Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1938)
- Date
- 1938-09-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Wenn jeder, der die Keren Hatorah-Ziele begreift, in die KöTefl HOtOrah - ScMlmeldoSe täglich wenige Pfennige legt, dann können wir allen unseren Aufgaben gerecht werden, Dosen a nfo r d ern bei: Keren Hatora h, Hamburg 13, Hei n rjch Barthstraße 2 1 Dieser theoretischen Darstellung folgte die Einrichtung von Behörden, als deren Aufgabengebiet die Rassenpolitik bestimmt wurde. So wurde das „Zentralamt für Bevölkerung" im Ministerium des Innern in eine „Generaldirektion für Bevölkerung und Rasse" umgewandelt. Mit der neugegründeten Zeitschrift für Rassenfragen, die am 1. August unter dem Titel. „Die Verteidigung der Rasse" zum erstenmal erschien und von dem Direktor des römischen Mittagsblattes „Tevere", Telesio Interlandi, geleitet wird, wurde ein Organ geschaffen, das sich die Aufklärung der italienischen Bevölkerung über rassische Fragen zum Ziele setzt. Die Bildung eines Studienzentrums über die Rassenfrage in Addis Abeba beweist, daß die Arbeiten nicht auf das Mutterland beschränkt bleiben sollen. In den Wochen vor der Veröffentlichung des fetzt erlassenen Gesetzes über die jüdischen Ausländer in Italien wurden vor allem statistische Erhebungen gemacht, so über das Zahlenverhältnis der Juden zur italienischen Bevölkerung in den verschiedenen Berufsgruppen und Landschaften; außerdem fand eine Zählung der in Italien befindlichen Juden statt, für die der Stand um die Mitternacht des 22. August maßgebend war. Statistische Erhebungen. Wie groß die Zahl der von der Ausweisung betroffenen ausländischen Juden ist, die sich nach dem 1. Januar 1919 in Italien niedergelassen haben, wird man mit Genauigkeit erst sagen können, wenn das Ergebnis der Zählung im Laufe dieses Monats veröffentlicht wird. Vorläufig schätzt man die Gesamtzahl der in Italien befindlichen Juden auf 70 000 bis 80.000, von denen rund 25000 bis 30 ooo nach dem soeben verkündeten Gesetz das Land in einem halben Jahr verlassen müssen. Aus den großen Städten sind die Zahlen bekannt, die die Volkszählung von 1931 ergeben hat, die allerdings ntir nach der Religion fragte; In Mailand waren 1931 von 6371 Juden 3876 aus dem Ausland, das sind also etwa 60 Prozent. Vom 13. März 1938 bis Ende Juli sind allein 1572 Juden deutscher, österreichischer und polnischer Staatsangehörigkeit zugewandert. Sie haben Stellungen als Bank- und Versicherungsdirektoren, Angestellte kaufmännischer Betriebe und dergleichen angenomnxn. Beträchtlich ist die Zahl der„ Juden an den italienischen Börsen. An den rund dreizehn Börsen, von denen vier oder fünf — in Mailand, Turin, Genua unnd Rom — Bedeutung haben, sind insgesamt 13 Proz. der 242 Börsenmakler Juden. Die Börsenmakler werden in Italien vom Staate ernannt. Schon kurz vor dem Ausweisungsgesetz für ausländische Juden haben einige Makler ihre Stellungen aufgegeben. In Turin gibt es 12 jüdische Börsenmakler unter insgesamt 39. An der Universität Perugia wurden drei Professoren der Naturwissenschaft entlassen; einer von ihnen lehrte seit 1907. In Italien sind vor allem zahlreiche Lehrstühle der Wirtschaftswissenschaften und des Handelsrechts von jüdischen Dozenten besetzt. Jetzt schon haben, wie bereits gemeldet, Juden, die öffentliche Aemter im Staat, in der Faschistischen Partei und in den Korporationen innehatten, u. i. der Bürgermeister von Triest und der Kommandant von Rhodos, Aldo A s c o 1 i, ihre Entlassung eingereicht. Von 76 ordentlichen Professoren an der Mailänder Universität sind 17 Juden, an der Handelshochschule Bocconi von 37 Professoren 6 Juden. Am Polytechnikum sei es hingegen nur einer unter 24. Die Maßnahmen gegen jüdische Lehrer und Schüler sind, wie schon bei ihrer Ankündigung in einer Präambel mitgeteilt wurde, nur der erste Schritt zu einer umfassenden Regelung der Stellung der Juden in Italien ,mit der sich der Große Rat des Faschismus in seiner Sitzung am 1. Oktober befassen wird. Wie ein Großer der Vorzeit. Zum zwanzigjährigen Todestage von Rabbi Chajim Brisker b"1X' IL Es war das Einfache in seiner Lehrmethode, die ihre Originalität und Ursprünglichkeit ausmachte. Gelehrte wagten sich an ihn heran mit der schüchternen Frage, ob sie ihm etwas „baalebattische" Thoraworte vortragen dürften. Alles, was er bis jetzt gelehrt, lautete seine Antwort, sei für Baalebattim bestimmt. „Ich lerne nicht mehr und nicht weniger als den Pschat." Es war so. Geistesblitze setzten alles in so klares, helles Licht, daß man glaubte, die Dinge niemals anders gesehen zu haben. Was als Ballast nicht dazu gehörte, fiel von seiner reinen Lehre ab, wie sich die Schlacken auf dem Tiegel vom reinen Golde lösen. Es war einfach unmöglich, etwas Abwegiges in seiner Gegenwart zu sagen. Einmal, so erzählt Raw Meier Berlin, wandte einer der Hörer gegen eine von ihm vorgetragene Halacha ein, im Tossefoth befinde sich eine Stelle, die im Widerspruch zu seinen Ausführungen stehe. „Nein," erwiderte Rabbi Chajim, ,,so steht es iri Tossefoth nicht." Man holte einen Traktat herbei und fand, daß der Wortlaut im Tossefoth wirklich ein anderer war. „Glaubet ja nicht," bemerkte Rabbi Chajim darauf, „daß mir der Wortlaut des Tossefoth so genau in Erinnerung war. Aber ich wußte, so k b n n t e * es dort nicht heiße n." Die Größe Rabbi Chajims bestand nicht so sehr darin, daß er wußte, was da und dort steht, sondern, was viel mehr bedeuten will, daß er auch genau wußte, was da und dort nicht steht, nicht stehen kann. Rabbi Abramski, jetzt Dajan in Lohdon, saß in Gesellschaft anderer bedeutender Rabbiner im Brisker Rabbinerhaus, als ein -Mann mit einer Anklage gegen die Vorsteher der Heiligen Bruderschaft kam. Ein Mitglied seiner Familie sei gestorben und obwohl dieser Todesfall zuerst eingetreten war, ließen die Vorsteher der Chewra die Bestattung eines anderen Toten aus einer reicheren Familie zuerst vornehmen. Rabbi Chajim hörte den Mann genau an, holte aus dem Schranke eine Rambam-Ausgabe herbei und schlug die Vorschriften über Trauerfälle auf. Dann sagte er dem Beschwerdeführer kurz und bündig; „Ich werde den Vorstehern einen Verweis erteilen, euch aber geht die Sache ganz und gar nichts an." Die dabeisitzenden Rabbinen staunten. Erstens konnte sie, die mit in den Traktat einsahen, kein Wort in Maimonides über diese Angelegenheit finden, und dann: warum sollte dies den Mann nichts angehen, der sich von den Vorstehern beleidigt und zurückgesetzt fühlte? Rabbi Chajim merkte das Staunen der Freunde und erklärte: „Als mir der Mann sein Anliegen vortrug, war ich im ersten Augenblick mir nicht klar darüber, ob die Einhaltung der Reihenfolge bei Bestattungen Sache der Familienehre ist oder ob sie nur unter dem Gesichtspunkte von miXan blt pTSJ?» J'X (daß man an einer Mizwoh nicht vorübergehe und somit die Bestattung des ersten J-")ö' nicht verzögern darf) geboten ist. Ich schlug Rambam auf und fand unter den einschlägigen Vorschriften in H>3K ftSbn nichts darüber, obwohl alles andere, was zu Ehren des Toten und der Familie geschehen muß oder nicht geschehen darf, dort angeführt ist. Beweis, daß die Reihenfolge mit nan TDD nichts zu tun hat und ihre Nichteinhaltung somit keine Verletzung der Familienehre bedeutet. Bleibt also der andere Gesichtspunkt, wonach man an einer Mizwoh nicht vorübergehen darf, den Maimonides in diesem Zusammenhang anzuführen, ■ F * l**rJ19P$M T ' Die Botschaft der Zedokoh. (Zum Wochenabschnitt ^jjn *>) Von W. S. Jacobson, I. „Wenn du ausziehst zum Kampf gegen deine Feinde, so wird ihn der Ewige, dein G'tt, in deine Hand geben . , ." Hier ist auch, aber nicht nur,, von den äußeren Feinden die Rede, denen Israel gegenüberzutreten hat; der Vers deutet zugleich unsern Kampf gegen den inneren Feind, gegen den Jezer Horah, an. Vielgestaltig ist die Form, in welcher er uns sein Gesicht zeigt, abef et steckt doch hinter allem, das liegt in der Wechselform des Verses — Mehlzahl und Einzahl — als Lehre verborgen. Wenn du ausziehst, wenn du den Kampf nur aufnehmen willst, dann hilft dir G'tt! Der gleiche Gedanke wird nochmals im Wochenabschnitt wiederholt: „Wenn'du zum Kriegslager ausziehst gegen deine Feinde, dann wirst du behütet sein von jeder bösen Sache", — dein Wollen bedeutet schon Sieg! Und in dieser zweiten Darstellung des Kampfes gegen den Feind wird auch ein Hinweis gegeben, wie der Feind, der innere, und dadurch auch der äußere, erfolgreich zu bekämpfen ist. „Und ein Ort soll dir sein außerhalb des Lagers, und dorthin sollst du hinaus gehen'" An dieses Wort knüpft der Tanchumo zur Stelle an: „Was ist das für ein Ort? Das ist das Verdienst Abrahams." (Denn auch bei Abraham heißt es: „Und er führte ihn hinaus!") Abrahams Verdienst hilft im Kampf gegen die inneren und äußeren Widersacher. Was war seine besondere Tat, auf welche der Midrasch hier gerade hinweisen will? G'tt verheißt Abraham den Leibeserben, Abraham weist hin, daß sein Sternbild Unfruchtbarkeit bedeutet: Da führt G'tt ihn hinaus aus der Umklammerung, in welche dieses Sternbild ihn gepreßt hatte, zeigt ihm den Himmel »mit seinen unzählbaren Sternen als ein Bild der Abrahamszukunft: „Und er war voll überzeugt von G'tt, und das wurde ihm angerechnet als Zedok'o h." Dieser Glaube, dieses Ueberzeugtsein von einer Zukunft gegen allen Anschein der Gegenwart, gegen alle Voraussage durch das Sternbild, der war Z e d o k o Ii! Zedokoh tritt uns hier in ihrem ursprünglichen Sinn entgegen, nicht als „Liebestat", sondern als eine Leistung besonderer Art, als ein „lifnim mischuras hadin." Diese Bedeutung von Zedokoh begegnet uns im Wochenabschnitt nochmals: „Wer dem Schuldner das Pfand zurückgibt, dessen er für seine Nachtruhe benötigt, den wird der. Schuldner segnen; „und dir wird es Zedokoh sein vor dem Ewigen, deinem G'tte!" Der Mensch hat doch das Recht, seine Forderung gegen den Nächsten durch ein Pfand zu sichern, gibt er dieses aber frei, dann übt er Zedokoh, handelt er lifnim mischuras hadin/' So wie Munbos, welcher sich in Bowo Basro IIa auf diesen Schriftvers berief, da er in Notzeiten sein ganzes Vermögen hingab, seine Großtat, zu welcher er gewiß al pi din nicht verpflichtet war. Willst du den Kampf gegen deinen inneren Feind bestehen, dann muß das Verdienst Abrahams dir beistehen, dann mußt du in seinem Wege gehen, dann muß Zedokoh, die äußerste Kraftanspannung, welche weit über das eigentlich von dir Geforderte hinausgeht, der Antrieb sein; lifnim, mischuras hadin, das ist das Zeichen, in welchem du kämpfen und siegen wirst.' 2. Wir finden eine merkwürdige Analogie: In Jesaja 141, 2) heißt es: „Wer wurde erweckt vom fernen Osten her, er, den das g'ttliche Zedek berief, ihn auf Erden Wegbereiter zu sein . . .?" Abraham ist es, von welchem es dort einige Verse weiter heißt, daß er der „Liebling G'ttes" ist.' G'ttes Liebling weil er die große Botschaft von Zedokoh (lifnim mischuras hadin) und Recht seinen Kindern weitergab, daß sie nach ihr leben. (Siehe Raschi zu Breschis 18, 19). Und an die Zedokoh unseres Wochenabschnittes knüpft der Sifri an: „Das lehrt uns, daß diese Z e - dokoh, dieses lifnim mischuras hadin, aufsteigt vor G'ttes Thron .denn so heißt es: „Z e d-e k geht vor ihm und wird zum Schrittbereiter!" So endet der Psalm 85, welcher die sehnsuchtsvolle Bitte enthält — nsrswK —, von G'tt zu erfahren, welcher We<| zur rechten Vollendung, zum Freibleiben von alicr Verirrung führt! G'ttes Zedek und menschliche Zedokoh — beide weisen auf die Leistung lifnim! mischuras hadin hin, nur, daß die menschliche Leistuni eine viel höhere Kraftentfaltung fordert, wie die; n- Endung immer auf die größere Tat, im Guten wie im Unguten, hinweist: ny«?-» — s«n ,niis — -pr >r\vw> — Wo der Mensch in Zedokoh sich bemüht, da wird G'ttes Zedek wirksam; es ist die große Wahrheit, die in dem Wort liegt; Wik D»r*Dfl w> «al G'ttes Zedek