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Der Israelit · 1938-10-27 · Heft 43 (27.10.1938) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 43 (27.10.1938)
Date
1938-10-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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sSeite 6 Nr. 43 Der Israelit 27. Oktoher 1938 Italien. \!-'• . irn Mildere Praxis für ausländische Studenten in Italien. Budapest, 20. Oktober. Die Zeitschrift „Egyenlöseg" ist von offizieller italienischer Stelle zur Veröffentlichung der folgenden Mitteilung ermächtigt worden; ,,Die italienische Regierung wird in keiner Weise bereits immatrikulierte ausländische jüdische Studenten hindern, daß sie ihre Studien an italienischen Universitäten fortsetzen und ihre Prüfungen ablegen. Lediglich neue Immatrikulierungen und Aufnahmen jüdischer Auslandsstudenten sind an den italienischen Universitäten sisiert worden." Brief aus Italien. Rom, 22, Oktober. Nach einer Meldung hat die amtliche Statistik die Zahl der Juden in Italien auf 57,425 festgestellt. „Corriera della Sera" bezeichnet die Oeffnung Abessiniens für jüdische Einwanderer als eine Möglichkeit, die gründlich studiert werden müsse. Die Zahl der unter die Ausnahmebestimmungen fallenden Juden wird auf 4000 Familien geschätzt. Nach einer Verfügung des Wirtschaftsministers dürfenv*n. Juden keine Lizenzen zur Eröffnung von Handelsgeschäften mehr ausgegeben werden. Die „Vita Universitaria" veröffentlicht die Namen von 95 jüdischen Universitätsprofess oren, die ihre Tätigkeit einstellen müssen. Man findet darunter die besten jüdischen Namen Italiens, wie Ascoli, Ottolenghi, del Vecchio, Mortara, Falcko usw. Die Liste soll noch nicht vollständig sein. Die italienischen Blätter veröffentlichen 21 jüdische Namen aus den Kreisen des italienischen Adels (Barone und Grafen). Jüdische Journalisten. Mailand, 23. Oktober. In ihrer Jahresversammlung haben die Journalisten der „Toscana" eine Tagesordnung angenommen, in der sie die Streichung aller Journalisten jüdischer Abstammung aus den. Beruf slisten beantragen und die Verleger der Zeitungen und Zeitschriften einladen, keine jüdischen Mitarbeiter mehr zu dulden. Jüdische Börsenmakler in Italien. Mailand, 18. Oktober. Durch <&e tteüe Verfügung der Regierung werden von den 234 Börsenmaklern 34 jüdischer Abstammung betroffen und von der Tätigkeit an den* Börsen ausgeschlossen. In den Zeitungen wird mitgeteilt, daß demnächst an allen italienischen Börsen eine Einlaßkarte für Privatpersonen eingeführt werde. Vom Bezügsrecht auf diese Einlaßkarte seien die Juden ausgeschlossen. Amerika. Die amerikanischen Juden in Italien. W a s h i n g t o n , 19. Oktober. Staatssekretär Hull teilt mit, daß er die italienische Antwort auf seine Note über das Schicks'al der in Italien lebenden amerikanischen Jude n erhalten habe. Darin werde von italienischer Seite die Anregung gemacht, eine besondere Kommission ins Leben zu rufen, die jeden Fall zu untersuchen hätte. Personalien. Zum Ableben von Rabbiner Dr. Schüler. St. Louis-Basel, 20. Oktober. Die Kunde vom Tode des Rabbiners Dr. S c h ü - l e r traf die Gemeinde St. Louis völlig unerwartet, obwohl Dr. Schüler seit Jahren leidend war. Aber trotz seines Leidens hat er alle Pflichten seines Amtes wahrgenommen und mit großer Hingabe den Unterricht in den verschiedenen Gemeinden -versehen. Kurz vor Roschhaschana kam Dr. Schüler nach Basel* um seine angegriffene Gesundheit unter die Obhut seines Sohnes zu stellen, der dort als Arzt praktiziert] starb jedoch schon während des Feiertags. Rabbiner Schüller kam 1889 nach Hegenheim, einer der1 früher bedeutendes.' Landgemeinden, die jedoch dann unter der Landflucht sehr litt Im Jahre 1907 bemühte sich Dr. Schulet, die in dem aufstrebenden Ort St. Louis wohnenden Glaubensgenossen zu einer Gemeinde zusammenzuschließen und verlegte den Sitz des Bezirksrabbinäts* dorthin. Während 31 Jahren versah er das Rabbinat in St. Louis und ist den Gemeindemitgliedern zum Freund und; Berater geworden. Dort erzog er sich Menschen, -mit denen er täglich „lernte" und dadurch der Thora eine Stätte schuf in der jungen Gemeinde, die besonders nach dem Krieg einen großen Zuwachs erfahren hat. Die allseitige Beliebtheit von Herrn Dr. Schüler, die weit über die jüdische Gemeinde hinausreichte, kam in dem großen Begräbnis zum Ausdruck, das am Zorn Gedalja, stattfand. Die von zahlreichen Gästen besuchte Trauerfeier wird in der lokalen Presse als „Sympathiekundgebung für den Verstorbenen und die Hinterbliebenen" bezeichnet. An dieser Feierlichkeit nahmen neben den vollzählig erschienenen Gemeindemitgliedern und vielen Rabbinern und Lehrern zahlreiche nichtjüdische Vertreter von Behör-'. den teil, unter ihnen der französische Konsul und^ Vizekonsul in Basel, der Mahre von St. Louis und der Maire von Hegenheim sowie die Geistlichen der bei-, den christlichen Konfessionen. Nach einem Trauer-' gebet sprach Herr Rein als Vorsitzender der Gemeinde St. Louis, nach ihm der Maire von St. Louis, Dr. Hürst, und der Maire von Hegenheim, Greder. Als Grand-Rabbin des Departement Haut-Rhin würdigte Rabbiner Dr. E. Weil, Colmar, die rabbinisehen Verdienste des Verstorbenen; Rabb. Bloch, Dornach, sprach im Namen der elsässischen Rabbiner und Rabbiner Dr. Weil, Basel, als Nachbarkollege und persönlicher Freund des Verstorbenen. Alle Redner schilderten in bewegten Worten die vorzüglichen Herzenseigenschaften von Rabbiner Schüler, in dem alle einen vornehmen Menschen, einen gütigen Berater und viele ihren Wohltäter beweinen. Nach der Feier bewegte sich der Zug nach dem Friedhof Hegenheim, wo Dr. Schüler in der Reihe der Rabbiner beigesetzt wurde. Nach seinem Wunsch ruht er auf dem alten, ehrwürdigen Friedhof, für dessen Erhaltung er zu Lebzeiten mit Hingabe wirksam war, msin E E Z AEL Die Lage in Palästina. ■■- •". Jerusalem, 23. Oktober. ' Dei"; A u s na hme z us;t a n d in der Altstadt ] der der Zivilbevölkerung das Betreten der Straßen verbietet, wurde 'vorübergehend aufgeh o b e nj, um : den Bewohnern das Einkaufen von Lebensmitteln zu' ermöglichen. In der; Altstadt wurde ein englischer Offizier dürch einen Gewehrschuß getötet. Es-:ist nicht sicher,- ob es sich um die Tat .eines arabischen Scharfschützen öder um den irrtümlichen Schuß eines englischen "Soldaten han- .deite. . Das Feuer vereinzelter arabischer Schärfschützen hat noch immer nicht auf gehöht. In .der- Umgebung von Jaffa Wurde ein" jüdischer Autobus angegriffen. Die Insassen setzten sich zur Wehr, wobei ein Angreifer getötet und ein weiterer verletzt wurde. Fünf Angreifer wurden festgenommen. Der ganze Zwischenfall wickelte sich ohne Eingreifen der Polizei ab; * In der Nacht auf Samstag und in den frühen Morgenstunden des Samstag wurden bei Gefechten im ganzen palästinensischen Gebiet 3 6 Personen getötet, darunter ein britischer Soldat. Bei eiriem Ueberfall auf einen Verpflegungstransport in der Nähe von Nablus verloren die Araber 32 Mann. Die Besetzung der Altstadt Jerusalems. Jerusalem, 20. Oktober. Ueber die Besetzung der Jerusalemer Altstadt gibt .,United Preß" folgende Schilderung: Während Lord Allenby im Jahre 1917 bei seinem Einzug in Jerusalem als Befreier der Araber begrüßt wurde, mußten gestern die britischen Truppen die Mauern der Altstadt unter dem Feuer der Aufständischen mit Hilfe von Leitern überklettern. Oberst Wittecker kommandierte eine Abteilung von 400 Mann, die vom Dungtor im Südosten von Jerusalem aus in der Richtung auf eine Moschee vorrückte, die der Hauptstützpunkt der Aufständischen war. Die Araber benutzten die Minarette' der Altstadt als Beobachtungsposten; gelegentlich wurden von diesen Türmen aus auch britische Truppen und »die Flugzeuge beschossen, die während der Besetzungsoperation einen Erkundungsdienst durchführten. Die Araber zogen sich auf den-flachen Dächern langsam in der Richtung auf die Omarmoschee zurück. Von den britischen Flugzeugen' "wurden mehrere durch - Schüsse getroffen, doch hatte die Flugwaffe keine Verluste zu verzeichnen. , .' . Eine zweite britische, Kolonne von 500 Marin; unter dem Kommando, des- Generalittajö^' Nugent 0.'Connort des. neuernannte'n' Plätzkömmahdanteii. von Jerusalem,vging vom .Janätör aus vor. Als sie am Ende der .David-Straße, angekommen war, begännen einzelne .Abteilungen, in den engen Gassen der Altstadt ein Haus nach dem andern zu durchsuchen. Andere britische Abteilungen, die von Gethsemane aus vorgingen, erkletterten in der Nähe des Goldenen Tors die Ostmauer und rückten dann langsam vor. Sie wurden durch Maschinengewehrfeuer vön e'inenf jüdischen Spital ,auf dem Berge Zion aus gedeckt. Auch das -heue, von der Rockefeller-Stiftuhg erb'äute Müöeüm vor fdem- Herodestor wurde von den englische» Truppen als Beobachtungsstellung benutzt. '■■ : ■' Bisher'' sind *über 300 Ar ab er festgenommen wor den. Sie be^treiteftt-alle', daß sie mit den Aufständischen etwas zu1 tun hatten. Die britischen Truppen waren höchst erstaunt, als die Aufständischen plötzlich sozusagen vom; Erdboden verschwanden. Es wurde dann festgestellt, daß die meisten durch unterirdische Gänge entkommen waren. In den weitläufigen Katakomben unter der Stadt sind seither einige Flüchtlinge festgenommen worden- Gegenwärtig stehen 3000 Mann britischer Truppen bei /Jerusalem und Bethlehem. Die britischen Behörden haben allen im Lande weilenden Touristen angeraten; Palästina sobald als möglich zu verlassen. Todesurteil würde heute in einer! e b e h s 1 ä n g r 1 i c h e F r e i h e i t s s t r a f e umgewandelt.' d Die hebräische offizielle Wochenzeitung der Je1wish Agency „Haölam". wurde heute von den Behör* dei^ wegen eines Artikels, in'dem der Bezirkskomr missär von Jaffa,.;Mr, C r o s b i e ^kritisiert wird* auf: zwei Monate Verboten. - r ■ Begnadigung eines zum Tode verurteilten Juden, Jerusalem, 18. Oktober. Jakob K o t i k , der unter der Anklage stand, um 20. August in den Klubräumen der Revisionisten in Tel Awiw drei Revolver sowie Kugeln bei sich gehabt zu haben, wurd« am 3. Oktober vom Militärgericht Jna Jerusalem zum Tode verurteilt. Kotik hatte ausgesagt^es sei ihm ein Koffer zum Tragen gegeben worden, der, wie er " glaubte, Papiere enthielt. Das Trüppenverstärkungen in Palästina. Jerusalem, 19, Oktober. 1200 Mann neuer Truppen trafen hier aus Indien ein.. Zwei weitere Bataillone, die in Malta stationiert waren, haben' den Befehl erhalten, sich nach Palästina einzuschiffen. Ihre Abfahrt erfolgte am 10. Oktober.; Am gleichen .Tage wurde vöm Londoner Kolonialamt ..mitgeteilt, daß als Resultat der Besprechungen über Sicherheitsfragen in Palästina, an denen der. High Commissiohepr teilgenommen hat, beschlössen worden ist, weitere militärische Verstärkungen' nach Palästina zu entsenden, In den nächsten zwei oder drei ' Wochen werden vier weitere Batailloner eine" Batterie "Artillerie und Panzerwagen in Palästina eintreffen. Dadurch wird die militärische Streitkraft Englands in Palästina auf- 17 Bataillone Infanterie; zwei Kavallerieregimenter, sowie eine Artillerie- Batterie und Panzerwagen-Abteilungen ansteigen. Ferner werden ehemalige Kriegsteilnehmer für die britische Abteilung der Palästinapolizei weiterhin rekrutiert. Die gesamte Grenzmacht beträgt über 20 0000 Mann; Außer diesen militärischen Kräften gibt es in Palästina ein erhebliches Aufgebot der Polizei, das mit dem .Militär aufs engste zusammenarbeitet. Die Frage der Sicherheit Jerusalems selbst ist eng mit der Sicherheit der-dorthin führenden Straßen verknüpft. Aber alle/ diese Straßen waren in der letzten Zeit der Schauplatz von Attentaten. Ganz besonders■• schwierig '!sind die Verhältnisse .auf der Chaussee nach^ Jaffa in der Umgebung von Ramie und in der Stadt selbst. Um die Fahrt auf dieser Strecke wirklich zu sichern, müßte sich der ganze, Verkehr in Panzerwagen vollziehen.v, .Das würde natürlich sehr viel Geld kosten,.jund die ^.ufrechterhal^ung d£s Verkehrs wüsde unter.,, solchen. . JtJmständeir; wenig-

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