein es ist hinlänglich bekannt, daß dieselben seit Mendelssohn ganz anders beantwortet wurden, als nach der Natur der Sache nud nach den Religionsquellen zu erwarten war. „Unter allen Vorschriften und Verordnungen des mosaischen Gesetzes — sagt nämlich Mendelssohn — lautet kein einziges: du sollst glauben oder nicht glauben; sondern alle heißen: du sollst thun oder nicht thun! Dem Glauben wird nicht befohlen; denn der nimmt keine andere Befehle an, als die den Weg der Ueberzeugung zu ihm kommen. Alle Befehle des göttlichen Gesetzes sind an den Willen, an die Thatkrast des Menschen gerichtet. Ja das Wort in der Grundsprache, das man durch den Glauben zu übersetzen pflegt, heißt

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