Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1938)
- Date
- 1938-09-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Ueberfall mit schweren Folgen in Palästina. Jerusalem, 14. Sept. Sind auch am letzten Wochenende große blutige Gefechte ausgeblieben, so hatte doch die Judenheit an einem Tage acht Opfer zu beklagen. Zwischen Beer Tuwia und Kfar Menac h e m in der Nähe von Rechowoth, wurde Sonntag abend ein Lastwagen, auf dem sich jüdische Arbeiter und Ghaffirim befanden, von bewaffneten Arabern aus dem Hinterhalt beschossen. Im tapferen Kampfe der Ghaffirim gegen eine zehnfache Ueberzahl haben acht von ihnen das Leben verloren, während einer verwundet wurde. In dem Kampf wurden mehrere Terroristen getötet. Die jüdische«. Opfer sind Dev Klein (28 Jahre altl. Naftali Reich (28 Jahre alt), Arieh Hecht (22 Jahre alt), David Ben E 1 i a h u (34 Jahre alt), Pinchas Walfisch (26 Jahre alt), Dov Mintzer (24 Jahre alt) und Roman C z e p (35 Jahre alt). Der Verwundete heißt Zwi Diamant und ist 28 Jahre alt. Ein Opfer in Ranana. Jerusalem, 7. Sept. In Raanana wurde Arthur A n s c h e 1 am 19. August von Terroristen auf seiner Arbeitsstätte erschossen, Er stammte, nach amtlichen Angaben, aus Frankfurt a. M. und war erst einige Jahre in Erez Israel. Der Schutz von Tel Awiw. Jerusalem, 8. Sept, „Palcor" berichtet; Eine Abordnung der Tel Awiwer Stadtverwaltung, geführt von Mr. Rokach, dem Bürgermeister von Tel Awiw, wurde heute" von Mr. Crosbie, dem Bezirkskommissar, empfangen. Die Abordnung - drängte auf Mobilisierung einer jüdischen Polizei für Tel Awiw und Umgebung, sowie auf die Errichtung eines Zaunes an der Stadtgrenze von Tel Awiw und Jaffa und die Organisierung von Patrouillen auf den Straßen in der Nachbarschaft von Tel Awiw. Mr. Crosbie erklärte, die Regierung würde die Ernennung von neuen jüdischen Hilfspolizisten sowie allgemeine Sicherheitsfragen in Bezug auf die jüdischen Viertel in Jaffa erwägen. Ein Beth Jakow-Seminar in Jerusalem, Jerusalem, 8. Sept. In Ausführung eines Beschlusses der Weltzentrale der Beth Jakow in London sind nunmehr alle Vorbereitungen zur Gründung eines Beth Jakow- Lehrerinnen-Seminars in Jerusalem getroffen worden. Viele Mädchen aus dem ganzen Lande haben sich als Schülerinnen eingetragen. Von dieser Neugründung darf > man einen neuen Auftrieb auf dem Gebiete der religiösen Töchtererziehung erwarten, Von den Poale Agudas Jisroei, Eine Subvention des Stadtrats. Tel Awiw, 8. Sept. Durch die Zentrale der Poale Agudas Israel wurde vor einiger Zeit eine Institution unter dem Namen „Saad" ins Leben gerufen, die die Aufgabe hat, arbeitslose Mitglieder der orthodoxen Artetteföfganisation mit den Mitteln des täglichen Bedarfs zu verbilligten Preisen oder ganz unentgeltlich zu versorgen. Nunmehr hat auf Ansuchen der Zentrale die Stadtverwaltung von Tel Awiw eine annehmbare Subvention für die Institution bewilligt. Wie schon wiederholt gemeldet, stellen die Poale Agudas Jisroei in dem neu organisierten Sicherheitsschutz ein verhältnismäßig großes Kontingent. Sie werden als Schomrim und Hilfspolizisten verwendet. Die Zentrale der P. A. J. ist selbstverständlich darauf bedacht, daß alle ihre in dem Sicherheitsschutz verwendeten Mitglieder zuverlässig rituelle Kost erhalten. Das Arbeitskomitee der Poale Agudas Jisroei in Tel Awiw hat ein Abkommen mit dem großen Bdüunternehmen „Solei Bone" getroffen, wonach bei seinen öffentlichen Arbeiten ein entsprechender Prozentsatz von Mitgliedern der- Poale Agudas Jisroei beschäftigt werden. Dieser» Tage begab sich eine Gruppe von Chawerim zu Straßen- und Häuserbauten, die von der genannten Firma ausgeführt werden. Aufruf der Vereinigung der Einwanderer aus Deutschland. Jerusalem, 8. Sept. Die Hitachduth Olej Germania in Palästina trifft Vorbereitungen zu einer umfassenden Sammelaktion für die Einwanderer aus Oesterreich. In dem erlassenen Aufruf heißt es unter anderem: „Eine wichtige Rolle fällt Palästina zu, das einen erheblichen Teil der Alijah aus Deutschland aufgenommen hat und trotz aller bestehenden Einschränkungen und Schwierigkeiten ein wichtiges E i n - w a n d e r u n g s 1 a n d für die Alijah aus Oesterreich sein wird ... So muß das palästinensische Judentum, und zwar nicht nur seine aus Deutschland und Oesterreich stammenden Mitglieder, sondern der gesamte Jischuw, für die Einwanderer aus Oesterreich Mittel zur Verfügung stellen." Der letzte Jude in Pkiin im Gespräch mit dem arabischen Polizisten (Siehe auch Wochenrundschau.) Aus Briefen unserer Kibbuzim an einen in Chuz Laarez weilenden Chawer, . . . Wir versprachen Dir ja im letzten Brief, Dir dieses Mal ausführlicher über das Schmittagesetz sowie seine Auswirkungen auf unsere Kibbuzim zu berichten und möchten zu diesem Zwecke zuvor einiges über die Frage an sich sagen, ohne jedoch damit irgendwie Anspruch auf Vollständigkeit in .der Darlegugn der Frage zu erheben. Es besteht zwischen den halachischen Autoritäten eine Meinungsverschiedenheit darüber, ob einem Nichtjuden in Erez Israel Boden verkauft werden kann und wenn dies geschehen ist, ob er das Besitzerrecht im halachischen Sinn für diesen Boden erlangt hat oder nicht. Es sind sich aber alle Autoritäten darüber einig, daß auf Böden, die in jüdischem Besitz sind, das Schmittagesetz den Vorschriften entsprechend gehalten werden muß. Nun schlagen die Rabbanim, die sich auf den Standpunkt stellen, daß man einem Nichtjuden Boden in Erez Irael verkaufen darf, vor, daß die jüdichen Bodenbesitzer ihre Böden vor dem Schmittajahr an einen Nichtjuden verkaufen, sodaß sie dann auf diesen Böden auch im Schmittajahr Feldarbeit verrichten dürfen. Nach dem Schmittajahr kaufen sie dann die Böden wieder zurück. („Verkaufsvertrag", so entschieden von Raw Kook s. A.). Die Rabbanim aber, die der Meinung sind, daß man einem Nichtjuden in Erez Israel keinen Boden verkaufen kann und demnach den Verkaufsvertrag nicht anerkennen, verlangen Ieine Beobachtung des Schmittajahres den Vorschriften entsprechend, Trotztlem dies eine große Erschwerung darstellt, haben wir uns der Entscheidung dieser Rabbanim unterstellt, deren Exponent heute sicherlich der Chasaun Isch in Bne Brak ist und auf deii uns auch R, Chaim OserGrodsenski sowie R, Duschinskie verwiesen haben. Der Grund für den Hinweis auf den Chasaun Isch und seine Meinung in der Schmittafrage seitens unserer rabbinischen Führer mag vielleicht darin zu suchen sein, daß dieser große Gelehrte zugleich guter Kenner Erez Israels ist. Wir dürfen also nur die Arbeiten im Schmittajahr verrichten, die im Rahmen des Schmittagesetzes erlaubt sind. Eine Entscheidnug hierüber holen wir nus von Fall zu Fall beim Chasaun Isch. Es sind also im Prinzip alle Landarbeiten verboten außer denjenigen, die zur Lebenserhaltung der Bäume notwendig sind, etwa das Wässern der Plantagen sowie die dazu notwendigen Vorbereitungsarbeiten. Wir möchten Dir aus der großen Fülle der verbotenen Arbeiten nur eine kleine An2ahi aufzählen, an welchen Du die tief einschneidenden Wirkungen des Schmittagesetzes erkennen kannst: Pflügen, Traubenernte, Obsternte, Gemüseanbau, Grünfutteranbau, Baumpflege, Düngen etc. Außer der Erschwerung bezüglich des : Gemüseverkaufes, der alle Beobachter des Schmittagesetzes in Stadt und Land unterworfen sind, (beim Araber kauft man nicht gern Gemüse und wir, die wir vom jüdischen Publikum in den gewöhnlichen sechs Jahren immer wieder verlangen, daß es jüdisches Gemüse kaufen soll, in welches unsere eigenen Produkte mit eingeschlossen sind, erst recht nicht) treten für uns landwirtschaftliche Arbeiter schwere wirtschaftliche Belastungen ein, und wenn wir auch die durch die Beobachtung des Schmittagesetzes verursachte Zeit der Arbeitslosigkeit stark mit Lernen ausfüllen, so sind damit noch keineswegs die wirtschaftlichen Sorgen aus dem Wege geräumt. In Erkenntnis dieser Tatsache hat man im Kreise des alten Jischuw in Jerusalem ein Schmittakomitee gebildet, welches sich in anerkennenswerter Weise die Aufgabe gestellt hat, unserem Kibbuz in Kfar Saba im Schmittajahr soweit wie nur irgend möglich zu helfen und zwar nur in produktiver Weise, d. h. Erweiterung bezw. Neueinrichtung von solchen Wirtcshaftszweigen, in denen man im Schmittajahr arbeiten darf. Auf diese Weise konnte der Kuhstall wesentlich erweitert werden und wurde eine vorzügliche, moderne Bäckerei eingerichtet. Dieses Schmiltakomitee ist unabhängig von jeder Organisation und sammelt seine Gelder nur in Jerusalem. Der Rechenschaftsbericht erfolgt von Zeit zu Zeit im „Kol Israel". Auf diese Weise ist unserem Kibbuz in Kfar Saba sehr gut geholfen worden und wurden vor allem auch engere Beziehungen zwischen dem alten Jischuw in Jerusalem und uns hergestellt. Zu Pesach erhielten, alle drei agudistischen Kibbuzim Mazzoth, Maror, Wein, Gemüse und Kartoffeln von diesem Komitee und an einem Chol Hamdedtage erhielten wir in Gedera den Besuch des Schmittakomitees unter Führung von R. Elje Glickman-Porusch und R- Mosche Blau. Mit Diwre Thora, Gesang und Tanz erfreuten uns die. Gäste und wurden sie gefeiert. Außer diesem Komitee wurde in Anschluß an das Keren Hajischuw-DLrektorium noch ein Schmittakomitee gebildet, welches, nachdem ja unser Kibbuz in Kfar Saba vom Jerusalemer Schmittakomitee betreut wird, sich hauptsächlich um Gedera und die Schmitta haltenden Einzel-arbeiter kümmert Dieses Komitee erhält Gelder aus Amerika, Tschecho-Slovakei, Deutschland etc. Wir in Gedera erhielten von diesem Komitee bisher einige Beträge, die zum Ausbau des Kuhstalles mitverwendet werden konnten. Zusammenfassend müssen wir sagen, daß der Ausfall, den wir durch die Beobachtung der Schmittagesetze erlitten, größer war, als wir von vorneherein errechneten, während die Hilfe, die uns zu Tei! wurde, geringer war, als wir erwarten durften. Aber mit Rosch Haschana ist das Schmittajahr noch nicht zu Ende, ' denn es steht noch ein schwerer Winter vor uns mit einer Apfelsinenernte, die noch unter das Schmittagesetz fällt, da die Blüte dieser Apfelsinen im Schmittajahr stattfand. Wir hoffen natürlich sehr, daß man weiterhin in stärkerem Maße uns behilflich ist bei der Beachtung und Erfüllung dieser Mizwah, die wirtschaftlich so außerordentlich schwerwiegend ist. Du bist jetzt in großen Zügen so ziemlich über die Schmittafrage orientiert und, wirst ja njäch Deiner baldigen Rückkehr zu uns selbst alle Einzelheiten bei der Beobachtung dieses Gesetzes miterleben. Im nächsten Brief wollen wir Dir;,dann einiges über unsere Kibbua-Ideolögie berichten , , ,