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Der Israelit · 1938-10-07 · Heft 40-41 (7.10.1938) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 40-41 (7.10.1938)
Date
1938-10-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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7. Oktober 1933 Ä D e ,r I 8 r a eilt Nr, 40/41 Seite 9 waltU.ngsb e,H;ö rde; Sie soll den Antrag, wie der Reichsminister des Innern, feststellt, nur einreichen, wenn ein dringendes öffentliche Interesse an der Aufhebung des Annahmeverhält nisses vorliegt und der antragsberechtigte Vertragswert von Seinem Antragsrecht keinen Gebrauch macht oder, nicht mehr vorhanden ist. Wie der Minister bestimmt, wird die höhere Verwaltungsbehörde stets zu prüfen' haben, ob ihr Eingreifen notwendig is wenn die Vertragsparteien verschiedenen Rassen an gehören, Ist ein Vertragsteil Jude oder mit einem Juden verheiratet, der andere Vertragsteil deutschblütig oder Mischling zweiten Grades, so muß du Verwaltungsbehörde den Antrag auf Aufhebung de: Annahmeverhältnisses stellen, Sprechen ausnahmsweise beachtliche Gründe für die Aufrechterhaltung des Kindesannahmeverhältnisses oder ist ein Vertragsteil fremder Staatsangehöriger, so ist vor d< Antragstellung die Entscheidung des Ministers einzi holen. Ist ein Vertragsteil Mischling ersten Grad« der andere Vertragsteil deutschblütig oder Mischling zweiten Grades, so ist dem Minister zu berichten, wenn die höhere Verwaltungsbehörde die Aufhebung für erforderlieh. hält. Ist ein Vertragsteil Mischling zweiten Grades, der aridere deutschblütig, so; ist davon abzusehen, aus diesem Grunde den Antrag zu stellen. Ist ein Vertragsteil zwar nicht Jude oder jüdiaehar Mieohling, aber sonst — ganz.oder teilweise — fremdblütig, so ist dem Minister zu berichten. Auch andere Gründe, die im öffentlichen Interesse liegen, können die höhere Verwaltungsbehörde veranlassen, den Antrag zu stellen, so verschiedener Erbwert der Vertragschließenden, unsittliches Verhalten des An nehmenden und so weiter. Von dieser Möglichkeit ist aber nur mit Zurückhaltung und nach vorheriger Zustimmung des Ministers Gebrauch zu machen. Die jüdischen Aerzte in Oesterreich. Wien, 3. Oktober. Dr. Siegfried Plaschkes, Leiter der Aerzte- Beratungsstelle der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, teilt u. a. mit: Die Aerzteberatungsstelle, die im Rahmen der Auswanderungsaktion der Israelitischen Kultusgemeinde zunächst nur für Emigratioriszwecke begründet worden ist, hat sich im Laufe der letzten Monate als Hort für die jüdische Aerzteschaft Oesterreichs erwiesen. Die wirtschaftliche Lage der jüdischen Aerzte in Wien und in Oesterreich war schon seit Jahren im Durchschnitt schlecht. Die Aenderung der Verhältnisse in Oesterreich aber stellte die jüdische Aerzteschaft je nach ihrem Alter vor verschiedene heue Probleme. Die jungen Aerzte mußten für die Umschichtung und mit Rücksicht auf ihre jugendliche Energie für schleunigste Auswanderung in Betracht gezogen werden. Die alten^Aerzte aber sahen mit Bangen in die Zukunft; nur wenige von ihnen verfügten über materielle Reserven, ihre Pensoinen Altersversicherungen und ähnliche Versorgungsbezüge waren in Frage gestellt und die Mehrzahl dieser Aerzte war wegen ihres Alters und ihrer Mittellosigkeit für' die Auswanderung nicht geeignet. Vielleicht am schwierigsten jedoch gestaltete sich das Problem der in mittleren Jahren stehenden Aerzte, die — zu alt, um sich umzustellen, und;.zu-lange in, der Praxis, als daß ihre wertvollen Kräfte stillgelegt werden sollten — in erster Reihe für, .die Auswanderung als Aerzte in Frage kamen,, , Der Aerzteberatungsstelle erwuchsen daher, nicht zuletzt in Anbetracht der großen Menge der Aerzte,. schwierige, vielfach unlösbare Aufgaben. Die Berar tungsstelle veranläßte und errichtete zusammen mit anderen Faktoren der Kultusgemeinde Umschichtungs -kurse für die jungen Aerzte, sie versuchte mit allerdings unzulänglichen Mitteln, aus gesammelten .Geldern, •. die alten und invaliden Kollegen und deren' Angehörige zu unterstützen, und •sief.hetriebj vor allem die Auswanderung. Soweit es sich um Aus Wanderungsangelegenheiten handelte, die von den .Kollegen selber gefunden wurden;: bemühte sich die Beratungsstelle" durch Befürwortung von Ansuchen um Reisespesenbeifräge durch Auskünfte, betreffend die ällr gemeinen undj' ärztlichen, Verhältnisse des, Einwände-, rungslandesj die Npstriükationsvorschriften, und die Zulassungsgesetze sowie durch Empfehlungen und andere derartige Maßnahmen zu helfen. Das Hauptaugenmerk war jedoch auf die Eröffnung neuer Auswanderungsmöglichkeiten gerichtet. Alle diese Anstrengungen haben leider nur zu mäßigen Erfolgen geführt. £s gelang bloß, zwei bis drei Dutzend Kollegen zur Emigrätion zu bringen, während eine großzügige Hilfe bisher versagt blieb. In unserer'Hoffnung, daß für die ausgezeichnet ausgebildeten, erfahrenen Aerzte der Wiener Schule große Nachfrage im Ausland sein würde, haben wir uns zwar0 nicht'"getäuscht, doch : stehen ^dieser Tat-; sache die Einwa nid e r u n g s b es c fcr ä n k u n - gen der v e r 'i c h i e d e n e n Lände r entgegen»- die für Aerzte auf Betreiben der ortsansässigen Kol-, legen, die wohl unbegründete Angstvor <der Konkurrenz'hüben, ~noch! verstärkt werden. -Wenn.die ein-,, wandernden: Aerzte?:vori den -Großstädten ferngehal,-,: teil wepen, könnte 'doch-' eine sehr große Anaahl yon; Aerzte ohne Schwierigkeit und-und zum Segen der. I Bevölkerung untergebracht werden, wobei unsere Kollegen, junter den gegebenen Umständen sicherlich jede pionierartige ärztliche Tätigkeit gern übernehmen würden. So könnten, wie von fachmännischer Seite hervorgehoben wurde, in den angelsächsischen Ländern einschließlich der Kolonien und Dominions nicht,, wie beabsichtigt, 50, sondern 500 Aerato nhno Schwierigkeiten angesiedelt werden. In den Vereinigten Staaten, deren Entgegenkommen und Hilfsbereitschaft nicht genug rühmend hervorgehoben werden kann, würden, besonders in den Süd - und Weststaaten viele Aerzte unterkommen können, In Südamerika wären gleichfalls für hunderte Aerzte leicht Arbeit und Existenzmöglichkeit zu finden. Die strengen Einwanderungsbestimmungen der einzelnen Länder müßten freilich überhaupt oder ausnahmsweise für eine bestimmte Anzahl von Aerzten gemildert oder aufgehoben werden. Auf diesem Gebiet ergibt sich für das von der Evianer Konferenz eingesetzte Ständige Komitee in London eine überaus dankenswerte Aufgabe, die wir in einem Memorandum dargelegt haben. Wir wurden vom Beauftragten des Reichsärzteführers eingeladen, bei der Aufstellung der Liste der zuzulassenden Aerzte mitzuwirken. Dieser Aufforderung kamen wir durch Beistellung der personellen Unterlagen nach. In mehreren Beratungen konnten Wir die Feststellung machen, daß bei der Zulassung vor allem auf Frontkämpfer Rücksicht genommen werden soll und auch auf solche' Kollegen, die während des Krieges schon zu alt waren, um an der Front zu dienen. Auch eine gewisse Berücksichtigung der sozialen Verhältnisse der Kollegen wurde uns in Aussicht gestellt. Für das Spital und das Altersheim der Israelitischen Kultusgemeinde werden etwa siebzig Aerzte zur Verfügung* sein und außerdem wird einer gewissen Zahl jüngerer Kollegen die Möglichkeit einer hilfsärztlichen Fortbildung gesichert werden. Wenn die Vorschläge die Billigung des Reichsinnenministeriums, bezw. der Reichsärztekammer erlangen, ist anzunehmen, daß in Wien, ähnlich wie in Berlin, neben den Anstaltsärzten 250 Aerzte, darunter 100 Fachärzte, in der Praxis belassen werden. Eine ähnliche Regelung wird bei den Zahnärzten und Zahntechnikern getroffen werden. Die Liste der Zugelassenen wird veröffentlicht werden. In der Verordnung ist auch eine Unterstützung für invalide oder alte Aerzte vorgesehen; es wurde uns bedeutet, daß auch da ehemalige Frontkämpfer, aber auch andere unterstützungswürdige Aerzte entsprechend beachtet werden sollen. Ob die zur Praxis zugelassenen Aerzte für. sich und ihre Familie ihr Auskommen finden werden, wird von der allgemeinen Lage der in Wien verbleibenden Judenheit abhängen. Da zu berücksichtigen ist, däti durch die Verarmung der jüdischen Massen die Privatprajpis wenig ergiebig sein. wird, sei hier einer Anregung Raum gegeben. Es ist nämlich der Vorschlag gemacht worden, einen jüdischen Kr an>k ens c hut Z ZU begründen, der gegen die Entrichtung eines möglichst niedrig zu haltenden Monatsbeitrages die Aufgabe hätte, die Behandlung'- seiner, .Mitglieder sicherzustellen,., und, zwar durch Ordinationen und.Besuche!der Aerzte, Veräbfolgung von Medikamenten und Bezahlung eines eventuellen Sp'italauferithaltes. ' Die Verwirklichung dieses Projektes 'Würde nicht nur den Aerzten . ein; gewisses, Mindesteinkommen sichern,, sondern auch die Kultus- Gemeinde bei der Aufbringung der Spitalskosten entlasten. Vor allem aber würde ein solcher Krankenschutz'seihen Mitgliedern-die materiellen Sorgen für' den Erkrankungsfall-abnehmen.: Dadurch aber, daß von, den in der Rejgol den mittleren Jahren angehörigen Aerzten nur eine beschränkte Anzahl zur Judenpraxis zugelassen wird, hat sich das Problem der Auswanderung der Aerzte jlötzlich Verschärft. Man niuß nochmalsLan das Ausarid in aller Oeffentlichkeit appellieren, im Interesse der jüdischen Aerzte, aber auch .im eigenen Interesse, neue Einwanderungsmöglichkeiten zu schaffen. In der Aerzteberatung der Kultusgemeinde ist versucht worden, die mit elementarer Gewalf herantretenden Probleme der jüdischen Aerzteschaft'Oesterreichs von allen Seiten anzugehen. Es ist! viel Schöne's geleistet worden und es ist nicht Schuld der Beratungsstelle, wenn der bisherige Erfolg nicht zu befriedigen vermag. Dem Weltgewissen erwächst hier eine Pflicht, und für viele Aerztefreunde des Auslandes bietet sich ein Feld ersprießlicher Betätigung. aber gerade heute unsere heilige Pflicht, das Gefühl der Zusammengehörigkeit und das Bewußtsein der jüdischen Selbstachtung zu erhalten und mit in die neue Zeit zu nehmen. - Vor die Aufgabe gestellt, auszuwandern und neue Arbeitsmöglichkeiten zu suchen, wollen wir in die- Ferne ziehen, um1 als Judeä au laben, au schaffen, uns und die Unsrigen zu erhalten. Hoffnungsvoll sind unsere Blicke dorthin gerichtet, wo Erinnerung und Erwartung unzertrennbar miteinander verknüpft sind. Wie eine liebevolle Mutter nimmt Erez Israel.unsere Kinder auf, die hinkommen, um. am Wiederaufbau des jüdischen Heimes mitzuschaffen. Unser Kostbarstes schenken wir dem heiligen Land, die Jugend; Unschätzbares wird uns von Zion zuteil, die Zuversicht. Eine Botschaft der Wiener Kultusgemeinde. Wien, 4. Oktober. Zu Jomkippur haben. Rabbinat und Leitung der Kultusgemeinde folgende Kundgebung veröffentlicht-' "... ... ... . .,Ari der Schwelle eines 'neuen Jahres, in Erwartung des heiligen Tages, an welchem sich das .'Judentum seinem' G'tte und den Jahrtausenden jüdischer Geschichte zuwendetj ergeht an alle unseice Bruder der RüL/.Seid stark,-j verzaget nicht und haltet in unwandelbarer Treue an dem alten Bunde fest.'' Noch nie war der Trennungsstrich' zwischen Vergangenem und Kommendem ^so scharf gezogen; es ist Als Zeit der Erinnerung und der Einkehr wurden diese Tage seit jeher bezeichnet, sie sind in diesem Jahre der Erinnerung an die Zehntausende geweiht, die ihre Wanderung bereits angetreten haben. Im Bewußtsein dieses unsichtbaren Bandes wollen wir Einkehr halten, um alles abzustreifen, was uns schwach und gebrechlich macht. Ueber Erdteile und Meere hinweg vereinigt sich heute die Muttergemeinde mit ihren Kindern in aller Welt, durchdrungen von dem unerschütterlichen Glauben an G'tt, an das Judentum und an die Zukunft." Frankreich. Die Zahl der Juden in Elsaß-Lothringen. Straßburg, 2. Oktober. Die Zahl der in Elsaß-Lothringen lebenden Juden beträgt 29.000, bei einer Gesamtbevölkerung von 1,9 Millionen, was einem Bevölkerungsanteil von ungefähr V/2 Proz. entspricht, In Straßburg und in Metz machen die Juden ungefähr- 5 Proz., in Mühlhausen und in Kolmar zirka 2,5 Proz. der Gesamtbevölkerung aus. Im großen und ganzen hat sich die jüdische Bevölkerung in Elsaß-Lothringen seit dem Weltkrieg fast gar nicht zahlenmäßig verändert, bloß in Straßburg hat sich die Zahl' der Juden von 5800 im Jahre 1910 auf 9300 bei der im Jahre 1936 durchgeführten Volkszählung erhöht. Schweiz. Die illegale Einwanderung in die Schweiz. Zürich, 2. Oktober. Die schweizerische Fremdenpolizei plant, wie die schweizerischen Zeitungen berichten, zur Eindämmung der immer noch anhaltenden illegalen Einwanderung aUS den mittel- und osteuropäischen Ländern weitere Abwehrmaßnahmen, um eine für die nächste Zeit erwartete Verstärkung dieser Einwanderung aus Italien und der Tschechoslovakei entgegen-- zuwirken. Es sei dabei an die Einführung des V i - s u ni z w a n g e s gegenüber einzelnen Ländern gedacht. Gegenüber Deutschland werde eine solche Maßnahme jedoch nicht notwendig sein, da eine Verständigung' der Grerizstellen in dieser Frage in Kürze ZU erwarten sei, In der Zwischenzeit würden die jüdischen Einwanderungsanwärter an sämtlichen Grenzstellen zurückgewiesen. Wochenkalender. Vom 8. - 15. Oktober K 38 Vom 13. - 20. Tiscbri 5699 TOT». $n i3 MP Samstag 8 aa T3''T«n na» Sonntag 9 14 aa niao'aSy Montag i 10 15 "Tti nwoT 's Dienstag Ökt 11 'mwi 16 na - ' -maDT 'a Mittwoch 12 17 ' ia ) Donnerstag 13 18 ra > lyian Freitag 14 19 na J Samstag 15 20 oa rbnp a"nin na» Vom 15. - - 2?. Oktober 19 3S / Vom 20. — 27. Tischrs 5699 | 'ay> ep •na» Samstag 15 20 3 nyian bin na» Sonntag 16 21 Mi K31 iMffß>VJ Montag Okt. 17 •nwri 22 33 fmy ^'a» Dienstag w 23 33 n-iin nna» Mittwoch X9 24 na 3H 1-lOK Donnerstag 20 25 na Freitag Samstag 21 26 13 22 27 T3 ' rp»xna na» i . f....... "'■;-r snnn panaa

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