Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 1 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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— 40 — es handelt sich darum, wer sich besser zum ersten Vorsteher qualifizire. — Der geneigte Leser wolle aber hierin keine Ironie erblicken: er möge vielmehr bedenken, - daß die Ehrenämter in den jüdischen Gemeinden dem Beamten stets auch gewisse Ehrensteuer auflegen, welche demnach dem Reichsten auch am wenigsten beschwerlich fallen. Dem Studium werden nur sehr wenige Kinder gewidmet. Der Knabe, der das dreizehnte Lebensjahr zurückgelegt hat, fängt entweder an sein Brod selbst zu verdienen; oder er geht nach Preßburg „lernen". Mag man indessen immerhin diese Gemeinden als antiquenmäßig belächeln und bespötteln; ihr Leben hat unstreitig auch viel Beneidenswerthes. Man weiß dort des Erdenwallers irdisches Ziel streng von dem himmlischen zu unterscheiden, und wandelt unverdrossen ehrlich die Wege, welche nach der herrschenden Überzeugung beiden zuführen. Man findet hier biedere, ehrenhafte Charaktere, und das Familienleben ist wirklich ein patriarchalisches, glückliches zu nennen. Zu den zwei andern Gemeindeklassen rechne ich jene, in welchen vor einigen Jahren ein Kampf um Reformen gekämpft wurde, der aber nunmehr — wenigstens dem Anscheine nach — ausgerungen ist. Die Gemeinden, in welchen die Fortschrittspartei den Sieg davon trug, haben gute Schulen, studirte Rabbinen, geregelten Gottesdienst und viele Handwerker. Leider fehlt es aber auch nicht an Schattenseiten. Die Wochenmarktbuden haben mehr Anspruch aus ihre Eigenthümer als das Gottes- Halls. — Um von einem feiertägigen Freitag auf den Samstag die Speisen bereiten zu dürfen, war man sonst ängstlich mit der Ceremonie des Erub Tabschilin. Man könnte heute dieselbe Ceremonie anwenden, wenn der Feiertag ans einen Sonntag fällt! Ich berühre dieses Thema keineswegs, um mich darüber in einem entschiedenen Tone auszusprechen. So viel aber steht fest: So lange über die Sabbatfeier und ähnliche Ceremonialgesetze kein festes Reglement —- sei es milde oder streng — besteht: so lange es jedem Einzelnen anheimgestetlt ist, so viel davon beizubehalten oder zu entfernen, als es ihm für seine Bequemlichkeit oder seine Handelsinteressen angemessen erscheint: so lange wird anch die Lösung unserer heiligsten Aufgabe, die der religiösen Erziehung unserer Kinder, unvollkommen bleiben. Es ist indessen dieses Thema viel zu wichtig, um es bloß vorübergehend zu berühren; indem ich also hier die Frage hinstelle: Wie ist es anzusangen, um den Kindern dauernde Eindrücke für das künftige religiöse Leben mitzugeben? will ich mir Vorbehalten, in einer der nächsten Nummern dieser Blätter die herrschenden Ansichten über den heutigen Religionsunterricht zu entwickeln. Die dritte Klaffe bilden diejenigen Gemeinden, in denen die Heuchelei viele Anhänger zählt. Diese strengen sich au, sich mit dem Nimbus besonderer Frömmigkeit zu umgeben, so lange sie zu Hause sind. Kommen sie aber nach Wien, Pesth oder Brünn, sind sie bei weitem nicht mehr dieselben. Es ist indeß sehr erfreulich, und gereicht den ungarischen Israeliten zur Ehre, daß zu hieser Klaffe nur äußerst wenige Gemeinden gehören.