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Der Israelit · 1938-11-03 · Heft 44 (3.11.1938) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 44 (3.11.1938)
Date
1938-11-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 44 Der Israelit; .. . i 3. November 1938 Kälte schutzlos preisgegeben. Ihnen Nahrung, Wärme und Licht zu sichern, ist unsere heilige Pflicht. Die Israelitische Kultusgemeinde Wien bereitet das Werk der Jüdischen Winterhilfe vor. Die Ausspeisungsaktion, welche derzeit 15 000 "Personen täglich das Allernöiwendig5sie bietet, wird weitere Zehntausende erfassen müssen. Viele unserer Brüder müs sen bekleidet werden, unzählige Haushalte sind da rauf angewiesen, ihre Kohle von der Gemeinde zu erhalten. Kinder, Kranke und Sieche dürfen nicht hilflos sich selbst überlassen bleiben. Von einer Gemeinschaft gestaltet, von dem gleichen Schicksal betroffen, bilden wir eine Gemein chaft, die nur durch irinige Verbundenheit in der Lage sein wird, ihre Zukunft vorzubereiten. Jeder von uns ist verpflichtet, seinen ganzen Einsatz zu leisten, um die Not zu lindern und den Hunger zu stillen. Nur das Bewußtsein der erfüllten Pflicht kann uns die Kraft und die Ruhe geben, die erforderlich sind, um ein neues Leben aufzubauen. An alle Gemeindemitglieder ergeht der Ruf, mitzuarbeiten und zu helfen. Die strenge Winterszeit steht vor der Türe! An uns liegt es, ihre Härte zu mildern und erträglich zu gestalten. Notleidende Brüder warten auf unsere Unterstützung, die Gemeinde ruft, helfet mit das jüdische Winterhilfswerk aufzubauen und auszugestalten!" Tschechoslovakei, Die Zahl der Juden in Karpathorußland, Prag, 1. November. Mit Hinblick auf die vor sich gehenden Verhandlungen über Karpathorulfland ist interessant zu wissen, daß nach der tschechischen Volkszählung von 1930 die Zahl der Juden (nach der Konfession gezählt), im Lande über 100 000 oder 14 Proz. beträgt. Sie bilden einen hohen Prozentsatz der städtischen Bevölkerung. So wurden in Uschhorod rund 19 Proz., in Murkatschewo fast 42 Proz. Juden gezählt. Belgien* Jüdische Flüchtlinge in Belgien. Brüssel, 1. November. Mitdem Emigrantenproblem befaßt sich die Presse in letzterer Zeit sehr eingehend. Belgien möchte sich im wesentlichen als 'Durchgangsland betrachtet wissen und sieht die beste Möglichkeit, den eigenen Arbeitsmarkt vor Erschütterungen durch eine erhöhte Einwanderung zu bewahren, darin, die Aus Wanderung der Flüchtlinge zu organisieren. Diese Aufgabe liegt jedoch nicht beim Staate, sondern in den Händen eines Ausschusses, der auf private Spenden angewiesen ist. Vom April 1933 bis zum April 1938 hat dieser Ausschuß etwa 5000 Flüchtlinge unterstützt und dafür über zehn Millionen Francs aufgewandt. Außerdem hat er in den Vereinigten Staaten, Südamerika, Südafrika, Australien, China und anderen Ländern Arbeitsmöglichkeiten ausfindig gemacht und sie den Emigranten vermittelt. In einer eigens eingerichteten Schule sollen die Emigranten in den Berufen ausgebildet werden, für die in den überseeischen Ländern Nachfrage besteht. Seit März 1938 haben sich die Ausgaben so vermehrt, daß sich der Ausschuß mit der Bitte um Hilfe an die Regierung wenden mußte. Die Regierung hat daraufhin an zwei Orten Unterkunftsmöglichkeiten für insgesamt 1400 Emigranten zur Verfügung gestellt. Der Ausschuß hat sich dagegen verpflichtet, für ihren Unterhalt zu sorgen, dessen Kosten auf jährlich zehn "Millionen Francs veranschlagt werden. Ob diese Regelung ausreicht, erscheint im Augenblick zweifelhaft. England. Eine Palästinakonferenz des gesetzestreuen Judentums in England. London, 30. Okt. Im Zusammenhang mit der neu geschaffenen Situation in Erez Israel haben die drei religiösen Körperschaften in England, Agudas Jisroel, Agudas Harabanim und Keren Hajischuw für Donnerstag eine größere Konferenz einberufen, an der auch Vorsteher von Institutionen und der Jüdischen Gesellschaft teil nähmen. Den Referaten ging eine kurze Gedenkfeier für die Märtyrer in Erez Israel voran. H. A. Goodman sagte in seiner Eröffnungsrede: In dem entscheidenden Momente für Erez Israel muß die Stimme des religiösen Judentums gehört werden, Erez Israel ist für uns nicht ein nationales Experiment, sondern ein wesentlicher Teil unseres Volkslebens. Es ist zu bedauern, daß die Roundtable-Konferenz nicht zustande gekommen ist. Redner glaubt nicht, daß die Technische Kommission den Teilungsplan akzeptieren wird. Kommt er aber zur Ausführung, dann muß das religiöse Judentum wie ein Mann für die Sicherstellung der religiösen Prinzipien der Thora als Grundlage für den jüdischen Staat eintreten, umsomehr, als die zionistischen Führer bekanntlich die Forderungen von Aguda und Misrachi nach dieser Richtung abgelehnt ■ Kleidungsstücke u.Möbel für Auswanderer?? || Ist das eine komplette Ausrüstung? Wer wollte das behaupten! Der Einwanderer kommt in' andere Verhältnisse. Die Bewältigung der verschiedenen Schwierigkeiten erfordert stets von neuem seelische Wiederauffrischung. Aus dem Kraftborn jüdischen Schrift- Wztums ist besonders o^nn, mit der volkstümlichen, Hl mitreißenden und die Emunoh stärkenden, umfassen- den Erklärung von Rabbiner Samson Raphael Hirsch §j§| ^"xt zu empfehlen. — Schenken Sie Ihren auswan- §§|| dernden Freunden und Verwandten, und kaufen Sie ffür sich das in ansprechender Aufmachung bei uns erschienene tso zum Preis von RM. 9__, — Es ist Hl auch als Geschenk zu jedem- Anlaß geeignet. — Fordern Sie unser Verlagsverzeichnis an. Sie finden f=§ darin eine Fülle von Bänden, die bleibenden Wert IS besitzen und das zeitgemäße Geschenk darstellen. ISRAELIT und HERMON ■ Jüdischer Buchvertrieb B Frankiurt/M. Hans Hand wer kstr. 25a HÜ SB haben. Unsere Bestrebungen gehen nicht dahin, den Teilugnsplan zur Ausführung zu bringen, sondern die Möglichkeit einer friedlichen Lösung des Problems zu finden, unter voller Berücksichtigung der Rechte und Interessen beider Völker. Nach weiteren Begrüßugnen ergreift Jacob R o - Senheim das Wort; „Erez Israel ist unser Land weil G'tt selbst, der Schöpfer der Welt, es uns als Heimat gegeben hat. Unser Recht auf Erez Israel basiert nicht auf späten Deklarationen oder nationalen Aspirationen, wie es andere meinen. Es ist degrößte Fehler der jüdischen Führer, daß sie statt mit der Bibel, dem ältesten Dokumente der Mersch heit, mit anderen, minder kräftigen Rechtsmotiven operieren. Darin allein ist der Grund der vielfachen Mißerfolge 2u suchen." Jacob Rosenheim erläutert nun im Einzelnen die Stellung des religiösen Judentums zum Teilungs plane, die die dritte Kenessio Gedaulo' in Marienbad in aller Deutlichkeit präzisiert hat. Das religiöse Judentum ist gegen den Plan; aus politischen, ökonomischen und sozialen Gründen, auch aus dem Grunde, weil ein jüdischer Staat, der nicht auf der Thora basiert, keinen Bestand haben kann. Die Be hauptung, die Aguda habe bei der Teilungskommis sion getrennte Gemeinden verlangt, muß entschie den zurückgewiesen werden. Was die Aguda ver langt hat, das ist ein ganzes Erez Israel nach den Grundsätzen der Thora, worin sich Aguda auch mit Misrachi einig weiß. In der Fortsetzung seiner Rede bespricht Jacob Rosenheim die derzeitige jüdische Lage in der Welt, die uns die Erkenntnis von der g'ttlichen Vorsehung geradezu aufdrängt. Er drückt zuletzt die Hoffnung aus, daß die Balfourdeklaration unberührt bleibt und ein Weg der Verständigung zwischen Juden und Arabern mit Hilfe der englischen Regierung gefunden w. rd. In den weiteren Ausführungen der anderen Redner kommt wiederholt die Erbitterung über die zionistischen Führer zum Ausdruck, die in dieser schweren. Stunde für die jüdische Zukunft den Wunsch einer geeinten jüdischen Front abgelehnt haben. Eine Resolution im Sinne der. Referate wird einstimmig angenommen. Eine Delegation der Agudas Jisroel wird diese Resolution der englischen Regierung unterbreiten. Prominente englische Führer, u. i. Colonel W e dg e w o o d , schickten Begrüßungstelegramme an die Konferenz. Aus einer Rede Weizmanns. L o n d o n , 30. Oktober. Am Dienstagabend, 25. Oktober, sprach in einer großen jüdischen Kundgebung in London der Präsident der Exekutvie der Jewish Agency, Dr. Chaim W e i z m a n n, über die aktuellen Proble nve Palästinas. Weizmann begann mit einem Hinweis auf die Gerüchte über die bevorstehenden Aenderungen in der Palästina-Politik der britischen Regierung und erörterte dann die Maßnahmen, die von der Verwaltung Palästinas in den letzten zwei Jahren getroffen worden sind. Er sprach weiter von der jetzt erfolgten Besetzung Jerusalems, einer Aktion, bei der glücklicherweise kein einziger englischer Soldat ums Leben gekommen ist. Noch wisse man nichts über die Palästina-Politik, die künftig eingeschlagen werden solle. Demgegenüber sei die Auffassung der Jewish Agency von absoluter Klarheit. Mit besonderer Betonung unterstrich Weizmann die Wichtigkeit der jüdischen Einwanderung nach Palästina. Diese müsse ohne Einschränkung fortgesetzt werden. Mehr als zweihunderttausend Juden seien nach 1918 in Palästina eingewandert im Vertrauen darauf, daß sie ihre Kräfte dauernd dem Aufbau des jüdischen Nationalheims widmen könnten. In den Ländern Europas gebe es eine Million Juden, für die Palästina die einzige Hoffnung auf Einwanderung bedeute. Unannehmbar sei auch jede Lösung, die die Juden für alle Zukunft in den Status einer Minderheit versetze. Das sei ein Modus, der sich mit dem Charakter _ des jüdischen Nationalheims nicht vereinbaren lasse. Dr. Weizmann gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß es eine große Anzahl Araber gebe, deren Wunsch es sei, an der friedlichen Entwicklung Palästinas mitzuwirken und eine fruchtbare Zusammenarbeit mit den Juden zu suchen. Richtig sei allerdings, daß die Stimme dieser friedlichen Araber im gegenwärtigen Augenblick nicht zu hören sei. Er glaube aber, die Zeit werde kommen, in der die jüdische Bevölkerung in Palästina mit dem arabischen Nachbarn in gegenseitigem Frieden und in Eintracht werde leben können. Weizmann richtete an das jüdische Volk die Aufforderung, die Hoffnung auf eine seinen Interessen entsprechende Regelung in Palästina nicht aufzugeben. Von entscheidender Bedeutung sei, daß die Arbeit in Palästina fortgesetzt werde. Vermischtes. Berlin, 2. Nov. Die Religiöse Auswanderer-Betreuung Agudas Jisroel Berlin, N. 4, Johännisstr. 8, schreibt: Für Mandschuko wird ein Schocket und Mohel gesucht. Interessenten belieben uns Bewerbungspapiere, Zeugnisabschriften (alles auf Luftpostpapier) nebst Photographie zum Zwecke der Weitergabe zu übersenden. Mülheim (Ruhr), 1. Nov. Am Jomkippur fand die Schlußfeier der im Jahre 1907 erbauten großen Synagoge statt, die von der Gemeinde infolge ihrer finanziellen Lage nicht mehr gehalten werden konnte und durch Verkauf in den Besitz der Städtischen Sparkasse übergegangen ist. Lehrer Emanuel hielt die Schlußpredigt. Die Synagoge war zu einer Zeit errichtet worden, als die Gemeinde 800 Seelen zählte. Die Gemeinde umfaßt heute etwa 250 Seelen und wird in ihrem Gemeindehause einen für G'ttesdienst und jüdisch-kulturelle Zwecke geeigneten größeren Raum herrichten. Schupbach (Oberlahnkreis), 30. Okt. Unsere nocH aus fünf Familien bestehende Synagogengemeinde1 hat am Jomkippur ihren letzten G'ttesdienst abge-( halten, da demnächst drei Familien auswandern und die Synagoge verkauft wurde. Die einst große Gemeinde war schon seit vielen Jahren auf diesen kleinen Bestand zurückgegangen. Der zurzeit noch lebende älteste geborene Schupbacher, Herr Sally Kahn, Frankfurt a. M., wohnte, diesem G'ttesdienste bei und trug das Neüa-Gebet vor.- -

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