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Der Israelit · 1938-10-07 · Heft 40-41 (7.10.1938) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 40-41 (7.10.1938)
Date
1938-10-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 40/41 Der Israelit 7,_ Okiober 1938 Dem ,,DaiIy Telegraph" zufolge besteht der Plan aus den folgenden Punkten; 1. Schaffung eines unabhängigen Staates auf Grund von Richtlinien, die von einer konstituierenden Versammlung niederzulegen sind; 2. Allmähliche Uebergabe der Verwaltung durch die britische Regierung an de nationale Regierung innerhalb eines bestimmten Zeitraumes, wie das auch geschah, als der Ira.8. selbständig wurde; 3. Garantie aller politischen und bürgerlichen Rechte sin die Bewohner Palästinas, gleichgültig, zu welcher Religion oder Rasse sie gehören; 4. Alle Gemeinschaften sollen bürgerliche Reche erhalten^ aber keine Gemeinschaft soll einer andern übergeordnet sein; y •'' 5. Volle Rechte der Gemeindeverwaltung sollen allen arabischen und jüdischen Städten und Dörfern hinsichtlich der Vollmachten, der Ueberwachung und der Verwaltung bewilligt werden, aber ohne Beschränkung der bürgerlichen Rechte; 6. Die Zahl der jüdischen Bewohner darf über die gegenwärtige Zahl nicht erhöht werden; 7. Alle bewilligten Rechte sind von der britischen Regierung zu garantieren,'. 8. Alle legitimen britischen Interessen sind sicherzustellen. Beginn der Jüdischen Winterhilfe. Der Aufruf zur Jüdischen Winterhilfe 1938/39 hat folgenden Wortlaut: „Wiederum tritt im Gange des Jahres die Aufgabe der Jüdischen Winterhilfe an uns heran, Sie zu erfüllen, ist allen ein Selbstverständliches geworden, sie bedarf keines Wortes der.Begründung und Mahnung mehr. Auch das wissen wir alle,. daß der Bereich unseres Könnens wieder enger, das Gebiet unserer. Verpflichtung weiter geworden ist. Der Winter, der vor uns liegt, wird härter und noch schicksalsvoller sein. An uns tritt die Frage heran: Soll dag Geschick uns nur niederbeugen, oder wollen wir es versuchen, ihm unsere seelische Kraft entgegenzusetzen? Aus einem wächst immer innere Kraft, aus dem Helfen und Wohltun. Wer ein Opfer zu bringen vermag, der erfährt um etwas, was ihn aufrichtet und fest macht. Auch um unseretwillen, damit wir Achtung "vor uns hegen können, sollen wir das leisten, was in diesem Winter von uns gefordert ist. Wir wollen dessen gewiß sein, daß in unseren Gemeinden jede Hand, jedes Haus bereit sein wird, für die Jüdische Winterhilfe mehr noch zu geben, als verlangt wird." Unterzeichnet sind u. a.: Reichs Vertretung der Juden in Deutschland, Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, die Landesverbände jüdischer Gemeinden, Landesorganisation der Agudas Jisroel in Deutschland, Allgemeiner Rabbinerverband in Deutschland, Jüdischer Centrai-Verein e. V., Jüdischer Frauenbund, Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Reichsverband der jüdischen Lehrervereine, Vertretung der unabhängigen jüdischen Orthodoxie Deutschlands. Der Aufruf der F r a n k f u r t e r jüdischen Gemeinden hat folgenden Wortlaut: „Uns alle ruft zum vierten Male die Jüdische Winterhilfe. Ungeahnte Fordelrungen werden in den nächsten Monaten an unsere Gemeinschaft gestellt. Erneut müssen deshalb jüdische Nächstenliebe und jüdischer Opfer^ eist beweisen, daß sie diese schicksalhafte jüdische Not bezwingen. Von der Opferwilligkeit des Einzelnen hängt die Erhaltung der jüdischen Gesamtheit ab. -Wir sind überzeugt, daß niemand, sei seine eigene Lage noch so schwierig, als Helfer in unseren Reihen fehlen wird. In diesem Sinne beginnen wir mit Zuversicht die Arbeit der Jüdischen Winterhilfe 1938/39." Dieser Aufruf ist unterzeichnet für die Israelitische Gemeinde Frankfurt a. M, von Justizrat Dr. Blau, Vorsitzender, für die Synagogengemeinde Israel iische Religionsgesellschaft Frankfurt a. M, von Philipp Posen, Vorsitzender, und vom Vorsitzenden der Jüdischen Winterhilfe Frankfurt a. M., Emil Oettinger. Die näheren Angaben werden in der nächsten Nummer veröffentlicht» Erster Eintopisonntag in Frankfurt a. M. ist am 16. Oktober! Schutzzölle für Palästina. Jerusalem, 30. Sept. Eine Regierungsverordnung, die heute veröffentlicht wurde, erhöht die Einfuhrzölle auf eine Reihe von Waren, die mit den in Palästina erzeugten konkurrieren. Diese Maßnahme, die den Abschluß von langwierigen, von der Jewish Agency eingeleiteten Verhandlungen mit der Regierung darstellt, bedeutet einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der jüdischen Industrie. [Palcor.j Die einheitliche Flüchtlingskommission und ihr neuer Leiter- Sir Herbert Emerson, der, wie in einem Teile der Auflage der jüngsten Nummer berichtet, von der Völkerbundsversammlung in Genf zum neuen Leiter des Einheitlichen Flüchtlingsamtes beim Völkerbund gewählt worden ist, war früher Gouverneur von Puna (Bombay). Er ist zum Hohen Flüchtlingskommissar für die Zeit von fünf Jahren, d, h. bis zum 31. Dezember- 1944 ernannt, und hat den besonderen Auftrag, den Kontakt mit dem Zwischenstaatlichen Ausschuß in London (Evian-Komitee unter Leitung von Rublee) aufrecht zu erhalten. Er ist ermächtigt, seinerseits eigene Vertreter bei denjenigen Regierungen zu ernennen, aus deren Ländern das Hauptkotttingeni der sog. Flüchtlingsauswanderung kommt, sofern diese Regierungen mit der Bestellung solcher Vertreter einverstanden sind. Nach der Zusammenlegung von Nansen Amt und Amt des Hohen Flüchtlings Genf, 2. Oktober. kommissars haben deren bisherige Leiter, Sir Neill Malcolm und Michael H a n s s o=*i, für das neue Amt nicht mehr kandidiert. Die finanzielle Frage wurde nach langen lebhaften Verhandlungen in dem Sinne entschieden, daß Emerson sowohl mit dem Nansen- Fonds als auch mit den Zuschüssen einiger Regierungen, wie mit den Mitteln von privaten Hilfsorganisationen arbeiten solle; hierbei sollen jedoch die Mittel unterschiedslos für alle _5n Betracht kommenden Flüchtlinge verwendet werden, gleichgültig, zu welcher der bisher bestehenden Kategorien sie gehört hätten. Sir Emerson wird sein Amt am 1. 'Januar 1939 antreten und sein Büro nicht in Genf, sondern in London haben. Das Budget der neuen Behörde für das Jahr 1939 wird 224 500 Sfr. (10 690 Pfund) betragen. Wie man weiter erfährt, richtet das Intergouvernem e n t a 1 e Büro, das unter Leitung von George Rublee und Robert Pell in London seine Tätigkeit aufgenommen hat, .seine hauptsächlichsten Bemühungen darauf, " eifieii Plan zu verwirklichen, der 10 0 0 0 0 E i n w a r>- derer in überseeischen Ländern einordnen soll. Mit verschiedenen Ländern werden bereits Verhandlungen geführt, u. a. mit der Regierung der Dominikanisc he n R e p ub - lik, die unter bestimmten finanziellen Bedingungen sich bereit erklärt hat, eine große Anzahl von Einwanderern aus Deutschland aufzunehmen. Die klimatischen Bedingungen des Landes sollen für eine Ansiedlung von Europäern sehr günstig sein. Mit der australischen Bundesregierung, die ihr Einverständnis erklärt hat, jährlich 5000 jüdische Siedler aufzunehmen, werden in Kürze Verhandlungen aufgenommen werden. Weitere Verhandlungen werden auch mit anderen überseeischen Ländern und ebenso mit der Britischen Regie r u n g geführt. In London glaubt man, daß bei sorgfältiger Auswertung aller vorhandenen Möglichkeiten der Plan einer Ansiedlung von 100 000 Menschen in Uebersee im Wege der Infiltration in viele Länder eher verwirklicht werden kann als durch Massensiedlungen in einigen wenigen Gebieten. '- Zu einer Resolution der Internationalen Vereinigung der Völkerbundligen, in der sie bittet, eine internationale Konferenz zur Lösung der Judenfrage einzuberufen, hat der Völkerbund noch keine Stellung genommen. Aus einer Mitteilung,, die Baron Edmond de Rothschild auf seiner Reise in Australien gemacht hat, ist zu entnehmen, daß die Instanzen Australiens einer Schaffung einer geschlossenen Siedlung von ausländischen Juden nicht die Zustimmung geben können. Baron Rothschild meinte aber, daß der Plan einer jüdischen Kolonie auf einer Insel Chancen eines Erfolges haben. - Die Einreise von nichtarischett Reichsangehörigen in dis Schweiz, Frankfurt a. M., 6. Oktober, Das Schweizerische Konsulat in Frankfurt a. M. teilt mit: „Um der Fremdenpolizei die Kontrolle über die Einreise von deutschen und österreichischen Emigranten in die Schweiz und Durchreise durch die Schweiz vor dem Eintreffen an der Grenze zu ermöglichen, hat die Schweizerische Regierung folgenden Beschluß gefaßt: . Deutschen Reichsangehörigen mit deutschem Paß, die nach den deutschen Gesetzen nicht arisch sind, wird der Grenzübertritt über irgendeine Passierstelle der schweizerischen Grenze nur noch gestattet, wenn ihr Paß mit dem Eintrag einer durch ein schweizerisches Konsulat erteilten Zusicherung der Bewilligung zum Aufenthalt in der Schweiz öder 2ur Durchreise durch die Schweiz versehen ist. Der Visumszwang für die Inhaber österreichischer Pässe bleibt nach wie vor bestehen. Angesichts der großen Zahl von Emigranten, die sich schon in der Schweiz aufhalten, wird erneut hervorgehoben, daß die Schweiz für sie nur ein Transitland sein kann und daß ihnen während ihres vorübergehenden Aufenthaltes in der Schweiz jede Erwerbstätigkeit untersagt ist» Auch der Erwerb von Liegenschaften oder die Beteiligung an schweizerischen Geschäften usw geben keinen Anspruch auf Aufenthalt. Der neue Beschluß der Schweizerischen Regierung wird strikte durchgeführt; er gilt nicht nur für den Grenzübertritt aus Deutschland, sondern auch aus Italien und Frankreich." Die Tagung des Großen Rates in Italien. | Rom, 6. Oktober. Der Große Rat ist am Donnerstag abeii den 6. Oktober, zu seiner Tagung zusammengetreten. An erster Stelle der Tagesordnung steht die Rassenfrage, Seine Beschlüsse in dieser Frage sind zur Stunde, da diese Zeilen .inden Druck gehen, noch nicht bekannt.

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