Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 1 (1858)
- Issue
- 1 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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— 22 — nur die Bibelverse bekannt und geläufig, die sie im Thalmud angeführt fanden! Die Sabbathäer wendeten sich zuerst wieder der Bibel zu. Mit Grammatik und Alterthumskunde ging ihre Schristauslegung allerdings auch nicht Hand in Hand. Ihre Symbolistrungen, ihre krausen und wunderlichen Deutungen waren von einer gesunden Eregese himmelweit entfernt. Immer war es aber doch ein Gewinn, daß man wieder anfing, sich mit der Schrift zu beschäftigen. Der sabbathäische Vater ließ seine Knaben — mitunter sogar die Mädchen — in der Bibel unterrichten, ohne sie in seine kabbalistischen Mysterien einzuweihen. Das Heranwachsende Geschlecht griff nun begierig nach den allmälig erscheinenden Ausgaben biblischer Bücher mit deutscher Übersetzung und erläuternden Anmerkungen. So bahnte die Mystik, ohne es zu wissen und zu wollen, in vielen Kreisen der natürlichen Schriftauslegung den Weg. Unzertrennlich von der exklusiven Pflege des Pilpulö war und ist die gänzliche Unbekanntschaft mit nicht pilpulistischen Dingen. Die Sabbathäer führte schon ihre Dogmatik in einen weitern Gesichtskreis. Ihr Streben, durch das lebendige Wort ans Andere zu wirken, eiferte sie an, sich ein größeres Maß von Kenntnissen und einen höhern Grad von Bildung anzneignen. Man fand daher nicht selten deutsche Bücher bei ihnen. Das Lesen solcher Bücher gehörte auch zn den Verbrechen, deren R. Jonathan von seinen Feinden beschuldiget wurde. In Mähren und Böhmen hörte ich selbst noch die Namen unterrichteter Männer nennen, die ihrer Kenntnisse und ihres untadelhaften Lebenswandels wegen hoch geschäzt, aber zu keinem Gemeindeamte zugelassen wurden, weil der Makel des Sabbathäismns an ihnen haftete. Manchen derselben habe ich persönlich gekannt. Diese wirklichen oder vorgeblichen Sabbathäer förderten in ihrem Kreise Bildung und Unterricht. Ihr Einfluß nahm zn, je älter sie wurden, je vorsichtiger sie sich betrugen,, und je weniger die Verbreitung des Sabbathäismus mehr zu fürchten war. Diese Andeutungen mögen hier genügen. Vielleicht tragen sie dazu bei, eine Geschichte der Sabbathäer in Böhmen und Mähren hervorzurufen.