Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 40-41 (7.10.1938)
- Date
- 1938-10-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Nr. 40/41 Der Israelit 7. Okiobe-1938; g'en Volkes an seinen ewigen Aufgaben lediglich in die richtigen Bahnen zu lenken; dazu ist dann unter anderer Kenntnis auch die geschichtliche nicht zu entbehren. Sie wird Ziel, nicht Ausgangspunkt der geistigen Heimkehr sein. Als Ausgangspunkt kommt sie für unsere Heimkehrer noch aus anderem, uns mit Schmerz erfüllendem Grunde nicht in Betracht. Das Bild der Geschichte unserer Ahnen ist vielen Unkundigen unter uns getrübt durch die Darstellung, die sie in herzlos fremdem Kreise gefunden hat. Dabei denken wir nicht an die ethische Kritik der Freidehkenden an einzelnen Geboten oder Berichten, auch nicht an die feindselige Darstellung, sondern an den Einfluß derer, in deren Kreisen unsere Jugend jetzt vielfach das Handwerk für die Fremde erlernen muß. Wer dahinein nicht mit festeren Begriffen gerät, als der jüdische Geschichtsunterricht sie je wird geben können, dem kann eine Aufklärung über die wahre Bedeutung biblischen Berichtes und Gebotes jedenfalls nicht Ausgangspunkt zur Heimkehr werden. Wie aber machen wir die Geschichte unseres Volkes zu einem der Mühe und des Martyriums würdigen Ziele dieser Heimkehr? Wir dürfen nicht vergessen, daß unsere Geschichte einerseits nicht die irgendeiner Balkannation ist, die nach Freiheit und Eigenleben strebt, nachdem sie einige Jahrhunderte' diese Güter der Menschheit entbehrt hat. Wir dürfen andererseits nicht vergessen, daß wir ein Volk aus Fleisch und Blut sind, dessen Geschichte sich in dieser ganz wirklichen Welt zwischen anderen Völkern und Kulturen abgespielt hat und auch in der biblischen Zeit durchaus nicht nur „Heilsgeschichte" gewesen ist. Was wir dringend benötigen, ist ein geschichtliches Lehrbuch der biblischen Zeil, Darin soll nicht nur einfach biblische Geschichte erzählt werden, wie es für unsere Kleinen die Stern'schen Bücher trefflich tun. Darin soll vielmehr durch Abbildungen aus dem in den Ausgrabungen erforschten babylonischen und ägyptischen Kulturkreise das Milieu dargestellt sein, in welchem Abraham, Mose, Salomo und Chiskijahu ihre Lebenstage sahen, und durch Karten und Tabellen wäre das geschichtliche Wo und Wann noch näher zu detaillieren. Diese Art der Geschichtsdarstellung ist in katholischen Lehrbüchern schon lange kein Novum. Geht sie uns nicht noch etwas näher an? Zur geschichtlichen Tatsachentreue gehört es, daß selbstredend über so vielem Vergleichenswertem auch das noch viel größere Gebiet des Unvergleichlichen im Judentume aus diesen Tabellen und Zusammenstellungen hervorleuchtet. geschaffen wird? Von. Mose, der im Liede Haasinu die Zukunft Israels bis ans Ende der Zeiten weissagen durfte, berichtet die Thora und berichtet es der Midrasch noch ausführlicher in Vesoth habberacha. er habe bis zu seinem letzten Augenblicke nicht RH das Eintreffen des g'ttlichen Verhängnisses, das ihm den Zutritt zum Heiligen Lande verwehrte, glauben wollen und immer noch auf eine Gnadenentschließung G'ttes gehofft, die ihm weiteres Leben schenken sollte. Ja, als er wahrnahm, daß aus dem Einzüge ins Heilige Land, ja aus weiterem Führertum, ja aus weiterem menschlichen Leben für ihn nichts werden sollte, — da habe er, überliefert der Midrasch, die Bitte ausgesprochen: Und wenn ich nicht als Führer, nicht als Jude, nicht als Mensch mehr leben soll, — so laß mich, Allgütiger, gleich dem Vogel des Himmels, gleich dem Gewild des Feldes weiterleben; nur daß ich diese schöne Welt nicht verlassen muß! So schwer fällt, meinen die Midraschweisen, einem idealen Menschen wie Mose, der Abschied vom diesseitigen Leben! Gerade der Mensch, der seine Pflicht gegen G'tt und Menschen allezeit erfüllt hat, gerade der trennt sich nur schwer von der irdischen Stätte seines g'ttgefälligen Wirkens, das ihn selber mit Seligkeit erfüllt hatte allezeit, mit jener Seligkeit, die selbst das Jenseits nicht übertreffen kann, und guten Wirkens. Als Rabbi Jischmaels Peiniger an der Stelle des Tefillinlegens anlangten, -als also das Mittel seiner täglichen G'ttergebenheit ihm geraubt werden sollte, da erst, da gerade stieß er den Schrei des tiefsten Todesschmerzes aus. Wenn einem Juden das Glück der Heimat, der Verbleib in seinem Hause geraubt wird, wenn ein grausames Geschick ihm die Stetigkeit , raubt,, dann weint er nicht beim Zusammenraffen seiner Habselig- Daher sollte eine solche Unternehmung, wissenschaftlich nur einem echten Kenner jüdischtalmudischen Rechts- und Sittenlebens und möglichst einem echten Bekenner desselben in die Hände gegeben werden, der noch dazu die pädagogische Erfahrung eines Geschichtslehrers mittlerer Klassen besitzt. Im Uebrigen muß die traurige Feststellung, daß in weitesten Volkskreisen Europas gar keine geschichtliche Besinnung auch nur unbewußtester Art lebt, uns nur um so mehr aneifern, unsererseits dieses Manko durch'stetiges Tatbekenntnis zu unserer Geschichte als Volk der Verheißung auszugleichen. Die Geschichtsfremdheit ist ja längst kein Vorrecht der Halbanalphabeten mehr. Man kann auch in den höchsten Gesellschaftskreisen unserer Ahnungslosen auf historische Anspielungen in der Unterhaltung die abweisende Antwort hören: Ach, das ist ja Philosophie! Das ist ja ein beliebtes Umschreibungswort für: Strenge gefälligst meine Denkkraft nicht an, oder: sei still! Nun, denn! Sc wollen wir gern aufs Neue uns den Ehrennamen erwerben, den wir in der Hellenistenzeit zu tragen hatten: Das Volk der Philosophen. Denn wir wissen es ja, daß wir durch unsere Vergangenheit zum ewigen Volke geworden sind. Für uns ist Geschichte ja nicht nur nicht transzendente Heilsgeschichte; sie ist auch nicht Flucht aus der Gegenwart. Ebenso wie ein jüdisches Nationalbewußtsein nie ein Ersat2 des engeren, familiären oder gemeindlichen Kreises sein darf, sondern nur Bekräftigung der tätigen Liebe zu diesem Kreise, ist jüdische Geschichte nur die Erweiterung des bekennerischen und brüderlichen Zusammenhaltes der Juden über die Grenze der Zeit hinweg, Die Ereignisse der Geschichte sollen wir nicht als Angelegenheiten dieses oder jenes Jahrhunderts, sondern als solche erleben, die uns jeden Tag in gleicher Art, „Manhattan". » Die Religiöse Auswanderer-Bet reuung Agudas Jisroel, Berlin schreibt uns; Jüdische Auswanderer, die am 18. Oktober (Simchas Thora) mit der „Manhattan" abzureisen gedenken, belieben sich auf unsere Veranlassung sofort mit dem Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser, Kamburg, Beneckestraße 2, unter Angabe von Klasse und Kabine in Verbindung zu setzen. Agudas Jisroel Immigration Department in New York. Das „Agudas Jisroel Immigration Department, New York" bittet für Telegramme die nackfolgende Kabel-Adresse zu benutzen: Agudajisra New- York. , keiten, die vergänglichen Zwecken dienen, sondern er weint beim Ablösen der M e s u s a , die sein Haus zur Stätte G'ttes gemacht hatte. „Und es kennt kein Mensch die Grabstätte Mosis.'' Das Ehrengrab, das sich der Mensch selbst zu suchen hat, soll „ungekannt" bleiben.. „Die Frommen werden im Tode Lebende genannt." B. C. Praktisches für Hausirauen, Von A, Mannheimer in Dettelbach» Unkenntnis ist die Quelle so mancher Fehler und Irrtümer, die man schließlich entschuldigen kann. Das enthebt aber der Pflicht nicht, da aufklärend zu wirken, wo man offenes Ohr und -Herz findet für sachliche Belehrungen und Aufschlüsse. In diesem Sinne Einiges für die jüdische Hausfrau zu ö*». Man darf die nm vor dem Anzünden der Lichter sprechen. Doch ist auch nichts dagegen einzuwenden, wenn man es wie am Sabbateingang hält. Am B**" Eingang muß man ohnehin wie am Freitag verfahren. Wenn zwei Tage tt"' ist, gibt es viermal Kiddusch. Für jedesmal einen Berches vier Stück und einen zum Zulegen 5 Stück mindestens. Ist ME? dabei, also noch zweimal wnp' müssen es sieben Stück sein. Die Größe kann man sich nach Belieben und Bedarf wählen und einrichten. Kaffee ist voraus zu mahlen, am Erew B*» , In Düten und Büchsen verriecht er sich nicht. Mandeln mahlen, Salz zerkleinern hat am ö"' any stattzufinden. nur in ort- und zeitgemäßer Variante täglich gleichfalls zustoßen und zustoßen können. So muß denn Geschichte in unserem' täglichen Pflichtenleben erstehen, — und Stärkung unserer Verantwortungsbereitschaft aus unserer Kenntnis der Geschichte unserer großen —r- und kleinen Ahnen. Jehuda Halevi läßt seinen Chasarenkonig darüber staunen, daß G'tt sich im Zehnwort nicht als Schöpfer von Himmel und Erde, sondern als den offenbart, der uns aus Aegypten erlöst hat. Darauf antwortet der Meister dem Chasaren: Aus der Geschichte, die in uns als Volkserinnerung lebt, erkennen wir G'ttes \v alten zweifelloser als aus den Spekulationen der Philosophen über das Weltenwerden. RaschJ dagegen läßt seinen Pentateuch-Kommentar mit der Frage beginnen, wozu der ganze geschichtliche Teil der Thora diene und weshalb die Thora nicht mit ihren ersten Geboten 'beginne, und antwortet darauf: Dies geschieht, um unser ewiges Anrecht auf das heilige Land aus unser'er Vorgeschichte zu begründen. Man sieht, daß beide Auffassungen möglich sind: Geschichte als Vorbedingung und Geschichte als höchstens Ziel. Wer unser Zeitalter innerlichst kennt, weiß, welche der Betrachtungsweisen uns allein frommen kann. Die Hauptfeste unserer Thora: Pessach, Schabuoth und Sukkoth haben jedes einen ländlichen,, mit der Ernte zusammenhängenden und einen geschichtlichen, an den Auszug erinrernden vSinn. Wir haben kein Recht, alle historisch begründete- Religiosität mit Hermann Cohen rechthaberisch zu nennen; wir können aber erst recht in der geschichtlich fundierten Religiosi~ tät kein so sicheres Konservierungsmittel jüdischer Denkweise sehen, wie es Sinsheimer zu. tun scheint, Geschichte ist uns Schauplatz, nicht Heiligtum an sich. Mögen wir auf diesem Platze unserer Bestimmung gerecht werden! Wohin sollen jüdische Immigranten in USA. gehen? Von Dr. Emil Reich, Auf einem Kongreß, der im August in New York stattfand, kritisierte der Völkerbundkommissar für das Flüchtlingswesen James G. MacDonald das Vergehen jener Staaten, welche die Einwanderung er» schweren. Das Wanderungspröblem könnte, meinte er, zum Vorteil der für die Aufnahme von Emigranten in Betracht kommenden Länder gelöst werden* wenn sie sich die Vereinigten Staaten von Nordamerika zum Beispiel nähmen, die das ständige Auswachsen ihres Nationalreichtums in der Vorkriegszeit dem durch die Einwanderung bewirkten großen jährlichen Bevölkerungszuwachs verdanken. , Aehnliche Geschirr darf nicht von einem Tag auf den andern gespült werden, erst wenn es Nacht geworden. Genau wie am T\yp darf beim Spülen kein Lappen verwendet werden. Auch das Handtuch zum Abtrocknen soll nicht zu naß werden. Man nehme evtl. 4in zweites, da- Ausdrücken verboten ist. Da man Zündholz nicht anstreichen darf, ist es ratsam, einen 8 Stunden-Brenner abends anzustekken, um morgens Feuer zu haben für Herd öder Ofen. Man stelle einen zweiten 8 StundenBrenner daneben, den man in der Nacht vom andern anzünden kann, da die Nächte zu lang sind für das Durchhalten des Lichtchens. Das Siegel an einer Flasche ist am Erew B" zu entfernen. Sonst darf man die Flasche am t?"' nicht entkorken wegen Schriftverlöschung. Gilt selbstredend auch für nnr- Das Entkorken selbst ist naw und ts'"» gestattet. Beim Salatbelesen scheide man das Genießbare vom Ungenießbaren aus, also umgekehrt, wie es Werktags geschieht. Kochen und Backen für den zweiten Tag ist nicht gestattet, €=s sei denn, daß man am ersten Tag noch davon genießt. Sehr ratsam ist, sich für r-av und »"» flüssijge Seife herzustellen, indem man geschabte Seife un heißem Wasser auflöst. Gewiß einfach. Das ganze Stück zu benützen ist am d*"> verboten;-, genau wie am roff. Es empfiehlt sich, halbgroße Stückchen Kerzen bereit zu legen, die man r-iaer immer einmal verwenden kann Die Taschenlampe darf selbstredend nicht in Gebrauchgenommen werden. Wenn man auswandern will.