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Der Israelit · 1938-09-01 · Heft 35 (1.9.1938) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 35 (1.9.1938)
Date
1938-09-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 35 Der Israelit 1. September 1933 E Z Wieder ein blutiges Wochenende. Jerusalem, 28. August. Zum Wochenende verschärfte sich wieder die Lage im ganzen Lande in hohem Maße. Auf dem arabischen Gemüsemarkt in Jaffa explodierte am Freitagmorgen eine Mine, die sehr große Zerstörungen anrichtete. Nach einem amtlichen Bericht sind 23 Araber getötet und über 4 0 zum Teile sehr schwer verwundet worden. Der Versuch der erbitterten Menge, die Anglo Palästina-Bank anzuzünden, konnte verhindert werden. Beim Versuch, die Barcley-Bank zu stürmen, wurde ein Araber erschossen. Der Kraftwagen eines englischen Bankbeamten ging in Flammen aul. Kurze Zeit danach wurde in der Hauptstraße ein arabischer Polizist durch Schüsse schwer verwundet. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung wurden starke Militär- und Polizeikräfte eingesetzt. Außerdem wurde mit sofortiger Wirkung ein Ausgehverbot verhängt. Das Militärgericht verurteilte in Haifa zwei Araber aus Beisan zum Tode, weil man bei ihnen Munition vorgefunden hatte, Ueber fünf Beduinenstämme im Bezirk Beisan wurde ein Ausgehverbot von 16 bis 5 Uhr verhängt. An der Grenze zwischen Jaffa und Tel Awiw wurden mehrere Gebäude angezündet. — Die Polizeistation Mirön im Bezirk Safed (das Grab von Rabbi Schimeon bar Jochai) wurde unter starkes Feuer genommen. Bei dem sich anschließenden Gefecht sollen zwei der Angreifer ums Leben gekommen sein. Eine amtliche Verlautbarung der Mandatsbehörden besagt, daß angesichts der Tatsache, daß die Stadt J a n i n (in der kürzlich der stellvertretende Distriktskommissar verwundet wurde und inzwischen gestorben ist) Terroristen Unterstützung gewährt, angeordnet worden sei, eine Anzahl Gebäude aus Sicherheitsgründen zu zerstören. Die Zensur für die Presse Palästinas ist verschärft worden. Alle Zeitungen dürfen künftig nur noch die amtlich ausgegebenen Berichte über Zusammenstöße des Militärs oder der Polizei mit Freischärlern bringen. Kommentare oder eigene Berichte über derartige Vorfälle, vor allem auch über Truppenbewegungen, sind verboten. Aus London sind 120 Polizeibeamte in Palästina eingetroffen, die besonders ausgebildet worden sind. Weitere 350 Polizisten werden im Laufe des September nach Palästina gebracht werden. Außerdem werden in den nächsten Wochen fast sämtliche britischen Truppen in Palästina durch frische Truppen aus England abgelöst werden. Anfang September wird auch eine neue Infanteriebrigade zur Unterstützung der bereits in Palästina liegenden Schutztruppe England verlassen. Das Endhe eines Bandeniührers. Jerusalem, 25. August. In der Nähe des arabischen Dorfes K u b i k a fand man einen arabischen Scheich tot neben seinem friedlich weidenden Pferd liegen. Um die Leiche herum schlängelte sich eine große giftige Schlange. Untersuchungen ergaben, daß es sich um den arabischen Bandenführer Mohamed Tacha Z u - b a n i aus dem Dorfe Zuban handelt, der viele Morde auf dem Gewissen hatte und auf dessen Ergreifung die Polizei eine Prämie von 200 Pfund ausgesetzt hatte. Es wurde festgestellt, daß er in der Gegend Erpressungen bei reichen Arabern ausübte und aus Vorsicht und Angst vor der Polizei auf freiem Felde übernachtete, wo ihn sein Schicksal ereilte, Die Bewachung eines Kibbuz'. Jerusalem, 26. August. Auf Vorstellung von Rabbi Mosche Blau hat die Regierung die Erlaubnis gegeben, vier Wächter im dgudistischen Kibbuz in Kfar Sabba zu bewaffnen. Eine neue jüdische Niederlassung an exponierter Stelle. Jerusalem, 25. August Tieute in aller Frühe begab sich eine Gruppe von 35 Mitgliedern des „Haschomer hazair" nach „Brüh Chajim", 3 km von Akko entfernt, um die Niederlassung in Besitz zu nehmen. Die neue Kolonie dehnt sich auf einem Areal von 8000 Dunam aus, die Eigentum des Nationalfonds sind. Sie liegt mitten im Zentrum einer rein arabischen Gegend. Ihre erste Aufgabe sahen die Chaluzim darin, die nötigen Befestigungen, einen Signalturm und die ersten Baracken zu errichten. Die Gründung eines neuen Stützpunktes in einer arabischen Umgebung wird als Zeichen von Kraft und Vertrauen, im ganzen Jischuw mit Freude begrüßt. Juden in Erez Israel verlieren ihr Bürgerrecht. Jerusalem, 26. August. Auf Grund des neuen polnischen Gesetzes haben 22 Juden aus Polen, die seit langer Zeit in Erez Israel wohnen, ihr polnisches Bürgerrecht verloren. Die Ausbürgerung wird damit begründet, daß die Ausgewanderten seit langer Zeit keine Beziehungen mehr zu ihrem Geburtslande hatten. Ein bezeichnender Sabbatprozeß in Tei Awiw. Tel Awiw, 26. August. Folgender Fall, der vom orthodoxen „Kol Israel" berichtet wird, ist nach mehr als einer Richtung interessant: Auf der Allenbystraße hat der Stadtrat eine Wartehalle für den Autoverkehr eingerichtet, der sieben Tage in der Woche nach allen Richtungen des Landes in vollem Gange ist. Gerade am Sabbat ist der Andrang der Touristen am größten, und die Chauffeure fordern die Fahrgäste auf der Straße laut auf zum Mitfahren. Ein daneben wohnender frommer Jude, der wiederholt versuchte, Fahrer und Passagiere auf die gröbliche Sabbatentweihung und Herausforderung hinzuweisen, wurde immer mit Beschimpfungen und Bedrohungen zurückgewiesen. Da kam der fromme Nachbar auf den Gedanken, ein Plakat über sein Fenster an eine Stelle aufzuhängen, die keiner übersehen konnte und die die Worte der Schrift ir lapidaren Lettern trug: nttr» m» rp^na- Und merkwürdig, diese Warnung hatte ihre Wirkung nicht ganz verfehlt.' Aber schon am folgenden Sabbat erschienen jüdische Polizisten und rissen gewaltsam das Schild herab. Damit nicht genug, bekam der Jude einen polizeilichen Strafzettel, weil er den Verkehr beeinträchtigt und den Chauffeuren Schaden verursacht hätte. Ein Chauffeur erklärte bei Gericht, an das der Jude appellierte, daß an dem Sabbat infolge des Plakates die Zahl der jüdischen Reisenden bis zur Hälfte gesunken war, so daß er berechtigt sei, Anspruch auf Schadenersatz zu erheben. Der Angeklagte wurde zwar freigesprochen, mußte aber eine Garantie stellen für „weiteres einwandfreies Verhalten". Eine Wiederholung der Plakatanbringung wurde ihm bei schwerer Strafe verboten. Der Richter, der dieses salomonische Urteil gefällt hat, ist ein Jude. Ein dabeistehender jüdischer Polizist äußerte laut, er werde im Wiederholungsfalle den warnenden Juden mit Gewalt in ein Auto zwingen und ihn am Sabbat auf Umwegen durch die Stadt fahren, um inn dann ins Gefängnis zu bringen. Das Plakat hängt nicht mehr, der Verkehr ist gerettet. Und der Sabbat? Eine neue Bank der Poale Agudas JisroeL Jerusalem, 26. August. Neben der Bank der Poale Agudas Jisroel unter dem Namen „Kuppath Milweh schel Poale Agudas Jisroel" ist nun in Jerusalem eine neue Bank der orthodoxen Arbeiterorganisation eröffnet worden. In der zur Zeit sehr schweren ökonomischen Lage im Lande werden die beiden Bankinstitutionen eine große Aufgabe zu erfüllen haben. Budgetziffern der Stadt Tel Awiw. Tel Awiw, 26. August. Aus dem jüngst erschienenen Jahrbuch der Stadt geht hervor, daß das Budget größer ist als die der 23 anderen Städte des Landes zusammen. Alle Städte des Landes zusammen vereinnahmten 802.584 Lst., wovon allein auf Tel Awiw 472.305 Lst. entfallen. Kindergärten und Tagesheime in Jerusalem, Tel Awiw und Haiia« (Schluß.) Wir legen Wert darauf, zu unseren Mitarbeiterinnen Palästinenserinnen zu zählen; die Zusammenarbeit zwischen ihnen und den europäischen Kräften hat sich als sehr fruchtbar und gegenseitig anregend erwiesen. Der Weiterbildung und Vertiefung innerhalb des Kreises der Kolleginnen dienen Arbeitsgemeinschaften und Schiurim, sowie die Teilnahme °an Fachkursen. Wir streben danach, dieses Jahr in den Sommerferien zwei Mitarbeiterinnen den Besuch des allgemeinen öffentlichen Fortbildungskurses zu ermöglichen. Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß unsere Heime Verschiedenheiten aufweisen, die örtlich bedingt sind. Im Jerusalemer Heim entspricht die Zusammensetzung der Kinder der Vielfalt und Buntheit des Jerusalemer Jischuw überhaupt. Außer den Kindern der Neueinwanderer aus Europa und Amerika und aus dem alten aschkenasischen Jischuw — kommen Jemeniten, Perser, Bucharen usw. zu uns. Das ergibt nicht nur ein buntes und in seiner Verschiedenheit fesselndes Bild, sondern prägt auch der Erziehungsarbeit einen besonderen Stempel auf. Die orientalischen Kinder sind ungehemmter, und es fehlen ihnen natürlich die Voraussetzungen der europäischen „zivilisierten" Atmosphäre. Doch es gelingt in diesem Alter besonders leicht — und auch darin liegt eine wichtige Aufgabe des Kindergartens — die nach Milieu und Anlage so verschiedenen Kinder durch dia gemeinsame Sprache und das Leben im Gan zu einer frohen Kindergemeinschaft werden zu lassen. Wer die Mannigfaltigkeit der Typen in einem Jerusalemer Kindergarten erleben will, der möge einmal eine unserer Feiern besuchen, bei der die orientalischen Eltern, Geschwister und der ganze Familienanhang in ihren bunten Trachten die Räume füllen und in kindlicher Freude das Kinderfest mitfeiern. — In Tel Awiw steht das Meer im Mittelpunkt des Kinderlebens. Im Sommer fahren die Kinder im Sommerautobus hinunter bis zur eigenen Hütte am Strand, und dorthin sind Arbeit und Spiel für die Sommerzeit übergesiedelt... — Unser Heim in einem „Alf'- Tel Awiwer geräumigen Haus, im Zentrum der Stadt und doch durch den schönen gepflegten Vor- und großen Hintergarten ganz vom Verkehr ungestört, erhält sein besonderes Gepräge durch diese Gärten mit einem richtigen kleinen „Pardes". Hier wird Katif {Orangenernte) gefeiert — der. schönste Tag im Jahr, an dem die von den Kindern in ihrem Wachstum freudig beobachteten und selbstgepflegten Früchte von ihnen geerntet und feierlich zu Obstsaft und -Salat verarbeitet werden. Der Haifaer Kindergarten verdankt seine Entstehung der Initiative und eifrigen Mitarbeit eines Kreises thoratreucr Einwanderer aus Deutschland, der auch heute in steter Bereitschaft mit uns arbeitet. Auch in Haifa sollte das Meer ein wesentlicher Faktor der Pflegearbeit sein, wegen der Unruhen müssen wir zur Zeit?ioch darauf verzichten, mit den Kindern ans Mesr zu fahren. Einen schönen Ersatz bieten die Spaziergänge auf den Abhängen des Karmel, von denen die Kinder fast zu jedem Sabbat selbstgepflückte Blumen heimtragen. Der schöne Garten, der größte auf dem Hadar Hakarmel, mit Sandkiste. Schaukel und Wippe, bietet Raum für Arbeit und Spiel im Freien. An Stelle der festlich begangenen Orangenernte in Tel Awiw tritt hier das Pflücken der Früchte von den Feigenbäumen. Bereits bei Beginn unserer Arbeit zeigten sich Notwendigkeit und Bedürfnis nach gleichartigen Institutionen in einzelnen Moschawoth und Mittelstädten; der Mangel an finanziellen Möglichkeiten legte uns Beschränkung auf. Heute in der Zeit der Wirtschaftskrise sind wir erst recht genötigt, unsere Kräfte auf Erhaltung des Bestehenden zu konzentrieren, auch dies war und ist uns nur möglich durch die ständige interessierte Mithilfe unserer Freunde. Ihre Unterstützung war uns vor allem unentbehrlich bei Sonderveranstaltungen, die ein größeres Maßvon Vorbereitungs arbeiten erforderten. Als besonder? Leistung wollen wir die Organisierung der Büchsensammlung hervorheben, die wir der Initiative und unermüdlichen Tätigkeit einer Tel Awiwer Freundin verdanken. Unser Dank gilt ebenso den treuen Freunden unserer Sache im Ausland, die uns ihr Interesse stets erwiesen und vor allem unseren Werbereise» durch aktive Hilfe zum Erfolg geholfen haben. Wir hoffen, daß dieser Bericht unsere Freunde in der Ueberzeugung bestärkt, ihre Kräfte einem wichtigen Werke zu widmen. Es ist unser Wunsch, daß sie es als ihr eigenes betrachten mögen, an dessen Sorgen sie mittragen und dessen Gelinge" ihnen wirkliche Befriedigung und Freude bereitet.

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