Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 35 (1.9.1938)
- Date
- 1938-09-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 35 Der Israelit 1. September 1938 KEREN HATORAH steht im Dienste unserer Jugend! Talmud Tora-Schulen - für unsere Jugend! Religionsunterricht in lehrerlosen Gemeinden - für unsere Jugend! Keren Haforah-Heime - für unsere Jugend/ v Subventionierung des Jeschiwa-ßesuches - für unsere Jugend! La ndesdirektorium des Keren H a f o ra h; Ham burg, Postscheckkonto: Hamburg 24753!*' große Ersparnisse an Verwaltungskosten. Um so mehr wäre es Pflicht der Thorafreunde in Amerika, die dortigen Spender darüber aufzuklären, daß sie mit solcher „Sparpolitik" das Ganze aufs Spiel setzen. Der amerikanische Jude gibt sein Geld in bester und reinster Absicht, im Gefühle, daß es irgendwo einem guten heiligen Zweck dienen wird. Dieser Zweck wird aber keineswegs erreicht, wenn die Gelder von Männern und Frauen verwaltet werden, die, bei aller Ehrsamkeit, eingestandenermaßen für die ihrer Meinung nach „veralteten Lehrmethoden des alten Jischuw" keinen Sinn noch Verständnis haben und unter der Marke „Konstruktive Hilfe': den Spendenstrom nur nach einer bestimmten Richtung fließen lassen. Tel Awiw, 24. August. Schwarz umränderte Mitteilungen — es ist dies die tägliche Nahrung, die die Zeitungen Palästinas ihren Lesern zum Frühstück auftischen. Berichte über Mord, Ueberfall, Schiel3ereien auf Autobusse, Bombenexplosionen mit Toten und Verwundeten füllen die erste Seite der Palästinablätter aus. Das Auge hat sich bereits an die schwarzen Ränder so gewöhnt, daß man sie kaum noch sieht, daß man sich wundert, wenn einmal eine Nummer etwas weniger oder gar keine schwarzen Einrahmungen ent« hält. „Der Terror in den letzten 24 Stunden" — es ist dies eine stehende Rubrik, stereotyper Satz in allen Zeitungen. Blättert man aber etwas weiter und wirft einen Blick auf die letzte Seite, da öffnet sich uns eine ganz neue Welt, und zwischen der ersten und letzten Seite gähnt eine Kluft. Hier erfahren wir von den neuesten Kinoaufführungen, von indischen Tänzerinnen, von Tanzabenden in eleganten Hotels. Die erste Seite schwimmt in Blut und Tränen, die letzte Seite jauchzt und jubelt. Wächter und Gafhirim wachen, kämpfen, siegen oder fallen auf der ersten Seite. Die letzte Seite erzählt von denen, die in der gleichen Nacht im Varietee und auf dem Tanzboden wachen. Heldentaten in Ramath Hakowesch, in Giwath Ada, in Chanutah und Tirath Zwi auf der einen, elegante Hotels und Salons, wo man sich, Der Psalm 27. Zu Ellul. III. Der Kalischer Raw b"?i, nimmt in seinem --uan rnpy»m den angeführten Satz "in t^kp nns zum Anlaß einer Predigt und einer Mahnung an diejenigen, die es im G'tteshaus an dem der heiligen Stätte schuldigen Respekt fehlen lassen. Sie sind wohl der irrigen Meinung, daß der beständige Besuch des G'tteshauses zu einer gewissen Vertraulichkeit berechtige. Nur denen, die im Hause G'ttes, ein paar Tage im Jahre, seltene Gäste sind, zieme es, großen Anstand zu wahren, wer aber täglicher Hausgenosse bei '"srn ist, dürfe sich schon ein wenig gehen lassen. Dem gegenüber der Psalmsänger: *ui v£kp r>nx den einen Wunsch hege und spreche ich aus, nämlich, daß wenn auch "n 1?3 "t n'aa 'flac, ich beständig, „alle Tage meines Lebens", im Hause G'ttes weile, iVrrm -pa^i 'n nmV ich stets und täglich von neuem von der Weihe des heiligen Ortes so durchdrungen bin, als besuchte ich ihn (ip^W zum ersten Male. IV, rpas T T»3D DU '3B iB?i?a "»2b nas *tf>- Die Konstruktion dieses Satzes ist eigenartig, der Sinn nicht klar. An Deutungen exegetischer und ho- Die Dezentralisation in den Sammlungen für die Thorazwecke und Thorainstitute in Jerusalem ist gewiß kein idealer Zustand. Eine zentrale Organisation von der Art des „Waad Hajeschjwoth" in Polen wäre vonnöten und zu begrüßen. Solange aber diese Zentralstelle nicht da ist, ist es Pflicht der jüdischen Oeffentlichkeit, dieamerikanischen Gönner der Thoraanstalten in Jerusalem über den Sachverhalt aufzuklären." r' Auch wir halten diese Aufklärung für dringend nötig und empfehlen daher die Mitteilung mitsamt dem Kommentar des ..Hajessod" unseren Freunden in Amerika zur gefälligen Beachtung. weit weg vom Schuß, in einem Gefühle absulutsr Sicherheit, gedankenlos amüsiert, auf der anderen Seite. Es sieht beinahe so aus, als wäre das kleine Ländchen in zwei weit auseinandreliegende Wel- *t?n scharf getrennt; eine Welt, in der Tag für 7ag, J-eit 29 Monaten schon, Heldentaten begargen werden und eine andere Welt, in der man sich sorgen- und bedenkenlos gutsein läßt, Und unwillkürlich drängt sich die Frage auf- Nach welchem logischen Gesetz ist diese Zweiteilung vorgenommen? Warum muß es das Schicksal von Chanutah und Giwath Ada sein, blutige Opfer zu bringen und das Vorrecht von Tel Awiw, in Cafehäusern zu tanzen? Warum müssen die einen auf gefährlichem Posten wachen und andere, Brüder von gleichem Blut in gleichem Lande, so tun, als spiele sich das alles in Japan oder auf den pyrenäischen Schlachtfeldern ab? Zweieinhalb Jahre Terror! — Wohl wußten wir, daß N^K n*»3M ^KW J'K' daß Erez Israel nur durch Leiden und Prüfungen erworben werden kann, wußten, daß wir Jahrzehnte mit der Tücke des Wüstenbodens, mit Wasermangel, mit Malaria und anderen Krankheiten werden zu kämpfen haben. Auf einen Kleinkrieg mit arabischen Terrorbanden ganze Jethre hindurch konnten wir uns nicht gefaßt machen. Wir waren nicht darauf vorbereitet. Man konnte wilde Tiere, Dürre, Heuschrecken erwarten, aber nicht, daß Menschen, die uns stammverwandt sind, jahrelang es darauf anmiletischer Art fehlt es nicht. Eine Erklärung ~i"V emn sei hier wiedergegeben: David, der große König, wurde von Petenten aller Art, von großen und kleinen Leuten, von Fürsten und Bürgern, um Audienz angesucht. Wie demutsvoll standen alle Menschen vor des Königs Thron, da sie ihre Bitten und Anliegen ihm vorlegten. Was aber bei anderen Kronenträgern nur Stolz und Eitelkeit hervorgebracht hätte, zwang ihn zum Nachdenken über sein Verhältnis zu G'tt. Wenn der Mensch, dachte er, wenn ich selbst so viel Ehrfurcht vor dem unsichtbaren G'tt aufbrächte, wie sie die Menschen dem sichtbaren König entgegenbringen! Es ist das bekannte Wort, mit dem Rabbi Jochanan b<sn Sakkai auf dem Sterbebette von seinen Schülern schied. „Möge Euch die Furcht vor G'tt so beseelen wie die vor Menschen!" Mit dem angeführten Satze bringt König David diesen Gedanken zum Ausdruck: *afc "^»s T^- was mein Verhältnis zu Dir, o G'tt, betrifft, so sagt mir mein Herz: "Vis wps, so wie die Menschen mich aufsuchen, vor meinem Antlitz erscheinen, voller Angst und Ehrerbietung, wp?» n -pis r,x< so möchte ich Dein Angesicht aufsuchen. Dariii 'W ^od -mon bs> wirst Du ganz gewiß Dein Antlitz hie von mir abwenden. Kleines Feuilleton. Medizin und Hausmannskost. Von A. Mannheimer in Dettelbach. In dem Städtchen Berlad in Rumänien lebte und wirkte bis vor wenigen Jahrzehnten der fromme legen würden, all das, was jüdischer Schweiß in schweren Jahrzehnten hervorgebracht hat, in Asche zu legen und uns mit allen Mitteln der r Gewalt .zu zwingen," auf un'ser Recht auf Efez Israel zu verzichten. Der jüdische Jischuw hat aber in dieser Zeit Prüfungen bestanden und Heldenmut erwiesen, die keiner .von ihm erwartet, ja er selbst sich nicht zugetraut hätte. Der starke jüdische Wille wurde nicht gebrochen und der gesunde Geist nicht ermüdet. Während derganzen Zeit wurde kein einziger jüdischer Stützpunkt in Erez Israel, und wäre er auch noch so exponiert gelegen, aufgegeben. Keiner hat seinen Posten verlassen, im Gegenteil wurden Dutzende neuer Positionen an gefährdeter Stelle in allen Teilen des Landes erworben, und Aberhunderte von jungen Menschen bezogen gerade diese vorgeschobenen Posten, um sie mit Einsatz ihres Lebens zu beschützen. Es ist ein wahrer MakkabäerkampS „von Wenigen gegen stürmende Scharen", von friedlichen Bauern und Arbeitern gegen Menschen, die von jeher, von Schwert und Flinte leben. Die Chaluzim und die Wächter, die Bauern und die Arbeiter, sie wissen alle, daß es ihre letzte Etappe ist, und keine andere übrig bliebe, wenn sie diese verließen. Es gibt kein Zurück! Es ist eben die Heimat, und da gibt es keine Wahl: Verteidigen bis zum letzten Tropfen Blut oder fallen. Selbst an den allergefährdetsten Stellen wie in Giwath Ada oder Ramath Hakowesch, wo es bei dem letzten Ueberfall gleich neun Tote und Dutzende Verwundete gab, hat kein Einziger bis jetzt seinen Platz verlassen, weder die Greise noch die jungen Ki nd e r, Und solange dem so ist, solange jüdische Arbeiter auch arabischen Nachbarn unter eigener Lebensgefahr zu Hilfe kommen gegen Araber, solange junge Männer und junge Mädchen mit der letzten Bitte sterben, ihren Tod nicht an Unschuldigen zu vergelten, solange wir all dies noch erleben, ist und bleibt der Jischuw fest verwurzelt im heiligen Boden, und ein starker Rabbi Samson Thenen b"^- Seinen Stammbaum führte er zurück bis zu dem Kabbalisten Schamschon Ostropolie h»i. der 1649 in den Wirren des Chmelnikisehen Aufstandes als Märtyrer fiel. Rabbi Schamschon Thenen ^"i trug mit Stolz den Namen des großen Ahnen, der sich in der Familie weiter erbte. Als Verfasser des Werkes vhvt\ vt> eines kritischen Kommentars zum nsn mv> wim ist er in jüdischen Geiehrtenkreisen weit bekannt geworden, ebenso durch seir. populär gehaltenes D'Mn jthö' ein Mussar-nao- Rabbi Schamschon, der auch zum Chassidismus neigte, stand den großen Dingen des öffentlichen Lebens durchaus nicht weltfremd gegenüber. So ver' folgte er, der gute Kenner des vsizm 7Pin s. Z. den Dreyfußprozeß in seinem ganzen Ablauf mit dem Scharfblick eines Juristen und sagte für den Ausgang eine Art Kompromiß voraus, was auch eintraf- Dem Zionismus, dessen Wellen damals hochgingeni stand er nicht mit jener Schroffheit gegenüber, die von vornherein jede Debatte darüber unmöglich macht. Reb Schamschon suchte wenigstens ein Verständnis für die Sache zu gewinnen, um zu einem objektiven Urteil zu gelangen. So kam es, daß öfters enragierte Zionisten sich in eine Diskussion mit dem Rabbi einließen, eben weil man seine Autorität und sein Urteil besonders respektierte. So hatte eines Tages ein befreundeter Zionist lange mit Rabbi Thenen debattiert über die wahre Größe und Bewertung der zionistischen Bewegung. Ihm schien es schier unbegreiflich, daß der Rabbi siqh hnmer noch all den vorgebrachten Argumenten verschloß und nicht mit vollen Segeln in die Organisation1;''einlief. Da sah Reb Schamschon seinen Freund mit ^ruhigem Blicke an und sagte Folgendes: „Lieber Freund! Nehmen Sie es mir nicht übel, wenn ich Ihnen Folgendes entgegne: Stadt und Land in Palästina.