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Der Israelit · 1938-09-22 · Heft 38 (22.9.1938) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 38 (22.9.1938)
Date
1938-09-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 38 Der I s r a e 1 i t 22, September 1938 Eine Palästinadebatte im Völkerbundsrate. Zum Teilungsplan der britischen Regierung- — Emigrantenhilfe. Genf, 18, Sept. der Am Samstag, den 17, September, hat Völkerbundsrat unter dem Vorsitz von Minister Jordan, Neuseeland, die 102, Sitzung fortgesetzt. Den Hauptpunkt der Tagesordnung bildete die Besprechung der Palästinafrage in Verbindung mit dem Bericht der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes, die in ihrer Sommersitzung u. a, auch die Stellungnahme der englischen Regierung vom Jahr 1937 besprochen hatte. Der stellvertretende britische Minister des Aeußern, Butler, nahm diese Gelegenheit wahr, um mitzuteilen, daß die britische Untersuchungskommxssion aus Erez Israel zurückgekehrt sei und ihren Bericht vorbereite. Er versicherte, daß die Woodhead-Kommission jetzt eifrig an der Beendigung ihres Berichtes arbeite und daß die Regierung im Lichte dieses Berichtes ihren endgültigen Beschluß fassen wird. In der Zwischenzeit bleibt die britische Regierung der Ansicht, daß die Teilung die beste und hoffnungsvollste Lösung des Problems biete. Die Regierung gibt sich volle Rechenschaft ab über die Nachteile der jetzigen unsicheren Lage und wird alles, was in ihrer Macht steht, tun, um ihren Beschluß über den künftigen Status von Palästina zu beschleunigen. Der Vertreter der Mandatarmacht habe bereits vor der Mandatskommission ausführlich über die von der Re^ gierung getroffenen Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrors und der Sabotageakte berichtet. Es ist zu befürchten, daß die Lage keine Besserung aufweist. Die Verwaltung Palästinas, zusammen mit den militärischen Behörden, wirkt mit aller Energie gegen den Terror und die Unruhestifter, aber die Bedingungen sind solche, daß diese Aufgabe wahrscheinlich nicht schnell erfüllt werden kann und daß ein endgültiger Erfolg nicht vor dem Eintreten der abschließenden politischen Beschlußfassungzu erreichen sein wird, Abschließend bemerkte der Vertreter Großbritanniens, daß er in einem Punkte dem Bericht der Mandatskommission nicht beistimmen kann: die Mandatskommission stellte fest, daß die Maßnahmen der britischen Regierung zur zeitweiligen Beschränkung der jüdischen Ein wa n d e r u n g gleichbedeutend sind mit einer teilweisen Unterbrechung der Ausführung des Mandates, Der Außenminister Irans antwortete hierauf, daß seine Regierung immer noch gegen die Teilung Palästinas sei und darauf dränge daß die Rechte der Araber auf das Heilige Land unangetastet bleiben. Die Außenminister Polens und Rumäniens wiederholten, was sie bei früheren Ratssitzungen zum Ausdruck gebracht hatten; Sowohl Polen wie Rumänien hätten ein lebhaftes Interesse an einer baldigen Regelung des Problems, denn zur Zeit der Einwanderungsmöglichkeit seien verhältnismäßig viel Juden ihrer Länder nach Palästina abgewandert, was jetzt so gut wie unmöglich sei. Beide Außenminister, Kormanick 1 (Polen) und Comnene (Rumänien), forderten schnellmögliche Lösung der Frage und Aufhebung der Einwanderungssperre, Butler, als Vertreter der britischen Regierung, versicherte, daß auch seine Regierung eine schleunige Regelung erstrebe, da ja diese im engen Zusammenhang mit der Frage der Hilfe für die Flüchtlinge stehe. Denn die Unsicherheit der Zukunft Palästinas erschwere die Situation der nach Land und Arbeit suchenden jüdischen Menschen, Für Frankreich sprach M, Boncour, ohne etwas Bemerkenswertes zu sagen. Der Vertreter von Albanien regte die Bildung jüdischer und arabischer Zonen in Palästina mit Bevölkerungsaustaüsch an. Zum Berichterstatter über das Palästina - mandat in der Vollversammlung wurde der Däne Andereon ernannt, Vertreter von 18 Regierungen wurden vom Politischen Ausschuß des Völkerbundes damit beauftragt, die Frage der jüdischen Emigranten zu studieren. Das Komitee wurde dahin instruiert, konkrete Vorschläge unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Situation der Völkerbundsversammlung zu machen. In dem Unterkomitee sind vertreten; England, Frankreich, Argentinien, Belgien, China, Dänemark, Griechenland, Iran, Lettland, Norwegen, Niederlande, Polen, Portugal, Rumänien, Schweiz, Tschechoslovakei, Rußland und Jugoslavien, Das Komitee erörterte einen Bericht von Sir Neill Malcolm, der sich mit den Hilfsmaßnahmen des Völkerbundes für die Auswanderer aus Deutschland beschäftigt. In Genf wurde eine Konferenz des Verbin- und nichtjüdischer Oi1dungskomitees jüdischer ganisationen aus Europa und Amerika, die sich mit der Hilfsarbeit für Emigranten beschäftigen, abgehalten. Roschhaschana-Kundgebung der Reichsvertretung. Berlin Reichsvertretung der 20, Sept. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland erläßt nachstehende Kundgebung zu Roschhaschana: „An der Wende der Jahre ist es uns geboten, deutlich das zu sehen, was ist, und klar zu erkennen, was sein soll. Lastender noch als in früheren Jahren war jetzt Monat um Monat die Schwere des Geschehens auf uns gelegt. Keinem ist es erspart geblieben. Alles Aeußere unseres Daseins wurde davon erfaßt und bedrückt, und immer wieder drohte es auch das Innere unseres Lebens zu ergreifen, unserer Seele den Atem zu nehmen. Wie oft haben uns Zweifei umringt, wie oft hat fast j Verzweiflung uns überwältigen wollen. Wir wissen um alles, was gekommen, um alles, was da ist. Um so fester und bestimmter wollen wir deshalb unseren Blick dahin richten, wo unsere Geschichte es uns klar zeigt, wie in allen unseren Generationen Versunkenes wieder zur Zukunft geworden ist, wie sich uns stets das Leben, das beendet schien, erneuert hat. Auch wir sehen es jetzt, Wie neue Stätte der Heimat überall auf Erden von unserer Jugend errungen wird, wie damit auch für die Aelteren ein Platz sich zuzurüsten beginnt. Wir dürfen stolz auf das sein, was unsere jüdischen Menschen, in neuen Formen des Daseins arbeitend, für sich und für uns alle vollbringen. Wohl ist es ein langsames Werden und ein mühevoller -Weg; aber alles, was bestehen soll, verlangt seine Zeit und fordert sein Bauen, Stein um Stein. Wir Juden sind das Geschlecht, das zu erwarten vermag; die Geduld ist unsere Kraft. Aus dem Inhalt: Palästinadebatte in Geni ...... Seite 2 Kundgebung der ßeichsyertretung . . Seite 2 Flüchtlingssorgen in der Weit .... Seite 2 Wochenrundschau ......... Seite 3 Der Weg. Von Jacob Rosenheim, London Seite 3 Wie ein Großer der Vorzeit ...; . . Seite 4 Betrachtungen zum Aerzteproblem. Von Dr. Curt Bamberger .... Seite 6 Wenn man auswandern will ..... Seite 7 Die Lage der Juden in der Türkei . . . Seite 8 Gleichnisse und Erzählungen zu den heiligen Tagen............. Seite 10 Jakob Joel Braun b"XT...... . Seite 13 Kleiner Israelit Von einem hängt alles ab, davon, daß wir wissen, was sein soll. Wir sollen unseren großen Glauben, den Glauben unseres Judentums, in uns wahren, in uns lebendig erhalten. Das bleibt uns doch gegeben, daß wir in ihm leben, in ihm unsere Kinder erziehen können. Und nur wo er ist, wird uns wahrhaft Stätte unserer Zukunft bereitet sein. In ihm wollen wir alle fest sein, in Schlichtheit und Geradheit, in Echtheit und Rechtschäffenheit, die einen zur Ferne hinausziehend, die anderen eine Stunde, die auch sie zu Neuem führt, erhoffend. In unserem Glauben haben wir immer aufrecht dagestanden. Wir Juden sind das Geschlecht, das des Ewigen gewiß ist. So wir mit G'tt sind, wird G'tt mit uns sein." Um Kenya, Das von vielen Zeitungen verbreitete Gerücht, wonach die Regierung von Kenya beschlossen habe, die Einwanderung von jüdischen Emigranten in die Kolonie zu verhindern, wird von London aus dementiert. Die britische Regierung hält nach wie vor an ihrem Plan, eine begrenzte Zahl jüdischer Emigranten in Kenya anzusiedeln, fest. Einen Masseneinstrom von Emigranten nach Kenya zu leiten, hält die Regierung für untunlich. Voraussetzung für jeden Emigranten ist, daß er der Kolonie nicht zur Last fällt. Ansiedlungspläne unter diesen Voraussetzungen werden in der Kolonie auf keinen Widerstand stoßen. Flüchtlingssorgen und Einwanderungsregelungen in der Welt» Helsingfors, 20. Sept. Eine Delegation angesehener Persönlichkeiten regte bei der finnischen Regierung die Zulassung von Flüchtlingen zum Aufenthalt und zur Arbeit in Finnland an> Im Ganzen sind bisher 150 Refugees hierher gekommen, von denen 120 bei dem jüdischen Hilfskomitee registriert sirici. Amsterdam, 20. Sept. Auf Anordnung des Justizministeriums ist eine Gruppe von 44 jüdischen Flüchtlingen aus Oesterreich, die vor einigen Tagen in Rotterdam ankamen, nach Deutschland zurückgesandt worden. Stockholm, 21. Sept. Nach dem neuen nun in Kraft getretenen Fremdengesetze wird die Einreise naeii Schweden ohne Genehmigung auch für vor - übergehenden Aufenthalt nicht mehr gewährt Bisher konnten sich Ausländer besuchsweise drei Monate im Lande aufhalten. Für den normalen Reiseverkehr (Geschäftsreisende usw.) trifft das Gesetz nicht zu, jedoch ist es empfehlenswert, daß sich solche Reisende bei Jden zuständigen schwedischen Paß- und Visumstellen im Ausland diesbezügliche Grenzbescheimgungen verschaffen. Schöne Festgeschenke GELLHORN, steinweg?

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