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Der Israelit · 1938-09-22 · Heft 38 (22.9.1938) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 38 (22.9.1938)
Date
1938-09-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nr. 38 Rabbi Abraham Jakob Friedmann (der Sadagorer Rebbe). Präsident der Palästinazentrale der Agudas Jisroel in Oesterreich, begab sich dieser Tage nach Erez Israel. Von der Auswanderungs-Abteilung der Kultusgemeinde, Wien-, 17. Sept. Die Auswanderungsabteilung^ der Israelitischen Kultusgemeinde Wien teilt mit: In der Zeit vom 4. bis 9. September 1938 wurden von der Auswanderungsabteilung der Kultusgemeinde 406 Personen mit Reisespesen versehen. Insgesamt wurde bisher 8003 Personen zur Auswanderung verholten. Die Warnung, vor nicht behördlich genehmigten Versuchen, das Reichsgebiet an der Westgienze zu verlassen, wird mit allem Nachdruck wiederholt. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß jene Personen, die diese Warnung nicht beachten, Gefahr laufen, bestraft zu werden, bezw, nach mißlungenem Grenzübertritt sich selbst überlassen zu bleiben, ohne Möglichkeit, nach Wien zurückzukehren. Die Einreise nach Cypern ist nur für Touristen möglich. Verlangt wird ein Reisepaß, der sechs Monate gültig und mit einem englischen Visum versehen ist. Nachzuweisen ist die Möglichkeit der Weiterreise, die Rückfahrkarte und ein Landungsgeld von 20 englischen Pfund. Schweiz. Die Auswanderer in der Schweiz. Zürich, 17. Sept. Wie die „Baseler Zeitung" meldet, ist von jüdischer Seite aus der Schweiz an den Völkerbund ein Gesuch, gerichtet worden, in dem eine Intervention nach der Richtung erbeten' wird, daß die in der Schweiz befindlichen 2000 jüdischen .Neuzuwanderer die Arbeitserlaubnis erhalten. Z ü rieh, 18. Sept. Auf der Tagung der Auslandsschweizer, die kürzlich in Schaf ihausen stattfand, hat Dr. Rot hm und, der Chef der Polizeiäbt&iluftg im Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepai'tement, zum ersten Male von amtlicher Seite die Fragen und Sorgen der Ausländer in der Schweiz und der Schweizer im Ausland dargelegt. Die Schweiz müsse sich, .so sagte er, vor allem gegen eine Ueberfremdüng ihrer Bevölkerung und gegen eine .Ueberlastung des Arbeitsmarktes mit Ausländern schützen. Die Praxis des 1919 geschaffenen; eidgenössischen Amtes für Fremdenpolizei gehe daher seit Jahren dahin, außer Ausländern, deren Arbeitskräfte benötigt werden oder sonst für das schweizerische Wirtschaftsleben erheblichen Nutzen bringen, nur alte Leute zuzulassen. Abweisungen yon Zulassungsgesuchen mit der alleinigen Begründung „Ueberfremdüng" seien sehr zahlreich. Eingehend sprach Dr. Rothmund dann über die Einwanderung jüdischer Flüchtlinge. Ausdrücklich wurde betont, daß die Schweiz für diese Emigranten nur ein Transitland sein könne. Nachdem bis zum 1. April 1938 drei- bis viertausend österreichische Juden in die Schweiz eingereist seien, die zum größten Teile bemittelt gewesen seien, habe sich die Schweiz gezwungen gesehen, das Visum für die Inhaber österreichischer Pässe einzuführen. Als sodann im Juli ein neuer Zustrom meist mittelloser Emigranten zuerst in Graabünderi, sodann dem Rhein - entlang bis nach Basel illegal über die Grenze ge-! kommen sei, gleichzeitig aber aüch die anderen Län- ' der entweder die Grenze geschlossen oder die Einreisebewilligungen sehr streng gehandhabt hätten, habe die Schweiz die Grenzpolizei in weitem Um-; fange verstärken müssen. Man habe jedem Ausländer j die Einreise verweigert oder ihn an die Grenze zu-; rückbefördert, wenn er nicht im Besitz-der vorgeschriebenen Ausweise gewesen sei. Nur in einigen Härtefällen sei eine Ausnahme gemacht worden. Für etwa zweitausend mittellose Flüchtlinge in der Oer I s r a e1 Ii t Schweiz werde für die Dauer ihres 'Aufenthaltes gesorgt, teils durch den Israelitischen Gemeindebund, teils 'durch schweizerische Hilfswerke. Doch auch dieseirmüßten so bald wie möglich Weiterreisen. Zum Schluß betonte der Referent, daß die Behörden das Emigrantenproblem sehr ernst nähmen, daß aber die Schweiz als kleines Land nur so viel zur Lösung beitragen könne, wie dies mit ihrer Macht und ihren eigenen Interessen zu vereinbaren sei. Wie uns weiter berichtet wird, forderte das Oberhaupt der schweizerischen Polizei, Dr. H. Rothmund, in seiner auf dem Kongreß der Auslandsschweizer in Schaff hausen gehaltenen Rede die nichtjüdische Bevölkerung der Schweiz auf, mit den jüdischen Organisationen die Last der Erhaltung der in der Schweiz lebenden Flüchtlinge zu teilen. Die zweitausend Menschen könnten nur ganz allmählich auswandern, und es sei eine Pflicht der Humanität für jeden Menschen, sich im Sinne der schweizerischen Traditionen an diesem humanitären Liebeswerk zu beteiligen. Denkschrift an den Völkerbund. . Genf, 19. Sept. D,as Komitee zur Wahrung der Rechte der Juden in Mittel- und Osteuropa, das seinen Sitz in Paris hat, überreichte durch seinen Präsidenten Senator Justin G o d a r t dem Generalsekretär des Völkerbundes aus Anlaß der augenblicklichen Genfer Tagung eine Denkschrift, die sich-, mit der Ausbürgerung von 300 000 rumänischen Juden befaßt. Ungarn. Aus Ungarn. 4 Budapest, 15. Sept. Sämtliche orthodoxen Rabbiner Ungarns im Vereine mit der orthodoxen Zentralkanzlei haben für die; laufenden Selich'ostage bis zum herannahenden Versöhnungstag eine Kauf er Nefesch-Aktion für sämtliche Gemeinden .des Landes angeordnet (ein Pengö für jedes Familienmitglied) zur Schaffung eines Hilfsfonds für die infolge der neuen Verhältnisse in Not \ und Bedrängnis geratenen Glaübensbrüder. Es wird mit einem Ergebnis von über 100.000 Pengös gerechnet. . . s .• . - . '■{<: .1 ■ Die Schaß-Chewra der ..Budapester ortho- doxen Gemeinde, der grpßten und angesehensten; im Lande, hat am 17. Ellül —v.'dem Jahrzeitstage desj verewigten Oberrabbine'rs' R. Reich tA"*T — eine imposante Sijumfeier veranstaltet. Die. .fFeiek-' hat in der neusn Synagoge mit den Talmudyorträgen der Herren Rabbiner, Saßmann und S t e i f begonnen, worauf am Abend im großen Prunksääl: der ortho-; doxen Gemeinde der Sijum-Haßas begingen' würde. Der Vereinspräsident,.Meier Kljje.in, hob in seiner Eröffnungsreue die großen Verdienste der Gemeinde- rabbiner hervor* ' um;"das intensive tagliche Thoralernen, o'po^n b?&7 in -breiter ''Oe'ffentlichkeit, widmete herzliche BßgSwßungswort.e i anden als Ehrengast, .anwesenden )Ra,bbiner Jonathan Ho ro v, it.z, und an' alle anderen rabbinischen Ehrengäste,, die aus, weiter FeÄe zu dieser Gedächtnisfeier erschienen sind und sprach in erschütternden Worten von den harten Prüfungen, denen der jüdische Klal „ in diesen schweren Zeiten ausgesetzt ist. —r-. Rabbiner. Jonathan Horoviti sprach in zündenden Worten von der ewigen Zeugenschaft der in " verschiedenen Zeitabschnitten vielfach verratenen Thora, von deren Verwirklichung allein der Bestand des jüdischen G'ttesvolkes, sowohl in den Ländern; der Zerstreuung als auch im geheiligten Väterlande bedingt ist. Hierauf hielt der Gemeindepräsident;Abraham v. Freudiger eine Begrüßungsrede' an -die Versammelten, in der er das ■ Wirken der Schaß-Chewra im Dienste des Thoralernens mit größter Anerkennung würdigte. Oberrabbiner Reich, Medias, zeichnete in längerer Rede ein Bild seines großen Vaters V"st Die Schlußreden des Oberrabbiners Reich, Verbo und des Schul dir ektors Dr. Deutsch fanden großen Beifall. Aus verbürgter Quelle wird mitgeteilt, die Regierung beabsichtige im Laufe des kommenden Monats (Oktober) das Schechitasverbot aufzuheben. M. Frankreich. Denkmal für Rabbiner Abraham Bloch. Paris ,16. Sept In der Nähe von Nancy wurde ani 5. September das Denkmal für Rabbiner Abraham B 1 o c h. den Feldgeistlichen des 14. Armeekorps, in Gegenwart zahlreicher Abordnungen französischer Frontkämpfer enthüllt. Abraham Bloch war während des Rückzuges der französischen Truppen im Jahre 1914 .von einem sterbenden katholischen Soldaten für einen - > 22;- Septemfoer 1938 T»"V-,' . — katholischen Pfarrer gehalten worden . und er. hatte ihm beigestanden. * Im gleichen ' Augenblick traf aüchihn die tödliche Kugel, Diese Szene ist auf dem •Denkmal dargestellt. \-h * : j' Polen. Ausweisungen in Polen. Warschau, 13. Sept. Nach einem Bericht in der Warschauer Presse sind viele jüdische Familien in der Haf enstadt G e - dynja ausgewiesen worden. Gedynja ist ein Grenzdistrikt, in dem die Verwaltung das Recht hat, zu bestimmen, wer Wohnrecht haben soll. Eine offizielle Bestätigung des Dekretes liegt bisher nicht vor, Die Zahl der jüdischen Studenten in Polen hat sich in den letzten Jahren von 10 000 auf 5000 verringert. Vor 10 Jahren machte die jüdische Studentenschaft 20 Proz. der Gesamtzahl aus, heute nur noch 10 Proz. Litauen. Die Lage in Litauen, . K o wn o , 19. Sept. Aus Anlaß des Jahrestages der Gründung der Republik wurden auch vier Juden mit Orden ausgezeichnet. — Die Regierung hat den Vorstand, des Tierschutzvereins darüber verständigt, daß sie nach sorgfältiger Prüfung durch das Landwirtschaftsministerium der Forderung des Vereins nach einem Schächtverbot nicht entsprechen könne. Der Innenminister L e o n a s veröffentlicht eine Erklärung, in: der er darauf hinweist, daß die Regierung stets die kulturellen und sozialen Bedürfnisse der Juden als der größten Minderheit des Landes in vollem Umfange zu befriedigen versuche. Anträge ausländischer Juden auf Zulassung könnten jedoch keine Berücksichtigung finden. Italien/ Entlassungen von Juden. Ro m , 19. Sept. Nach einem Berichte an die „C. V.-Zeitung" wurden im Innenministerium 19 jüdische Angestellte, entlassen. Innerhalb der Arbeiterorganisationen in Ancona 14 Juden. 265 ausländische jüdische Studenten haben die Universität Pisa verlassen, 11 Professoren der Universität Bologna sind von ihren Aemtern zurückgetreten. Von insgesamt.326 Juden dieser .Stadt fallen 109 unter die Ausweisungsanordnung. In Florenz befinden sich, wie aus den jetzt veröffentlichten Teilergebnissen der Zählung vom 22. August zu ersehen ist, unter 960 Anwälten ' 51 Juden} 30 Juden sind Ladeninhaber und 64 sind im Handel tätig. Florenz zählt etwa 350 000 Einwohner.? ■J f Das jüdische Schulwesen in Italien. Rom, 19. Sept. .... Der Minister für das Erziehungswesen hat einen Erlaß herausgegeben, wonach alle von Juden verfaßten' öder redigierten Schulbücher aus allen staatlichen, halbstaatlichen', und diesen gleichwertigen S c h u 1 e xi zu'- entfernen sind. Da,alle, jüdischen Schüler gemäß den bereits erlassenen Verordnungen von den Schulen öffentlichen Charakters; ausgeschlossen sind,-wurde nunmehr verfügt, daß für Schüler jüdischer Rasse neue Schulen mit staatlicher Unterstützung errichtet werden. ' Türkei/ ": ';• Die La^ie1 der Juden in der Türkei. V" Ankara, 14. Sept. Von den türkischen Juden wird in der Welt wenli; gesprochen. Daß sie frei von Sorgen wären, kann nicht behauptet werden. Zur Zeit des Sültanreiches befanden sich im Lande ungefähr 150 000 Juden. Von diesen ist nach der politischen Neuorientierung mehr wie die Hälfte. auggewandert. Geblieben ist der ärmste Teil, der sich auf Konstantinopel. Adrianopel, Ankara und Gallipoli verteilt. Organisierte jüdische Gemeinden mit gesellschaftlichen Institutionen wie iti früheren Zeiten gibt es heute in der Türkei fast gar nicht mehr, auch .keine jüdische Presse. Das Amt des Chacham Baschi, ^der in der ^türkischen Zeit eine große politische Rolle spielte, ist abgeschafft. In Stambul (Konstantinopel) befinden sich zwei jüdische Schulen, eine Talmud Thoraschüle und eine weltliche Schule, die zusammen über hundert Küt," der umfassen. Die Unterrichtssprache muß türkis-k sein und der Lehrplan unterliegt der Kontrolle der Schulbehörden. Erfreuliches ist so wenig von der materiellen wie von der geistigen Lage der Juden in der Türkei zu melden. .

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