Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 40-41 (7.10.1938)
- Date
- 1938-10-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mains Frankfurt a. M. I 7. Oktober 1938 12. Tischri 5699 Nummer 40-41 Vor der Entscheidung in der Palastina-Frage.!Der Hochkommissar Max Michael auf dem Wege Bach London. London, 6. Oktober. (Tel. Bericht.) Die „Times" veröffentlicht heute früh eine offenkundig offiziöse Mitteilung ihres diplomatischen Korrespondenten, in der es zunächst hinsichtlich der Woodh e a d - Kom mis s i o n heißt: „Die Resultate der Woodhead-Kommission sind noch nicht bekannt, aber der ihr erteilte Auftrag schließt nicht ganz die Möglichkeit aus, daß sie berichten wird, die Teilung sei unausführbar. In diesem Falle werden andere L ö s u n g e n zu prüfen sein. Die Ansichten verschiedener Autoritäten der arabischen Welt sind vom Kolonial-Sekretär angehört oder ihm mitgeteilt worden und obgleich sie im einzelnen von einander abweichen, besteht ein großes Maß von Uehereinstimmung zum Beispiel hinsichtlich der Notwendigkeit «ines englisch-französischen Zusammenwirkens, das, um es milde auszudrücken, bis in die jüngste Zeit hinein ziemlich untätig gewesen ist." Hierauf teilt das Blatt mit, daß der Außenminister des Irak, Seyd T a u K k ,- vom englischen Foreign Office nach London geladen wordeifist, um mehrere Fragen in -Bezug -auf das Zusammenwirken von England und Irak zu besprechen. T a u f i k war gestern zum Frühstück der Gast Halifax' gemeinsam mit dessen Kolonialsekretär MacDonald. Es wird angenommen, daß Taufik den Antrag stellt, Palästina unter Aufhebung des Mandates in einen unabhängigen, mit Großbritannien verbündeten Staat zu verwandeln, dessen Verfassung von einer konstituierenden Versammlung ' geschaffen wäre und die allen Gemeinschaften volles bürgerliche und religiöse Recht gewährleisten soll. Innerhalb des Staates soll jede Gemeinschaft gleiche Rechte genießen, und eine lokale Autonomie in städtischen und erzieherischen Angelegenheiten soll sowohl den arabischen als jüdischen Städten und Dörfern .gewährt werden. Keine weiterejüdisehe E 'iin wände r u h g w ü r d e e r 1 ä u b t w e r - d e n. Die Rechte der Gemeinschaften würden von der britischen Regierung garantiert werden für die Dauer des vorgeschlagenen englisch-par lästinensischen Vertrages. . * * V ' Im Zusammenhange damit steht der Bericht aus Jerusalem, daß am Donnerstag früh Sir Harold MacMichae 1, der Hohe Kommissar iür Palästina, unerwartet auf dem Luftwege eine Reise nach London angetreten hat, Es heißt, daß der Dominienminister M_alcolm MacDonald mit ihm und anderen Sachverständigen eine Konferenz über das palästinensische Problem abhalten wolle. Der plötzlichen Reise des Hohen Kommissars werde auch deshalb besondere Bedeutung beigemessen, weil sich der Außenminister des Irak, Taufik S uwaidi B ey zur Zeit in London befindet, der in einer langen Unterredung mit Lord Halifax einen Plan für die Regelung der Palästinafrage vorgebracht haben soll. Wie MacDonald heute abend im Unterhaus mitteilte, hat er die Absicht, mit Sir Harald MacMichael auch über die Frage der allgemeinen Sicherheit in Palästina zu sprechen. Wegen der Verschlimmerung, der inneren Lage des Landes, so eröffnete der Minister den Abgeordneten, seien außer ener bereits entsandten Brigade zwei Kavallerieregimenter und ein Bataillon zur Verstärkung nach dem Mandatsgebiet unterwegs. Außerdem würden in der näch sten Woche drei Bataillone britischer Truppen aus Indien in Palästina eintreffen. (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Die Jüdische Winterhilfe.......Seite 2 Emröiäe^i'sehwei'Ufigeii in der Schweiz Seite 2 Die Einheit in der Flüchtlingsfürsorge . Seite 2 Wochenrundschau........ . Seite 3 Kultur und Religion ........Seite 1 Geschichtsbewußtsein als Rettung? Von Dr. B. Cohen.......Seite 5 Wenn man auswandern' will . . . . Seite 6 Die jüdischen Aerzte in Oesterreich Seite 9 Erez Israel............ Seite 10 Literarische Warte ........ Seite 11 Der Kleine Israelit.......Seite 7 u. 8 Die Gemeinschaft und der Nachwuchs. Festausklang nach dem Schmittajahr. In M. V. Kap, 32 ist angeordnet, daß nach Ablauf des Sukkothfestes am Ausgange des Schmittajahres eine Volksversammlung ^npn stattfindet, an der die Thora in Gegenwart des gesamten Volkes verlesen wird. Alles Volk, Männer, Frauen und Kinder, auch die Fremden in den Toren des jüdischen Landes,- sollen die Thora hören, „um' zu lernen, G'tt zü ehrfürchten und die Gebote Seiner Lehre zu erfüllen." * Im Talmud Chagiga (50a) lesen wir dazu: R. Jbchanan Sohn Brokas und R. Elieser Sohn Chismas besuchten R. Josua in Pkiin. „Was habt Ihr heute im Lehrhause Neues gehört?",' fragte ,R. Josua. '.-«Wir sind Deine Schüler und trinken von Deinem Wasser," antworteten sie bescheiden. Darauf R. Josua:„Immerhinj es gibt keinen Tag im Lehrhaus ohne Neues. Wer hielt heute den Lehrvortrag?";i N; Die Schüler berichteten: „R. Elasar Sohn Asarijas erklärte heute den Abschnitt der. Volksversammlung nach dem Schmittajahr, ürid er stellte die Frage, wozu man auch die Kinder mitbringen müsse, die; doch von all dem nichts verstehen? Um, so hatte R. Elasar erklärt, den Vätern und Müttern, die die Kinder mitbrachten, Lohn zu sichern." Darauf R. Josua: „Solche Perle hattet Ihr in der Hand und Ihr wolltet sie mir vorenthalten?" Nach Mechilta fügte R. Josua dem noch hinzu: „Gibt es noch ein herrlicheres Wort als dieses? Siebenzig Jahre bin ich alt geworden und höre es heute zum ersten Male. Wohl i.:ir, Vater Abraham, daß Du einen R. Elasar Sohn Asarijas Deinen Enkel nennen kannst. Eine Generation unter R. Elasars Führung ist nicht verwaist! ..." Man würde diese ganze Unterhaltung :;nd die Begeisterung R. Josuas, die dem Kinde -md dessen Betreuern am Feste ^es Volkes gilt, nicht verstehen, wüßte man nicht um die nationale, einigende und erzieherische Bedeutung dieser Volksversammlungen, an denen einmal in sieben Jahren König, Thora und Volk miteinander konfrontiert wurden. Auf solcher Versammlung wurden die Grundlagen des Judentums dem Volke vor Augen ge führt, — durch die ersten legitimen Führer, .durah den König in den Perioden des Königtums. Es kam zur öffentlichen Verlesung der Anfang des Buches „Dewarim", in dem Isrnois Wüstengang geschildert, das zehnfache Sinaiw-v.rt wiederholt, uns die g'ttliche Herrschaft mit d&n .3n»TP OK . "TIl eingeprägt wird. All. die Mahnungen und Lehren Mosches, die g'ttlichen Gebote zu erfüllen, drangen noch einmal an Jus Volkes Ohr, die Segnungen und Verwünschungen; die Bundestreue zu G'tt wurde erneuert, die Verpflichtung zur tätigen Brüderliebe mit dem Gebot des Verzehnten, der Armengaben bei der Ernte neu übernommen. Zum Schlüsse wurde noch das Königskapitel vorgetragen, :--r-. (Fortsetzung siehe Seite 3.)