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Ben Chananja · 1858-01-01 · 1 (1858) · p. Seite 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
1 (1858)
Issue
1 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 21 (sequence 27)
Language
German
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— 21 — Im sechzehnten Jahrhundert hatten sich im Judenthume zwei, wenn auch nicht entgegengesetzte doch verschiedene Richtungen zu einer früher nie gekannten Höhe emporgearbeitet: im Abendlande der Pilpul, oder die Fertigkeit, die Fäden der thalmudischen Diskussion nicht nur mit Geläufigkeit fortzuspinnen, sondern auch zu einem kunstvollen, oft bewundernswerthen Gewebe zu verbinden; im Oriente die Kabbala, welche, von nun an, wenig mit Betrachtung himmlischer Dinge und Wahrheiten beschäftigt, sich die Aufgabe stellte, durch ein enthaltsames Leben und durch gesteigerte Andacht besonders bei der Pronunciation der hebräischen Gottesnameu die Erhörung des Gebetes zu vermitteln, und sogar wunderbare Wirkungen hervorzubringen. War der Pilpul Erzeugnisi des grübelnden Verstandes, so hatte die Kabbala ihren Sitz im Gemüte. In jenem war Jakob Pollak, gest. 1530 in Prag, mustergiltig; in dieser gab Jsak Luria Aschkennasi, gest. 1572 in Safeth in Obergaliläa, den Ton an. In den abendländischen Gemeinden wurde nun Pollak'ö Methode so vorherrschend, daß Alles, selbst die Haggada, pilpnlistisch behandelt wurde. Der Sabbathäismus hat daher bei all seinen Verirrungen und Extravaganzen doch das Verdienst, den Ansprüchen des religiösen Gefühls Rechnung getragen zu haben. Wenn Männer wie Arholz und Staßow trotz aller Anfeindungen sich als Rabbinen in ihren Gemeinden behaupteten, so verdankten sie dies nicht nur manchen persönlichen Verbindungen, sondern ganz vorzüglich der Befriedigung, die ihre Vorträge dem Volke gewährten; eine Befriedigung, welche rein pilpulistische Rabbineu ihren Zuhörern nur äußerst selten zu verschaffen vermochten. R. Jonathan Eybenschütz, der allerdings auch in der Kunst des Pilpuls alle seine Vorgänger und Zeitgenossen überragte, war in seiner Zeit der einzige Rabbine einer großen Gemeinde, der auch durch haggadische Vorträge seine Zuhörer zu fesseln verstand. Seine unmittelbaren und mittelbaren Schüler eiferten ihm hierin nach. Viele von ihnen wurden des Festhaltens am oder doch der Hinneigung zum Sabbathäismus verdächtiget! Eine Folge der Pilpulherrschast war die gänzliche Vernachlässigung des Bibelstudiums. Waren ja, selbst berühmten Rabbinett

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