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Der Israelit · 1938-10-21 · Heft 42 (21.10.1938) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 42 (21.10.1938)
Date
1938-10-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 42 , .2&£fl0ktoinap 1938' überstanden, aus dem ursprünglichen Volle ist eine Religionsgemeinschaft geworden, Menschengruppen verfolgt wegen ihrer Sitten, Gemeinschaften, eingeengt in ihrer Berufsausübung und gepeinigt und mißachtet, weil ihre Religion mit der der erdrückenden Mehrheit im Widerspruch stand. Immer und in allen Jahrhunderten gab es Perioden, wo ein Lichtschein aufging für die Verfolgten und Bedrückten, und eine eigenartige Tatsache ist es, daß in den Zeiten, wo ir. einem Lande die Unterdrückung ein grausiges Maß annahm, sich die Tore anderer Länder öffneten; die den Bedrückten Asyl und Aufenthalt gewährten. Unglücklicherweise aber gab man den Flüchtlingen keine freie Berufswahl, immer wieder beschränkte man sie in der gewerblichen Tätigkeit und besonders ließ man es nicht zu. daß die Juden Land erwerben konnten, um wieder auf eigener Scholle die Ruhe zu finden, die man seit Jahrhunderten verloren hatte. Aus dem seßhaften Volke der Bauern wurde der „ewige Jude" künstlich gezüchtet, dem die meisten Be rufe verschlossen, den wir durch die Jährhun deeie^ wandeln sehen mit dem Bündel auf dem Rücken, irrend und suchend, und nur aufrecht erhalten durch einen unversiegbaren Glauben an seine Religion, die Religion seiner Väter. Erst die französische Revolution, die von Gleich heit und Brüderlichkeit sprach, mußte auch zu dem Judenproblem Stellung nehmen. In Frankreich zuerst, dann aber über Europa sich ver breitend, wurde die Gleichberechtigung ausge sprochen, aber sie war nur theoretisch und brachte noch immer Einschränkungen bis in die neueste Zeit. Nur ganz wenige Länder Europas ließen die Vorurteile völlg fallen und gaben den Juden Zutritt zu allen Wirtschaftszweigen, niemals zum Schaden des Landes. Aber die Juden haben die Zeit und ihre Möglichkeiten falsch verstanden. Jetzt wäre ihnen die Gelegenheit zur völligen Umschulung gebogen gewesen, die Rückkehr zur eigenen Scholle, die Rückkehr zum Boden und zur Natur.« Leider und tausendfach - leider ging diese Periode nutzlos für das Judentum vorüber, die Flucht aus dem Ghetto brachte eine falsch verstandene Emanzipation und Assimilation, .der Jude floh in die'.Gebiete der Wissenschaft, und der Technik, in den Handel und in die Politik und ahnte nicht,... welche" große Gefähr ihm wieder bevorstand. Und Wiedel" begann die Zeit der Anschuldigungen lind wieder droht ein neues Ghetto, und[ wieder gehen die armen Tausende, ohne Vermögen, aus ihrem Lebensraume verstoßen,; hinaus,, ziehen in eine Welt, wo sie Schutz vor Verachtung und Erniedrigung suchen. Werden sie ihre; Ruhe, fin den? — Und damit sind wir an deni ewigen Problem angelangt; dessen Lösung in unserer Hand liegt, und dessen Prüfung uns anvertraut ist, das Problem, das unsere Lebensfrage und die Zukunft unserer Kinder bedeutet: Die Berufswahl. Längst hat es der Zionismus eingesehen, daß die Jijdenfrage, in dem Augenblick gelöst ist, , wo der Jude wieder Seßhaft geworden ist auf eigener .Scholle, Riesige Landstrecken Palästinas geben heute; der; ganzen t Welt beredtes und leuchtendes Zeugnis ab von dem Fleiß des jüdischen ^Bauern, der die Gefahr der Tröpenkrankheiten nicht achtend, den Kampf mit Sumpi und Urwald aufnahm und aus Sand und Wüste fruchtbaren Ackerboden, schuf. Die Balfourdeklaration des Jahres 1917 gab dem Zionismus einen gewaltigen Auftrieb, fast 100 000 Menschen sind in Palästina wieder zurückgekehrt zu der Scholle, zu der Njitur, zu dem Boden, zur Produktion. Es ist auch von uns Nichtzionisten diese großartige Pionierarbeit; dankbar anzuerkennen, da sie den Weg zeichnete, .«wie nur allein die Judenfrage in der ganzen Welt,^u lösen ist. Die Zuwanderung nach Palästina^ist j ■ vorläufig völlig gesperrt und es ist kaum damit zu rechnen, daß eine5 Mässenemigration . wie^in | j den Vorjahren sich wiederholen wird. Aber,nicht allein Palästina hat seine-^ore gesperrt, fas^dje^ h ganz^ Welt schließt sich'-fast hermetisch abjgg&fö? der jüdischen Zuwanderung. Warum? Weil sich j| die jüdische Zuwanderung in den ohnehin über füllten Städten festsetzt und die Berufe ergreift, die zur, Blüte eines Landes, zu;seiner Prosperität wenig beitragen können. Die Staaten ^Südamerikas haben heute noch unermeßliche7'Strecken jungfräulicher, unbebauter. Erde, die nur wartet auf das Zupacken fleißiger Hände, die sich nicht fürchten vor harter Arbeit und Mühe und Entbehrungen, die sich dereinst lohnen werden. Hunderttausende Juden in Deutschland und Osteuropa finden heute in der alten Heimat nicht mehr das tägliche Brot, und hier auf den weiten Flächen Südamerikas liegt auch heute noch der Schatz in der Erde. Die Staaten Südamerikas wollen jüdische Landarbeiter, die ihren Brüdern in Palästina gleich, Land und Scholle bearbeiten; sie werden jeden Menschen freudig begrüßen ohne Unterschied der Rasse .und der Religion, der seine,Kraft einsetzt für sein Stück Land, zu seinen Gunsten und zum Segen des Landes. — Es ist in den letzten Jähren :igettug gesprochen worden von Berufsumschichtün^;'- . man7 lasse heute die Tat folgen, die jüdenfrage Visjt" brennend und wird immer und ewig i .bestehen bleiben, wenn man den Ruf der heutigen Zeit nicht versteht und noch immer an die Mächt des Geistes glaubt, anstatt den Wert produktiver Arbeit höher zu stellen. Die Judenfra^e..is.t in dem Augenblick gelöst, wo man zurückkehrt zur Scholle, zur Landwirtschaft, zur Natur/ Und das bedeutet absolut keinen geistigen'Rückschritt. Der Mensch, der wieder die Natur lieben lernt und seinen eigenen Boden, der wieder lebt mit seiner Pflanzung und an ihr Freude gewinnt, der Mensch, dem Vieh und, Baum und Strauch wieder zu Freunden werden, hat mehr vom Leben als der ewig irrende und nie zufriedene geistige Jude. Wenn man auswandern will. Aus einem Brief an den Hilfsverein. Unvergessen ist uns ihre menschenfreundliche Aufopferung, mit der Sie sich für die Lösung vor allem der komplizierten Fragen einsetzten, die-mit an serer Auswanderung zusammenhingen. Sie haben an uns nicht nur ein aus ihrer . Berufstätigkeit entspriri gendes Interesse genommen, sondern eine persönliche Teilnahme an unseren Schicksalen bewiesen, die uns stärkster moralischer Halt in sehr trüben Monaten war. Dafür danken wir ihnen immer in herzlicher Dankbarkeit und würden uns glücklich fühlen, auch ihnen einmal mit Rat und Hilfe beistehen zu können Wenn sie einmal solcher bedürftig sein sollten, rechnen Sie auf uns. Was in unseren einstweilen allerdings noch sehr schwachen — Kräften steht, wird für Sie geschehen. Wir sind, keine von denen, die Hilfe verlangen, und annehmen, um dann sofort wie der zu vergessen. Vielleicht haben sie aber doch schon: vermutet, dies sei trotz unserer; mündlichen Zusicherungen der Fall, da Sie seit den nun schon über drei. Monaten( die seit unserer- Ausreise vergingen, nichts mehr, von uns hörten. Dies läßt'"sich aber ohne Mühe dadurch erklären, daß wir ja erst hier e^twas zu erleben und" das Erlebte innerlich: zu verarbeiten hatten/ ehe sieb ein wertvoller Niederschlag von Eindrücken und Er fahrungem gewinnen »ließ. Ich will.leiniges' davon mitteilen, aüch auf die 'Gefahr hin,; Ihnen wahrscheinlich längst Bekanntes zu ^wiederholen. .'Wir"hallen mit def^kr^^^eine ganWwunderbare; Seereise,, bei herrischstem HWetter mit 'spiegelf glatter^ Wasserfläidne'. Wew^ork' natürlich: eiir?uberwältigender Eindruck. DÜfch';Guhsere VerWaridten wurden wir in die Obhut eineri'judi'schen Organisation gebrächt. Es handelt -sich ila um eirier: Wirklich segensreiche Einrichtung,^ welche die Eingewöhnung in die neuen Lebensverhältnisse! in großzügigster. Weise erleichtert.' Das.-Hau? faßt nur gegen 28 ,PerT _onen^ - doch.' wird'ein iNachbäiihau's jetzt -gleichen Zwecken adoptiert. Erbietet vollständig freie Unter/? kunft mit Frühstück und ordentlichem warme» Din-> ner, auch Kaffee zur Lunchzeit.-Die Gäste sind .einzig! gehalten, ihre Zimmer, selbst in Ordnung zu halten, sich -loeiiß.'.. AbwaschenJnach..:Ti s«nbeteiligA{* und sonst durch gelegentlichekleine Diensfleistungeh zuni Besteh des .Gemeinschaftslebens sich'' nützlich' zu machen. Zum-,Zweck einer rationellen Ausnutzung der zur Ve'rf$gun£.. ,stehen4#i",£.etteia, mag es allerdings vorkommen," daß Ehepaare getrennt''werden müssen; Die Lebensführung ist JnichT kosefier.; Das Haüs untersteht der Leitung e'iner^ höchst gebildeten £)ame. die nicht nur' für:, das Allgemeinwohl ihrer^ Gratis-; gaste, sondern auch Individuell für die persönlichen Nöte der sich ihr'Anvertrauenden, zu besorgen bemühtest. Angesichts aller dieser Wunder der Menschenfreundlichkeit ist nach einem Unterkommen in diesem Hause natürlich stärkste Nachfrage und Anmeldungen müssen monatelang vorher in die Wege geleitet werden, Von diesem Haus aus werden auch nach Möglichkeit die soviel' gepriesenen „jobs" vermittelt. Das ist nun freilich meist eine recht trübe Angelegenheit: ich machte an meiner Umgebung die Erfahrung,' daß sie dem angebotenen „job" nicht gewachsen waren; entweder entsprachen sie den Ansprüchen des, Arbeitgebers nicht oder die Aufgabe ging übers ihre Kräfte und Fähigkeiten oder es stellte sich ^sofort ein solches Mißverhältnis zwischen, Leistung u%d Bezahlung heraus,, daß die „jpb"-Be.sitzer nach zwei, drei Tagen wieder dem, Gemeinschäftshaus zurückge- »en . waren. ... .-.; , -.hiy~ -ts-t ., Man muß .sich .unb.ed.ingt erst,, und wenn es,' Woche ist, akklimatisieren, in die Stadt und; ihre V»rkehrsgehejmnis$eeindringen, nach den Erlebnis-' seh und Erfahrungen anderer lauschen,, sich ^.grundlegend ander?<,"ß edahk.eh'gänge; hineinfinden, * j^fean* ■ abgesehen Von der $prache, die hftht zu sprechen, aber zuzuhören, das eigentliche Problem, ist. Da ist der Eingewanderte selbstredend auf Jahre hinaus im Nachteil gegen den primitivsten Einheimischen. Öi.e. Uebereifrigen, die glauben, das Schicksal 'durch Tempo zwingen zu können,' sind dann natürlich die schnellst Enttäuschten, werden bei den unausbleiblichen ersten Fehlschlägen deprimiert und das kann nicht gut sein. Das wichtigste ist, sich erst in Ruhe, die persönlichen Verbindungen zu verschaffen, denn nur durch diese — wenn überhaupt — ist eine Möglichkeit zu einer Beschäftigung zu finden. Ich glaube bestimmt, daß Zuwarten sachlich und psychisch richtiger ist, als krampfhaftes Ueberstürzen. Vielleicht hat unter fünfzig erst mal einer Glück, gleich einen Dauerjob zu finden, und dieser ist meist danach! Ich :habe das mit Absicht ausgeführt; in der. Annahme, daß dieser Gedankengang nicht allzuoft in dieser Weise ausgeführt wird. Vielleicht können Sie ihn aber in irgendeiner Weise bei Ihren. Schutzbefohlenen anwenden, als Rat eines sehr kühl- und klarsehenden Mannes, dem mehr am dauernden als am sofortigen Erfolg liegt. . .." ~ "Wir-hatten das besondere Glück, daß wir statt der: vorgesehenen drei, ganze zehn -Wochen im Gern einschaftshaüs verbleiben konnten, was natürlich eih£ Wohltat'für den mageren Geldbeutel war. Zu Jülibeginn/müßten wir uns aber dann-doch selbständig machen und hausen nun; gegenwärtig in einem von tausenden hier vorhandenen Appartementshäü - sern, Ursprünglich glaubten wir, mit möbliertenMZim^ mern vorteilhafter wegzukommen, weil die- Appartemeritshäüser; mit ihrem äußeren -Komfort den-'•'Verdacht'^besonderer Kostspieligkeit aufkommen lassen. Das ist aber' nicht so^ Wir wohnen' z. -B. zu. drei Personen für 8 Dollars, zwei Personen; können' mit 6' Dollars die Woche' gut äuskommenj; -und haben dafür zwei Zimmer mit eigener, sehr praktischer Küche.v Bad, Wäsche, Licht und Zimmerreiniguhg, Lift und viel größere persönliche Uneingeschränktheit als in einer Privatuntermiete, Die Preise sind natürlich :je; nach' Städtgegend sehr verschieden, aber gerade hier der Umkreis um die 110. Straße iit vorteilhaft;-dabei beste Lage neben r dem gänz^-großartigen Zentralpark und in' nächster Nähe der-'^Untergrund- und Hochbahn. Dies aber ist unter allen Umständen die Hauptsache, viel wichtiger als die Frage,.;ob die:. Wohnung mehr Söder weniger .weit,/vom, Stadtkern lietgt, denn gefahren werden muß doch, und; der Fahrpreis ist für^jede Entfernung der fgle.ic}ie,.'W^r'..''ni9^'; in.' 4ör glücklichen, Lage .{st, ,da,ß rex,/mit^£ijF{, "ahkdjnmV und sich gleich eine, eigene: Wp|mung gesotten; k'ann^ also auf .Appartementhaus angewiesen ist," tut gti^JtL'ßäV:. nein nächstgreifbaren Gepäck ' einiges t Eß-;7und Küchengeschirr mitzubringen:,..,Tassen,,'tf T^elier und Bestücke,, ein paarSchüsseln lind .Pfannen, pas. 'Selbstwirtschaften ist wirklich . rentabel, da die\;Lebensmit.telpreise lächerlich, gering sind, und jedes erdenkliche; :Nahrungsmittel in Ueberfülle und in 'Wunderbarer Qualität zu bekommen ist. Das Essen in Speiselokalen und Cafeterien kann trotz der scheinbaren Billigkeit kostspielig Werden, ist jedenfalls aber sehr ungemütlich und darum auf die Dauer unbekömmlich und. unausgiebig. Leibwäsche braucht man viel, da der Körper infolge: des hohen. Feuchtigkeitsgehaltes der- Luft (viel mehr deshalb,, jäls' wegen 'der Sommevtemperaturen) den, ganzen. Tag in "seinem ' eigenen Schweiße schwimmt. - .-■ . .' . '.. \ijU> ' Wenn man*, für ein. Appartement (für ^xei Personen) 35' Dollars (und für das bescheidene tägliche Leben auch 35 Dollars, im Monat rechnet, kann '{man: mit 70 Dollars auskommen ^rr; knapp, aber doch;satt. Dabei" sind die Ausgaben viür:• Fahrten, £elefpn 'mit ..eingerechnet', nicht aber die Äufbe.w^hrungskpsieh .des größerBn.'.Umzugsgutes; b,ei. der; storäg^^äie; -sehr .ins Gewicht-dallen? können; sMit*:zahlenfiixzehii .Kisten ve*bchiedener;fGröße ,8 Dollar <jen ^|ö^iai\f.; Wir Selbst?f«ihd:»äüch mit derh, fEr^bferuugoAmerikas" noch keineswegs weitngediehen, g^ilangi^Pi?0^

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