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Der Israelit · 1938-09-29 · Heft 39 (29.9.1938) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 39 (29.9.1938)
Date
1938-09-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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29, September 1938 Der Israelit Nr. 39 Seite 3 Zwischen Notwendigkeit /Fortsetzung von Seite 1.) mufti aber, der vom sicheren Port aus die Bewegung leitet, saß noch nie so hoch zu Roß wie heute, da ihm Geld , und Rückenstärkung von allen Seiteft in unbegrenztem Mäße wird. Die Zerstörung der Wirtschaft und des arabischen Jischuw berührt; ihn wenig. Ist einmal die Formel von der „nationalen Befreiung des Landes' gefunden und ausgegeben, dann darf es eben Opfer kosten' ... Unter diesem Gesichtspunkte kann im Momente von einer Verständigung nicht gesprochen werden. Die Notwendigkeit einer Verständigung war noch nie so dringend wie heute, aber die Möglichkeit nie so zweifelhaft wie in diesem Augenblick. Das weiß die Regierund sowohl wie die Jewish Agency, aus welchem Grunde weder von ersterer noch von letzterer Schritte nach dieser Richtung zur Zeit nicht zu erwarten sind. und Möglichkeit. erkannten, waren der Meinung, daß man nur mit den Fellachen und arabischen Arbeitern,, unter Umgehung der Effendis, verhandeln müßte. Man ist nun von dieser Taktik abgerückt. Ben G o r i o n erklärte in alier Oeffentlichkeit, daß wenn einmal der Großmufti zur Zeit der legitime Führer der arabischen Bewegung ist, so sei eben er der Verhandlungspartner, ganz unabhängig davon, wie und was wir von diesem Manne denken. Nun aber gewinnt man den Eindruck, als waren die Führer unserer nationalen Politik ins Gegenextrem verfallen. War früher der Name des Mufti verpönt, so ist man jetzt der entgegengesetzten Meinung, daß nur die Muftipartei für eine etwaige Verhandlung in Betracht komme, und es unter keinen Umständen angehe, seine Gegenspieler im arabischen Lager ins Auge zu fassen. Auch das ist ein fataler Irrtum, der sich bitter rächen könnte. Es ist denkbar, daß. wenn wir es verstanden hätten, die gegensätz- Randglossen zu jüd. Zeitproblemen, Ein Verständigungsversuch könnte nur unter folgenden Voraussetzungen gewagt werden: Unterdrückung oder wenigstens Herabd rückung des Terrors durch die Machtmittel der Regierung bis zu einem Maße, daß die Bandenführer ihr Spiel verloren geben. Auf der anderen Seite eine kräftige Entfaltung des jüdischen Jischuw, Verstärkung der Einwanderung und Besserung der wirtschaftlichen und ökonomischen Lage;_ sodann Ausbau und Konsolidierung einer arabischen Organisation, die vom Großmut Ii unabhängig ist. Diese arabische Zentrale, die von der negativen Politik des Mufti abrückt,- wird kommen, wenn die Araber einmal einsehen, in welches Chaos jene Taktik führt und zum anderen, daß die Entwicklung des jüdischen Nationalheims dadurch nicht wesentlich aufgehalten wird. Einem solchen arabischen Organe müßte die UeberzeUgUlig beigebracht werden, daß im jüdischen Volke volles Verständnis" für die vitalen nationalen und sozialen Interessen der arabischen Gemeinschaft vorhanden ist und daß man dort bereit ist, in die zum Frieden ausgestreckte Hand reinen Herzens und ohne jegliche Nebenabsicht einzuschlagen. Wären wir so weit, dann würde der Drahtzieher unter dem Schutze des französischen Mandates entweder seinerseits nachgeben, um die Führung nicht zu verlieren, oder er wird abseits bleiben. Leider aber sind wir nicht soweit und sehen vorerst keine dieser Voraussetzungen erfüllt. Und solange die Dinge so stehen, ist jedes Wort über Verständigungsverhandlungen verfrüht. Nicht verfrüht und sogar dringend zeitgemäß ist es, unsere Einstellung zu der arabischen Politik zu klären und sie in den Punkten, die fehlerhaft sind, einer Revision zu unterziehen. Verständigung noch nicht, aber Verstehen der arabischen Psyche tut uns not, heute schon, jetzt vielleicht sogar mehr denn je. Wir müssen uns in Erinnerung rufen, daß die arabische Politik seinerzeit von englischen Juden gemacht worden ist (Samuel, Kish u. v. m.). Sie gingen an das arabische Problem von oben und von außen heran, vom englischen Standpunkte aus. Nichts ist von jener Periode geblieben. Das jüdische Verhältnis zu der Araberfrage war nie von Wissen um die Araber fundiert. System, Methode und Einheitslinie fehlten. Alles, was wir auf diesem Gebiete taten, war aus dem Augenblick geboren. Was gestern geschah, wurde heute nicht fortgesetzt und morgen schon gänzlich aufgegeben. Man war, sehr zuunserem Schaden, der Meinung, es gäbe gar keine arabische Frage, es gäbe nur eine englische Araberpolitik. Noch im Jahre 1929 leugnet ein Publizist vom ■ Range des inzwischen verstorbenen Beilins p h n . die national-arabische Bewegung. Die jüdischen Arbeiterführer, die diese Bewegung ja Von Saly Geis in Jerusalem. I. Die hebräische Sprache. „Die Rückkehr zum Judentum ist in erster Linie eine Rückkehr zur hebräischen Sprache, weil sie der. Schlüssel ist,, der allein die innersten Herzkammern jüdischen Seins aufzuschließen vermag." Dieser Satz in einer zionistischen Zeitung gehört zu den Grundlehren der zionistischen Ideologie. Er steht aber trotz der Sicherheit seiner Behauptung auf schwachen Füßen. Wie ihn die Zionismen verstehen, bedeutet er in Wirklichkeit nichts anderes als schöne Phrase. Wohl ist die Sprache, dieses unendlich feine, empfindliche Instrument, der Niederschlag des Denkens eines Volkes. Wohl soll die hebräische Sprache in die „innersten Herzkamm'ern jüdischen Siens" führen. Sie ist aber geformt worden von dem religiös-mor&lisch-ethischen Gehalt des Tenach und der Mischnah, der schriftlichen und der mündlichen Thora. Nur mit dieser Beseelung kann sie bestehen und ihren Segen über das jüdische Volk ergießen. Solange man die hebräische Sprache von Tenach und Mischnah, von der Tradition ihres Volkes loslöst, solange die nationalen Schulen Tenach und Mischnah nur als ZU nichts verpflichtende Literatur lehren, — kann die hebräische Sprache nicht zum Wunderschlüssel hinein in die „Herzkammer jüdischen Seins" werden. Im Gegenteil/ Die Sprache der Größten des jüdischen Volkes muß auf solche Weise nach und nach in eine moderne, ihres bisherigen heiligen Charakters entkleidete Sprache umgewandelt und degradiert werden. * In der hebräischen Sprache hat der Höchste, gepriesen sei Sein heiliger Name, sich offenbart. In Ihren Lauten hat Er zu Adam, zu den Stammvätern, zu dem gesamten Volke am Sinai und zu den Propheten gesprochen. Wer unser Judentum in seinen tiefsten Tiefen, in seiner reinen Klarheit zu erfassen erstrebt, muß in der hebräischen, aber nicht in einer Galuthsprache denken. Aus dieser Tatsache erwächst in der gegenwärtigen Zeit der Thorajudenheit die verantwortungsvolle Aufgabe, über das Schicksal der hebräischen Sprache zu wachen. Denn sie ist durch die religionslose nationale Strömung, wie sie die zionistischen Führer, Literaten und Lehrer vertreten, gefährdet. Die Thorajudenheit muß es sich als Aufgabe vorzeichnen, das jüdische Schrifttum nicht mehr in Uebersetzung zu denken. Diese Synthese kann freilich, von der Generation der Erwachsenen im allgemeinen nicht mehr erwartet werden. liehen und widerstreitenden Kräfte unter den Arabern zu unseren Gunsten auszunutzen, wir heute viel weiter wären, als wir eben sind. Wie gesagt, muß, bevor noch die Verständigungsfrage aktuell wird, unser ganzer Gedankenkomplex in Bezug auf die Araber von Grund auf revidiert werden. Verlangen müssen wir von der Regierung eine möglichste Niederringung des Terrors und eine Verstärkung der Alijah. Wir aber wollen indessen ein wachsames Auge haben für all das, was sich in der arabischen Welt ereignet, und in latenter Weise dazu beitragen, daß jene genannten Voraussetzungen für eine Verhandlung und Verständigung geschaffen werden. Es wird nicht in nächster Zeit sein können, aber so unabsehbar ist der Zeitpunkt nicht, an dem auch die andere Seite zur Besinnung erwacht. Die Verständigungsnotwendigkeil ist zweifellos da, die Möglichkeit zur Verständigung noch nicht. Seien wir aber für diese Möglichkeit gerüstet! Die Erwachsenen tragen aber die Verantwortung für die Jugend. Durch die Jugend ioC die Bekämpfung der Gefahr einer vom jüdischen Schrifttum getrennten hebräischen Sprache zu erreichen. Ich wiederhole meine schon öfters geäußerte Forderung für die Galuthländer, vor dem ersten Schuljahr ein Jahr nichts als hebräischen Sprachunterricht zu geben und auf dieser Basis mindestens alle das Judentum betreffenden Fächer umzustellen. Für Erez Israel, wo das Hebräische bereits die Umgangssprache ist, handelt es sich bei dem gesamten Unterricht um Berücksichtigung der Apologie gegen den religionslosen Nationalismus, der dem Zeitgeist in der nichtjüdischen Welt Tribut zollt. II. Geulah und Galuth. Der Präsident der Agudas Jisroel, der anerkannte und verehrte Führer der Thorajudenheit, hat die schwere Prophezeiung amgesprochen, daß „der Traum einer nahen Erlösung verflogen ist und das jüdische Volk sich für lange Zeiträume schwersten, dunkelsten Galuthgeschickes zu rüsten hat." Der Traum einer nahen Erlösung . . . CD^^lTl nKin ftW*?' — ein Traum und nicht ehrlichste, wahrhaftigste Erwartung, heißestes Verlangen nach naher Erlösung, nach der Geuloh? Bewußteste, klarste Einstellung auf die Geulah heißt Errettung. Mit dieser Einstellung wurde das Galuth zur Nichtigkeit, mochte auch der Höchste — gepriesen sei Sein^Name — noch nicht die Zurückführung beschlossen haben. Doch gerade die Gegenwart, die das jüdische Volk bis in die entlegensten Winkel der Erde zerstreut hat — eine Zerstreuung, wie sie noch nie war —, läßt die Hoffnung auf nahe Erlösung zur greifbaren, jeden Augenblick zu erwartenden Wirklichkeit werden. Haschem's Wege sind nicht unsere Wege. Wir Menschen, wie ein verschwindender Schatten, können nur, wenn wir unser Leben ganz Haschern unterstellen,. ein wenig von Seinem Wirken mit ehrfurchtsvollem Erschauern begreifen. Dieses Erschauern ist aber das höchste Glück* das einzig wahre Glück, — und es genügt zum Vertrauen auf Haschern und zur inneren Festigkeit sowie zum klaren Lebensziele. . Wir. sollen in G'ttes Thora und unter Führung der Thora in Seiner Welt (rTttmn ilffjrö) und in Seines Volkes Geschichte (ö^nSö rwX'O forschen. Die Thora aber lehrt, daß die Geulah aus dem ersten Galuth im verzweiflungsvollsten,

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