Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 37 (15.9.1938)
- Date
- 1938-09-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 37 D I s r 1 i t 15. September 1938 Gestern traf in Genf eine Delegation von Arabern aus Palästina und Syrien ein, die beim Völkerbunde gegen die Teilung Palästinas und die britische Palästinapolitik protestieren will und ein Blatt in französischer Sprache ,,Le Monde Arabe" unter die Mitglieder der Völkerbundsversammlung verteilt, das die arabischen Forderungen veröffentlicht. Diese erstreben die völlige Unabhängigkeit Palästinas sowie Zusicherung der territorialen Integrität Palästinas. Der zukünftige arabische Staat soll in Uebereinstimmung mit der britischen Regierung die Rechte derjenigen Juden garantieren, die bereits in Palästina ansässigsind. Vor Veröffentlichung des Berichtes der Palästina-Kommission. Vernehmung einer Agudadelegation. London, 12. Sept. Wie JPB. aus zuverlässiger Quelle erfährt, wird der Bericht der Technischen Kommission demnächst erscheinen. Es wird darin am Grundsatz festgehalten, daß „die Teilung und die Bildung des Judenstaates die beste aller möglichen Lösungen" sei. Das Aufleben des wilden Terrors in Palästina wird mit diesem festen Entschluß der englischen Regierung in Verbindung gebracht. In Anbetracht der nahenden Entscheidung sind die Agudainstanzen um eine Audienz bei der Kommission eingekommen, um noch in letzter Stunde die Stellung des religiösen Judentums zum jüdischen Staate in allen Punkten zu präzisieren. Die Kommission kam dem Wunsche der Aguda mit Befriedigung entgegen, und so wird eine Agudadelegation unter Führung ihres Präsidenten, Jacob Rosenheim, schon in den nächsten Tagen von der Technischen Kommission verhört werden. Die Agudadelegation wird alle Garantien für die Errichtung des Staates auf den Grundlagen der Thora und Tradition verlangen. Wie weiter berichtet wird, sind auch Oberrabbiner Dr. Herzog und Rabbi M. Berlin aus Jerusalem in London eingetroffen, um ebenfalls von der Kömmission Sicherheiten für das religiöse Leben im etwaigen jüdischen Staat zu verlangen. Im Gegensatze zu den Meldungen über die nahende Entscheidung, erklärt die Zeitschrift Great Britain andtheEast" das Gerücht, daß der Bericht der Kommission fertiggestellt sei und schon demnächst veröffentlicht werden soll, als unbegründet. Arabischer Palästinatag, Kairo, 12. Sept, Das Arabische Verteidigungskomitee für Palästina, das seinen Sit2 in Damaskus hat, hat, wie „Europapreß" unter dem 12. September meldet, beschlossen, den 22. September, auf den ein hoher islamitischer Feiertag fällt, als „Palästinatag" zu feiern. In allen Orten Syriens und des Libanons soll für Palästina demonstriert und sollen Geldspenden eingesammelt werden. Seit einigen Tagen gibt das Arabische Verteidigungskomitee für Palästina eine tägliche Verlautbarung über die Vorgänge in Palästina heraus, die an die Zeitungen und interessierten Kreise weitergeleitet wird. MacDonald bei Chamberlain, Vor neuen Maßnahmen in Palästina? London, 5. Sept. Am Dienstag der vorigen Woche ist der britische Kolönialminister Malcolm MacDonald vom Ministerpräsidenten Chamberlain zu einer Aussprache empfangen worden. Gegenstand der Aussprache war die gegenwärtige Situation in Palästina. Nach einer Meidung der „News Reviews" werden demnächst in Palästina scharfe Maßnahmen gegen die Terrorbanden zur Durchführung kommen« Es sind weitere bedeutende Truppenverstärkungen in Aussicht genommen. Drei Infanteriebataillone gehen bis Mitte September ab. Ferner sind 2000 Mann englische Freiwillige für die Polizei angeworben worden, von denen 150 Mann bereits unterwegs sind, denen dieser Tage weitere 200 folgen werden, Diese Verstärkung der militärischen Machtmittel bedeutet einen Sieg des Oberkommissats MacMichael und des kommandierenden Generals Haining.. Der wahre Grund des geheimnisvollen Flugs MacDonalds nach Palästina sei der gewesen, daß der Oberkommissar mit dem Rücktritt gedroht habe, falls er nicht die entsprechenden Vollmachten zur Unterdrückung des Terrors erhalte. Das zitierte Blatt verzeichnet auch ein in London umlaufendes Gerücht über einen neuen Plan zur Lösung des Palästinakonfliktes. Diese Version deckt sich im Wesentlichen mit dem bekannten Vorschlag einer Gruppe jüdischer Persönlichkeiten in Haifa, der unter anderem Hermann Struck, Dr. Aron Barth, der Direktor des Technikums Kaplansky, der ehemalige Minister Dr. Soloweitschik und Bernhard Rosenblatt angehören, Dieser Vorschlag geht dahin, es sei ein palästinensischer Staatenbund, bestehend aus einem jüdischen und einem arabischen Staat unter dem Protektorat Englands zu gründen. Der arabische Teil Palästinas wäre mit Transjordanien zu einem Königreich unter der Herrschaft des Emirs Abdullah zu vereinigen. Der jüdische Staat soll die republikanische Regierungsform erhalten. Er soll nach diesem Vorschlag Galiläa, die Ebenen bis Gaza mit Ausschluß Jaffas und das Hinterland von Tel Awiw bis zum neuen Jerusalem umfassen. Amerikaauswanderer in Stuttgart« Stuttgart, 14. Sept. Auswanderer, die für die Festtage auf das amerikanische Konsulat in Stuttgart vorgeladen sind, können vom Unterschreiben usw. nicht befreit werden. Eine V erlegung des Termins auf kurze Zeit (spätestens 4 Wochen) i s t m ö g 1 i c h. Es ist für solche Fälle . dringend erforderlich, den Vorladungsschein umgehend an die Zweigstelle des Hilfsvereins, Stuttgart, Gartenstraße 15, einzusenden. Wegen sonstiger Anfragen wende man sich an Rabbiner r. B a m - b e r g e r , Immenhof erstraße 10 (Rufnummer 73 040). Amerikawanderer innerhalb und außerhalb der Quote. Zu der Notiz in Nr. 35 über dieses Thema, die uns von der Agudas Isroel Immigration Departement, New York zugegangen war, wird uns vom Hilfsverein der JudeninDeutschland folgendes mitgeteilt: „Nach den Informationen des Hilfsvereins ist eine Einwanderung außerhalb der Quote für die in jener Notiz genannten Kategorien nicht möglich/ Es handelt sich im wesentlichen um eine Bevorzugung innerhalb der Quote. Als Nicht-Quoten-Einwanderer können — von Studenten, Predigern, usw. abgesehen — im wesentlichen nur einwandern: Unverheiratete und Kinder unter 21 Jahren und Ehefrauen von amerikanischen Bürgern, sowie Ehemänner von amerikanischen Bürgerinnen, die vor dem 1. Juli 1932 geheiratet haben." Einwanderung nach Chile. Der „Hilfsverein" der Juden in Deutschland teilt folgendes mit: Das Chilenische Konsulat in Berlin weist darauf hin, daß alle direkten Anfragen und Anträge privater Personen an das Konsulat betreffs der Einwanderung nach Chile zwecklos sind. Einreisevisa für Chile werden nur in besonderen seltenen Fällen erteilt, und das Konsulat berücksichtigt Anträge nur dann, wenn sie vom Hilfsverein der Juden in Deutschland bereits geprüft und besonders befürwortet sind. Deshalb müssen sich alle Interessenten in erster Reihe an den Hilfsverein wenden. Schweden schließt die Tür. Stockholm, 13. Sept. Heute ist ein Dekret in Kraft getreten, das praktisch die Niederlassung von jüdischen Flüchtlingen in Schweden unmöglich macht, Ausländer, welche in Schweden wohnen und Arbeitsrecht zu erlangen wünschen, haben sich an die Konsulate in ihren Wohnbezirken zu wenden. Ein Allgemeiner Fasttag. London, 12. Sept. Dem JPB, wird aus Warschau berichtet: Bekanntlich haben sich die Oberrabbiner von England und Frankreich vor einiger Zeit an das Warschauer Rabbinat mit einem Vorschlag gewandt, für den 26. Marcheschwan einen allgemeinen Fasttag für die gesamte Judenheit der Welt anzusetzen. Am Kol Nidre-Abend sollten nach diesem Vorschlag die Rabbinen von den Kanzeln den Fasttag proklamieren. Gegen diesen Termin sprach sich aber Oberrabbiner Dr. Herzog in Jerusalem entschieden aus, da die derzeitige Lage in der Welt keinen so langen Aufschub dulde. Das Warschauer Rabbinat setzte sich in dieser Angelegenheit mit dem führenden Gaon unserer Zed: Rabbi Chajim Oser Grodzenski in Wiliu in Verbindung und stimmte nach reiflicher Beratung dem Vorschlag von Jerusalem zu, den Allgemeinen Fasttag für Palästina und die .Ostländer auf Sonntag, den 2 2. Ellul j September) — rPrrVDl 'K ÜV — anzusetzen.. Ihren Einkauf nach wie vor hei GELLHORN« Steinweg