Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 40-41 (7.10.1938)
- Date
- 1938-10-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 40/41 Der Israelit 7. Oktober 1938! E R E Z ISRAEL Einwanderer und Gäste zu Roschhaschana. Der Häfen von Tel Awiw, Mit dem Dampfer „Polonia" kamen am Erew Roschhaschana 1071 Passagiere im Hafen von Tel Awiw an, darunter über 600 Einwanderer, die alle noch vor Beginn des Festes landen konnten. Der Tel Awiwer Hafen wird in der kommenden Saison imstande sein, den Export von 2 Millionen Kisten Zitrusfrüchten zu bewältigen. Diese Ziffer würde das Doppelte der im vorigen Jahr erzielten darstellen. Das Handelsblatt „Haiton Lemischar", das in Tel Awiw erscheint, weiß von einem Plan der Umwandlung des Tel Awiwer Hafens in einen Tiefwasser- Hafen zu berichten, der von einer englischen Gruppe finanziert werden soll. Diese Gruppe sei bereit, über zwei Millionen Pfund aufzubringen. Offizielle Einweihung des Tel Awiwer Flughafens. Tel Awiw, 30. Sept. Nachdem, wie berichtet, schon seit Wochen bestimmte Klassen von Flugzeugen auf dem neuen Flugplatz am Nordufer des Jarkon bei Tel Awiw gelandet waren, fand am 22. September in Anwesenheit zahlreichen Publikums die offizielle Einweihung statt. Der Bürgermeister von Tel Awiw, Jizchak Rokach, und Vertreter der Palestine-Airways, hielten Ansprachen, in denen die große Bedeutung des Flugplatzes für den Jischuw hervorgehoben wurde. Das erste Flugzeug startete sodann nach Beirut; bei einer Zwischenlandung in Haifa wurde das Flugzeug vom Bezirkskommissar Balley begrüßt. Iti Beirut erwartete es der Oberkommissar für Syrien Le Martel. Am Abend fand der programmäßige Rückflug nach Tel Awiw statt. Der Flugplan sieht einen unter jüdischer Kontrolle stehenden Flugdienst Tel Awiw—Haifa—Jerusalem (täglich) und Tel Awiw— Beirut (dreimal wöchentlich) vor. Weiter wird uns darüber geschrieben: Es findet nun ein täglicher Flugdienst Tel Awiw — Haifa — Jerusalem und ein dreimal wöchentlicher Tel Awiw — Beirut statt. Zum Flugplatz wurde eine eigene Chaussee von Tel Awiw ausgebaut Bei der Einweihung wurde die große Bedeutung des Flugplatzes für den Jischuw. insbesondere unter den obwaltenden Umständen hervorgehoben. Das erste Flugzeug, mit dem britischen Handelsvertreter L e m a x , dem Direktor des Flugwesens Gumbley und S. H o o f i e n an Bord, startete nach Beirut und machte eine Zwischenlandung in Haifa, wo der Bezirkskommissar B e i 1 e y und andere sich zum Empfang eingefunden hatten. Am Abend kehrte das Flugzeug programmgemäß nach Tel Awiw zurück. Einbürgerungen in Palästina. Jerusalem, 28. Sept. In den Jahren 1930—1932 war die Zahl der sich Einbürgernden 1000—1300 Menschen pro Jahr gewesen. Im Jahre 1933 verdreifachte sich diese Zahl schon auf 321-JS In den Jahren 1934 und 1935 wurden ungefähr 6000 Einbürgerungen pro Jahr vollzogen, Den Höhepunkt aber bildete das Jahr 1937. 12 194 Gesuche wurden in diesem Jahre eingereicht, von denen ein großer Teil nicht für Einzelpersonen, sondern für ganze Familien gilt. Im Jahre 1937 erwarben 21 542 Juden die palästinensische Staatsbürgerschart, und viele Tausende von Juden, die in diesem Jahre ihre Gesuche eingereicht hatten, bekamen den Bescheid erst im folgenden Jahr. In den Jahren 1935 bis 1937 wurden 42 313 Menschen in Palästina eingebürgert. Es gibt keine offiziellen Ziffern über die Zahl der Juden, die seit dem Einbürgerungsgesetz palästinensische Staatsangehörige geworden sind, aber man schätzt ihre Zahl auf 120 000 Seelen. Die Erledigung der Gesuche ist noch immer langsam, wenn sie sich auch schon merklich gebessert hat. Zur Zeit laufen 2300 bisher unerledigte Gesuche. Auch Nichtjuden haben von dem Einbürgerungsrecht in Palästina Gebrauch gemacht. Im Jahre 1935 bekamen 252 Nichtjuden die palästinensische Staatsangehörigkeit, im Jahre 1936 — 169, im Jahre 1937 — 186. \#b sind die Bewohner von Pkün untergebracht? Haifa, 29. Sept. Wie schon wiederholt mitgeteilt, sind die Bewoh-v ner der uralten Niederlassung P k i i n bis auf einen hundertjährigen Greis durch die Regierung evakuiert worden. Sie befinden sich in dem Haifaer Stadtteil B a t - G a 1 i m. Mit Ausnahme der Greise und Kinder gehen die Erwachsenen alle dem Erwerb nach, zum Teil in Sichron Jaakow, zum Teil in Hadar Hakarme!. In dem Dorf, in dem seit Jahrtausenden ohne Unterbrechung Juden lebten, wohnen auch noch Drusen und Araber, und das gegenseitige Verhältnis war friedlich. Soweit die Evakuierten sich in Haifa nicht selbst ernähren können, sorgt die Gemeinde für ihren Lebensunterhalt. Auch in Pkün hatten sie schon Berührung mit der jüdischen Welt. In früheren Zeiten kamen viele Sommerfrischler nach Pkün,- das sich durch seine gute Luft auszeichnet. Doch hatte die arabische Umwelt einen großen Einfluß auf die Juden in Pkün, und äußerlich waren sie nicht von Arabern zu unterscheiden. So kamen sie auch jetzt in arabischer Kleidung nach Haifa und wurden erst von der dortigen Gemeinde mit europäischen Kleidungsstücken versorgt, In den letzten Jahren waren eigentlich nur Frauen, Kinder und Greise in Pkün geblieben. Die Jungen und Arbeitsfähigen arbeiteten an allen möglichen Orten des Galil. Im letzten Jahre kam auch der hebräische Lehrer des Misrachi, der sonst bei ihnen Schule hielt, nicht mehr, und die zwanzig Kinder, die sie hatten, blieben ohne Unterricht. Die Notlage wurde groß, viele mußten sich Geld von den arabischen Nachbarn leihen, und so bröckelte die Gemeinde immer mehr ab, denn wer nur konnte, suchte außerhalb eine Existenz. Es blieben zuletzt nur 13 Menschen, die die Polizei evakuierte. Sie hatten in der letzten Zeit auch nicht erfahren, was um sie vorging, denn der einzige im Orte, der eine (arabische) Zeitung bekam, war der arabische Scheich, der ihnen daraus vorlas. Die Jewish Agency berichtet. Jerusalem, 22. Sept. Die Exekutive der Jewish Agency in Jerusalem hielt heute eine Presse-Konferenz ab, in der Elieser Kaplan, Schatzmeister der Exekutive, über die wirtschaftliche .Tätigkeit der Agency berichtete. Er sagte, daß im vergangenen Jahre Lst. 176.000 für Kolonisation verausgabt worden sind. Für Sicherh eitszwecke und das Politische Departement der Exekutive sind in den zwei Jahren der Unruhen Lst. 125.000 ausgegeben worden; für Anleihen an Arbeitslose Lst. 70.000; für Handel und Industrie Lst. 42.000, während langfristige Kredite und Garantien an die Banken die Gewährung von Anleihen im Gesamtbetrage von Lst. 150.000 ermöglichten. Ueberdies ist ein Garantiefonds geschaffen worden, der es möglich gemacht hat, Darlehen an Pflanzer, Keufleute und Handwerker zu gewähren. Die Jewish Agency hat sich aucl an der Finanzierung von öffentlichen Arbeiten beteiligt und dadurch in Tel Awiw allein 1300 Personen Beschäftigung, u. a. beim Bau des neuen Flugplatzes, verschafft. Kaplan berichtete über eine Vereinbarung, die zwischen der Jewish Agency und der jüdischen Schiffahrtsgesellschaft „Atid" getroffen worden ist. Die Gesellschaft hat sich der Kontrolle der Jewish Agency unterstellt, die der Gesellschaft eine nominelle Subvention bewilligte. Mosche Schertok beantwortete Fragen, die sieh auf die politische Lage bezogen, und erklärte, daß die Jewish Agency der Regierung ihren Vorschlag betreffend die Einwanderungs-Sched u 1 e für die nächsten sechs Monate unterbreitet hat. Elieser D o b k i n , der Fragen betreffend Einwanderung beantwortete, sagte, daß in den sechs Monaten, die mit dem 30. September 1938 abschließen, etwa 6500 jüdische Einwanderer sich im Lande niedergelassen haben. (Palcor.) Die Poale Agudas Jisroel im Berichte der religiösen Jugend von Tel Awiw. Tel Awiw, 30. Sept. Im Rahmen eines allgemeinen Ueberblickes über die Arbeit der religiösen Jugend von Tel Awiw im Jahre 5698, der in den hebräischen Zeitungen Palästinas veröffentlicht wird, ist auch ein eigenes Kapitel den Poale Agudas Jisroel gewidmet, in dem wir ungefähr folgendes lesen: Im Gegensatz zu den früheren Jahren kann das abgelaufene Jahr als eine segensvolle Periode für die Poale Agudas Jisroel genannt werden. Die Zahl der Chawerim hat sich wesentlich vermehrt. Auch haben sich ihre Arbeitsverhältnisse beträchtlich gebessert. Die Zahl der durch die Kanzlei der PAJ. verteilten Arbeitstage übersteigen sogar die-Arbeifstage dieser Arbeiterkategorie in den Jahren der Prosperitie. Das erklärt sich dadurch, daß nach Beendigung des" großen Streites auf dem Arbeitsmarkt und nach Abschluß des Friedensbundes und Gründung der gemeinsamen Arbeitskanzlei auch die PAJ. sich dieser Kanzlei anschließen konnte, Der neue Auftrieb in den PAJ. ist bedingt durch den neuen Geist, der in die Bewegung eingezogen ist, seitdem sie ihre Zentrale in Tel Awiw hat. In ihrem Streben nach Selbständigkeit konnten die Tel Awiwer PAJ. viele bisherige Hemmungen abstellen, wodurch sich ihr eine weitere Entwicklungsbasis eröffnete. Das zeigte sich auch darin, daß bei den letzten Wahlen die Beteiligung zehnfach stärker war als bei früheren. Die vielen Schiurim und Lehrgänge der PAJ. erfreuen sich starker und zunehmender Beteiligung. Im Ganzen kann die Organisation eine geistige Entfaltung aufweisen, wie kaum veine andere Gruppe im Lande,' Von größeren Veranstaltungen sind zu nennen eine Gedenkfeier für Nathan Birnbaum und das Sijumfest des Daf Jomi, In vortrefflichem Zustand und in steter Entwicklung ist auch die Gesellschaft „Saad" der orthodoxen Poalim, deren Aufgabe es ist, den Mitgliedern zu den denkbar billigsten Preisen alle' wichtigsten Lebensmittel zu beschaffen. * Alles in allem ist in diesem Kreis ein Aufschwung festzustellen, der sich auch in einem Zustrom yoii neuen Mitgliedern kundgibt. Ueberfälle, Angriffe und Militärgericht. Jerusalem, 29. Sept. Ein jüdischer Vorarbeiter wurde heute in der Nähe des Bahnhofes von Haifa durch Schüsse leicht verwundet, Ein Soldat des Worcestershire-Regiments wurde durch Schüsse, die aus einem Dorfe bei Jerusalem gefeuert wurden, verwundet. Die Truppen erwiderten das Feuer, wobei ein Araber getötet wurde. In der Nähe des Schapiro-Viertels in Tel Awiw wurde ein städtischer Omnibus beschossen. Der Chauffeur verlor die Gewalt über den Wägen, der sich überschlug, wobei zwei Passagiere, leicht verletzt wurden. , In der Altstadt von Jerusalem wurde ein arabischer Inspektor des Gesundheitsdepartements der Regierung tödlich verwundet. Jacob Spangenthal (40 Jahre alt)," ein Einwanderer aus Deutschland, würde beim Angriff auf einen jüdischen Autobus bei Ramie erschossen. Bei einem anderen Angriff auf einen Autobus bei Ataroth wurde der jüdische Einwanderer aus Deutschland, Gerschon Perl (23 Jahre alt), schwer verwundet. Ein jüdisches Auto mit Ghaffirim wurde in der Nähe von Afule beschossen. Hierbei wurde der Ghaffir Kaiman Wolff getötet und Dr. Pinci von der Khadoori-Schule wurde leicht verletzt. Es kam zu einem Gefecht mit den Terroristen, die schwere Verluste erlitten. In Tiberias wurden der 34 Jahre alte Bachar Dehan und der 38 Jahre alte Joseph Cohen durch Schüsse schwer verletzt. Der in Jerusalem vor einigen Tagen verletzte Dow Binia erlag seinen Wunden. Der 40jährige Nessim Nizri wurde im Zentrum Jerusalems auf der Straße schwer verwundet. In der Nähe des Dorfes Schefa Amr' kam es zu einem Gefecht zwischen Terroristen mit Polizei und Militär. 27 Araber wurden getötet. Nachdem die Eisenbahnstrecke im Süden von Gaza wiederhergestellt worden war, wurde am 1.'Oktober ein wöchentlicher Eisenbahnverkehr nach Aegypten an Stelle des bisherigen täglichen Verkehrs wieder aufgenommen. Das Kriegsschiff „Douglas" ist in Haifa vor Anker gegangen. Vor dem Militärgericht in Jerusalem hat die Verhandlung gegen Jakob Kotik begonnen, der unter der Anklage steht, am 21, August drei Revolver und Magein bei sich getragen zu haben. Er wurde im Revisionistischen Klub in Tel Awiw verhaftet. Der Angeklagte sagte aus, daß ihm ein Koffer, der, wie t glaubte, Dokumente enthielt, zum Tragen übergeben worden sei. Der Prozeß wurde wegen Nichterscheinens eines wichtigen Zeugen auf unbestimmte Zeil vertagt. (Palcor.)