Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1938-09-22 · Heft 38 (22.9.1938) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 38 (22.9.1938)
Date
1938-09-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2451012-2451049--83976-2542015
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 10 Nr. 38 Der Israelit 22. September 1938 Gleichnisse und Erzählungen zu den heiligen Tagen« Zum Schriftstellerjubiläum von Josef Schmuel A g n o n in Jerusalem bringen wir aus seinem voriges Jahr im Schokken-Verlag erschienenen Buch „Jomim Noraim", das eine Sammlung von Vorschriften, Sentenzen, Agadoth und Erzählungen zu den Festen aus alten Schriften in geläuterter hebräischer Sprache enthält, einige Proben; Schoiar au! dem Meere. Rabbi Elasar, der Verfasser des „Rokeach", befand sich einmal am Roschhaschana auf einer Meeresfeise nach Erez Israel. Am Fegtabend brach ein furchtbarer Sturm aus, der das primitive Schiff in größte Gefahr brachte. Alle mußten an die Arbeit, um das Wasser aus dem leck gewordenen Schiff auszupumpen, auch die Schüler und Begleiter des großen Rabbi. Nur er selbst war in der Ecke seiner Kammer so sehr in tiefe Gedanken versunken, daß er den Vorgang garnicht merkte. Als gegen Morgen die Gefahr den Höhepunkt erreicht hatte, mußten ihn doch die Schüler aus dem tiefen Sinnen wecken. Sie schilderten ihm die gefährliche Situation und drängten, daß er nun seine Fürbitte beim Herrn der Welt einsetze. Rabbi Elasar fragte in aller Ruhe, sollten aber mehr Tränen vergießen um verlorenes Glück im Palaste des Herrn, um. das Galuth der Schechinah. Fasttage, Der Baal Schemtow pflegte zu sagen: Den neunten Aw und Jomkippur pflegte die Welt Fast tage zu nennen. Was sind das für Fasttage? Der neunte Aw, ein so bitter trauriger Tag, wer kann da essen? Jomkippur, ein so herrlicher und himm lischer .Tag, wer braucht da zu essen? Der Königsgruß! Von Rabbi Aron Karliner wird erzählt, daß er einmal am Roschhaschana am Vorbeterpulte beim Anstimmen des „Hamelech" eine Zeitlang nicht weiterkonnte. Auf die spätere besorgte Frage der Schüler, was geschehen sei, sagte er, er mußte, als er „Hamelech" schrie, an die talmudisehe Stelle im Traktate Gittin denken, da Rabbi Jochanan ben Sakkai zu Vespasian kommt, ihn als Kaiser begrüßt, dieser aber spricht: „Bin ich Kaiser und König, wa rum kamst Du nicht früher schon?" Erkennen wir G'tt als König der Welt an, warum warten wir erst bis zu den heiligen Tagen, da wir hilfesuchend zu ihm kommen. Was er an diesen hei- Am Titusbogen in Rom Marmorrelief der 1 empelgeräte im römischen Triumphzug ob es schon Tag sei. Als ihm dies bejaht wurde, wünschte er den Schofar. Dann blies er alle vorgeschriebenen Töne und sprach dazu mit üblicher Inbrunst die vorgesehenen Gebete. Bald merkte man, wie sich die Wellen beruhigten, und nach einiger Zeit klärte sich der Himmel auf,' der Sturm ließ nach, die Gefahr war vorübergezogen. Kapitän und Passagiere erschienen nun vor dem Rabbi, um sich zu bedanken, daß er mit der Kraft seiner Gebete „die zürnenden Meeresgeister gebannt hätte". Der Rabbi aber erschrak ob solcher Worte. „Was ich getan habe," sagte er, „war das Einzige und Einfachste, was ich in dieser Lage tun konnte. Als ich hörte, da£p wir in größter Lebensgefahr waren, fürchtete ich, wir könnten noch ohne das Gebot des Schofarblasens erfüllt zu haben, in den Tod gehen, so beeilte ich mich, noch diese Mizwah auszuüben, solange es Zeit war. Wenn uns der liebe G'tt geholfen und gerettet hat, so wollen wir Ihm für diese Gnade danken." Der Prinz in der Verbannung. Der Königssohn mußte, .um am harten Leben sein noch ungeedeltes Wesen zu schleifen, in die Verbannung. Er blieb dort lange und mußte unter den lieblosen Menschen, die seine Abkunft und seinen Wert nicht kannten, viel Leiden und Entbehrungen auf sich nehmen. Als der König eines Tages diese Gegend besuchte und alle Bürger ihm ihre Bitten und Wünsche vorbrachten, kam auch der Königssohn mit seinem Anliegen. Er wünschte reichlichere Nahrung, ein besseres Lager. Als der König dies hörte, empfand er tiefen Schmerz und großes Erbarmen mit seinem Sohn. „Er scheint," SO seufzte er; „schon ganz seine Herkunft vergessen zu haben, da er sich gar nicht mehr nach Palast und Thron sehnt, sondern um geringfügige irdische Dinge in seiner kleinen Umgebung." Israel ist der Sohn in der' Galuthverbanmmg. Und wenn der König an den heiligen Tagen uns nahe ist. hört er nur Gebete um Nahrung, um Leben. Wir ligen Tagen ist, ist er auch an jedem anderen Tag." Die Tschuwa des Rabbenu Saadja Gaon. Die Schüler fragten einst Rabbi Saadja Gaon, warum er, der Lehrer und die Leuchte Israels, es nötig habe, an den heiligen Tagen sich zu kasteien und Reuebekenntnisse abzulegen, nachdem er doch das ganze Jahr hindurch ein Leben in Reinheit und Heiligkeit führe. Darauf erzählte der Gaon folgendes; „Auf Reisen kehrte ich einmal in eine Herberge ein, wo mich keiner kannte. Ich wurde dort wie jeder andere behandelt, ohne besondere Aufmerksamkeit. Es redete sich bald herum, daß ich in der Stadt sei, und die Vornehmsten der Gemeinde kamen, mich zu begrüßen. Jetzt erst erfuhr der Hausherr, wer sein Gast sei, warf sich mir zu Füßen und bat'flehentlich Um Verzeihung, daß er vorher aus Unkenntnis mir nicht die nötige Ehre erwiesen hätte. Seitdem weiß ich, was wir an den heiligen Tagen, an denen wir die g'ttliche Macht und Kraft erst richtig erkennen, bei dem Herrn der Welt, dem wir das Jahr hindurch doch so manches schuldig geblieben sind, alles gut zu machen haben . . ." Eine kurze Tschuwah-Draschah. Rabbi Jecheskel aus Schinowa traf einmal zu Sabbat Schuwa in einer ungarischen Gemeinde ein und ließ durch den Gemeindediener bekanntgeben, daß er am Nachmittag eine Tschuwahrede halten wolle. Zur festgesetzten Stunde war die Gemeinde in der Synagoge vollzählig versammelt. Rabbi Jecheskel betrat die Kanzel und sprach folgendes: „Vor wenigen Jahren weilte ich hier und hielt an dieser Stelle eine Drascha. Als ich merkte, daß meine Worte in die Herzen der Menschen drangen, mischten sich in meine Empfindungen Gefühle von Stolz und Eitelkeit, was mich später sehr reute. Das alte Ghetto in Rom Es heißt aber im Talmud, daß man eine begangene Sünde am besten da wieder gut macht, wo man sie begangen hat. So will ich hier in aller Oeffentlichkeit an gleicher Stelle jene Sünde bekennen und den lieben G'tt um Vergebung anflehen." Das war alles, was er zu sagen hatte. Der Soldateng'ttesdienst. Im „Sichron Jakob" von Rabbi Jakob L i p - schütz wird folgende ergreifende Geschichte erzählt. Einmal traf es sich, daß. Rabbi Chajim Woloschiner und andere Großen der Zeit die heiligen Tage in der Zarenhauptstadt Petersburg verbringen mußten. Dort bestand ein Bethaus der Soldaten. Es waren die sogenannten „Nikolaiwer", ewige Soldaten, die man im jungen Kindesalter ihren Eltern entrissen hatte und für die Kirche zu erziehen suchte. Ihrer Viele sind uns verloren gegangen, aber viele junge Märtyrer kämpften gegen unaussprechliche Leiden ihr Lebenlang für ihren alten Glauben, dem sie bis zum Grabe treu blieben. Sie waren natürlich des Gesetzes und der Schrift unkundig und hatten, um sich vor den Anderen nicht zu schämen, ihr eigenes Minjan. Diesen Soldateng'ttesdienst suchten nun die großen Rabbiner am Jomkippur auf. Als die Neiilohstunde herankam, richteten sich aller Augen nach'Rabbi Chajim, in der Erwartung, daß er dieses heiligste der Gebete leiten werde. Er aber wies auf einen alten Soldaten, dessen Körper ganz mit Wunden, Ehrenmalen des früheren Glaubenskampfes, bedeckt war, daß er das Neiiloh-Gebet anstimme. Und nun fing der Soldat folgendermaßen an: „Unsere Gebete an den heiligen Tagen kreisen um drei Punkte: wir beten für unsere Kinder, wir beten um Nahrung, wir beten um Leben. Wohin sollten aber unsere Gebete zielen? Wir dürfen keine Familien gründen, also haben wir keine Kinder. Unsere Nahrung wird uns vom Zaren gestellt. Und was das Leben betrifft, so weißt Du, Herr der Welt, wie oft wir Dich anflehten, uns dieses Leben der Qual zu nehmen. Also bleibt uns nur um eines zu beten, nämlich, daß ,, Jisgadal wejisk a d a s c h , daß verherrlicht und geheiligt wird Dein großer Name! . . ." Die letzten Worte gingen schon in die übliche Neiilohmelodie über. Und damit hatte Jomkippurs Scheidestunde in der Soldatengemeinde zu Petersburg begonnen. * * * pna may mip^ Was dieser Satz besagen will, erklärt sich durch eine Midraschstelle. Satan, der Ankläger, häuft Israels Sünden am Tvage des Gerichts. Indem, er ausschwärmt, weitere Sünden zu suchen, tragen die guten Engel die angehäuften Sünden ab und werfen sie ins Meer, wie es heißt: "in D' mVlSMT'^ni. Wie Satan wieder kommt, stimmt er Wehegeschrei an. „Die Sünden gestohlen, Israel hat sie gestohlen," Darauf der Weltenrichter: „Wenn sie gestohlen haben, dann gilt Traisa ia»ai lV j'« ok» daß sie als Knechte verkauft werden für "den Diebstahl. Ich kaufe sie." Daher pin vmy njip>>. Er, G'tt, erwirbt Seine Knechte nach dem Din. Bekenntnis und Gesang. Wir singen beim Sündenbekenntnis, „Warum sollten wir nicht singen," sagt Rabbi Lewi Izchök, der Berditschewer, „wenn wir den Garten des Königs (in unserer Seele) jäten und reinigen dürfen?" # ., * « * Fünf Verse des »*K/ die mit "oaro beginnen, werden besonders hervorgehoben, gemäß den fünf Büchern der Schrift, a"nV uaro entspricht dem ersten Buche, in dem alles Leben geschaffen wüsde. njwi nhfc* erinnert an wbü, das Buch der Erlösung, nVaVai nons beziehen wir aus den Opferhandlungen in Ntij?'V Unsere rrprsT sind im vierten Buche der Wanderungen beschlossen nach Jirmijahu 31 'in« inr&.-tf» .vnat). Im fünften Buche briirgt Mosche seinem Volke n!?*nW ntvbö.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.