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Der Israelit · 1938-09-08 · Heft 36 (8.9.1938) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 36 (8.9.1938)
Date
1938-09-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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- DerIsraelit I B|H V^^k Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Maina m SM MMm ^^^^==^=====/WMJ Frankfurt a. M. 8. September 1938 12. Elul 5698 Nummer 36 Die Kleine Entente befaOt sich mit dem Judenproblem Bukarest, 4. Sept. Auf der vorige Woche abgehaltenen Besprechung der drei Außenminister in Veldes (BledJ hat der Vertreter Rumäniens, Petrescu Comnen, an seine Ankündigung erinnert, auf der Völkerbundsversammlung ein ausführliches Referat über, das jüdische Problem in Mittel- und Osteuropa zu erstatt e n. Die Veldes-Konferenz kam zu der übereinstimmenden Ansicht, daß die Angelegenheit der Juden in Mitteleuropa nur im Zusammenwirken sämtlicher beteiligter Staaten geregelt werden kann. Demgemäß wurden der tschechoslovakische Außenminister Dr. K r o f t a und der rumänische Außenminister Comnen damit betraut, die Frage zu studieren und ein gemeinsames Programm auszuarbeiten. Es heißt, daß die beiden Minister bei der nächsten Session des Völkerbundes in diplomatischen Kreisen vorschlagen werden, ein internationales Komitee zu bilden. Damit wäre also neben dem Evian-Büro eine andere Instanz aufgestellt. Der Bericht des High Commissi oner f or Ref ugees. Genf, 5. Sept. . Sir Neill Malcolm, der High Commissioner for Refugees, hat soeben einen für die 19. Session der Völkerbundsversammlung bestimmten Bericht über seine Tätigkeit veröffentlicht. Der Bericht weist darauf hin, daß der High Commissioner for Refugees nach den bisher getroffenen Bestimmungen nur bis zum 31. Dezember ds. Js. weiter amtiert und daß der Völkerbund Vorsorge treffen müsse, daß Ersatz geschaffen werde. Der Bericht teilt mit, daß England die Absicht ausgesprochen habe, die internationale Flüchtiingskonvention vom 10. Februar ds. Js. >,so früh als möglich" zu ratifizieren und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Vorbehalte, die von gewissen Regierungen bei der Unterzeichnung der Konvention, insbesondere hinsichtlich der Arbeitserlaubnis gemacht worden seien, zurückgezogen würden. Der Bericht betont weiter die Notwendigkeit, die Regierungen dazu zu bestimmen, daß sie Plätze zur Erbauung von Flüchtlingsheimen anweisen, in denen Flüchtlinge sich aufhalten könnten, bis sie in die Lage versetzt , ,-w erden, nach anderen Ländern endgültig auszuwandern, ßie australische Regierung habe beschlossen, jährlich 500 jüdische Einwanderer zuzulassen. Es ist ferner die Rede . von den beratenden Körperschaften, bestehend aus den Vertretern der privaten Organisationen, die von verschiedenen Staaten, wie Norwegen, Belgien, Frankreich gebildet worden sind. Der High Commissioner hatte während der 2Y2 Jahre seiner Tätigkeit Anlaß, für etwa 5000 Flüchtlinge persönlich bei den Behörden der verschiedenen Länder zu intervenieren, um Ausweisungsmaßregeln durch Polizeiorgane oder untergeordnete Beamte rückgängig zu machen. In kleinerem Maßstabe wurde ein Versuch organisiert, die individuelle Auswanderung von Spezialisten auf dem Gebiete der Industrie und der Landwirtschaft ins Werk zu setzen. Da in den meisten Einwanderungsländern Techniker gerne zugelassen werden, so handelt es sich darum, die qualifizierten Persönlichkeiten unter den Auswanderern in Listen zusammenzustellen und den Regierungen der Einwanderungsländer diese Listen zur Auswahl zu präsentieren. Um die Zahl dieser technisch gebildeten Kräfte au vermehren, ist es notwendig, i n allen in Betracht kommenden Fortsetzung siehe Seite 2. Aus dem Inhalt: Berichte an den Völkerbund.....Seite 2 . Die Bürgermeisterwahl in Jerusalem . Seite 2 Die Mlüwochkämpfe in Palästina . . Seite 2 Milderung der Ansiedlungsgesetze in Holland Seite 2 Die Judengesetzgebung in Italien . . Seite 2 Wie ein Großer der Vorzeit.....Seite 4 Die Botschaft der Zdokoh.....Seite 4 Wenn man auswandern will.....Seite 5 Die Polizeiverordnung über die Ausländer Seite 6 Erez Israel .............Seite 7 Aus einem wiedererwachten Lande . Seite 8 Kleiner Israelit Die Krise in der Auswanderung. Wo bleibt das Sofortprogramm? - Zwischenlösung - Pflichten gegen die Heimat. Man wollte es bis jetzt nicht Wort haben, aber es ist doch leider so, daß Roosevelt mit unserem Lehrer Mosche in Aegypten sagen könnte; „Und seitdem ich gekommen bin, geht es dem Volke noch übler, und die Rettung blieb aus . . ." Seit Evian und London wurde das Problem der Probleme, das der Auswanderung« nicht nur nicht gelöst, sondern noch wesentlich verschärft. Wir erleben seitdem eine Sperre in allen 'überseeischen Ländern und einen hermetischen Abschluß der Grenzen Europas, wie* man ihn früher in diesem Maße nie gekannt hat. Wir empfinden die Tragik um so bitterer, als wir auf jene Konferenzen, Reden und Vorschläge einige Erwartungen gesetzt hatten. Psychologisch ist dieser verschärfte Zustand mit der Angst zu erklären, die den einzelnen Ländern die Aufrollung des Problems in Evian eingejagt hat. Manche Länder scheuen sich, Präzedenzfälle zu schaffen, auf die man sich bei einer Regelung berufen könnte. Andere begründen ihre vorübergehenden Maßnahmen mit der zu erwartenden generellen Lösung, der man nicht vorgreifen wolle. So macht Argentinien geltend, daß man in Erwartung der definitiven Lösung, in der Zwischenzeit den Neueinwanderern keine Vorrechte gegenüber den späteren Emigranten einräumen dürfe. Aus welchen Gründen oder Schemgründen es immer geschieht, die Grenzen bleiben gesperrt. Ein reißender Wanderstrom, und er findet überall Dämme und Deiche. Ein neuer Stamm schließt sich dem judischen Galuthmarsch an — aus Italien. Wer sich den Optimismus bewahrt hat, von den Auswirkungen der Konferenzen und von der Ständigen Kommission in London für die nächste Zeit etwas zu erwarten, mag an das tiefe Düster der Nacht unmittelbar vor dem Morgengrauen denken. Damit wiid aber die Lage für Hunderte und Tausende, die bereits die Beziehungen zur Heimat gelöst haben, im Geiste mit ihren Familien eigentlich schon unterwegs sind, nicht im geringsten heiterer und tröstlicher. Die größte Enttäuschung bietet vielleicht die Tatsache, daß die amerikanische Union, von deren hochherzigem Präsidenten die Initiative zur Hilfe für die Auswanderer ausging, deren Vertreter Taylor in Evian die schönsten Worte für die jüdische Tragödie fand, daß auch die USA. sich in den Absperrungskordon eingereiht hat. Ohne ausgesprochene Sperre bleiben doch de facto die Tore Nordamerikas infolge des bis jetzt leider unveränderten Quotensystems für Jahre hinaus (Fortsetzung siehe Seite 3,)

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