Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1938-09-22 · Heft 38 (22.9.1938) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 38 (22.9.1938)
Date
1938-09-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2451012-2451049--83977-2542016
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

, r rrggß^sp&g&z?* 22; September 1938 Der I s r a e 1 i t Nr. 38 Seite 11 ER EZ Das größte Gefecht seit Ausbruch der Unruhen. Hunderte tote und verwundete Araber. Jerusalem, 16. Sept. In der Nacht zum Freitag entwickelten sich in der Nähe von Ramallah, etwa 14 km nordwestlich von Jerusalem, wo mehrere hundert arabische Freischärler auf englische Truppen stießen, das bisher größte Gefecht seit Beginn der Unruhen in .Palästina. Das Gefecht dauerte bis zum Freitagvor mittag. In seinem Verlauf wurden die englischen Truppen dauernd verstärkt, bis schließlich sämtliche in Nordpalästina stehenden Bataillone im Kampfe lagen. Außer den Truppen wurden auch vierzehn englische Flugzeuge eingesetzt, die mehrfach von den Arabern beschossen wurden. Von amtlicher Seite werden die arabischen Verluste mit 140 Toten und Verwundeten angegeben. Ueber die Höhe der englischen Verluste liegen noch keine Mitteilungen vor In der Nähe von Latrum wurden arabische Freischärler von englischen Militärflugzeugen beschossen; nach amtlichen Angaben sollen dabei 11 Araber getötet worden sein. Weiter weiß „Europapreß" über die Schlacht bei Ramallah zu berichten: Das Nachtgefecht von Ramallah, in dem nach den letzten Meldungen 170 arabische Freischärler gefallen sein sollen, wird von englischer Seite als das schwerste Treffen seit.Beginn des Aufstandes, in Palästina bezeichnet. Auch am Freitag ist es in ganz Palästina wieder zu zahlreichen Zusammenstößen, zu Schußwechseln und Sabotage- Akten gekommen. Zwischen Jerusalem und dem Toten Meer wurden verschiedene Lastkraftwägerizüge der jüdischen Kali-Gesellschaft beschossen. In Haifa wurde ein arabischer Polizist erschossen;. Ein zweiter Araber wurde in der Nähe Von Nablus ermordet. In Ramallah drangen Freischärler in das Büro des Distrikt-Offiziers ein und entkamen mit wichtigen Papieren sowie mehreren Schreibmaschinen und Vervielfältigungsapparaten. In der Nähe von Tiberias wurden 81 Araber verhaftet. Vier jüdische Opfer am Sonntag. r Jerusalem, 20. Sept. Neben den . großen Gefechten bei Ramallah gab es auch: kleinere U e b e r fälle, die j.ü - d i s c h e Opfer ' kosteten. , Wie „Palcor" berichtet, stieß am Sonntag eine Nachtpatrouille in den S c h ar o n - S i e d 1 u n g e n in der Nähe" von Herzlia auf eine H ö I I e n m a .s c h i n e. V Ve r : G h ä H i r i m wurden getötet und vier verwundet. Die Toten sind:' Chäviv- M ö g i 1 e-v i t z (21^sJahre -alt), Max Siperheld (24 Jahre alt) aus Nürnberg; Zvi: Y o c h a (23 Jahre alt) und David G o 1 d i n 129 Jahre alt). Es handelt sich zum größten Teil um Angehörige des Kibbuz Shfayim bei Herzlia. Die jüdischen Verteidigungskräfte. . '■ J e r u s a 1 e m, 16. Sept. Während der letzten Tage wurden 600 zusätzliche, jüdische Hilfspolizisten eingestellt. 170 jü~ I disehe Hilfspolizisten hzwachen die Jerusalemer Poj lizeistationen, die zentralen Regierungsgebäude und J das Hauptpostamt in Jerusalem. Sie patrouillieren $erner in den judäischen Bergen an der Straße Jerusalem—Jaffa. 50 Ghaffirim wurden an isolierten Wasserpumpstationen auf der gleichen Strecke postiert. Die Tel Awiwer Zivilgarde besteht jetzt insgesamt aus 610 Mann, Während der jüdische Eisenbahnschutz 320 Mann umfaßt. Arabische Schutzleute in verschiedenen Polizeistationen wurden durch Juden ersetzt. Die Gesamtzahl der jüdischen Ghaffirim in der Spezialpolizei beträgt 7800. Geistige Blüte und materielle ^ot in Bne Brak. Jerusalem, 12, Sept. Bne Brak ist eine orthodoxe Kolonie auf dem! Wege zwischen Tel Awiw und Petach Tikwah, mit; einer Bevölkerung , von ca." 3000 jüdischen, Seelen undj ein bedeutendes Thorazen'trum .im" neuen 'Jischuw.! Außer der Talmud Thora-Schule besteht dort1 eine £r<?ß«; j!«sshiwa unter dem! Namen „Beth Josseph*' und £ine Jeschiwa ktanaunter dem Namen „TüereÜv ISRAEL Zion". Die große Jeschiwa hat ihr eigenes Heim und wird geleitet von Rabbi Israel Jakob Kanewski, dem als Leiter und Maschgiach Rabbi Seiw Tschig e 1 zur Seite steht. Das Lehrhaus hat eine eigene Mensa und ein Internat. Die Kleine Jeschiwa wird von ca. 100 Schülern besucht und steht unter Leitung von Rabbi Abraham Jizchak Gerschonowi tz und Rabbi Jakob Schneidmann. Diese Anstalt gilt in Erez Israel als beste Präparandie für die großen Jeschiwoth. Beide Lehrhäuser stehen unter direktem Einfluß des hier wohnenden Gaon „Chason Isch". Die ökonomische Lage der Lehrhäuser war noch nie glänzend, infolge der Krise wird sie aber immer bedrohlicher. Es herrscht in der Kolonie große Arbeitslosigkeit, wodurch alle Einnahmequellen für die Jeschiwoth an Ort und Stelle so gut wie ganz versiegt sind. So müssen die Lehrhäuser von B. B. an die orthodoxen Organisationen und Thorafreunde in der Diaspora appellieren. Ein Stützpunkt der Thora im neuen Jischuw ist gefährdet, eine unserer besten Errungenschaften, auf die wir so stolz sind. Das thoratreue Judentum darf nicht zulassen, daß uns diese Position, was G'tt verhüten möge, verloren ginge. Schmittafrüchte, Jerusalem, 19. Sept. Diese Woche kamen Säcke mit Früchten in Jerusalem an, die. unter die Schüler der Talmud Thora- Schülen und die Jünger der Jeschiwoth verteilt wurden. Die Früchte kamen aus der Besitzung von Herrn Abraham Münk in der Kolonie Moza, der streng Schmitta hält und danach sein Eigentumsrecht auf die herangereiften Früchte nicht geltend machte, sondern diese unter die Gelehrten Jerusalems verteilte. Brie! aus Erez Israel. Neuer Kurs des Bandenkrieges. — Tel Awiw. Flughaien in - Jerusalem, 16. Sept. Die letzten Tage waren Tage der „scharfen Kontrolle", Die Zeitungen brachten nur kurze, abgehackte, offizielle Berichte. Die Zensurarbeitete streng. Aber wie immer in solchen Zeiten, blühte und gedeihte die andere, lebendige Zeitung, die von..Mund zu Mund geht. Dagegen sind alle Maßnahmen der Regierungsbehörde vergebens. Es half nicht; 'daß hie und da einer wegen Verbreitung falscher Berichte verurteilt wurde. Auch die kurze Rede des High Commissioners im Rundfunk konnte der wilden Gerüchtemacherjei nicht zu Leibe, rücken. Die Kursänderung im Kleinkriege der Araber drängt sich jedem Sehenden auf. Man will nicht mehr ■ Bandenkrieg führen, sondern man will nationale Helden sein. Zum ersten Male ist es passier1., daß vor dem Militärgericht ein arabischer Angeklagter auf alle Verteidigungsmittel verzichtete, seine Tat nicht leugnete, alle seine früheren Aussagen zurücknahm und offen erklärte, daß er .als Mitglied; des „Revolutionären Verbandes zur Befreiung des Landes vom fremden englischen und jüdischen Joche" nicht anders handeln konnte, als eben jene Morde zu begehen. Er nehme für sich in Anspruch,- keine kriminelle, sondern eine politische Tat begangen zu haben. Diese Argumente führte auch der Verteidiger' an» Das rettete den Angeklagten nicht vor dem Galgen, aber die arabische Presse unterstrich diese Wendung, in der ihr eigenen Blumensprache, und es ist offenbar, daß man sich auf dieser Seils; jetzt mit Kleinigkeiten nicht mehr abgibt, sondern Angriffe in großem Ausmaße organisiert. Die „große Schlacht" am Freitag, den 16. September, wohl die größte seit Beginn der Unruhen, zeigt den neuen Kurs an. In diesen Zusammenhang gehören auch die Ueber- .fälle auf amtliche Stellen, atlf Banken und Postämter. Die Kursänderung zeigt ich auch darin, daß man neuerdings in Aer Presse für die zahlreichen Opfer der Höllenmaschinen in Jaffa und Haifa nicht mehr,, wie früher, Juden, -sondern die Regierung selbst verantwortlich macht. Die Polizei selbst hätte die Atten-, täte verübt, und man erfindet zu 'diesem Zwecke; Märchen, für die inf Arabien stets günstiger Auf-; nahmeboden vorauszusetzen ist. Wie -weit diese- Ge-t rüchte hinreichen,;, beweist die Tatsache', daß trotzj der stx«ngen; Zenstrf efie Regierung esi für nötig ihielt.j durch Communiques und Radiodurchsagen ihnen entgegenzutreten. In dieser trüben Zeit ist auch etwas Erfreuliches zu berichten. Tel Awiw hat einen Flughafen bekommen. Bisher war der Flughafen Palästinas in Lydien. Nach der Errichtung des Tel Awiwer Hafens war die reinliche Scheidung zwischen Juden und Arabern auch in der Luft unaufschiebbar. Die Luftstation in Tel Awiw ist in aller Stille eröffnet worden, und es war vielleicht mehr als ein Zufall, daß am gleichen Tage in Lydien wilde Schießereien vorgekommen sind, die dort den Luftverkehr behinderten. Leicht kam dieser Erfolg Tel Awiw nicht an, man mußte lange um ihn ringen. Man fürchtete, vielleicht nicht mit Unrecht, daß die Errichtung des Flughafens genau so den Untergang der Luftstation in Lydien bedeuten würde, wie der Hafen von Tel Awiw die Verödung des Jaffaer Hafens zur Folge hatte. Die Stadtverwaltung und alle anderen interessierten Stellen ließen aber nicht locker. Schon Ende 1936 wurde eine Gesellschaft unter dem Namen "*K3 Tis rruTii (Luftwege für Erez Israel) gegründet, an deren Spitze heute noch Pinchas Ruthenberg steht. Die Gesellschaft hatte den Zweck, den Luftverkehr in und nach Palästina zu heben. Als sich später die Verhältnisse verschärft hatten, und es für die Juden mit gewissen Gefahren verbunden war, nach Lydien zu fahren, wo sich der einzige Flughafen befand, hätte die Gesellschaft keinen Operationsraum gehabt. Auch der Flugplatz von Haifa ist sehr weit von der Stadt entfernt und noch wenig ausgebaut, Nun ist mit der Errichtung des Flughafens in Tel Awiw diese Frage fürs erste gelöst. Die genannte Gesellschaft ist im Besitze von zwei modernen zweimotorigen Flugzeugen neuesten , Systems, und zwar vom gleichen Typ, wie sie den Verkehr zwischen England und Amerika vermitteln. Auöh eine jüdische Fliegerschule wurde an Hand der Gesellschaft gegründet, so daß es demnächst auch schon gut ausgebildete jüdische Piloten geben wird. Junge jüdische Menschen, die sich für diesen Beruf gemeldet haben, haben große Eignung dafür gezeigt. Die Zeitungen stellen fest, daß, wenn man schon in früheren Jahren in jüdischen Kreisen an den Ausbau des Luftverkehrs gedacht hätte, uns sehr viele Opfer erspart geblieben wären. Die Flugmaschine braucht für den Weg von Tel Awiw nach Jerusalem kaum 15 Minuten, und es ist dies, wie die Dinge heute auf den Landstraßen von Palästina liegen, der aller sich'erste Weg, wenn auch vorerst noch nicht der billigste. Es wird noch darauf hingewiesen, daß die Errichtung eines Hafens wie einer Luftstation mit zu den letzten Träumen von Bürgermeister Dizengoff gehört hatte. Den Bau des Hafens, durfte er kurz vor seinem Tode noch erleben, und nun geht auch sein zweiter Traum in Erfüllung. Zum Hafen kommt der Flugplatz. H. L. - . ' *\ et T*. .-<-•-.-•■• Für : die" Olim aus Oesterdeich. Die H i t ac h d u t h O 1 e j Germania, vereinigt mit der H i t a c h du th OlejAustria (Einwanderer-Organisationen aus Deutschland und aus Oesterreich), veröffentlicht erneut einen Aufruf, in dem sie darauf hinweist, welche gewaltige Rolle Palästina als Einwanderungsland für Juden aus Oesterreich zu spielen berufen ist. Nachdem sich die. frühere Hitachduth Olej Austria jetzt mit der Hitachduth Olej Germania vereinigt hat und diese neue Gesamtorganisation von allen zentralen jüdischen Instanzen als alleinige Vertretung der Einwanderer aus Deutschland und Oesterreich anerkannt wurde, geht diese Organisation mit allen Kräften daran, sich für die Einordnung der Olim aus Oesterreich einzusetzen. Sie wendet sich mit einem Aufruf an den Jischuw, die 'Mittel für diese Arbeit aufzubringen. Unter Anerkennung der Tatsache, daß der Jischuw gerade jetzt finanziell anderweitig stark in Anspruch genommen ist (z. B. durch den Verteidigungsfonds „Kofer Hajischuw"), appelliert die vereinigte Organisation „Hitachduth Olej Germania" an alle Juden Palästinas, nicht nur an die aus Deutschland und Pesterreich stammenden, sich an der finanziellen Fundierung,, dieser unaufschiebbaren, aus vielen Gründen brennend wichtigen Arbeit zu beteiligen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.