Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 38 (22.9.1938)
- Date
- 1938-09-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 38 Der' Israelit 22, September 1938 Mizwah-Gabe bedeuten, ohne deren Entrichtung ihm all sein Besitz als unbenutzbar, des g'ttlichen Segens entbehrend, ,erscheint Neben dem lX3j?r? aber das lyaEH! Man hört jetzt häufig auch von solchen jüdischen Persönlichkeiten, deren ganze 'Weltanschauung bisher in dem blasierten Glauben an die Macht des unverbrüchlichen Naturgesetzes in Natur und Geschichte wurzelte, ein verwundertes Staunen über die Gestaltung des jüdischen Geschickes, während der letzten fünfzig Jahre. Da müssen, so geben sie oft widerwillig zu, metaphysische Kräfte am Werke sein, die aus unergründlichen, alle menschliche Berechnung zu Schanden machenden Tiefen heraus wirken. Wenn dem aber so ist, dann läßt sich auch die Politik, das politische, wirtschaftliche, kulturelle Arbeitsprogramm des organisierten jüdischen Klall inmitten der verworrenen Gegenwart nicht nach bloß menschlichen Berechnungen auf Diplomatie, Wirtschaftsgesetze und zünftige Wissenschaft gründen, sondern es gilt — für das jüdische Volk — vor allem der Stimme der Thora zu lauschen, die das einzig gültige Lebensgesetz des jüdischen Volkes ist. Aufgabe der Agudas Jisroel ist es, diese Stimme der Thora überall zur Geltung zu bringen, wo über das Schicksal jüdischer Menschen beraten und beschlossen wird: Nicht nur in den Parlamenten und in den Kabinetten der Stetatsleükei', denen sich ja das Judenproblem heute mehr denn je als ein kaumverständliches unerwünschtes Geheimnis aufdrängt, sondern vor allem auch im Rate der anderen jüdischen. Organisationen,"'' die aus Unkenntnis, in seltenen Fällen auch aus bösem Willen, leider so oft über das hinwegsehen, was die absolute Vorbedingung für die nackte Weiterexistenz de s jüdischen Volkes ist, Mögen alle Nationen der Erde ihre Zukunft auf Machtfaktoren und materiell-wirtschaftliche Momente gründen — das jüdische Volk wird gewiß nur durch den Geist leben, und Anwalt des jüdischen Geistes zu sein ist in diesen Zeitläufen die zentrale Aufgabe der Agudas Jisroel geworden. Das gilt insbesondere für die heute in den Mittelpunkt der praktischen Aguda- Arbeit gerückte Tätigkeit auf dem Gebiete der Aus- und Einwanderung und .Siedlung. Hier gilt es, ebensowohl bei der Beratung und Entscheidung der großen grundsätzlichen Fragen die Rettung der Individuen für die Thorä und den Aufbau echter r e - 1 i g i o s e r GemeiiiscKaften, überalL in der Welt zu siehern, als in intensivster Kleinarbeit dem Einzelnen in seinen täglichen Nöten ratend, helfend,- wegweisend zur .Seite zu stehen. Wie sehr der Erfolg dieser Tätigkeit, obgleich der Apparat selber dafür geschaffen worden ist, durch den Mangel an finanziellen Mittein bescheidenen Umfanges ' beeinträchtigt wird, kann nur derjenige ermessen, der mitten in der Arbeit steht, der den von ihr ausgehenden unendlichen Segen täglich beobachten kann, zugleich aber auch die mangelnde Opferfreudigkeit der begüterten Kreise der Orthodoxia, die — wie Pharao in Aegypten — von der Leitung der Aguda die Fabrikation von Ziegeln verlangt, ohne das Stroh dazu zu liefern: wv üb ffnoiN &22hi *pay^ jrpj pn * Als Anwalt des jüdischen Geistes überall in der Oeffentlichkeit und in den Arbeitsräumen der Politiker und der Organisationen für die Thora, ihre Träger und ihre Institutionen in die Schranken zu treten, ist eine neidens werte, wenn auch oft scheinbar undankbare aktuelle Aufgabe der „Agudas Jisroel". Aber diese „anwaltliche" Tätigkeit, so wichtig und überragend sie ist, kann sich in gesunder Weise nur auf eigenen schöpferischen Leistungen — mögen sie auch an Umfang nicht imponieren — aufbauen. K er en Hajischuw, Keren Hathora und Beth Jacob, die drei Instrumente der kulturellen und' wirtschaftlichen Aufbau-Arbeit der Agudas Jisroel haben im Lichte der Ent wicklung des letzten Jahres an Bedeutung kei neswegs verloren, sondern sie bilden heut© erst recht das Rückgrat der a g u d i s t i s c h e n Arb eit. Denn sie sind es ja, die die j u.g endlichen Reserven, die Träger der^Zukunft, mit dem rechten jüdischen Geiste zu erfüllen haben, einerlei ob die Arbeit der Verwurzelung unserer Poalim im heiligen Lande oder der Erziehung der männlichen und weiblichen Schulj u g e n d in der Gola wie im heiligenLande gilt. Der Traum einer raschen, unmittelbar vor der Tür stehenden „Erlösung" mit menschlichen, diplomatisch-politischen Mitteln ist verflogen; die individuelle wie die nationale Emanzipation und Assimilation — Liberalismus und Zionismus — haben sich als Illusion erwiesen. Lang dehnt sich vor dem in die Zukunft spähenden Blick unser Golus-Weg bis zu des Messias Tagen, und ob auch ly^cn Sb^fä Ötf Ö1V? ob auch jeder' Tag, wenn wir alle wollten, das ersehnte Ende bringen könnte, wir müssen uns auf ein geduldiges Ausharren im Golus an den vier Enden der Erde, von Generation zu Generation, gefaßt machen. Wie sollen wir da und wie sollen unsere Kinder und Enkel bestehen, wenn wir das IJJötPI des Stammvaters in den Wind schlagen,' wenn wir nicht — wie „Agudas Jisroel" es will — mit gesammelten Kräften, in geeinter, organisierter Anstrengung den reinen Born der Lehre überall auf Erden, in Erez Jisroel wie in Australien und Afrika neu sprudeln lassen und so der jungen Generation die Kraft des Ausharrens im Golus und seiner Ueberwindung vererben? „Unser Weg" aus dem Golus, über das Golus hinweg kann nur der Weg der Agudas Jisroel sein. III.*) Ein Gaon des Herzens, sagten wir, war Rabbi Chajim, der Brisker Raw. Wer seine selbstlose Tätigkeit nach dem großen Brand in Brisk im Jahre 5655 nicht gesehen hat, der hat die aufreibende und aufopfernde Arbeit eines großen Menschen nicht gesehen. Jeden Einzelnen seiner Gemeinde hatte er im Auge. Er weigerte sich, zu Hause in seinem Bette zu schlafen, sondern übernachtete im Beshamidrasch mit den Abgebrannten, die dort untergebracht wa- *) Siehe Nr. 36 des „Israelil". ren, und wollte dieses unbequeme Nachtasyl nicht eher verlassen, als bis alle Anderen; wieder ein Dach über ihrem Kopf hatten. Ein Augenzeuge erzählt, daß um diese Zeit einer der Brisker Notabein aus Anlaß einer Trauung, die der Rabbi inseiner Familie ^vorgenommen hatte, ihm einen hochwertigen Geldschein im Kuwert überreichte. Kurz darauf kam einer der Abgebrannten und klagte sein tägliches Leid. „Kein Obdach, kein Brot im Hause!" Rabbi Chajim überreichte ihm das empfangene Kuvert, ohne überhaupt gesehen und je erfahren zu haben, wie viel darin enthalten war. , $ l Miszellen und Erklärungen zu den Heiligen Tagen. In M. III Kap. 23 heißt es: nsiin piDT „zum Andenken an die Truah". In M. TV dagegen wird Roschhaschana bestimmter nsmn av „Tag der Truah" genannt. Nach Talmud gilt die erste Formel für Roschhaschana am Sabbat, da nicht geblasen, sondern nur in Gebeten des Schoiars gedacht wird, während mit nsrnn av in onrs das wirkliche Schofarblasen am Feste, das nicht 'mit Sabbat zusammenfällt, geboten wird. Da erhebt sich die Frage, wieso in "»»8' wo das eigentliche Festkapitel enthalten ist, der seltenere Fall von m am Sabbat angedeutet, in onx>sdagegen, wo die Feste nur nebenbei, im Zusammenhange mit den Opfern, erwähnt werden, das effektive Schofarblasen angeordnet sein soll? Rabbi Ahron L ewin in seinem lichtvollen Wim |Vym weist aus Quellen nach, daß die Kalenderbestimmung nach dem durch Zeugen bestätigten Stande des Mondes erst nach Einzug ins Land, begonnen hat, während der Wüstenwanderung aber die feststehenden Tabellen nach Vf'i n*x galten. Begründet wird! dies in Midraschim damiti daß man wegen der Wolkensäule, die während des Wüstenzuges das Volk: begleitete, den Himmel nach dem Monde nicht absuchen konnte. Wir» wissen aber andererseits, daß im Jahre des Auszuges der erste Pessach auf Donnerstag fiel. (Am Sabbat, dem zehnten Nissan, hatten sie das Pessachlamm abzusondern). War nun der erste Pessachtag am Donnerstag, so fiel nach n*K V3 Roschhaschana auf Sabbat. So spricht G'ti zu Mösche an der Stelle, da das erste Roschhaschana für den ersten des siebenten Monats verkündet wird: n:^ '\v Euch sei es, (in, diesem Jahre) rnsrnri-piat hur ein Sabbat zum- Andenken an die Truah — ohne' eigentliches Schofäfblasen. (Siöhö auch ,\Tauro tmimo" zur. Stelle). ]vvn -p 'T ~\3X>- Der Zahlenwert von Tcw,r! ist 364. Das Sonnenjahr zählt 365 Tage. Alle Tage des Jahres kann Satan Israel anklagen, mit Ausnahme des einen Tages, des Jomkippur, da G'tt den Ankläger schweigen heißt -u'op ort- * * * tetet »iip» bis Der jüdische Mensch stammt von Abraham ab, der sprach isy -oski „Und ich bin Staub und Asche," Und alles mündet in die Zeit ein, von der die Psalmen 44 sagen: isyV nnff »D ivsi „Bis zur Erde gebeugt ist unsere Seele", worauf der Erlöser kommb! ' ,:;. "upin errra Viiwa Im Gegensatze zu allen Geräten aus Metall, die man durch; Glühen reinigt, erhält das Töngerät seine Reinigung durch .das Zerbrechen. '*iaiztti> "T^amp Nahe ist G'tt, allen, die <4eärück{en Metzens s^rid.. Darin gleichen, wir an den heiligen Tagen dem B"V7naBMn- " ' :"<:'' Rabbi Albo setzte den dreizehn Thesen des Maimonides nur drei entgegen: Glauben an die Einzigeinigkeit G'ttes, an die Göttlichkeit der Thora, an eine g'ttliche Vergeltung, -nnaw wrwnsr rms^fc bringen diese d£ei Glaubenssätze zürn Ausdruck.. ni'ia^ö ist Anerkennung des Alleinkönigtums G'ttes, rruvwT erzählen von Lohn und Strafe, die die früheren Generationen erfuhren und WBW lenken den Blick auf den Sinai, wo die Thora von G'tt gegeben würde. * * . * **pb» "t $>s"t0p hm run apya'pK trän ab Wer nicht nach Unrecht und Sünde unter Juden ausschaut, dem wird G'tt beistehen. a'Sipyp ib"> dk D'nsK »V pn ' Mit p wird ein Kind im fortgeschrittenen Alter bezeichnet, i>» ist das kleine Kind. Willst du nun Ephrajim als Vp» p als würdigen Sohn haben, so fange mit der Erziehung schon im Alter von an; denn « pai >t» '3/. wenn ich mit dem jungen Kinde rede (spiele) m y niars >vot< denke ich weiter — an seine spätere Entwicklung. Warum sagen wir zuletzt noch *is»'a"*j,3BV«stiii» n"*' jnn? Sind, doch'.alle Sünden mittels' des Jezer hora begangen worden? . : , :"7 "'" ' Der Jezer hora klag.^ tittS ' Stf..' T&m:. y/^lzen'., alle Schuld zu. Wie. oft aber haben, wir