Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 36 (8.9.1938)
- Date
- 1938-09-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Nr. 36 Der Israelit 8. Sepfe&ber 1938 D u r ch w an de r u n g s 1 än d er n Berufsschulen zu schaffen, oder die vorhandenen zu erweitern, um eine möglichst große Zahl von Auswanderern auf diese Weise für die Einwanderung in überseeische Länder vorzubereiten. Der Bericht verbreitet sich dann über die Zusammenarbeit mit der Konferenz von Evian und dem Intergovernmental Committee. Sollte am Ende des Jahres "1938 zugleich mit dem Verschwinden des Amtes des High Commissioners for Refugees auch das Liaison Committee aufgelöst werden, so müßte an dessen Stelle ein beratendes Komitee unoffizielien Charakters ins Leben treten, das sämtliche Organisationen umfaßt, die sich mit F 1 ü c h 11 i n g s f r a g e n beschäftigen. Dieses Komitee sollte Unterkomitees einsetzen, um die wesentlich technischen Probleme zu prüfen. In den Durchgangsländern befinden sich zur Zeit ungefähr 35.000 Flüchtlinge, da die Abwanderer nach Uebersee durch neue Zuwanderer ersetzt worden sind. Der Bericht schätzt, daß 550 000 Juden Großdeutschland in den nächsten Jahren verlassen müssen, wozu Andere, deren Zahl zusammen ebenfalls in die Hunderttausende geht, hinzukommen. 10 000 dieser Kategorie haben bereits in den verschiedenen Territorien Unterkunft gefunden. Es ist absolut unmöglich, daß die privaten Organisationen aus eigener Kraft einer solchen Situation gewachsen sein könnten. Es wird dies durch Beispiele in dem Bericht belegt. Was die Lage der Flüchtlinge in den verschiedenen Ländern betrifft, so sei es einzig und allein Frankreich, das in Bezug auf das Recht auf Arbeit liberale Maßregeln "getroffen habe. Dies erkläre sich zwar aus Erwägungen ökonomischer und sozialer Natur, doch wäre es .wünschenswert, daß auch andere Regierungen die Möglichkeit liberalerer Politik nach französischem Beispiel ernstlich ins Auge faßten. Zur Lösung des finanziellen Problems macht der Bericht einen Vorschlag, der jedoch ohne nähere Erklärung schwer verständlich ist. Es wird davon gesprochen, daß Flüchtlinge, die ,,vcm materiellen und moralischen Gesichtspunkte stärker zu leiden haben, als es wahrscheinlich auf seiten der späteren Emigranten der Fall sein wird, eine Summe rekonstruieren sollen, die hinreicht für eine bescheidene Existenz vor ihrer Abreise nach den Auswanderungsländern." Was hierunter verstanden wird, dürfte erst aus dem noch nicht vorliegenden Original des Berichtes sich ersehen lassen. Zur Einreise in Argentinien. Der „Hilfsverein" teilt folgendes mit: Im Hinblick auf die am 1. Oktober 1938 in Kraft tretende Neuregelung der argentinischen Einwanderungsbestimmungen werden gegenwärtig auf Llamaden keine Visen erteilt. Inhaber bereits visierter Pässe dürfen landen, und zwar nach den neuesten Nachrichen auch dann, wenn sie nach dem 1. Oktober in einem argentinischen Hafen eintreffen. Emigrationssorgen und Immigrationsgebote- London, 6. Sept. Das Intergovernmental Refugee Committee hat diese Woche in Paris eine Sitzung abgehalten, an der auch die amerikanischen Botschafter in Berlin, Paris und London teilnahmen. Eine weitere Sit2ung des Komitees fand zwei läge darauf in London statt, in der Direktor Rublee zum ersten Male an einer eingehenden Aussprache mit den Mitgliedern des Komitees über die Grundlinien der Arbeit teilnahm. Wie Pariser Blätter melden, hat die brasilianische Regierung beschlossen 10 000 Juden aus Deutschland und Oesterreich aufzunehmen, unter der Bedingung, daß die Aufgenommenen sich ausschließlich der Landwirtschaft widmen und von den jüdischen Hilfsorganisationen ein entsprechendes Kapital zur Anschaffung landwirtschaftlicher Ausrüstungen erhalten. Die brasilianische Presse hebt hervor, daß das Land noch ungefähr 50 000 Arbeiter benötigt, damit die natürlichen Wirtschaftsmöglichkeiten ausgenützt werden können. Auch die Regierung von Paraguay soll bereit sein, eine gewisse Zahl jüdischer Emigranten, die sich für die Landwirtschaft eignen und über ein Kapital von 10 000 Francs verfügen, aufzunehmen, Fremde Rechtsanwälte in Holland. Amsterdam, 4. Sept. Hier wurde gestern ein Dekret veröffentlicht, das allen Ausländern die Zulassung zur holländischen Rechtsanwaltschaft versagt, Indessen dürfen in Holland sich aufhaltende Flüchtlinge, die zur Ausübung des Anwaltsberufes bereits zugelassen worden sind, ihre Praxis bis zum 1. Januar 194 2. ausüben. Roosevelt an den „Verband jüd. Kriegsveteranen". Detroit, 2. Sept. Präsident Roosevelt hat dem hiei tagenden „Verband der jüdischen Kriegsveteranen" folgendes Telegramm geschickt: „Das amerikanische Volk braucht nicht an die Dienste erinnert zu werden, die die Vertreter des jüdischen Glaubens der amerikanischen Nation erwiesen haben. Es waren Dienste voller Ehre und Auszeichnung. Die Geschichte beweist, daß die Juden bei der Verteidigung des Amerikanismus während des Weltkrieges und auch' schon anläßlich früherer Kriege eine große und lobenswerte Rolle spielten und in Friedenszeiten viel zur Förderung und Erhaltung des Ruhmes und der Romantik der Vereinigten Staaten und seiner demokratischen Regierungsform beitrugen." Der arabische Bürgermeister. Jerusalem, 4. Sept Die Absetzung des jüdischen Bürgermeisters Daniel Auster und sein Ersatz durch einen arabischen Richter von 60 Jahrender gerade pensioniert werden sollte,1 und keinerlei kommunale Erfahrung besitzt, erregt, wie bereits in voriger Nummer mitgeteilt, ungeheure Bitterkeit im ganzen Jischuw und gibt zur schärfsten Kritik Anlaß. Die ganze Aktion, die auf die städtischen Interessen keinerlei Rücksicht nimmt, sondern rein politischer Natur ist, muß in der Tat als eine starke Provokation der jüdischen Bevölkerung Jerusalems betrachtet werden. Der neue Bürgermeister ist zusammen mit den arabischen Stadträten jederzeit in der Lage, jeden Antrag der jüdischen Repräsentanten zu Fall zu bringen, obgleich diese doch unbestrittenermaßen die Mehrheit der Steuerzahler repräsentieren. Von der täglichen Verwaltungsarbeit sind die Juden nunmehr* völlig ausgeschlossen. Da das englische Parlament sich zur Zeit in- Ferien befindet, so fehlt jede Möglichkeit, die unerklärliche Verwaltungsmaßnahme der britischen Regierung öffentlich zu kritisieren und Rechenschaft über ihre Motive zu fordern. Die Gefechte in Palästina am Mittwoch. Jerusalem, 7. Sept. In der Nacht zum Mittwoch kam es in Nordpalästina wieder zu größeren Zusammenstößen, die sich während der Tages noch wesentlich ausbreiteten. Bei Akko war am Nachmittag ein größeres Gefecht zwischen Freischärlern und englischen Truppen im Gange. Dieses Gefecht steht anscheinend in Zusammenhang mit der Explosion einer Landmine in der Nähe von T e 1 Samar, durch die ein für den Streifendienst eingesetzter Lastkraftwagen vollständig zerstört wurde. Zwei englische Soldaten fanden dabei den Tod, während vier schwer verwundet wurden. Die Freischärler sollen bei dem Gefecht bei Akko, in das auch Bombenflugzeuge eingriffen, schwere Verluste erlitten haben. Auch in Jaffa kam es in den Morgenstunden des Mittwochs zu Zusammenstößen, bei denen die Hauptpölizeiwache umstellt und ausgeplündert wurde. Die Freischärler erbeuteten 14 Gewehre, Revolver und Munition. Weiter drangen sie in das Rathaus ein und erbeuteten die Stadtkasse mit etwa 50 Pfund (etwas über 600 Mark) Inhalt. In Jaffa erschienen während des Mittwochvormittags Flugblätter der „Vorläufigen nationalen Regierung" mit der Aufforderung zum Widerstand gegen die Mandatstruppen. Die Flugblätter wurden sogar an den Wänden und Türen der Moscheen angeschlagen, ohne daß es der Polizei gelang, die Verantwortlichen zu ermitteln. In Jaffa ist auf diese Zwischenfälle hin wieder der Ausnahmezustand ausgerufen worden. Alle Läden und Geschäfte müssen um IS Uhr schließen, während die Straßen bis 20 Uhr geräumt sein müssen. Um 21 Uhr müssen nach den Anweisungen der Militärbehörden sämtliche Lichter gelöscht werden, und das Spielen von Grammophonen sowie die Benutzung von Rundfunkapparaten ist von diesem Augenblick an verboten. Die arabische Bevölkerung brennt jedoch seit einiger Zeit überhaupt kein elektrisches Licht mehr, um die Ruthenberg-Elektrizitätswerke zu boykottieren. .» In Jerusalem wurden mehrere Personen, darunter ein Aegypter, erschossen. Ein großer jüdischer Speicher steht in Flammen. — Auch aus L y d d a werden größere Brandstiftungen gemeldet, während in Ramallah , bei einem Ueberfall auf die Polizeiwache .zwei arabische Freischärler erschossen wurden. (Europapreß.} (Vergleiche Erez Israel, Seite 7.) Thvon F!inhniif nach wie vor bei fiEIXHOR NT Steinweg 9