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Der Israelit · 1938-11-03 · Heft 44 (3.11.1938) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 44 (3.11.1938)
Date
1938-11-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Feuilleton- Beilage Der Israelit Nummer 44 1938 IRRWEGE. Skizze von Hermann Blumenthal. Borysla 1. Diese Geschchte trug sich Naphtagebiet zu. Dort lebte ein Jude namens Wolf Tune, der durch den Handel mit Salz kümmerlich sein Leben fristete. Seine Verhältnisse besserten sich aber, als man in der Gegend nach Naphta zu suchen begann. Wolf hatte einen kleinen Garten neben seinem Häuschen und er legte dort einen Brunnen an. Schon nach einer Tiefe von einigen Fuß zeigte sich Rohöl und je tiefer er grub, um so reicher war die Oelquelle. So wurde er mit der Zeit ein reicher Mann. . Bald kaufte ihm eine Gesellschaft den Platz ab und Wolf erhielt außer einer großen Summe Geldes auch einen Gewinnanteil von einigen Prozenten, die ihn schon nach kurzer Zeit zum reichen Mann machten. Wolf hatte eine Tochter namens Golde, der er jetzt eine gute Erziehung gab. Da sie auch schön vom Ansehen war, fanden sich bald viele Freier ein. Wolf war ein Anhänger des Samborer Rabbi, bei dem er die hohen Feiertage zu verbringen pflegte. Dort lernte er einen jungen Gelehrten kennen, der ihm überaus gefiel, und er beschloß, ihm . seine -Tochter zum'Weibe zu geben Auch die Eltern des jungen Mannes stimmten der Verbindung zu, aber Golde suchte die Verlobung hinauszuschieben. Wolf drängte nicht, denn in seinen Augen war der junge Gelehrte schon so gut wie sein Schwiegersohn. Der. wahre Grund aber, daß Golde mit ihrem Jawort zögerte, war, daß sie hinter dem Rücken ihres Vaters mit einem Andersgläubigen ein Verhältnis angeknüpft hatte, Es war der Bohrmeister einer Grube, an dem das Mädchen Gefallen gefunden hatte. Bald wußte das ganze Städtchen davon, nur Wolf merkte nichts, denn er hatte den Kopf voll von Geschäften. 2, Es kamen die hohen Feiertage und Wolf fuhr nach Sambor, zum Rabbi. Dort traf er den Vater des jungen Gelehrten, der ihn also ansprach:. „Ihr wünscht meinen Sohn zum Eidam, doch laßt Ihr Euch mit der Verlobung Zeit. Furchtet Ihr nicht, daß er inzwischen eine andere Ver-; bindung eingeht?" „Ihr habt Recht," entgegnete Wolf, „zu den Halbfeiertagen wollen wir die Verlobung feiern und vor Chanukah soll die Hochzeit stattfinden." Als Wolf nach Hause zurückkehrte und Golde seinen Entschluß mitteilte, brach diese in Tränen aus. „Laß' mir noch meine Freiheit," bat sie. Aber Wolf ließ sich nicht länger hinhalten. Noch am selben. Tag teilte Golde ihrem Geliebten den Entschluß ihres Vaters mit. . > ,jDie Verlobung darf nicht stattfinden," erklärte der Bohrmeister in bestimmtem Tone. . „Wie willst Du es verhindern?", fragte sie, worauf er erwiderte: „Ueberlaß' das nur mir." Das Verlobungsfest nahte heran. Im Hause wurde gekocht und gebacken. Der Bohrmeister war indes auch nicht müßig und traf seine Vorbereitungen. „Sei bereit," sagte er zu Golde, „Deine besten besten Kleider, Deinen Schmuck und soviel Geld Du zusammenraffen kannst, leg' in einen Koffer und warte mein Zeichen ab." Nun kam die Verlobungsfeier. Auch der Samborer Rabbi hatte sich eingefunden und die Männer diskutierten über die W.eisheiten des Talmud, „Der Rabbi soll die Verlobungsformel vorlesen/' riefen die Frauen, die im anstoßenden Räume versammelt waren. HERBST. f Von Saül Maus. Die Augen sind vom Glanz geblendet . Em Ström von Gold ergießt sich weit . Es ist der späten Tage Zeit, die sich zum Abschied von uns wendet. Bald ist die Reife auch vollendet ... Entsagend voller Heiterkeit, legt ab der Wald sein buntes Kleid, das grün der Frühling "ihm gespendet. Die Sonne kommt im Nebelkleid, und in den Strahlen, die sie sendet, liegt tiefe, stille Einsamkeit. Das Blau ist herb durchweht von Leid , , "Ein-. Vogel, der noch nicht beendet den Flug, s'cltläg.t an in Herbsteszeit. fcffff Liebe Bäume, ihr seid"'käHI" nackt wie ich geblieben! ... Wolken, Wolken ohne Zahl kommen angetrieben. Graue, graue Wolken geh'n ...; Und es wird bald reifen . . . Ich kann euer Herz versteh'n! Wer wird dich, mein Herz, begreifen? Lm J Der heilige Mann nahm das Dokument zur Hand und wollte mit der Vorlesung beginnen. „Wo bleibt die Braut?", rief Wolf aus, da er den Platz Goldes leer fand. „Man hole sie." Man suchte sie, konnte sie aber im ganzen Hause nicht finden. Da erinnerte sich eine Frau, daß die Magd Golde etwas zugeflüstert; hatte, ehe diese die Stube verlassen hatte. Nun. suchte man die Magd und fand sie-weinend in einer Kammer, Sie £&-. stand, daß sie, im Auftrage des Bohrmeisters. Golde aus dem Hause geholt hatte. Nun wurde alles klar. Wolf schwur, daß er es dem Bohrmeister schwer heimzahlen werde Man erfuhr, daß sich die Beiden in einer Kalesche, die mit zwei flinken Pferden; bespannt war, davongemacht und den Weg gegen Stryj eingeschlagen hatten. : Wolf beschloß, die Verfolgung sofort auf zunehmen, . ... * : Wolf befahl dem Kutscher, die Pferde nicht 'schotten. -Sie hielten einige Male und" Wölf zog Erkundigungen ein, aber der Wagen der Flüchtigen war auf einem Seitenweg eingebogen und ihre Spur konnte nicht gefunden werden So kehrte Wolf unverrichteter Dinge zurück Er wurde still und verschlossen und gab viel für wohltätige Zwecke aus; auch ließ er auf seine Kosten ein Bethaüs bauen. Nach einigen Wochen erhielt er einen Brief seiner Tochter, in dem sie ihn bat, seine Einwilligung zu ihrer Verheiratung mit dem Böhrmeister zu geben. Sie versprach, Jüdin zu bleiben, wenn er ihre Bitte erfüllte. Wolf beantwortete das Schreiben nicht. Er faßte den Plan, ein Asylhaus für arme jüdische Greise zu bauen und widmete sich ganz diesem Werke. Nach einiger Zeit kam wieder ein Brief Goldes, in dem sie ihre Bitte wiederholte. Auch diesen Brief ließ Wolf unbeantwortet. Jetzt spendete er eine Thora fürs neue Bet-. haus. 1 Nach einigen Monaten berief der Samborer Rabbi Wolf zu sich und sagte ihm:. „Deine Tochter hat einen Boten zu mir geschickt. Sie bittet mich, daß ich ihr Peine Verzeihung erwirken soll, Ihr Liebhaber, den es nur nach Deinem Gelde gelüstete, hat sie nunmehr, als er von Deinen Stiftungen, erfuhr, verlassen und sie lebt in großer Not. Willst Du sie im Elend lassen?" „Ratet mir, was ich tun soll, und ich will danach handeln," rief Wolf aus. „Bedenke, daß. sie jung und verblendet war." versetzte der Rabbi mit Wärme, „sie hat ihren Fehler eingesehen. Ich rate Dir, daß Du sie an einen frommen Mann verheiraten sollst." „Es sei," rief Wolf nach kurzer Ueberlegung. „Sie hat keinen Gelehrten, sondern einen Ar- . beter zum Mann haben wollen, Ihr Wunsch soll in Erfüllung gehen. Es gibt auch jüdische Arbeiter!" . - Unter den Grubenarbeitern Boryslaws war damals ein sehr frommer Mann beschäftigt, den Wolf zu seinem Schwiegersohn erkor. Dieser willigte ein und hatte es nicht zu bereuen, denn Golde wurde eine brave Ehefrau. Sie gewann die Achtung Aller wieder, denn an ihrer ehrlichen Reue und Buße war nicht zu zweifeln. Die Vereinigung der Familie Eger, Zu diesem Aufsatz in Nr. 40/41 unserer . Zeitung und dem Satze: „den Teilnehmern wurde eine Elegie in Neuabdruck überreicht, die 1837 nach dem Tode des R, A, Eger von Juda Davidson, aus . Guttstadt, der sonst nicht bekannt , ist, verfaßt wurde," wird uns geschrieben: : Guttstadt ist eine Stadt in Ostpreußen, in der. Nähe von All enstein und hatte« ehemals feine verhältnismäßig stattliche und fromme Gemeinde. Hier haben sich auch die ersten Juden im Bistum Ermland niedergelassen. In der „Geschichte der jüdischen Gemeinde zu Guttstadt" schreibt der verstorbene dortige Prediger Felix Halpern über den Kantor Juda Davidsonn: „in religiöser Beziehung würden die alten Traditionen in Treue aufrechtzuerhalten. Der G'ttesdienst wurde nach wie vor dreimal; tä^ abgehalten . . . Die einzige::Neuerung im G'ltesdienste war die Einfügung einiger •deutscher Gebete, trotz-, dem sich seiner Zeit einige Mitglieder anfangs da-J gegen sträubten, Weil sie auf dem Altar des Herrn: ,,kein fremdes Feuer'1 dulden mochten. Sie,: wurdea( in diesem Bestreben von dem Kantor Jilda Davidsohn unterstützt. Erst als dieser am 25. Februar 1859 im Alter, von 80 »Jahren starb, haben die deutschen Gebete eine dauernde Stätte im Gottesdienste gefunden."7: 1 Dr. W.

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