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Ben Chananja · 1858-01-01 · 1 (1858) · p. Seite 41

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Journal
Ben Chananja
Volume
1 (1858)
Issue
1 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 41 (sequence 47)
Language
German
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— 41 — Gaya, 22. Dezember. Die hiesige Jsraelitengemeinde scheint sich im Jahre 1603 constituirt zu haben; denn nach einem alten Aktenstücke, welches ich hier ausgefunden, brach im Jahre 1711 ein Streit zwischen der Judengemeinde, in welcher Feuer ausgebrochen war und wüthend um sich gegriffen hatte, und den übrigen Stadtbewohnern aus, welcher Streit bis zu den Stufen des Thrones gelangte. Dre Christen wollten die Juden ausschaffen, hinderten sie beim Aufbau der Häuser, Ließen nicht zu, daß der Gottesacker eingefriedigt werde, und nahmen ihnen altes zum Bau bestimmte Holz gewaltsamer Weise weg. Die Juden führten darüber höchsten Ortes Klage, da entschied Kaiser Josef I., daß es bei der Aufnahme der Juden durch die Bestimmung von Mathias im Jahre 1605 sein Verbleiben habe, und daß die Juden zu alten Giebigkeiten der Stadt ihre Beiträge leisten, das Gewürz-, Fisch- und Schntzgeld entrichten, und ihre Häuser nicht mehr mit Stroh, sondern mit Schindeln decken müssen. — Im Jahre 1676 entstand ein ähnlicher Streit zwischen der Juden-und Christengemeinde, der aber in Göding beigelegt ward. Die Juden wurden angewiesen, die rückständigen Beiträge zu den bürgerlichen Auslagen nachzntragen, es wurde ihnen das Recht abgesprochen, mehr als 12 Häuser zu bauen, und kein Besitzer eines Hauses durste dasselbe an einen andern verkaufen. Jeder Jude aber, der überwiesen wird, Schuld an einem Streit zu tragen, hat 3 Dukaten Strafe zu erlegen. — Die hiesige Judengasse war von der Stadt bis zum Jahre 1848 durch eine Mauer separirt, und bildete ein förmliches Ghetto. Im Jahre 1799 wurde gestattet, ein Thor in dieser Mauer anzubringen, das den ganzen Tag offen stehen durfte. —- Lm Jahre 1779 wurden hier Statuten (Tekanoth) errichtet, über die Norm der Steueranlagen, über die Festessen des Vorstandes, über die Pleiten (Billets für die Armen), über die Verpflichtung des Vorstehers, wandernde Chasanim und Rabbinen zu speisen. Unter andern: wurde jeder mit einer Strafe von ein viertel Pfund Wachs belegt, der nicht bei dem Gebete „und es lobte David" schon in der Synagoge steht; das Hausiren wird in diesen Statuten auf's Strengste untersagt. — Bei der Seelenandacht werden hier 19 Rabbinen genannt. Die vorzüglichsten sind: N. Barnch, Sohn des heiligen Menachem Brannschweig, R. Jsak, Verfasser des „Jsak Suta", R. Abraham Proßnitz aus Kremsier, Verfasser „Kapoth Hamanul", der von hier nach Auffee als Rabbiner ging, wo er auch starb. — Im Jahre 1838 waren die 12 Judenhäuser, welche über 200 Seelen aufnehmen mußten, nicht mehr genügend. Über Einschreiten der Juden erhielten sie die Couzesston, 9 christliche Häuser zu kaufen. Die Judengemeinde besteht jezt aus 160 Familien, von welchen mehrere städtische Häuser besitzen. Das prachtvolle Gotteshaus wurde im Jahre 1852 erbaut, es kostete 15283 fl. B. V. Zu dieser Gemeinde gehört auch eine Filialgemeinde Kostelez, nunmehr aus 40 Familien bestehend. Sie kamen aus Göding, von wo sie im 16. Jahrhundert vertrieben wurden. Von den Vertriebenen wurden 20 Familien von der Kostelezer Obrigkeit ausgenommen.

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