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Der Israelit · 1938-11-03 · Heft 44 (3.11.1938) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 44 (3.11.1938)
Date
1938-11-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Frankfurt a« M. 3. November 1938 9. Marcheschwan 5699 Nummer 44 und Lohdon, 1. Nov. In der heutigen Eröffnungssitzung des Unterhauses gab der Kolonialminister Macdonald Erklärungen über die Lage in Palästina ab, die aber nichts Neues enthielten. Der Minister bestätigte, daß die Garnison Palästina auf 18 Bataillone Infanterie, zwei Kavallerieregimenter, eine Haubitzenbatterie und eine Panzerwagenabteilung erhöht worden ist. Die- "Verstärkung der Polizeikräfte dauere* noch an. Das Oberkommando habe alle Vollmachten, die zur -Wiederherstellung der Ordnung notwendig seien. Vom 1. August 1938 bis zum 31. Oktober 1938 seien 231 Araber, 144 Juden und 29 Engländer getötet worden, während 75 Engländer, 2 32 Juden und 179 Araber verwundet "Worden seien. Es sei nicht genau festgestellt worden, wieviel Mitglieder der bewaffneten arabischen Abteilungen getötet worden seien. Wahrscheinlich seien es gut über 400, während beträchtlich mehr verwundet worden seien. Mac- 4onald schilderte dann die S ä u h e r tt ti g S - a k t i b n , die eine sehr heilsame Wirkung gehabt habe. Auf eine Frage nach der Ein w an-' ■derungs qupte antwortete er, daß er der ^kürzlich gemachten Mitteilung übe'r die Einwan-; derungsquote bis Ende April nichts hinzuzufügen habe. Auf eine, weitere Frage, erklärte Macdonald, daß die jüdische Polizeitruppe6000 Mann stark sei. Bestimmtere Mitteilungen über Palästina werden' nach Beginn der neuen Parlamentssessiori am 8. November — nach Veröffentlichung des Berichtes der Woodhead-Kommissi >n —- gemacht werden. Der Führer der Labour Party, Mr. A 111 e e . verlangte, daß das britische Volk, das einen größeren Teil der Erdoberfläche beherrsche, die1 "Führung übernehmen solle, in dem Versuche; «inen Zufluchtsortfür, die zahlreichen jüdischen und nicht jüdisch eil Flüchtlinge aus Mittel- und Osteuropa zu finden. Diese Leute würden, liberal!, wo sie hinkämen, sich als die besten Bürger bewähren. Bis ein Zufluchtsort zur Aufnahme einer Massensiedlung gefunden sei, müsse eine Art „Stillhalteabkommen" getroffen werden, um es. vorerst zu verhindern, daß Menschen aus einem Lande vertrieben und in keinem anderen Lande aufgenommen werden. Die Rede Chamberlains, Auf die Ausführungen Attlees antwortete der Prime-Minister, Mr. Chamberlain, in einer längeren Rede. Er sagte: „Alle werden darin einig sein, daß das Flüchtlingsproblem mit äußerster Sympathie behandelt werden muß, nicht hur inr Hinblick auf die allgemein menschlichen Prinzipien, die jedermann anerkennt, sondern weil es immer eine Tradition der britischen P6litik w:ar, soweit wie möglich denjenigen ein Asyl zu bieten, die aus rassischen, politischen. Unterhaus. oder religiösen Gründen nicht länger in ihren Heimatländern verbleiben konnten. Die britische Regierung hat die zeitweise Zulassung von 350 Flüchtlingen aus der Tschechoslovakei angeordnet, falls für deren Lebensunterhalt während ihres Aufenthaltes in England gesorgt werde. Bisher hat man nur unmittelbar gefährdete Einzelpersonen zugelassen, nicht aber ihre Familien. Die Regierung sei aber bereit, unter dem gleichen Vorbehalte auch die Familien dieser Einzelpersonen zuzulassen, Die Regierung fördere den Appeal des Lord-Mayor für die Flüchtlinge nach Kräften, und sie habe außerdem zehn Millionen Pfund der tschechoslovakischen Regierung zur Verfügung gestellt und dieser Regierung mitgeteilt, daß bei der Gewährung dieser Summe hauptsächlich an die Notwendigkeit gedacht worden sei, die Flüchtlinge zu unterhalten und anzusiedeln. (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Seite 2 Die Flüchtlingsfrage im Völkerbunde Seite 2 Wochenrundschau ......... Seite 3 Das amerikanische Judentum zu den geplanten Experimenten in Palästina Seite 3 Die islamitische Welt....... Seite 5 Wenn man auswandern will .... Seite 6 Die Kennkarte ......... Seite 6 Jüdische Konsulenten........ Seite 7 Jüdische Flüchtlinge in Belgien . . . Seite 8 Eine Palästina-Konferenz des gesetzestreuen Judentums in England.......Seite 8 Seite 9 Nicht Mitleid, sondern Mittel und Menschen braucht der Jischuw. Aus einer Rede M; Smilanskis. Schon immer wußten wir, daß es zu Unstimmigkeiten zwischen uns und den .Arabern kommen könnte. Wir wußten, daß es. nicht phne weiteres möglich sein wird, zwei Nationen, die auf verschiedenen Kulturstufen stehen, in einer Einheit zusammenzuschmelzen. Nicht wir wollten die Trennung und den Streit, aber den uns aufgezwungenen Kampf nahmen wir mit Gelassenheit auf, wollten ihn mit Vernunft, in Ei^iig- 1:keit und Pisziplin führen. Eine spätere Zeit;wird einsehen, daß die letzten Jahre eine hochbedeutsame Periode in der jüdischen Geschichte darstellten. Wir können stolz sein auf die Haltung des Jischuw und das Verhalten unserer Jugend. Mitten im Sturm und Drang haben wir in letzterer Zeit dreißig neue Stützpunkte •des J i s c hu w geschaffen. Zu Anfang überlegten wir ernstlich,; ob es sich heute Iohtit. die Front auszuweiten oder es besser wäre,' die galten Positionen zu halten und zu befestigen. jjjGe&egt hat die erstere Ansicht, und wir bäuten ( Weiter aus. Der Feind stürmte unseren Bau-an und suchte ihn zu zerstören, die Antwort war Chänitäh und andere Stützpunkte, endlich der Hafen von Tel Awiw, Eine aridere Frage, die reiflicher Ueberlegung ^bedurfte, war die, wie wir uns vor der auf uns ' einstürirtenden Wüste schützen. Sollten wir mit den Methoden der Wüste oder mit den Mitteln der Kultur den Verteidigungskampf führen? Wir, die Alteingesessenen im Lande, stimmten mit den jüngeren Poalim überein, daß man mit der einen Hand baue und mit der anderen Hand das Schwert der Abwehr führe. Wir, die Eingeweihten und guten Kenner von Land und Leuten, wußten, daß es ein großes Unglück wäre, wollten wir uns die Methoden unserer Feinde aneignen. Wir sprachen zu unseren Söhnen: „Gesegnet die Hand, die Angriffe abwehrt, verdorren möge aber die Hand, die unschuldiges Blut vergießt!" Wir wollen Juden und Kulturmenschen bleiben, wollten wir nicht anders die Opfer ins Unermeßliche steigern. Der große Jischuw schlug diesen Weg der gemäßigten und. notwendigen Verteidigung ein, mit Ausnahme eines ganz kleinen Teiles, der seine eigenen Wege ging und damit eine zeitweilige Verschlechterung herbeiführte, aber an der Gesamtlage nichts änderte. An Versuchungen, zu schärferen Methoden zu greifen, fehlte es nicht, aber im Ganzen siegte doch die Vernunft, Eines freilich betrübt uns, nämlich das Gefühl, daß das jüdische Volk sich nicht genügend Rechenschaft über die Lage ablegt. Wir erheischen kein Mitleid noch Erbarmen,. wir wissen, daß Erez Israel uns Opfer kosten muß. Aber wissen muß doch das jüdische Volk, daß die Banden ihre vergifteten Pfeile nicht gegen ein« (Fortsetzung siehe Seite 3.)

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