Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 44 (3.11.1938)
- Date
- 1938-11-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 44 Der Israelit 3. November 1938 „Wir gaben," sagte Chamberlain.. ,vder Ansicht Ausdruck, daß diese Flüchtlinge, sofern sie wandern, ebenfalls aus diesem zehn Millionen Pfund-Fonds unterstützt werden sollen." Der Minister fuhr dann fort: „Wir stehen hier einem verhältnismäßig neuen Problem gegenüber, das hinausgeht über die Frage der tschechoslovakischen Flüchtlinge. Wir stehen der Schwierigkeit gegenüber, daß immer mehr Menschen sich plötzlich im Zustande der Staatenlosigkeit befinden. Sie müssen aus dem Lande hinaus, in dem sie ihren Wohnsitz hatten und andere Länder haben keine große Bereitwilligkeit gezeigt, sie aufzunehmen, Die Intergovernmental Commission, deren Präsident Lord Winterton ist, hat die Pflicht, sich mit dieser Frage zu beschäftigen. Unfreiwillige Emigranten aus dem Sudetenlande werden in der gleichen Weise behandelt werden müssen, wie andere Auswanderer aus Deutschland, für welche sich das Committee bereits interessiert. London, 29, Okt. Die am Donnerstag bekanntgegebene E i n - wanderungsschedule für das Winterhalbjahr J.938/39 umfaßt im Ganzen 3800 Zertifikate, zu denen freilich noch die Angehörigen der Inhaber der Kapitalisten- und Arbeiterzertifikate kommen. Im einzelnen werden in diesem Winterhalbjahre 2000 Zertifikate für Kapitalisteneinwanderer , 1000 Zertifikate für Arbeiter-Einw an derer und 800 Zertifikate für Verwandtenanforderung ausgegeben. Die Kapitalisten- und die Arbeiter-Zertifikate berechtigen, wie schon New York, 30. Okt. Als Ergebnis der amerikanischen Proteste gegen die angeblichen Absichten Großbritanniens, das Palästinamandat grundlegend zu verändern, soll die. britische Regierung nunmehr, wie sich die „New York Times" heute aus London telegraphieren läßt, beabsichtigen, zu dem Prinzip der ökonomischen Aufnahmefähigkeit des Landes für die jüdische Einwanderung zurückzukehren. Eine jüdische Einwanderungsquote zwischen 12 000 und 25 000 Seelen jährlich wird für die Zeit, während deren eine endgültige Jerusalem, 2. Nov. Zu den aufregenden Ereignissen der letzten Tage gehört die Ermordung des jüdischen Bürgermeisters von T i b e r i a s, Zaki El Hadeff. Der Bürgermeister wurde am hellen Mittag von drei Banditen überfallen, die mehrere Schüsse auf ihn abgaben. Am Sonntag erlag er seinen Wunden. .Als Folge dieses Ueberfalls wurde ein Ausgehverbot für den ganzen Tag über die Altstadt von Tiberias verhängt. Im Norden Palästinas wurden im Zuge der militärischen Operationen mehrere Terroristen getötet. Dabei wurden auch vier englische Offiziere und Soldaten schwer verwundet, von denen zwei ihren Verletzungen erlagen. Bei einem Ueberfall auf eine Gruppe jemenitischer Arbeiter wurde der 25jährige Israel Tarn «ms der Jemenitensiedlung „Tirath Schalom" getötet. Auch ein Araber fand bei diesem Ueberfall den Tod. Einen Angriff auf die jüdische landwirtschaftliche Schule „Mikwe Israel" konnten die jüdi- Ob es in der Zukunft' möglich ist, ein Projekt zu beginnen von den Dimensionen, wie es Mr. Attlee ins Auge faßt, das ist offensichtlich eine Frage, mit der ich mich hier nicht befassen kann. Sie betrifft nicht dieses Land allein. England hat nicht die Gebietsstrecken und nicht die Gelegenheit, große Zahlen von Immigranten anzusiedeln. Aber die Frage ist eine, welche die ganze Welt betrifft, und ich bin sicher," schloß Chamberlain, „wir alle vereinigen uns in der Hoffnung, daß irgend eine Lösung gefunden werden möge, welche die Leiden dieser unglücklichen Menschen mildert." Entgegen anderslautenden Gerüchten wird bekanntgegeben, daß Kolonialminister Mac- Donald, der als Nachfolger des verstorbenen Dominienministers Lord Stanley berufen wurde, seinen Posten als Kolonialminister weiter beibehält. bemerkt, zur Mitnahme von Frau und Kindern unter 18 Jahren auf ein Zertifikat, während die Verwandten-Zertifikate für Einzelpersonen bestimmt sind, d. h. für jede Person ein besonderes Zertifikat benötigt wird. Die Zertifikate für Schüler und Studenten, zu denen auch die Jugend-Ali ja gehört, sind nicht numerisch begrenzt. Die Zahl der für diese Kategorie auszugebenden Zertifikate hängt von der Erfüllung der allgemeinen Bestimmungen ab, die für diese Kategorie gültig sind, d. h. von der Zahl der in Palästina zur Verfügung stehenden Unterbringungsplätze und von den erforderlichen finanziellen Nachweisen. Entscheidung über den politischen Charakter Palästinas noch nicht zustande gekommen ist, festgesetzt werden. Das Blatt fügt hinzu, daß die endgültige Entscheidung sich wohl nach der Richtung hin orientieren wird, daß man getrennte arabische und jüdische Kantone unter britischer Kontrolle einrichtet, wobei dem jüdischen Kanton das Recht gegeben würde, seine eigene Einwanderung je nach den Umständen zu regulieren. (Siehe auch Artikel auf Seite 3.) sehen Ghaffirim zurückschlagen, wobei aber leider zwei Schüler schwer verwundet würden, von denen der 17jährige Dow Schäffer aus Kowno bald verstarb. Bei den Säuberungsoperationen, die am letzten Dienstag in der Umgebung von Haifa vorgenommen wurden, fand auch der arabische Dichter Nur Effendi Ibrahim Abdullah, der die Aufständischen durch seine Lieder begeisterte und anstachelte, den Tod. Seine Leiche wurde am Donnerstag in der Nähe von Tamra entdeckt. In Jaffa führten Unruhen in der Nacht zum Montag zu einer durchgreifenden militärischen Aktion und Verhängung eines/Ausgeh verbot es für den Tag und die Nacht. In verschiedenen Teilen der Stadt finden Durchsuchungen statt, besonders auch in der O r a n - gengäften vor der Stadt, die den Terroristen als Operationsbasis dienen. Der MiHtärkordon zwischen Jaffa und Tel Awiw wurde wesentlich verstärkt. Hier wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Von zwei verwundeten Arabern ist einer am Montag mittag gestorben. Andere kleine Ueberfälle sind zu verzeichnen, doch muß die Lage im Vergleich zu den blutigen Unruhen der Vorwochen als gebessert angesehen werden. Arabischer Generalstreik in Jerusalem. Jerusalem, i, Nov. Der vor einigen Tagen angekündigte arabische Generalstreik setzte in Jerusalem am Dienstag, den 2. November, ein. Der Geschäftsstreik wird bis Freitag dauern, die Dauer des Verkehrsstreiks ist ungewiß. Die Ladenbesitzer der Jerusalemer Altstadt haben ihre Geschäfte teilweise geräumt. Schon am frühen Morgen begann eine außerordentlich scharfe militärische Kontrolle der Privatautos nach Identitätskarten und Autopässen. Das Oberkommando hat den Tankstellen die Anordnung erteilt, Benzin nur gegen Vorweisung der vom Militär ausgestellten Autopässe zu liefern. Ueber den Verkauf des Benzins unter Eintragung, der Paßnummer des Käufers ist ein Register zu führen. (Weitere Berichte siehe Erez Israel, S. 9.) Die ständige Mandatskommission und die Einwanderung.; Genf, 24. Okl. Die Ständige Mandatskommission des Völkerbundes trat heute unter Vorsitz vaa Orts zu einer Sitzung zusammen. Es fand eine kurze Debatte über den im September von der Kommission an den Völkerbundsrat erstatteten Bericht über Palästina statt. Der Vorsitzende berichtete ausführlich über die Beratungen der Tagung und insbesondere das vom Rat an den Tag gelegte Interesse betreffend die Bestimmungen des Mandats in Bezug auf jüdische Einwanderung. Lord Hailey, der englische Vertreter, führte aus, daß infolge der Debatte bei der erwähnten Tagung, des Rates ein Streit darüber entstanden sei, ob die Beschränkung der Einwanderung einen Mandatsbruch darstelle. Er wünsche aber, daß bei Gelegenheit der nächsten Behandlung der Palästinafrage' in der Mandatskommission die Möglichkeit gegeben werden soll, diesen wichtigen Punkt einer erneuten: Prüfung zu unterziehen. Mittlerweile ziehe er es vor,, seine Meinung zu reservieren. Der Vorsitzende erwiderte darauf, daß der Bericht der Kommission die Meinung des gesandten Gremiums ausgedrückt habe und erinnerte Lord Hailey, daß auch er dafür gestimmt habe. Lord Hailey sagte,- daß er keineswegs beabsichtige, dem Bericht der Kommission eine neue Interpretation zu geben; er wünsche nur Gelegenheit zu haben, den erwähnten Punkt zur Diskussion zu stellen Es ist wahrscheinlich, daß im Laufe der geschlossenen Sitzungen, die die Kommission abhalten wird', der Meinungsaustausch über den von Lord Hailey genannten Punkt stattfinden wird. Die Prüfung der Petitionen, die in ihrer Mehrzahl von Arabern eingesandt worden sind und gegen die Teilung Palästinas, gegen jüdische Einwanderung usw. protestieren, ist auf die nächste Tagung verschoben worden. Ein Palästinamanifest in Polen. War s oh au, 31. Okt. Das gesamte polnische Judentum ohne Unterschied von Partei und Richtung hat. ein gemeinsames Manifest erlassen, in welchem erklärt wird, daß die drei Millionen Juden in Polen den Gedanken, daß Großbritannien seinen Verpflichtungen dem jüdischen Volke gegenüber untreu werden könnte, gar nicht aufkommen lassen möchte. Niemals, heißt es im Manifeste, wird das jüdische, Volk sich mit einem Frieden abfinden, der das jüdische Recht auf Erez Israel, wie es in der Balföurdeklaration begründet ist. irgendwie begrenzt. Unterzeichnet ist das Manifesst von Agudas Jisroel, Vertretern der J e w i s h A^efney, Agud'ath Harabanim, der -ZqjI' trzle des Kauimännischep Väe.rbandes und Vorstehern aller anderen jüdischen Organisationen in Polen. Die neue Einwauderungsschedule. Günstigere Nachrichten über die Palästina-Politik der englischen Regierung. Die Lage in Palästina bis zum 1. November.