Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1938)
- Date
- 1938-11-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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3. November 1938 Oer Israelit Nr. 44 Seite 9 E ISRA Ein Monat des religiösen Chittttueh. Jerusalem, 29 Oktober Ungeachtet der schweren Lage geht das normale Leben in Stadt und Land weiter und auch das geistige Leben kommt nicht ins Stocken. Auf einer Sitzung der Schulleiter war beschlossen worden, den Monat Tischri als Monat für religiösen Chinnuch zu proklamieren. Die Rabbinen Erez Israels unterstützten diese Aktion, die auch in befriedigender Weise durchegfühft wurde. Zwei Opier aus den «Reihen der Agudas Jisroel. Jerusalem, 29. Okt. Unter den Märtyrern der letzten Üeberfälle befinden sich auch die judischen Polizisten Israel Fuchsmann und Hirsch Chazkilewitz in Tiberias Beide junge Leute kamen aus der Jeschiwa und waren in Erez Israel aktive Mitgliederd er Zeire- und Poale Agudas Jisroel. Am offenen Grabe sprach im Namen, der Agudas Jisroel Rabb. M. B 1 a u. Der Sadagorer Rebbe in Erez Israel. Tel Awiw, 31. Oktober Der Sadagorer Rebbe, Rabbi Friedmann, von dessen Ausreise nach Erez Israel wir bereits gemeldet haben, ist in Tel Awiw angekommen und von vielen Hunderten mit Enthusiasmus empfangen worden. Er nimmt seinen ständigen Wohnsitz in Tel Awiw. Gerer Chassidim in Erez Israel. Jerusalem, 30. Okt. In Tel Awiw wurde eine Organisation unter dem Titel „Hitachduth Chasside Ger" gebildet, mit dem Zwecke, für die wirtschaftlichen und materiellen Interessen der Gerer Chassidim zu sorgen, wie auch aktiven Anteil an den religiösen Bestrebungen in Erez Israel zu nehmen. Eine zweite &haliche Organisation wurde auch in J e ru.s a 1 e m ins heben gerufen. Arbeitslosigkeit in Palästina aui die Hälfte gesunken. Jerusalem, 29. Okt. In einer Sitzung des Zentralen Arbeitsbüros der Histadruth wurde berichtet, daß die Zahl der jüdischen Arbeitslosen während des letzten Monats um mehr als die Hälfte gefallen ist. Die Gesamtzahl der jüdischen Arbeitslosen im Lande beträgt jetzt 4000. Ferner wurde bei der Sitzung berichtet, daß jüdische Arbeiter in den vergangenen sechs Monalen Arbeiten für die Regierung und die Militärbehörden ausgeführt haben, deren Kosten ungefähr eine halbe Million Pfund betrugen. (Palcor.) Juden bei öffentlichen Arbeiten. Jerusalem, 30. Okt. Im Jahre 1937 beschäftigte die Regierung Arbeiter an, nahezu 13U Millionen Arbeitstagen. Im Jahre vorher hatte die Zahl der Arbeitstage nur etwa \]/, Millionen betragen. Die von der Regierung gezahlten Arbeitslöhne erreichten im Jahre 1937 Lst. 329 000 gegenüber Lst. 280 000 im Vorjahre. Der Anteil der Juden an diesen Arbeiten ist wohl, absolut genommen, gestiegen, prozentual genommen aber gesunken. Ihr Anteil an Arbeitstagen betrug im Jahre 1936 223 000 (16 Proz.), und im Jahre 1937 233 000 (13 Proz.). Der Anteil der Juden am Arbeitslohn war höher, 1936 Lst. 84 000 (30 Proz.), 1937 Lst. 86 000 (26 Proz.). Die ungefähr doppelt so hohe Beteiligung der Juden am Lohn rührt daher, daß sie meist bei Facharbeiten beschäftigt werden. Uebrigens erreicht auch die Beteiligung an der Lohnsumme noch nicht die dem jüdischen Anteil an der Bevölkerung entsprechende Höhe. Meist macht die Regierung ihre Arbeiten in eigener Regie, und nur selten vergibt sie sie an Unternehmer. Allerdings hat die Regierung in letzter Zeit die Unternehmer mehr als früher herangezogen, und das gibt den Juden eine bessere Gelegenheit zur Beteiligung an diesen Arbeiten. Die Juden arbeiten etwa viermal so häufig, bei Unternehmern, die für die Regierung Aufträge ausführen, als unter der Regie der Regierung selbst. Die Lohnbedingungen haben sich im Jahre 1937 gegenüber 1936 verschlechtert. Der mittlere Arbeitslohn des Juden, der beim Unternehmer für die Regierung arbeitete, betrug im Jahre 1936 noch 40 Piaster pro Tag, im Jahre 1937 nur 36 Piaster. Allerdings stiegen gleichzeitig die Durchschnittslöhne für Arbeiten in der Regie der Regierung ein wenig (von 3.6 Piaster auf 38 Piaster). Die Arbeitslöhne der Araber änderten sich währ.end dieser Zeit nicht. Der mittlere Tageslohn ist dort unter Regie der Regierung 16 Piaster, beim Unternehmer 18 Piaster. Jüdische Boden-Politik in Palästina. Das neue, soeben erschienene Werk von Dr. A. Granovsky (Hozaah iwrith, Jerusalem), ist in mehrfacher Beziehung von Bedeutung. Vor dreizehn Jahren hat der Verfasser sein erstes Buch zur Bodenfrage („Probleme der Bodenpolitik in Palästina") erscheinen lassen. In dieser Zeit hat der jüdische Aufbau Palästinas im allgemeinen und das Bodenproblem im besonderen eine starke Entwicklung genommen und mannigfache Wandlungen erfahren. In seinem neuen Buch zieht Dr. Granovsky gewissermaßen das Fazit seiner Tätigkeit, die sich auf fast zwei Jahrzehnte erstreckt und nicht nur eine theoretische war. In den letzten fünfzehn Jahren hat der Verfasser auf die praktische Gestaltung der Bodenpolitik in Palästina einen maßgebenden Einfluß genommen. Wie sich nun Theorie und Praxis in all' diesen Jahren in bezug auf das zentrale Bodenproblem gestaltet hat, geht aus dem jüngsten Werk Dr. Granovskys hervor. Einen besonderen Vorzug seines Buches muß man in der kritischen Einstellung des Autors zu manchen Seiten der Bodenpolitik, ihren Ergebnissen und Mißerfolgen erblicken. Sagt er doch in der Einleitung selbst: „Es beeinträchtigt die Größe des Geleisteten in keiner Weise, wenn wir offen zugeben, was zu erreichen uns nicht beschieden war." Die enge Verbindung zwischen Einwanderung und Bodenerwerb wird unter den „trei-' benden Faktoren" an Hand unwiderleglicher Tatsachen und Daten nachgewiesen. Die zweimalige starke Einwanderung nach dem Kriege (1924/1925 und 1933/1935) hat dies in einer Weise illustriert, die von niemandem übersehen werden kann. Das Problem von „Dori und Stadt", in seiner fundamentalen Bedeutung für die Durchsetzung unserer nationalen und sozialen Ziele, findet eine interessante Beleuchtung, wobei auf die Wichtigkeit des Bodens gerade bei diesem Problem hingewiesen wird. Das Dorf als landwirtschaftliche Grundlage und der Boden für dasselbe standen und stehen im Vordergrund; aber für das Glück und Wohlergehen der jüdischen Gemeinschaft ist eine gesunde Bodenpolitik in der Stadt unentbehrlich. Die Entwicklung der Bodenpreise und die Bodenspekulation in Palästina werden, unseres Wissens zum ersten Male in dieser Ausführlic-hkeU und Präzision, behandelt. Die verheerenden Folgen der Bodenspekulation, besonders in den Städten, ihre Auswirkung auf die Lebenshaltung der breiten unbemittelten Massen, die Erschwerung einer gesunden nationalen Bodenpolitik — auch auf dem Lande — werden in der sachlichen, scharfen und völlig objektiven Darstellung des Verfassers zu einer Anklage, die von allen, die es angeht, gehört werden sollte. i Personalien. Zur ersten Jahrzeit für Generalkonsul Sally Guggenheim ^"ST* Basel, 1. Nov. Man schreibt uns; Wie vor einem Jahre, so stehen wir auch heute vor dem „frischen" Grabhügel des unvergeßlichen Herrn Sally Guggenheim s. A., und der tiefe Schmerz, den sein allzufrüher Heimgang auslöste, hat sich in den Kreisen der Schweizer Judenheit noch kaum gelindert. Das Leben dieses großen jüdischen Philanthropen gipfelte in dem Satze der Psalmen B'Ti npa , „daß nur bei G'tt die Quelle des Lebens -ist", und so war sein' Leben eine höhere Form irdischen Daseins. Ein solches Leben wird bei seinem Abschluß erst recht weiten Kreisen zum Segen gereichen. Sally Guggenheim hat in seinem Leben stets den „Durstigen das Wasser und den Hungrigen das Brot gereicht", und immer hat er sein Ohr und sein Herz dem Hilfesuchenden weit geöffnet, so daß die Herzen seiner Freunde ihm entgegenschlugen und besonders derer, die in der Interessen- und Arbeitsgemeinschaft für die und in der Agudas Jisroel sich mit ihm fanden. Seine organisatorische Fähigkeit, sein ethisches Fühlen, sein begnadigter Scharfblick und vor allem seine tiefe Religiosität, die die Krönung seiner ausgeglichenen, harmonischen Persönlichkeit bedeutete, hatte ihn für den Geschäftsführenden Ausschuß der Agudas Jisroel prädestiniert, so daß noch kurz vor seinem Heimgang dieser „gudistische Außenminister" der Orthodoxie einen unschätzbaren Dienst erwiesen hat. Unbeschreiblich sind jedoch die sozialen Guttaten Sally Guggenheims, sein außerordentlich ausgeprägtes Gemilus Chessed-Gefühl, durch das er den Schweizer Juden das Geben lehrte. So half er, die Heilstätten YOn Davos und Leysin wie auch die Talmudhochschule in Montreux mitbegründen, die er alle bis zuletzt mit reichen Gaben bedachte. Auch die herrliche Synagoge in der Ahornstraße in Basel — wie überhaupt die Religionsgesellschaft in Basel — war sein ureigenstes Werk. Sein Haus in Allschwil machte er zusammen mit seiner gleichgesinnten, immer hilfsbereiten Gattin, zu einem wahrhaften wmnb njn rra» in dem der fürstliehe Kaufmann seine Freude und sein Glück suchte und fand. Jedem Lob und jeder Anerkennung abhold, vertrat er unbeugsam und fest die Prinzipien seiner Anschauung. Mit welcher Liebe konnte er sich dem Talmudstudium hingeben, dem seine ganze freie Zeit gewidmet war/ — Ein Jahr ist vergangen, seit die Vorsehung ihn uns nahm. Aber heute noch, oder heute noch mehr als damals, lebt sein Geist in unserer Mitte und wirkt sich zum Segen aus. Joseph Heidingsfeld.. Berlin, 1. Nov. In körperlicher und geistiger Frische vollendet in diesen Tagen Frau Flora S a u 1 geb. Hirsch aus Hamburg ihr siebzigstes Lebensjahr. Sie stammt aus der, der älteren Generation noch gut bekannten Hamburger Familie Meier und Sara Hirsch ti"v. Der Vater hat als würdig'er Caan vnbn, gleich hervorragend als Mensch und als Jehudi weit über die Grenzen Hamburgs hinaus, Verehrung und Hochachtung genossen, unterstützt von der ->ry der treuen Gefährtin seines Lebens. In diesem schönen, echt jüdischen Haus, einem wahren -^-sn1? ivi rv>a das den Armen und den des Schutzes Bedürftigen stets gastlich geöffnet war, ist sie aufgewachsen. Dort 1 war auch, im „zweiten Durchschnitt", wie die Straße vor 70 und 60 Jahren genannt wurde, die erste Synagoge des Grindelviertels. Die Eindrücke der Jugend und die im Elternhause gewonnene Richtung sind der Jubilarin nun in ihrem, an Sorgen und Kümmernissen reichen Leben, zur festen Richtschnur geworden. Nach dem allzu frühen Heimgang ihres Gatten, Hermann Saul ^"st, der die unwandelbare Bereitschaft für das im Dienste G'ttes zu betätigende Gute verkörperte und den sie während der Jahre schweren Leidens mit beispielloser Hingebung gepflegt hat, verdoppelten sich ihre Kräfte. Sie hat es verstanden, ihre Kinder, für die sie die größten Opfer zu bringen niemals müde wurde, in vorbildlicher Weise zu erziehen. Waren ihr auch seit dem Tode ihres treuen Lebensgefährten Kümmernisse und Aufregungen in reichlichem Maße zugewiesen, sie hat sie gemeistert und vergessen, den« so groß, lebt in ihr das starke G'ttvertrauen. Da sie nun in das Alter der würdigen Greisin tritt, möge sich an ihr das Segenswort erfüllen: 'TV ca'»w»n erswn nrwa paup nw daß fromme Menschen nicht altern und auch als Greise noch Früchte tragen. Karlstadt a. M., 24. Okt. In diesen Tagen verließ Herr Alfons Süßer und seine Ehefrau Recha unsere Gemeinde, um sich in USA. eine neue Heimat zu suchen. Unsere kleine n^np verliert damit eines seiner treuesten und wertvollsten Mitglieder, dessen Scheiden eine tiefe Lücke zurückläßt. Nicht nur, daß Herr Alfons Süßer ein großer v~> ist, der seine min» r->arro täglich durch rvnn - Lernen in die Tat umsetzte, widmete er seine Kraft als fibsn i>sn, als svs "-r-a und als Vpm ^ya in uneigennütziger, meisterhafter Weise unsere abas. So begleiten ihn unsere herzlichsten Segenswünsche.