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Der Israelit · 1938-10-27 · Heft 43 (27.10.1938) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 43 (27.10.1938)
Date
1938-10-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 43 Der Israelit , 27; Oktober 1938! seit mehreren Jahren ganz vom Geschäfte zu rückgezogen, um nur für Thora und Mizwoth zu leben. Das ist" die Geschichte, die ich schon seit vielen Jahren mit mir herumtrage und die mir zeigt, was gerade in dem Esrog für ein hoher Wert liegen muß. Deshalb erscheint mir das, was ich für meinen Esrog ausgebe, nicht als Opfer, sondern als Einsatz für einen Gewinn der durch alles Geld und Gut gar nicht aufge wogen werden kann." Mit gespannter Aufmerksamkeit hatte der ganze Familienkreis den Worten dieser Erzäh hing gelauscht und noch nachdem der Erzähler geendet hatte, dauerte die lautlose Sülle einige Minuten fort. Der erste, der sie unterbrach, war unser Student. „Wie bist Du ein schöner Erzähler, . lieber Großvater, von wem hast Du denn die herrliche Geschichte gehört?" .VGehört habe ich sie von niemandem," erwiderte der Großvater. „Dann hast Du sie doch jedenfalls irgendwo gelesen?" „Auch das nicht. Aber ich muß gestehen, daß mir Deine Komplimente über meine schöne Erzählungsgabe fast so vorkommen, wie die Versicherungen derer, welche, um die G'ttlichkeit der Thora mit Anstand leugnen zu können, unseren Lehrer Möschen für einen ungewöhnlich großen7 Mann erklären. Was sie Möschen an Größe zusprechen,, geschieht auf Kosten der Wahrhaftigkeit und G'ttlichkeit seiner Sendung. Du •Wolltest doch mit Deiner Anerkennung meines Erzählertalents mir nicht eine Erfindung dieser ganzen Geschichte unterstellen, nachdem ich doch vorausgeschickt habe, daß es sich um eine wirklich vorgekommene Begebenheit handelt?" „Verzeiht," ergriff einer der beiden armen; Gäste das Wort, „wenn ich mich als Fremder" in die Unterhaltung mische. Aber sie werden sofort begreifen, in wie hohem Grade mich die erzählte Geschichte interessiert. Unser verehrter Wirt bedarf von mir gewiß keiner Bestätigung seiner Angaben, und ich bin auch überzeugt, daß der Herr Enkel mit seiner Bemerkung weit davon entfernt war, in die Worte des Großvaters irgend weiche Zweifel zu setzen. Aber wie Sie mich hier sehen, bin ich ein Sohn von Reb Mendel, das Gedächtnis des Gerechten werde zum Segen. Er hat uns oft von diesem Vorfall erzählt, und als er in den letzten Jahren seines Lebens fast sein ganzes Vermögen verloren hatte, sagte er mir wiederholt, von Reb Itzig wisse er sicher, daß er ihm helfen werde, er hatte aber jede Spur seines Aufenthaltes verloren. Jetzt, wo ich die wunderbare Geschichte zum zweiten Male höre, hat es mich mächtig ergriffen, und wenn ich mir auch die Frage stelle, woher hat Herr von Kirschsteiner diese Erzählung, so leitet mich dabei nur die Möglichkeit, auf diese Weise den längst Gesuchten endlich aufzufinden." „Ihr seid ein Sohn von Reb Mendel, sein Verdienst möge uns schützen, der in P. viele Jahre ein großes Hopfengeschäft betrieb?" fragte der Wirt erstaunt. „Der bin ich! Kanntet Ihr meinen Vater?" „Wer wird Reb Mendel nicht gekannt haben! Mutter, kannten wir ihn?" fragte Herr von Kirschsteiner nach seiner neben ihm sitzenden greisen Gattin gewendet. Alle Augen richteten sich bei diesem Anlaß dem Großmütterchen an der Spitze der Tafel zu. Niemand hatte sie bis jetzt beachtet. Sie hatte ihr weißes Battisttaschentuch vor die Augen gedrückt, um sich, wie alle Anwesenden glaubten, vor dem grellen Gaslicht zu schützen, in Wirklichkeit aber, um die Tränen zu verbergen, die unaufhaltsam ihren Augen "entstürzten. Erschreckt sprangen alle auf die teure Mutter und Großmutter zu, sie aber wehrte die liebende Besorgnis unter Tränen lächelnd ab. „Erschreckt nicht, es sind Freudentränen. Zum ersten Male in seinem Leben hat Euer Vater und Großvater heute abend mir sein Wort gebrochen. Er hat mir versprochen, unsere Lebensgeschichte niemals ohne meine Einwilligung zu erzählen. Jetzt hat er's doch getan, nun will ich zur Strafe das ergänzen, was er verschwie gen. Dein Großvater, lieber Wolf, hat die Ge schichte nicht gehört und nicht gelesen. Er ist ihr eigener Held. Und Ihr, lieber Orach, Sohn von Reb Mendel, wenn Ihr Reb Itzig sucht, erkundigt Euch einmal nach dem Rentier Ignaz von Kirschsteiner, der wird Euch Auskunft geben können. Nach Jomtof haben wir viel miteinander zu rechnen, wegen der Zinsen, welche die Zehnguldennote Eures wackeren unvergeßlichen Vaters getragen hat." „Begreifst Du's jetzt, Wolf, daß Dein Großvater sein Geld lieber in Esrogim, als . in Fahrrädern anlegt? Begreifst Du nun, was ein Esrog wert ist?" Jüdische Pioniere in der Südsee. Es dürfte nur. wenigen bekanntsein, ,sdaß unter den ersten weißen Ansiedlern auf den Inseln in der Südsee, zu einer Zeit, als Polynesien; noch zumeist von Kannibalen bevölkert war;« sich ein e Ä n'z a h l von Juden befanden, die aus den verschiedensten Weltrichtungen kamen, jüdische i Männer mit Abenteurerlust und Pioriiergeist,; die einen gewichtigen Anteil an der Entwicklung .der neuentdeckten Territorien hatten. Einige dieser jüdischen. Siedler stammten aus Australien und Neuseeland, wohin sich Juden mit den ersten Kolonisten zu Beginn des 19. Jahrhunderts gewandt hatten, andere kamen aus England, Deutschland, Frankreich und Amerika. Einer der ersten Pioniere im Pazifischen Ozean war Alexander S a I m o n aus London, der sich auf Tahiti niederließ. Er heiratete PrinzessinArit a i m a i , und dieser Ehe entsproß Prinzessin Marau, die letzte Königin von Tahiti, die bis zum Jahre 1935 lebte und viele Jahre eine Pension von der französischen Regierung bezog. Als vor einigen Jahren der jüdische Schriftsteller Louis Browce aus Amerika Tahiti besuchte, lernte er Nachkommen Alexander Salmons kennen, die sich ihrer jüdischen Abstammung wohl bewußt waren. Außerdem traf Browne auf Tahiti mehrere andere Juden und Halbjuden an, die zusammen mit den Eingeborenen lebten. Eine Rolle in einer der Königsfamilien der Südseewelt spielte auch der Jude N e u m a n n aus Berlin, der auf seinen Kreuz- und Querzügen durch die Welt nach Hawai verschlagen wurde, wo er in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts der Freund und Berater des Königs wurde. Aus dieser Zeit bewahrte die ehemalige Königsfamilie ein Sefer Thora, das von ihr als Erbstück hoch in Ehren gehalten wurde. Als 1922 die schon seit langem in Honolulu lebenden Juden nach einem Besuch des Oberrabbiners Dr. Hertz mit Hilfe des Jewish Weifare Board-of Anierica zu einer Gemeinde vereinigt wurden, — heute wohnen in Honolulu, wohin vor einem Dutzend Jahren eine größere Zahl von Juden aus der Mandschurei einwanderte, ungefähr 800 Juden — brachte Prinzessin David Kawanuaoka die erwähnte Thorarolle zur Eröffnungsfeier als Leihgabe. Eine der interessantesten jüdischen Persönlichkeiten in der Geschichte des Pazifik ist jedoch Colonel A. B. S t e i n b e r g e r , der von 1873 bis 1876 die Geschicke von S a m o a bestimmte. Steinberger erschien in Samoa mit seiner eigenen Jacht „Peerless" als Sondergesandter der Regierung der Vertilgten Staaten von Nordamerika und wurde, da er behauptete, ein persönlicher Freund des Staatspräsidenten' Grant zu sein, dem er einen Bericht über die Verhältnisse auf Samoa zu erstatten hätte, sehr freundlich aufgenommen. Bald gewann er das Vertrauen des Königs und damit großen Einfluß auf die Bevölkerung. Er fuhr sodann nach Amerika zurück und kam mit dem Kriegsschiff „Tuscarora" neuerlich nach Samoa, um den Insulanern Geschenke der Vereinigten Staaten zu überbringen. Er pflanzte nun in Apia das Sternenbanner auf . und wurde sozusagen" Premierminister und in Wirklichkeit der Gouverneur unter König Malietoa Laupepa. Dieses Regime dauerte freilich nicht lange, denn es erregte die 'Mißgunst des britischen und auch des J. amerikanischen Konsuls. Durch ihre Intrigen verlor Steinberger die Zuneigung des samoanischeh Königs, der nicht den geringsten Einspruch erhob, als int Februar 1876 der Kapitän des britischen Kriegsschiffes „Barracoüta" Steinberger verhaftete und auf die Fidschi-Inseln deportierte. Von dort konnte Steinberger nach Amerika entfliehen, wo er bei der Regierung die Auszahlung einer ansehnlichen Entschädigung durchsetzte. Doch schon lange vor dem Auftauchen Steinbergers lebten auf Samoa Juden. Die Brüder Abraham und Alfred Hort waren die Begründer und Eigentümer eines großen Handelskonzerns in Apia, nachdem sie vorher auf Tahiti ansässig gewesen waren. Sie besaßen eine Flotte von Segelschiffen, die zwischen den verschiedenen Inselgruppen der Südsee kreuzten und einen intensiven Handel mit heimischen Produkten trieben.. Die Brüder Hort übersiedelten, nachdem ihre Niederlassung in Apia 1862 durch Feuer zerstört worden war, nach Neuseeland, wo sie in Wellington eine jüdische Gemeinde gründeten. Ein großes Warenhaus besaß in Apia auch ein Jude aus Polen, Moses David. Er ging später nach Vavau in Tongan-Archipel und starb 1906 in Sid-: ney. Ein anderer populärer Bewohner von Südseef'. Inseln war G. A. K r o n f e 1 d aus Thorn in Deutschland, der viele Jahre Filialleiter des großen deutschen Konzerns D. H. und P. G. Kronfeld in Apia und Vaväu war. Er ging später nach A u c k 1 a n d auf Neuseeland und errichtete dort ein eigenes, Geschäft. Mit dem Matrosen-Zertifikat der deutschen Handelsmarine landete eines Tages Max Rosenberg in Apia, wo er viele Jahre mit seiner Familie lebte. Lange Zeit war der Jude F. Loibl, der aus London stammte, Schatzmeister der .Regierung aus Samoa. Percy I s a äc s , ein Jude aus Australien, betätigte sich als Herbergswirt in Apia.' ' Ein - großer Hahdelskonzern existierte auf Tahiti, wö ein Jude aus Frankreich namens Levy der .Begründer war. Levy wohnte auf, .Tahiti vor mehfs als einein. halben Jahrhundert und'heiratete ein Mäd<| . chen aus •. der- Flfmilie eines der 'einflüßreichsten * Stammeshäuptlinge. ' " r , ,, p Doch nicht bloß ' als Handelsleute -'"'taten .sich . Ju l; den: in der .Südsee " hervor,1, sondern.auch als Fprschei? 'und Wissenschaftler. Der Jude B e r n s t e'i h. auii Deutschland erforschte in den sechziger „Jähren'des; vorigen Jahrhunderts unbekannte Gebiete auf N eufr Guinea. Und auf derselben InselW verrichtete 1910, und 1911 Dr. Max Moszkowski anthrophologische und zoologische Studen. Wertvolle, geologische Arbeiten über S a m o a ^steuerte Dr. Fried-; länder bei. Das am besten fundierte Buch über die Samoa-Inseln in der Nachkriegszeit "schrieb Felix M. Keesnig, der Nachkomme einer jüdischen'Pionierfamilie auf Neuseeland. Auf Samoa errichtete übrigens der Jude Hirsch im Auftrage der Deutschen Telefunken-Gesellschaft knapp vor dem Ausbruch des Weltkrieges eine große drahtlöse Station.. Besonders bemerkenswert ist jedoch, daß zwei der Schlüsselindustrien in Polynesien von jüdischen Pio^ nieren gegründet wurden. Im Jahre 1897' nahm ein jüdischer Passagier auf dem kleinen Handelsdampfer ,.Archer" während eines Aufenthaltes auf der Nauru-Insel, als dort Kopra verladen wurde, am Strand ein eigenartiges Ding wahr, das wie. ein Stück versteinertes Holz aussah. Er nahm es als Kuriosität mit und brächte es nach Sidney, wo er es im Laboratorium der Gesellschaft, welcher der Dampfer „Archer" gehörte, hinterlegte. Drei Jahre später fiel einem Angestellten der Gesellschaft das Stück auf, er analysierte es und fand, daß es Phosphate von reinster Qualität enthielt. So wurde der jüdische Passagier, der Mathiassohn hieß, durch seinen Fund der Begründer der hochstehenden Phosphatinindustrie auf der Nauru-Insel,, ohne allerdings jemals die geringste Belohnung für seine Entdeckung erhalten zu haben, Ebenso bedeutungsvoll wie die Phosphatindustrie, aber von viel jüngerer Entwicklung, ist die Goldminenindustrie auf Neu-Guinea, deren Ausbreitung dem jüdischen Pionier C. J. Lev-ien zu verdanken ist. Seine Initiative ermöglichte die rationelle Erschließung der Goldfelder am Bulolo- und Edie-Fluß. Levien, ein gewesener Soldat, der als Distriktskommissar der Regierung nach Neu-Guinea kam, organisierte einen Flugdienst, der das größte Hindernis für das Unternehmen, die Transportischwierigkeiten, überwand. Er erkannte sofort die Möglichkeiten, die der Flugdienst bot, aber er erlebte nicht die volle Verwirklichung seines Projektes. , Als die erste große Minenladung mit dem Flugzeug vom Bulolofluß abbefördert wurde, streute man seine Asche, die man seinem letzten Willen gemäß von Australien gebracht hatte, übier dem Goldfeld aus, Zu den bekanntesten! Figuren in der Südsee währ rend der letzten Jahre" gehörte Sir Henry Marks, der mit der von-ihm begründeten Firma Henry. Marks U, Co. und mit anderen jüdischen Firmen wie Lazarus u. Brodziak das kaufmännische Leben auf den Fidschi-Inseln leitete.;.

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