Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1938)
- Date
- 1938-09-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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^?jas?^^^^^5S^^^^ä^^^^^P^«^^JUJ5H^^^^S^S Seite 12 Nr. 38 Der Israelit (s^^p^PI[|^^pn^ 22; September 1938 Jakob Joel Braun ^ST. Bratislava, 20. Sept. Erschütternde Kunde kommt aus Bratislava. Jakob Joel Braun ist seinen Leiden, gegen die er jahrelang mit der ganzen Kraft seiner Geistigkeit gekämpft hatte, erlegen. Am letzten Donnerstag wurde er unter Beteiligung aller, die ihn kannten und ehrten, und das bedeutet; aller, die sich hier zur thoraüt treuen Fahne zählen, zur letzten Ruhe gebettet. Wenn eine alte Klage beim Ableben unersetzlicher Menschen laute't l/niön ui» ]rp '», so können wir am Grabe Jakob Joel Brauns ohne Ueber treibung sagen und klagen: wer gibt uns seinesgleichen, wer wird wie er als lebendes Denkmal einer Zeit vor den Augen einer jüngeren Generation stehen, die den geistigen Lebensraum, in dem sich unsere Jugend bewegt und atmet, erst geschaffen hat? Es geht in diesem Nachruf nicht darum, einen Meister der Lehre oder der Frömmigkeit zu beweinen, — obwohl Braun von Kindheit auf sich auch in den tiefen Gemächern der Thora. gut auskannte und von der Krone tiefer Frömmigkeit ausgezeichnet war. ■ — Wir beweinen in Braun überdies einen Juden, dessen Leben von Jugend auf buchstäblich Tag für Tag und Nacht für Nacht Israel und seiner Thora gewidmet war. In jungen Jahren kam Jakob Joel Braun aus ungarischen Jeschiwoth nach dem Westen, um sich auf den Universitäten in Deutschland und der Schweiz fortzubilden. Er lernte, mehrte und vertiefte so sehr sein Wissen, daß er auf manchen Gebieten den Fachgelehrten in Staunen setzte. Er wußte aber, daß alles Wissens Krone die Tat ist, die Tat für sein Volk. Als der politische Zionismus in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts aufkam, setzte er, wie viele Andere, seine Hoffnung auf diese Bewegung, übersah mit den Augen der jüdischen Liebe ihre Lücken und Fehler und hoffte, daß sie aus allen Jugendstürmen heraus ganz in jüdische Sphären hinein und hinauf wachsen würde. Als sich später M i s r a c h i etablierte, glaubte er zunächst diesen seinen Traum verwirklicht zu sehen und widmete sich mit der ganzen ihm eigenen Innigkeit und unermüdlichen Tatkraft dem orthodoxen Bezirke innerhalb des Zionismus. Um so größer war aber seine Enttäuschung, als er das Unvermögen der orthodoxen Fraktion, den zentralen Gedanken der zionistischen Bewegung und die von ihm ausstrahlenden Handlungen zu beeinflussen, wahrnahm. Damals fand unser Jacob Rosenheim mit dem Worte, das er in die orthodoxen Maasen warf, mit der Parole der Agudas Jisroel, in Jakob Joel Braun, der inzwischen seinen Wohnsitz nach Frankfurt verlegt hatte,--«len eifrigsten Mitarbeiter, einen Mann von schöpferischen Ideen, einem organisatorischen Können und einem Reichtum an Initiative, wie man sie damals in unseren Reihen kaum noch kannte. In Bad Homburg hatte Jacob Rosenheim mit den Thorafürsten der Zeit beraten. Es war ein kleines Thoraparlament. Der Sachbearbeiter, sozusagen Ministerialdirektor und zugleich Verwalter und Exekutive jeher Vorberatungen war Jakob Joel Braun, der sich von diesem Momente ab buchstäblich mit Leib und Seele der Agudas Jisroel verschrieben hatte. In jenen Geburtsstunden der Agudas Jisroel konnte man Jakob Joel Braun sehen, wie er die Nacht zum Tage machte, das Büro leitete, Protokolle abfaßte und Entwürfe ausarbeitete, ohne zu ermüden, ohne zu erlahmen. Er bereitete die ganze organisatorische Arbeit für die Kattowitzer Konferenz vor, und er war es, der nach der Konferenz als erster Büroleiter der Agudas Jisroel in Frankfurt die ganze Beute von Kattowitz unter Dach und Fach zu bringen hatte. Wenn die Agudas Jisroel, allen Prüfungen der Kriegsjahre und der Uebergangsjahre nach dem Kriege zum Trotze, im Jahre 1923 ihre erste Kenessio in Wien abhalten konnte — wie viel Arbeit und edler Schweiß, wie viel durchwachte Nächte Jakob Joel Brauns steckten dahinter, ohne daß die Welt je erfuhr, wer der Initiator der einen und anderen Idee, dieses und jenes Planes, wer der Verfasser des einen und anderen Entwurfes war! Es lag nicht in der Wesensart Brauns, sich in den Vordergrund zu drängen. Er zog es vor, im stillen Kämmerlein die Arbeit zu m&ehen und oft genug die Krone des Enderfolges Anderen zu überlassen. Die Entwicklung der Dinge brachte es mit sich, daß Jakob Joel Braun vor etwa zwei Jahrzehnten seinen Wohnsitz nach Preßburg verlegte, um dort neben anderem die Leitung der tschechoslovakischen Landesorganisation der Agudas Jisroel zu übernehmen. Bald aber waren es auch andere Kreise und Gremien, die sich die kluge Erfahrung und die Arbeitskraft dieses seltenen Mannes zunutze machten. Er leitete die ^re^- burger Ausgabe der Wiener „Jüdischen Presse". Bei der Umstellung des früher ungarischen Teiles . der Orthodoxie auf die neuen politischen Verhältnisse, wie bei der Gründung und Konsolidierung der Orthodoxen Landeskanzlei in der Slowak e i wirkte Jakob Joel Braun an erster Stelle mit. Die Entwürfe, Denkschriften und Gesetzesvorlagen, deren Früchte heute die Orthodoxie in der Slowakei so selbstverständlich genießt, als wären sie schon immer da gewesen, sind zum größten Teil aus dem Geiste und der Arbeit Jakob Joel Brauns heraus entstanden. Um seine Verdienste in der Geschichte der organisierten Orthodoxie im Einzelnen zu schildern., müßte man einen Jaköb Joel BfaUfl selbst haben, dem die Entwicklung des jüdischen Lebens, nicht nur des orthodoxen, im letzten halben Jahrhundert in all ihren Teilen und Phasen, in allen Ländern und geistigen Bezirken so unverlierbar im Gedächtnis ruhte, wie in einem eisernen Tresor. Vor einem Jahre etwa durfte Schreiber dieser Zeilen den Freund in Preßburg wiedersehen. Er war durch tückische Krankheit vor der Zeit gealtert, aber wenn er sprach, blitzte sein Auge und das Gesicht bekam die Farbe strotzender Gesundheit. Ganze Perioden neuerer Geschichte zogen an unseren Augen vorüber, mit einer Lebendigkeit, wie sie seiner Darstellungskraft von jeher eigen war. Ein lebendiges Lexikon äaönten ihn die Freunde und beschworen ihn, seine Memoiren niederzuschreiben. Wir wagten nicht, ihn allzudringend zu dieser Arbeit anzutreiben, um ihn nicht merken zu lassen, wie sehr wir um seine Gesundheit bangten. „Hier," griff er sich an den Kopf, „ist alles noch in bester Ordnung, nichts ist von dem Erlebten und Errungenen daraus verloren gegangen, nichts ist darin ins Stocken geraten. Aber . . ." senkte er die Stimme. Und wir verstanden das „Aber ..." Ein gesunder, rastlos arbeitender Geist kämpfte gut zwei Jahre gegen einen zerfallenden Körper. Die Oberen und die Unteren rangen miteinander. Die Unteren siegten; die nagende Krankheit, aber es waren die Oberen, die den letzten Sieg davontrugen. „Die Himmlischen gewannen die Oberhand und die Lade, — in der für uns so Vieles und Wertvolles aufbewahrt war, — wurde entführt/' Ueber der Bedeutung Jakob Joel Brauns für .das Judentum der Thora darf man den Menschen, den Gatten den Vater, nicht vergessen. Er war der gütigste Mensch, der beste Freund, den man sich denken konnte, der treueste Gatte und liebevollste Vater. Zusammen mit der Lebensgefährtin erzog er die Kinder für ein Leben der Thora und G'ttesfurcht. Möge jn diesen Kindern der schwerbetroffenen Gattin, mit der t-?xi»' bbs um einen seltenen, in seiner Art einmaligen Menschen trauert, Trost erblühen. n*3S3n —tz. Personalien- Ein vierzigjähriges Amtsjubiläum. Bad Homburg, 21. Sept. Herr Oberkantor und Lehrer Moses Herz in Bad Homburg sieht auf eine vierzigjährige Amtstätigkeit zurück. Herr Herz ist der Typus eines Lehrers, der in seinem Amte nicht einen Beruf, sondern eine Berufung erblickt, und so konnte er sich im Laufe der Jahre zum wahren geistigen Führer seiner Gemeinde entwickeln. Auch den Frankfurtern, die gelegentlich den lieblichen Badeort besuchen, ist es bekannt, mit welcher Würde und Korrektheit Herr Herz seinen Dienst als Vorbeter und Baal Kore verrichtet. Er hat in den 40 Jahren seiner Wirksamkeit Generationen großgezogen, die die von ihm erhaltene Lehre auch in weiter Ferne nicht verleugnen werden. Herr Herz, im Besitze reichen Thorawissens und ausgezeichnet von der Krone tiefer Frömmigkeit und warmer Menschenliebe, genoß, solange bedeutende Rabbiner an der Spitze der Gemeinde standen, das volle Vertrauen und die intime Freundschaft seiner fabbinisehen Vorgesetzten, und übt, seitdem die Gemeinde im Drange der Zeit auf eine Neubesetzung des Rabbinates verzichten mußte, selbst mit guter Sachkenntnis die kleineren rabbinischen Funktionen aus. Auch einen Gemoroschiur leitet er seit vielen Jahren, bei dem sich die wenigen Talmudkundigen in der Gemeinde heute noch an bestimmten Abenden finden. Er hat in allen anderen Gremien der jüdischen Gemeinde das führende Wort und steht mit väterlicher Hingabe jedem Einzelnen seiner Gemeinde in schwerer Zeit zur Seite, Alle Gemeindemitglieder, aber auch ein großer Freundeskreis über seine Gemeinde hinaus finden sich in dem Wunsche, daß es dem treuen Lehrer vergönnt sein möge, an der Seite der gleichgearteten Gattin und im Kreise seiner Kinder noch lange Jahre in ungeschwächter Kraft seine segensvolle Tätigkeit fortzusetzen, srytt* Vermischtes- Berlin, 20. Sept. Die Schulabteilung der Reichsvertretung teilt mit: Es ist in Aussicht genommen, in der Zeit vom 23. Dezember 1938 bis 2. Januar 1939 eine Fortbildungstagung für Lehrer des Englischen zu veranstalten. Vorgesehen sind: Grammatik, schriftliche Uebungen, Konversation und Vorträge durch einen englischen Lektor. Voranmeldungen sind zu richten an; die Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Schulabteilung, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstr. 158, Berichtigung. In der jüngsten Nummer hat sich in dem Bericht über das 25jährige Dienstjubiläum des Herrn Direktors Dr. Rothschild in Dinslaken ein sinnentstellender Fehler eingeschlichen. Die Ehrung des Jubilars durch^ die Verleihung des „Maurenu" ist ein Beschluß des Vorstandes des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands und wurde durch das Rabbinat des Vereins, die Herren Dr. Stein und Wey!, unter Zustimmung des Herrn Rabbiner Dr. Wolf in Petach Tikwah (Palästina) sowie des Freundes und Lehrers des Jubilars, des Herrn Rabbiner Dr. Frankel in Halberstadt, durchgeführt. Briefkasten. Anonymus in Frankfurt. Hätten Sie es nicht vorgezogen, in der Anonymität zu bleiben, so hätten wir Sie leicht davon überzeugen können, daß die Re- .daktion für die Annoncen keine Verantwortung trägt und daß gewisse Anzeigen, zu denen auch die von Ihnen beanstandete gehört, nicht zurückgewiesen werden können. Die Frankfurter Woche- Prosbul. Vom Rabbinat der Synagogengemeinde „Israelitische Religionsgesellschaft" zu Frankfurt a. M. wird bekanntgegeben: Am Erew Roschhaschana vormittags von 9—11 Uhr wird im Amtszimmer des Rabbinates Friedberger Anlage 4 p. Gelegenheit zur Ausstellung eines Prosbul gegeben sein. Die erforderlichen Formulare sind in der Kanzlei sowie zur angegebenen Zeit im Amtszimmer des Rabbinats zum Preise von 20 Pfg. pro Stück erhältlich. Es genügt ein Prosbul für sämtliche Außenstände eines Gläubigers. Eine Angabe der Außenstände oder die Einreichung einer Liste von ihnen ist nicht erforderlich. Agudas Jisroel-Jugendgruppe, Am Erew Rauschhaschana, Sonntag, den 25. September, findet anläßlich der Jahrzeit des Herrn Saily Michel b"ST im Anschluß an den Daf Jaumi-Schiur (zwischen 11—12 Uhr) im Lokale des Mekor Chajim, Hans Handwerkstr.- 18, ein Jahrzeitslernen statt. Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Chajim. Schabbos morgen nach Schluß der Synagoge: twn Herr Rabbinats-Assessor Dr. E. Posen. — nachm. 4.15 Uhr im Hörsaal: Chumisch mit Raschi, Herr Julius Lewin, — 4.15 Uhr im Vereinslokair Mikro, Herr Rabb. H. Mayer. Samstag abend eine halbe Stunde vor Nacht im Hörsaale „Schabbos-Schlußlernen". Sonntag und Mittwoch morgens nach Schul, f»i« qov. — vorm. 9 Uhr im Vereinslokal, oma« pa, Herr Rabb, Dr. Schlesinger. — vorm. 9 Uhr im Vereinslokal, *n»a, Herr J, Soffer, Montag u. Donnerstag nach Schul im Hörsaal; rw»" Mitgliederlernen. — Montag abends 7 Uhr (auch Mittwoch) im Lokal: (yhn) rjnna Herr Rabb ,Dr, J Breuer. Dienstag und Freitag morgens nach Schul, nwn' Herr R.-A. Dr. E. Posen. Dienstag und Donnerstag abends 7 Uhr im Lokal: Gemoro, Herr R.-A. Dr. E. Posen, Jahrzeitsstiftungen. Schabbos, 24. September: Lea Abigail Springut- Stiftung. Sonntag, 25. September; Esther Eschwege geb. Adler- Stiftung. Agudas Jisroel-Gruppe Frankfurt a. M. Thora und Mussar. (Alk Schiurim wie üblichi) Liwjath Chen. Diesen Sabbat 5 Uhr nachm. findet der Vortrag des Herrn S. Schachnowitz im Hause der Frau D. J. Weil Vst, Rückertstr. 46, statt. Gesellschaft für jüdische Volksbildung e. V. Sonntag, den 2. Oktober, 10 Uhr pünktlich: Führung durch den alten Friedhof. Treffpunkt: Synagoge Dominikanerplatz, Seiteneingang. DAS LICHT DER EWIGKEIT von Rabb. Dr. Elie Münk in Ansbach broschiert RM. 4.00 Lwbd. RM. 5.00 VERLAG DES ISRAELIT UNO HERMÖH GMBH., Frankfurt a. M. Schützenstr. 12 Postsch. 198Ö2 I Für die Feiertage rechtzeitig den Anzug oder Mantel LUDWIG von Frankfurt a. M. Hindenburgplatz 12 am Hauptbahnhof. ■