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Der Israelit · 1938-10-27 · Heft 43 (27.10.1938) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 43 (27.10.1938)
Date
1938-10-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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27. Oktober 1938 D er Israelit Nr. 43 Seite 3 m- ■w Wie man sich im Irak die Lösung der denkt. (Fortsetzung von Seite i.) im ganzen Orient schützen. Das Telegramm warnt Dr. Weizmann, nicht durch" die Haltung in der Palästinafrage für alle Juden im Orient 'gro-ße..Schwierigkeiten h e rauf zubeschwören, Ein Seitenstück zu dieser offenen Drohung bilden die von uns bereits berichteten E n t s e h 1 i e ß u-n g-e n des arabischen Pa l ä stinakongresses in Kairo. Sie lauten: 1. Sofortiger Verzicht auf die Balfour- Deklaration; 2. Sofortige Einstellung der jüdischen Einwanderung nach Palästina; 3. Erhaltung der Ei n h e i t Palastinas als ungeteiltes arabisches Land; 4. Sofortige Bildung einer arabischen .Regierung und Ausschreibung von Parlament'swahlen, sowie Abschluß eines Vertrages mit England nach''dem Vorbild des Irak; 5. Auf Grund der Erfüllung dieser Forderungen Freund seh a f t zwischen England und den islamischen arabischen Staaten; bei Nichterfüllung wirtschaftliche undpolitische Gegenmaßnahmen; 6. Befürwortung der Durchsetzung^ dieser Forderungen bei allen arabischen Fürsten und Regierungen und Uebermittlung. der Entschließungen an. England,' Frankreich und den Völkerbund; 7. Fortsetzung der Kongreßarbeiten durch einen * t än d i g e n A u s s c hu ß , bestehend aus den Parlamentsvorsitzenden Syriens, Libanons und des Irak: . Das bedeutet, daß alle uns in der E&Ifourdeklaration garantierten Rechte . außerkr^ft gesetzt werden, dafür aber die Judenheit 'fjalästirias, die, durchs Einwanderung 4 -keinen Zuwachs erhalten dlarfy ,ünter das Diktat einer aftabis c h e n R e g i je;r u n g gestellt wird, die^ zwar Freundsch a.;f t mit England zu--l;halten hätte",, aber mit/ keiner Andeutung verpflichtet wird, ihre feindselige Haltung gegen, deir jüdif sehen Bürger aufzugeben. , Die Haltung desJischu w! Man kann danach verstellen, .daß die Exekutive der Je wi s h A g en c y gegenüber all jenen arabischen Experimenten unter dem 6. Oktober folgende Erklärung abgab: Angesichts der Gerüchte über Vorschläge für eine Lösung des Palästina-Problems durch Beendigung der jüdischen Einwanderung und grundlegende Veränderungen in der Verfassung 4©? Landes stellt die Exekutive der Jewish Agency for Palestine unzweideutig fest, daß das jüdische Volk jede. Lösung zur ü ck weist, die es zum Status einer Minderheit in Palästina verurteilen würde. Die Juden sind in Palästina „rechtens, und nicht aus Duldung". Ihr Recht zur Wieder auf richtung ihres Nationalheimes in ihrem geschichtlichen Lande ist von Großbritannien, den Vereinigten Staaten von Amerika und der Welt feierlich anerkannt und wiederholt bestätigt worden. Der fortgesetzte Terror der letzten zweieinhalb Jahre hat nicht vermocht, die Juden von ihrem Werk des Wiederaufbaues abzuschrecken. Trotz allem ist das jüdische Volk weiterhin bereit, mit.den Arabern für die allgemeine Wohlfahrt des Landes zusammenzuarbeiten; es kann aber weder die Aufzwingung eines Minderheitenstatus noch irgendeine willkürliche Begrenzung seines unveräußerlichen Rechtes aüf Rückkehr in seihe Heimat in Erwägung ziehen. Der Waad Leumi schloß sich dieser Auflassung mit einem Telegramm an Weidmann an, das folgenden Wortlaut hatte; „Der Jischuw ist durch die Gerüchte, daß die britische Regierung Beratungen' mit einem Vertreter eines arabischen Staates bezüglich Palästina abhält, aufs tiefste betroffen. Der von! den Arabern in Vorschlag gebrachte P 1 a n bedeutet Schließung der Tore Palästinas für die Juden und die Vernichtung von Israels letzter Hoffnung. Während mehr als 30 Monaten hat der Jischuw tapfer seine Position verteidigt, vor keiner Gefahr, zurückgeschreckt und keine Opfer gescheut, um diese Absichten zu vereiteln. Der Jischuw >w je i g e r t sich, zu glauben, daß Großbritannien. denr das jüdische Volk Glauben und Vertrauen geschenkt hat, solche Absichten unterstützen wird in der falschen Annahme," der Flieden im Lande könne durch den Raub der Rechte der Juden wiederhergestellt werden, Der Jischuw steht geschlossen hinter Dir. Sei stark und guten Mutes." - Und die Regierung? Zunächst beschränkt sich London auf Mitteilungen, daß ernste Verhandlungen im Gange seien und auf Vertröstungen, daßt sobald sie den Woodhead-Bericht in Händen hat, Näheres bekanntgegeben wird. Man darf aber auch den ,,Times"-Artikel vom 12. Oktober als Regierungsglosse nehme«, in dem nach der Feststellung, daß die Anarchie in Palästina eine u n - ve rzrü gliche E n t s ch eidun g erheischt, ungefähr gesagt wird: Es sei schwer zu sagen, wie Juden und Araber — ohne die Herrschaft eines. Dritten — in Einern einheitlichen Staat zusammen leben könnten. Bei allen Gefahren einer Teilung sei sie doch wohl weniger gefährlich als eine mechanische Einheit. Die Trennung beider Völker brauche sich aber nicht in jeder Einzelheit an die Vorschläge des Peel-Berichtes zu halten. Kantonale oder föderative Grundsätze;* könnten sich als wirksamer erweisen, und der größerje Plan, den Sir Arnold Wilson schon vor|^ längerer Zeit lanciert habe, einer Zusammenfassung von Syrien, Libanon, Transjordanien, Jüdisch- und Arabisch - Palästina zu einem föderativen Ganzen könnte den arabischen Wunsch nach Einheit erfüllen und den Sinn für Verantwortung reifen lassen, der in der engen Atmosphäre kleiner Teilstaaten nicht gedeihen könne. Zusammenarbeit mit Frankreich könne zu diesem Ziele führen. Für uns bleibt zu erwarten, daß, wie auch die Entscheidung in London ausfällt, diese so rasch fällt, daß der Tragödie Palästinas, die jetzt den Höhepunkt erreicht hat, ein Ende bereitet wird und so ausfällt, daß das jüdische Volk nicht um seine Lebensrechte betrogen wird. Die Welt, der Englands Wort noch etwas gilt, erwartet eine Entscheidung nicht nur für Palästina, sondern auch für Erez Israel. Wenn man auswandern will. Was dem Einwanderer in USA. auffällt. Kansas- City,. Mo., im September. Mit dem; Vergleichen Ist es ein seltsames Ding. Natürlich registriert jedermann die Unterschiede der neuen Umwelt im Vergleich zur alten. Dies soll aber nie (wenigstens in den ersten zwei Jahren nicht) mit einem Werten verbunden sein: Nicht nur deswegen nicht, weil das Eingewöhnen unnötig erschwert wird, wenn.! man; zu oft feststellt,^ wie viel besser döch . ,,alles •drüben" gewesen sei, sondern vor. allem, weil man gär nicht vermag^ der neuen Welt gerecht zu werden, Wenn man, die Maßstäbe der alten an sie anlegt. Es wird Dinge in der neuen Umwelt geben, mit denen :! man^ lebenslänglich keine Freundschaft zu schließen vermag; Ja; die man sogar als geschmacklos oder ^unzweckmäßig empfindet — gut, über Geschmacksuhterschiede soll man nicht rechten, aber zum Richter soll der Einwanderer sich am wenigsten aufwerten; nicht zuletzt auch deshalb, weil die Amerikaner dagegen bemerkenswert empfindlich sind. Das einzige, was der Neuling tun kann und soll, ist, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, alles neue zu registrieren und die Sitten seiner neuen Landsleute kennen und verstehen zu lernen; Nicht um sie unbedingt nachzuäffen, sondern um nichts zu tun, was als ungehörig oder lächerlich empfunden wird. Auch der taktvollste und aufmerksamste Einwanderer wird noch oft genug an die Nachsicht seiner Mitmenschen nicht vergeblich!) appellieren müssen. Das Einzige, was der Neuling schon nach 14 Tagen guten Gewissens fest behaupten kann, ist, daß ei1 weiß, alle vorgefaßten Meinungen über Amerika waren nicht richtig oder zumindest nicht allein richtig. Dieses Land und dieses Volk (bei aller Untformität in einer großen Zahl von Lebensäußerungen) ist zu vielfach geschichtet und zu widerspruchsvoll, als daß es auf einen Nenner („Amerikanismus') zu bringen _wäre. Nach dieser Warnung aus den folgenden, sehr zufälligen ersten Eindrücken ein Ur-- teil abzuleiten, sei aufgezählt, was uns auffiel, weil es anders war als in Europa (daß eine Menge als bekannt vorauszusetzender Dinge dabei nicht erwähnt wird, mag verziehen werden). Uns fiel auf: daß „keep smiling" wirklich nicht nur gefordert wird, sondern die Leute, insbesondere die Beamten, viel freundlicher und ungezwungener sind als oft in der alten Welt, daß der Satz ,,how do you do?" gar nicht als ernstgemeinte Frage, sondern als Gruß und beim gegenseitigen Vorstellen (statt „sehr angenehm"! gebraucht wird, daß jedermann (gleichviel, ob Stiefelwichser oder Universitätsprofessor) den Fremden als erste Frage vorlegen wird, wie ihm dieses Land und diese Stadt gefällt (und, wehe dem, der nicht höchst begeistert ist), daß über "Europa die unerwartetsten Fragen gestellt werden, die eine oft erstaunliche mangelnde oder irregeführte Information verraten, daß die Zeitungen einen erstaunlichen Raum Sensations-Affären widmen, daß sie billiger und umfangreicher sind als die europäischen, daß sie aber nur in wenigen Spitzenblättern (z. B. New York Times, Life, Time u, ä) strengen europäischen Maßstäben gerecht ' werden (in diesen Höchstleistungen freilich übertreffen sie in Aufmachung und Gehalt alles von uns Gewohnte), daß die Tageszeitungen und eigene. Beilagen tagaus tagein sogenannte funny-stories bringen, an denen wir gar .wenig „funny" finden, die aber hier unterschiedslos verschlungen und geliebt werden, daß Wolkenkratzer mit mehr als 30 Stockwerken nicht nur in New York zu finden sind, daß die Wohnzentren ("up town") scharf von den Geschäftsvierteln („down town") getrennt sind und meist entzückende Ein- oder Zweifamilienhäuschen mit großen Gärten oder umfangreiche Hotels für Dauergäste enthalten, daß in den „drug stores" nicht nur Appthekerwaren und Getränke, sondern eine Fülle verschiedenartiger Haushaltartikel und Gebrauchsgegenstände zu erhalten sind, — freilich ohne jede Auswahl, so daß man den gewünschten Gegenständ (etwa braune Halbschuh-Senkel) eben schließlich doch im Fachgeschäft suchen muß, daß Leichenfeiern in „wohnlichen" „funeral homes" stattfinden, i'daß die Auswahl auf den Speisekarten gering ist, daß weniger als in Europa gegrüßt wird, daß erstaunliche' Mitteilungen mitider rhetorischen Frage „is that so?" quittiert werden, was den Neuling irritiert, weil er zu Unrecht meint, daß seine Glaubwürdigkeit bezweifelt würde, daß nur Botenjungen radfahren,.— sie freilich auf unwahrscheinlich vornehmen, Stahlrössern, mit -Kühnheit und Grazie, daß es keine guten Süßigkeiten, Schokoladen, Konfekts und Kleinbackwaren,;' dafür aber eine phantastische Auswahl herrlicher Eiscrems und Kaltgetränke gibt, daß die vielen Radio-Sender jeder Stadt (sie sind privater Besitz und werden von Firmen betrieben, die zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten — z. B. zwischen zwei Sätzen einer Symphonie — ihre Reklamen einstreuen), fast ununterbrochen Jazzmusik senden, die zuweilen raffiniert und einschmeichelnd, häufiger freilich unerhört ungewohnt (um nicht zu sagen abscheulich) auf europäische Ohren wirkt, daß von Schmink- und Farbstoffen und -Lacken nicht nur im Gesicht, sondern auch an Hand und Fußnägeln reichlicher, aber geschickter Gebrauch gemacht wird, daß in den öffentlichen Parks zahlreiche kleine Oefen für Picknick- Partys stehen, daß jeder Beamte (wie z. -B. auch die Billetknipser in dem größten Kino der Welt; „Radio- City" in New York, 4200 Plätze), seinen Namen angehängt hat, daß in vielen Restaurants und Läden sehr praktische Selbstbedienung eingeführt ist, daß man jede Kleinigkeit zugestellt bekommt (z. B. seine Eisportion für 5 cent), daß — auch bei der Bahn — nicht die 24-Stunden-Zeit eingeführt ist, sondern nur die AM (Ante Meridiem — Vormittag) und PM (Post Meridiem — NachmittagJ-Zählung. was rncht nur bei Neuankömmlingen zu» Irrtümern führt, daß fast jeder Haushalt seinen elektrischen Eisschrank hat (bei der hier häufigen Hitze ein Bedürfnis), daß jedes Auto sein Radio, keines jedoch Richtungsweiser hat, daß alle Autobusse, Straßenbahnen usw. nur einen Lenker (und keinen Schaffner!) haben, und daß dieser die Fahrscheine ausgibt, daß Hochzeitsfeierlichkeiten bis spät nachmittags oder abends stattfinden und das Brautpaar unter ständigem Hupen heimgeleitet wird, daß Feuerwehr, Polizei und Krankenwagen mit Sirenengeheul durch die Straßen rasen, daß fast alle Amerikaner zwei Vornamen haben, daß die meisten Häuser an ihrer Außenseite Feuerleitern tr^en, daß sich niemand scheut, . in Hemdsärmeln und Hosenträgern zu gehen, daß es „shoking" wirkt, selbst kleinste Kinder nicht voll bekleidet zu zeigen, daß schon zwei- und dreijährige Knaben mit langen Hosen und Strohhüten einherstolzieren. Mancher Leser wird finden, daß diese Aufzählung nur Nichtigkeiten und Aeußerlichkeiten enthält. Aber einerseits ist es sehr schwer zu unterscheiden, wo Aeußerlichkeiten beginnen und wo Beobachtungen tiefe Einsichten eröffnen, und zum anderen haben wir uns. ja schon einleitend bemüht, nachdrücklich genug festzustellen, daß wir keine neuen Entdeckungen über die USA. nach 14 Tagen zu machen uns unterfangen. (H. L. in der Wiener J. R.)

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