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Der Israelit · 1938-10-21 · Heft 42 (21.10.1938) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 42 (21.10.1938)
Date
1938-10-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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21. Oktober 1938 Der Israelit Nr. 42 Seite 9 gegen die beabsichtigte Ansiedlung von Juden in Kenya Protest einlegt, und zwar mit der Begründung, eine solche Ansiedlung würde die Zahl der weißen Siedler ungebührlich erhöhen und dazu führen, daß die hochgelegenen Gebiete der Kolonie gesetzlich den Weißen vorbehalten werden würden. Trotz größter Sympathie mit den_Juden, die seit 1933 in Indien selbst in nicht geringer Anzahl bereitwillig aufgenommen worden seien, müßten sie gegen eine jüdische Einwanderung nach Ostafrika Einspruch anmelden. Es gibt in Kenya etwa 70 000 Inder, die nach Kriegsende dorthin eingewandert sind und im Handel eine bedeutsame Stellung errungen haben. Diese Einwanderung gehörte zu den Vergünstigungen, die die Inder als Belohnung für ihre Kriegshilfe von England erhielten. Es scheint, daß das Indien- A m t der Londoner Zentralregierung auch jetzt noch seinen starken Einfluß. zugunsten der in anderen Teilen des Empires wohnhaften Inder einsetzt. Kein Unterschriftszwang mehr am Sabbat. London, 14. Oktober, Wie das Central Office der Agudas Jisroel in London mitteilt, ist es nach langjährigen Bemühungen gelungen, dem Gewissenszwang ein Ende zu machen, der seither auf religiöse jüdische Passagiere, die an Sabbaten oder jüdischen Feiertagen im. Hafen von New York landeten, ausgeübt worden ist. Diese Passagiere wurden häufig vor die Wahl gestellt, entweder am Sabbat eine Unterschrift zu leisten oder nach Ellis Island verbracht zu werden. Manchmal wurde sogar die Drohung des Rücktransportes nach Europa ausgesprochen, und es ist begreiflich, daß in manchen Fällen die eingeschüchterten Immigranten dem Drucke nicht Stand hielten. Nunmehr hat auf Antrag -des Immigration Department der Agudas Jisroel World Organisation in New York und nach persönlicher Intervention seines Leiters in Washington das Labour Department der Vereinigten Staaten eine Anweisung an die Einwanderungsbehörden erlassen, wonach orthodoxe Juden nicht mehr gezwungen werden dürfen, bei der Landung an Sabbaten und jüdischen Feiertagen eine. Unterschrift zu leisten, sobald sie sich bereit erklären, am nächstfolgenden Wochentage in dem Büro der Einwanderungsbehörde zu erscheinen und die erforderlichen Unterschriften nachträglich zu leisten. Um allen, Schwierigkeiten aus dem Wege zu gehen, empfiehlt es sich, daß religiöse Auswanderer schon vor Antritt der Reise sich entweder von einer Agudas Jisroel-Stelle oder von einem Rabbinate eine Bescheinigung darüber ausstellen lassen, daß sie orthodoxe Juden sind und aus religiösen Gründen am Sabbat nicht schreiben. Aegypten. Der Panarabische Kongreß. Kairo, 16. Oktober. Unter dem Vorsitz des ägyptischen Senators^ und früheren-Ministers-AI 1 o ub a Pascha wurde am 7. Oktober unter der Parole „Pro Palästina" ein Panarabischer Kongreß eröffnet. Zum Kongreß sollen etwa 200 Abgeordnete aus 16 Ländern, darunter auch Vertreter Indiens, Jugoslaviens. und der Türkei erschienen sein. Die Eröffnungssitzung war von 2500 Menschen besucht. Die Eröffnungsrede hielt der Speaker des ägyptischen Parlaments, Baraka ts. An König Faruk wurde als „Kalif des Islam" ein Begrüßungstelegramm gerichtet. Der ägyptische Abgeordnete Mokhless und der irakische Parlamentarier El Khoury sowie der Führer der christlichen Syrer hielten Ansprachen. Sämtliche Redner richteten Angriffe gegen Großbritannien und die Juden, Dann ergriff Allouba Pascha zu grundsätzlicher Darlegung des arabischen Standpunktes gegenüber einem jüdischen Palästina das Wort. Die eigentlichen Arbeiten begannen am 8, Oktober. In die Diskussionen griffen aktiv El Khoury, der Mufti und der ägyptische Abgeordnete B o u c h d a . ein. Es wurde die Forderung erhoben, daß die arabischen Länder ihre Verträge mit England kündigen sollten, wenn die arabischen Forderungen nicht angenommen würden. An diesem Punkt der Auseinandersetzung, die nicht ohne Widersprüche war, und in der auch vor allem von ägyptischer Seite versöhnliche Töne gesprochen wurden, verlangte der Neffe des Mufti, Jamal el Husseini, den Ausschluß der Oeffentlichkeit. Diese Forderung wurde angenommen. Die Oeffentlichkeit erfuhr von dem Fortgang des Konoresses erst wieder am 11. Oktober, an welchem die Tagung geschlossen und eine Resolution von acht Punkten, die am Tag vorher zur Annahme gelangt war, veröffentlicht wurde. Die Forderungen lauten: 1. sofortige Aufhebung der Balf Our-Deklaration, 2. sofortige Unterbindung jeder weiteren Einwanderung von Juden, 3. Unteilbarkeit Palästinas, 4. Bildung einer Araberregierung. 5. Amnestie, 6. Nichterfüllung dieser Forderungen bedeutet Feindschaft mit England und wird mit Gegenmaßnahmen wirtschaftlicher und politischer Art beantwortet 7, diese Forderungen werden allen arabischen Fürsten und Regierungen zur gemeinsamen Durchsetzung unterbreitet, sowie dem Völkerbund, England und Frankreich übermittelt, 8. die Kongreßarbeiten werden durch einen ständigen Ausschuß weitergeführt, dem Vertreter Syriens, Libanons und des Irak angehören. — Schließlich soll ein Verhandlungsausschuß nacji London geschickt werden, um an den englisch-arabischen Besprechungen über Palästina teilzunehmen. Für die Dauer dieser Verhandlungen wird ein Waffenstillstand angeboten. Amerika. Ein amerikanischer Protest. Washington, 10. Oktober. Infolge der Gerüchte, daß die britische Regierung die Absicht habe, darauf zu verzichten, Palästina weiterhin den Charakter einer jüdischen Heimstätte zu erhalten, haben, nach Havas, die Führer der j ü - «tischen Organisationen in Amerika an Kolonialminister Malcolm MacDonald ein Protesttelegramm geschickt. Sie erklären darin, daß es ungerecht und grausam wäre, die Einwanderung nach Palästina zu unterbinden. Diese Gefüehte hätten bei Hunderttausenden von Juden eine wahre Bestürzung hervorgerufen. Es sei nicht möglich, daß Großbritannien in einer für die Juden so schwierigen Zeit Maßnahmen ergreife, die zur Annullierung der Balfourdeklaration und zur Niederlegung der Verantworj tung, die ihm aus seinem Mandat erwachsen, führen. Südafrika. Aus der Arbeit des Immigrations-Ausschusses« Johannisburg, 12. Oktober. Im Parlament wurde die Immigi'ationsfrage erörtert. Von nationalistischer Seite führte man Beschwerde, daß im letzten Jahre 960 jüdische Einwanderer nach der südafrikanischen Union gekommen seien. Der Minister erklärte, daß er mit der Arbeit des Immigratiötts-Aussehusses vollkommen zufrieden sei. Mr. Morris Alexander sagte, daß die Wirkung' des neuen Einwanderungsgesetzes die Einwanderung nach Südafrika fast völlig unmöglich mache. Es werde so gut wie niemand zugelassen, wenn er nicht nachweise, daß er neue Beschäftigungsmöglichkeiten für Südafrikaner ins Land bringt. Von den 960 Einwanderern, die gewissen Leuten noch zu viel sind, seien eine große Zahl Frauen und Kinder, die zu ihren bereits im Lande befindlichen Familienoberhäuptern gekommen sind. Infolge technischer Schwierigkeiten konnte der „Israelit" erst am Freitag, den 21. Oktober, erscheinen, EREZ ISRA Die Tragödie von Tiberias. Jerusalem, 6. Oktober, Der bestialische Mord in T i b e r i a s am Sonntag vor Jomkippur erinnert an den blutigen Sabbat von Hebron im Jahre 1929. Die Metzelei dauerte von 9 Uhr abends bis Mitternacht, ohne daß die Mörder in ihrer Arbeit irgend gestört worden wären. Erst um 12 Uhr nachts, griff die Polizei mit Hilfe von Ghaffirim ein, wobei sechs Banditen getötet wurden. Die blutige Ernte der dreistündigen Arbeit im. neuen Stadtviertel „Kirjath Schmuel" ist; 21 Tote, unter ihnen drei Frauen und elf Kinder, und drei Schwerverwundete. In zwei Häusern wurden ganze Familien, Vater, Mutter und sechs bezw. vier Kinder, auf bestialische Weise getötet. Die Ueberfallenen, unbewaffnet und völlig überrascht, hatten nicht die geringste Möglichkeit, sich zu wehren. Manche wurden im Schlafe überfallen und ermordet. Die Synagoge des Stadtviertels und mehrere jüdische Häuser wurden in Brand gesteckt. Auch das Regierungsgebäude brannte darnieder. Wie die Mordbrenner drei Stunden lang sozusagen unter den Augen der Polizei ungestört so wüten konnten, ist rätselhaft, zeigt aber leider auch die Lücken des Sicherheitsschutzes, der sich vielleicht zu sehr aufs Land konzentriert und zu wenig der. Gefahren in der Stadt achtet. Ein amtliches Communique über die Vorgänge in Tiberias meldet, daß zwei arabische Gruppen die Stadt aus zwei Richtungen angriffen. Sie durchschnitten alle Telefondrähte und beschossen die Stadt aufs heftigste von den Bergen, besonders die Polizei- und Verwaltungsgebäude. Gleichzeitig wurden eine Synagoge und sechs jüdische Häuser in Brand gesteckt. Die Polizei erwiderte das Feuer, während Verstärkungen von den transjordanischen Grenzkräften herbeieilten. Die. Namen der Ermordeten sind: Herr und Frau Jehoschua L e nur i und ihre zwei Kinder; Sara J o - chanan und ihre sechs Kinder im Alter von 3—13 Jahren; Herr und Frau Menachem K a t i n; drei Töchter einer Familie L e y m a n; Jakob Groß; Mosche Saposhniko; Jakob Selig, der Synagogendiener und zwei Ghaffirim. Israel Fuchsman und Zvi Chaskelevitz. Das Begräbnis der 21 jüdischen Opfer fand am Montag, den 3, Oktober, nachmittags statt. An demselben nahmen außer der gesamten jüdischen Gemeinde von Tiberias Vertreter aller zentralen jüdischen Organisationen und Institutionen aus ganz Palästina teil. Während des Begräbnisses, zwischen 2 und 4 Uhr, ruhte, auf Anordnung der Oberrabbinate, im ganzen jüdischen Palästina zum Zeichen der Trauer die Arbeit. Der Stadt ,Tiberias wurde ein 22stündiges Ausgehverbot auferlegt. Generalleutnant Haining, der Oberbefehlshaber der palästinensischen Truppen, Mr. Saunders, der Leiter der Polizei, und der Bezirkskommissar von Galiläa besuchten am Montag Tiberias. Im Namen der Jewish Agency erließ Mosche Schertok eine Erklärung, in der er sich gegen den Terror wendet und insbesondere sein Bedauern darüber ausspricht, daß die seinerzeit von den jüdischen Instanzen vorgeschlagenen zusätzlichen Schutzmaßnahmen nicht rechtzeitig durchgeführt worden sind. Schertok betont, daß die Jewish Agency besonders auf die Bildung weiterer mobiler Nachtwachen sowie Gegenangriffspatrouillen gedrängt habe, die sich als äußerst wirkungsvoll bei der Abwehr von Angriffen zeigten. Einer einzigen jüdischen Nachtpatrouille in dem Bezirk von Tiberias gelang es, den Terroristen eine scharfe Strafe zuzufügen. Wenn mehrere solcher Patrouillen zur Hand gewesen wären, hätte es ihnen vielleicht gelingen können, die Terroristen zu überraschen, als sie sich Tiberias näherten oder als sie alle zur Stadt führenden Straßen verbarrikadierten. Auf diese Weise hätte die Patrouille den Ueberfall verhindern oder hätte wenigstens die Truppen rechtzeitig warnen können. Auch das Oberrabbinat sandte ein Protesttelegramm nach London. Der Terror gewinnt an Boden. — Maßnahmen ohne Erfolg. Jerusalem, 12. Oktober. Auf den Gouverneur von Jerusalem wurden von der Mauer der Altstadt herab vier Bomben geschleudert, der Wagen des Gouverneurs, der von zwei Panzerwagen begleitet war, wurde nicht getroffen. Um Nablus herum wütet zur Stunde eine regelrechte Schlacht zwischen Truppen und Arabern. Bis jetzt wurden zehn tote Araber und mehrere tote und -verwundete Engländer gemeldet. Von Damaskus aus wurden die Freischärler aufgefordert, in diesen für das Schicksal entscheidenden Tagen ihre Aktivität aufs Höchste zu steigern. So war auch der gestrige Sonntag durch zahlreiche Ueberfälle und Mordtaten im ganzen Lande gekennzeichnet Die Juden hatten an diesem Tage zwei Tote und acht Verwundete, letztere bei „Sichron Jakow", zu verzeichnen. Aus London werden neue Truppen angekündigt. In Lydda wurden als Abwehrmaßnahme 21 Häuser und in M e d j d a 1 25 Häuser von den Truppen gesprengt.

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