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Der Israelit · 1938-10-07 · Heft 40-41 (7.10.1938) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 40-41 (7.10.1938)
Date
1938-10-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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7. Oktober 1938 Der Israelit Nr. 40/41 Seite 7 Anschauungen waren einige Wochen vorher bereits im englischen Unterhaus geäußert worden, in dem mehrere Redner auf die große politische und wirtschaftliche Bedeutung einer stärkeren Einwanderung hingewiesen und gleichfalls das Verhalten der USA. in der Aera vor 1914 und nach dem Weltkrieg bis etwa 1921 als richtunggebend hingewiesen hatten. Der hohe Wert der Immigration für dünn besiedelte überseeische Rohstoffgebiete — in den Vereinigten Staaten kommen auf einen Quadratkilometer 15.66 Einwohner, in Euroap dagegen durchschnittlich 51 — kann sogar durch eine negatvie Beweisführung dargelegt werden. Waren schon durch die gerade in der letzten Zeit viel zitierte Johnson-Bill, die das Quotensystem auf -Grund der Verhältnisse von 1890 einführte, hohe Schranken gegen die Einwanderung aufgerichtet worden, so hatte die Weltwirtschaftskrise einen noch stärkeren Rückgang der Immigration zur Folg©, Die Verringerung des Zustroms von Menschen. die wie überall die Einwanderer im lebenskräftigsten und fortpflanzungsfähigsten Alter stehen, machte sich sofort einerseits im Sinken der Eheschließungen und der Geburten, und andererseits im Steigen der Sterblichkeit bemerkbar, mit anderen Worten; der Geburtenüberschuß wurde immer kleiner. Noch im Jahr.e 1926 war in USA, auf 1000 Einwohner ein Geburtenüberschuß von 8,4 zu verzeichnen, 1930?ber nur mehr ein solcher von 7,6 und 1935 war er gar schon auf 6,0 gefallen, Daß hauptsächlich die Weltwirtschaftskrise und die durch sie veranlaßte Verminderung der Einwanderung die Ursachen dieser Erscheinung waren, erkannte man auch aus den entsprechenden Ziffern anderer überseeischer Rohstoffländer, s>"> Argentiniens, wo auch der Geburtenüberschuß von 18,1 im Jahre 1926 auf 16,6 (1930) und 11,4 (1935) ermäßigte, oder Kanadas, wo der Geburtenüberschuß 1935 nur mehr 10,6 betrug gegenüber 12,8 im Jahre 1926. Hand in Hand mit dem Fallen der Geburten- und dem Steigen der SterbliehkeitsziffGrn ging eine . Verlangsamung der wirtschaftlichen Entwicklung, in erster Linie gekennzeichnet durch eine Stagnation der Industrie, deren innerer Markt sich nicht mehr erweiterte, ja stellenweise schrumpfte. Diese Wahrnehmungen bewogen das Internationale , Arbeitsamt im Jahre 1931, auf die hohe wirtschaftliche Bedeutung der Einwanderung für Ueberseegebiete mit besonderem Nachdruck aufmerksam zu machen. Es kann daher heute kein Zweifel mehr darüber herrschen, daß noch nicht zu dicht besiedelte Ueberseegebiete bloß einen Vorteil davon haben, wenn sie zu den vorhandenen Bodenschätzen und zu dem im Land befindlichen oder nicht allzu schwer zu beschaffenden Kapital durch Zuwanderung Arbeitskräfte erhalten, die ihnen die Hebung der Bodenschätze und die Verwertung des Kapitals erleichtern. Ist man sich einmal dieses Zusammenhanges klar, dann erscheinen die Behauptungen amerikanischer Sachverständiger, die der Beschränkung der Einwanderung durch das Quotensystem zu einem ansehnlichen Teil die Schuld an der Entstehung der Arbeitskrise in USA, zuschrieben, keineswegs' paradox, und dann versteht man erst recht die vom Zeitungsmagnaten William Randolph Hearst im vorigen Monat in allen Sonntagszeitungen seines gewaltigen Pressekonzerns erhobene Forderung nach Befreiung der Einwanderung von jeglicher Fessel- In einem „Die amerikanische Rasse" betitelten Aufsatz verlangte er, die Vereinigten Staaten sollten die Juden aus Mitteleurbpa nicht nur ins Land lassen, sondern geradezu einladen, zu kommen, denn die Vereinigten Staaten beruhten auf der Vielzahl der Stämme, aus denen sie zusammengewachsen seien. „Wir glaubten", fügte er hinzu, „ihnen eine Wohltat zu erweisen, als wir dieses Land zu einer Zufluchtsstätte machten — zu einem Himmel für sie. in Wahrheit haben wir uns selbst eine Wohltat erwiesen." Hearst kennt sehr genau die Stimmung und die Meinung des amerikanischen Volkes und so darf man annehmen, daß heute der Durchschnittsamerikaner von der Zweckmäßigkeit der Zuwanderung arbeitsfähiger und ärbeitslustiger Elemente überzeugt ist. Die Wirkung der Einwanderung für das Immigrationsland ist aber abhängig von der richtigen Verteilung der zuwandernden Menschen auf das sie auf-" nehmende Gebiet mit Rücksicht auf Bevölkerungsdichte und wirtschaftliche Struktur. In dieser Hinsicht haben die jüdischen Immigranten in USA. so manches versäumt, um ihre Einordnung in den Wirtschaftsprozeß zu beschleunigen und um ihren Wert für die Entwicklung der Wirtschaft deutlich zu demonstrieren. Wenn sich da und dort Widerstände gegen die jüdische Immigration fühlbar machen, wenn minder einsichtige Männer in Politik und Wirtschaft über „jüdische Konkurrenz", sei es auf dem Arbeitsmarkt, sei , es in Handel und Gewerbe oder in den freien Berufen, zetern, dann wird als scheinbare Rechtfertigung die Zusammenballung großer jüdischer Massen im Osten der nordamerikanischen. Union und da vor allem in den Großstädten' zur Sprache gebracht.; Betrachtet man die Stärke der jüdischen Gemeinden in den Städten mit mehr als 75.000 Einwohnern, so stellt man fest, daß es Städte mit mehr als zehnprozentigem jüdischen Bevölkerungsanteil mit zwei Ausnahmen nur im Osten der USA. gibt. Da ist nicht allein New York City mit einer großen jüdischen Bevölkerung, die mehr als 25 Proz. der Gesamtbevölkerung ausmacht, da zählt man in einer Stadt ferner Brookline in Massachusetts mit mehr als 20 Proz. Juden, Maiden im gleichen Staat mit 20 Proz., Atlantic City in New Jersey mit nahezu 20 Proz., Hartford in Connecticut mit 17 Proz,, Paterson in New Jersey mit fast 17 Proz., Mount Vernon im Staat New York mit 16 Proz,, New Häven in Connecticut mit mehr als 15 Proz., Bayonne und Newark in New Jersey mit 15 Proz., Philadelphia mit 13 Proz., Boston mit 11 Proz. und Rochester im Staat New York mit 10 Proz. Die zwei erwähnten Ausnahmen sind Cleveland und Cleveland Heights in Ohio mit 10, bezw. 16 Proz. Juden. Aber auch mit starkem jüdischen Bevölkerungseinschlag zwischen sieben und «au« Proz. gibt es außerhalb des Ostens nur eine einzige Stadt, und zwar Chicago, deren Einwohnerschaft zu 9 Proz. aus Juden besteht. Alle übrigen Städte über 75.000 mit 7—9 Proz. Juden liegen im Osten, Trenton (New Jersey), Bridgeport (Connecticut), Baltimore, Providence (Rhode Island), Springfield (Massachusetts), Syracuse (New York}, Pitts- Ein Worl des Dankes und Gedenkens. Liebe Kinder! Ihr habt Euch vorige Woche gefreut, das Bild mit dem guten Gesichte von Eurem EMKA (Lehrer Mendel Katz) zu sehen. Ihr seht das Bild heute wieder, seht es mit anderen, tränenverschleierten Augen. Er hat Euch zu Roschhaschana den letzten Gruß gesendet, den letztexi Segen gespendet. In der Nacht zu Freitag hauchte er seine reine Seele aus und wurde <un Sonntagvormittag unter überaus starker Beteiligung und großen Ehren auf dem Friedhofe der Israelitischen Religionsgesellschaft zur letzten Ruhe gebettet. Es wird Euch, liebe Kinder, interessieren, was der Chefredakteur des „Israelit", der durch persönliche Freundschaft, und auch durch viellache Lerngemeinschaft mit Lehrer Katz eng verbunden war, an der Bahre u. a, in Eurem Namen gesagt hat; „Wir lernten zuletzt den Traktat B i k k u - r i m zu Ende. Es war unsere letzte Lernstunde vor Roschhaschana. Und wir lernten da von drei Kategorien der Bikkurim: den eigentlichen Bikkurimfrüchten, den Zusatzfrüchten, genannt omaan niSDin und den Früchten, die zur Ausschmückung der Bikkurimkörbe dienten und fa^San *IW5? genannt wurden. Dein ganzes Leben, teurer Freund, war nichts anderes als ein Bikkurimbfingen. Durftest Du doch in einem langen erfolgreichen Lehrerleben die edelste Blüte, die erstgereiften Menschenfrüchte in die heiligen Hallen G'ttes und an die Quellen der Lehre, heranführen, und an dieser Bahre begehen wir den S i j u m auf Bikkurim. Zu Ende ist es mit den Bikkurim Deines Lebens! . . . burgh, Worcester (Massachusetts), Jersey City. Dagegen sind die größeren Städte mit mäßiger oder ganz geringer Zahl von Juden fast nur im mittleren Westen, Westen oder Süden gelegen — im Osten bloß Washington mit 4 Proz., im mittiefen Osten Detroit mit 5 Proz. und Cincinnati mit ebenfalls 5 Proz., dagegen weiter westlich Denver (Colorado) 5 Proz., Kansas City (Montana) 6 Proz., St. Louis (Montana), 6 Proz., San Francisco 6 Proz., Omaha (Nebraska) 5 Proz., St. Paul (Minnesota) 5 Proz., Los Angeles 5 'Proz., Houston im Süden (Texas) 5 Proz. und Memphis (Tenessee) 4 Proz., und ferner eine Unzahl von Städten, in denen sich der jüdische Bevölkerungsanteil bloß auf ein bis zwei Proz. beläuft. Außerhalb des Ostens sind auch mehrere' größere Städte ohne jüdischen Einwohner wie Knoxville (Tenessee) 106.000 Einwohner, Rockford (Illinois) 86.000 Einwohner und Wichita (Kansas) 111.000 Einwohner, wogegen sich im Osten nur eine solche Stadt findet, Manchester (New Hampshire), das 77.000 Einwohner hat. Aber Du wußtest auch die Zusatz-Bikk u r i m zu bringen. Ueber Amt und Pflicht hinaus warst Du Lehrer der Großen und Kleinen. »rrw-p i~ ™,_,~~^T,_--v,»^T-T-T--r Lehrer Mendel (Max) Katz i»*»r« Und zuletzt, da Du den friedlichen Lebensabend in der Nähe der Deinen in unserer Frankfurter Kehilla verleben durftest, da Du wohl ein Anrecht darauf gehabt hättest, Dich ganz und voll der wohlverdienten Ruhe hinzugeben, da 7. Oktober 1938 Erscheint monatlich 12. Tischri 5699

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