Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 35 (1.9.1938)
- Date
- 1938-09-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Jäs§jp5!SjW?3p?*1 1. September 1938 c I i t Nr. 35 Seite 3 _ Zertifikat und Affidavi f ■' . " ' ^Fortsetzung von Seite 1.) \fche Arbeit, für dbn Arbeitskurs und das Arbeitstempo der *;Ägudain stanzen vor allem. Sol^hge die Palästinaauswanderung, von der Prosperität angezogen, nach „Erez" ging, war die Kpntrolle bei der Auswahl des Menschenelemehtes sehr schwierig. Unsere jungen Menschen sind auch in den Jahren des ,.Zertifikat" nach Erez Israel gegangen und haben, nach Maßgabe ihrer numerischen und unserer finanziellen Kraft, Hervorragendes geleistet, haben in den orthodoxen Kibbuzim wie in der Organisation der Poale Agudas Jisroel unter schwierigen Verhältnissen ein Bollwerk jüdischer Arbeit und jüdischer Gesinnung geschaffen, wie es nur tausendjährige Liebe zum Lahde im Blute vollbringen kann. Die erzieherische Wirkung, man darf sagen die Fernwirkung dieses Menschenkreises, der die Arbeit nicht minder schätzt als die besten Pioniere, aber auch die von G'tt gesetzte Grenze der Arbeit im Sabbat, in der Schmitta kennt, werden erst spätere Jahrznhnte ausweisen Aber die Ma.sse selbst der gesetzestreuen Auswanderer für diese letzten Ideale zu erfassen, in einer Zeit, da äußere Vorteile lockten, war nicht möglich. Heute, da die Masse — es ist nicht im schlechten Sinne gemeint — vom Affidavit aufgefangen ist, bleibt das Zertifikat nur einer Elite vorbehalten. Wer heute, da keine Prosperität lockt, dagegen Gefahren drohen und die Lage Opfer abverlangt, dennoch nach Erez Israel geht, gehört zu den Besten, zu. den Menschen, auf die Erez Israel zu seinem Aufbau als Land Israels allezeit gewartet hat. War früher die' Kontrolle erschwert, so müssen wir heute in jedem, der auf das Zertifikat wartet und mit diesem den Weg nach unserem Lande nimmt, einen Baumeister von höchster Qualität sehen, für den es Schwierigkeiten und Hemmungen nur gibt, um sie zu überwinden und zu überbrücken. Und zu unserer Freude und Genugtuung können wir feststellen, daß unsere orthodoxen Menschen gerade heute ein namhaftes Kontingent unter der so stark zusammengeschmolzenen Zahl der Palästinaanwärter bilden. Kaum gab und gibt es einen besseren Maßstab für die Eignung zum Erez Israel-Aufbau, als der Wille, heute dahin zu gehen. Die jetzt hinaufziehen, sind Menschen von Bau, von G'tt erkoren, das jüdische Haus in unserem Lande zu errichten. Heute wissen wir, wer zu uns gehört, und haben eine Chance in der Hand, die die Aguda und ihre Palästina-Zentrale auch auszunutzen wissen. Ist aber dem so, so lädt je der jüdische Jude größte Verantwortung auf sich, wenn er nicht endlich zu seinem Teile die Aguda und ihr Palästinainstitut in den Stand setzt, ihre ihr durch die neue Lag e erwachsenen Aufgaben voll z U;l|ö s e n. Allein nicht nur das etwas in den Hintergrund getretene Zertifikat stellt uns vor neue Aufgaben, sondern auch das neue Wort, das Affidavit. Mit dem Strome schwimmen, ist für Einzelmenschen nicht gerade Zeichen. starken Charakters. Organisationen müssen aber mit dem Strome schwimmen, um diesen in gesunde Bette zu lenken. Ist einrnal der Blick der jüdischen Massen heute Über den Ozean gerichtet, was bei den zu erhoffenden Auswirkungen der Konferenzen von Evian' und London sich noch steigern wird, so haben wir auch in der Orthodoxie einen Teil unserer Kra'ft darauf zu konzentrieren, Zellen und Inselrjjjpder Jüdischkeit in den neuen Äh's'i e d 1 u n g s 1 ä n d e r n zif errichten, wo die Einwanderer ihren Anschluß, ihren Halt finden, ihre seelische Haltung sichern können. Das Affidavit legt uns. die Pflicht auf, für „Anforderung" und „Bürgschaft" in anderem Sinne zu sorgen. Ob New York oder Rio de Janeiro oder Montevideo oder Sao Paulo, es muß überall ein gut jüdischer Kreis da sein, der die neuen Menschen, um den modernen Ausdruck zu gebrauchen, geistig anfordert, sie heranzieht, ihnen die Bürgschaft verschafft, ihr gut jüdisches Leben fortzusetzen und ihre Kinder in der neuen Heimat zu Juden ZU erziehen, H. A. Goodman sprach einmal davon, daß man so etwas wie Agudak o n s u 1 n überall einsetze, die sich um die agudistisch oder sonst jüdisch fühlenden Menschen kümmern. Auf den Namen kommt es nicht an. Irgend eine Stelle muß überall da sein, an die sich der Eingewanderte vertrauensvoll wendet, die ihm eine. Arbeitsstelle unter E i n h a 1 - Wochenrundschau- Expiosion in Jaffa. — Sperre für jüdische Tränen. — Der Epilog. — Warnung nach Amerika. Die Bombe, die am letzten Freitag auf dem | Markte zu Jaffa geplatzt ist und etwa dreißig Todesopfer und eine große Anzahl von Verwundeten gekostet, hat, reißt auch die Spuren auf, die zu den Urhebern dieser Massenmorde führen. Konnten bei den ähnlichen schaurigen Fällen in Haifa Araber für ihren auf Juden gelenkten Verdacht noch eine wankende Stütze in der Tatsache der gemischten Bevölkerung finden, so wird es keiner gehirnverbrannten Phantasie gelingen, Jemand glauben zu machen, daß sich im Zentrum der hundertprozentigen arabischen Stadt Jaffa, wohin sich seit zweieinhalb Jahren kein jüdischer Fuß verirrt hat, Juden mit Bomben um sich werfen. Hier liegt: offenbar ein Racheakt terroristischer Banden an friedlichen besonnenen Stammesgenossen vor, die nicht willig waren, ihre Kraft und ihren Geldbeute^'j^dem wilden Terror zur Verfügung zu stellen. i Wir beklagen aufrichtig die Toten von! Jaffa und sehen in der verdammenswerten Untat; einen reuen Beweis für die Auffassung derer, daß man auch anderswo ,mit solchen Massenmorden nicht leichtfertig den Gedanken an Juden verbinden darf. Innerhalb des weiten Reiches der jüdischen Tragik in Erez Israel gibt es auch kleine Leidensbezirke. SO etwas wie Saisonleiden. Der Monat E 11 u 1 bringt die Sorge um das Rahe 1.grab wieder an die Tagesordnung. Seit uralten Zeiten sammelt sich die Menge der. frcramen Beter in diesem Rüstungsmonat um das Grab der Mutter Rah'el. Schon voriges Jahr hatte man große Mühe, wenigstens für bestimmte Tage dieses Monats die heilige Stätte unter starker Polizeibewachung den Andächtigen freizugeben. Dieses Jähr bekam die Jerusalemer Zentrale der Agudas Jisroel auf die rechtzeitige Bitte um erhöhten Sicherheitsschutz für die Grabstätte von der Behörde die strikte lakonische Antwort: „In diesem Jahre wird es im Ellulmonat den Juden vollkommen verboter bleiben, das Grab Rahel bei Bethlehem zu besuche ü." Unsere Bitten,. Klagen und Anklagen bleiben unerhört, in Jerusalem sowohl wie in London unc! Genf. Eine Stätte haben wir im heiligen Lande, eine der ganz wenigen, die wir ganz unser eig;en nennen und wo wir uns bei Mutter Ra;hel ungestört ausweinen können. Das war selbst den Exulanten nach Babylonien nicht verwehrt. „Und eine Stimme aus Rama wurde hörbar, die Stimme Raheis, die um ihre Kinder weint . . ." Man kann sich vorstellen, welchen Schmerz es für die frommen Wi Schält tung'der Sabbat vermittelt, ihn bef ät, er sein Haus einrichtet und in welche _____ er seine Kinder schickt. Wif müssen schon h i ß:t in Fühlung . mit den auswandernden Familien treten und nicht zuletzt mit den großen Organisationen, die (unseren Wünschen grundsätzlich, aber bisher nur grundsätzlich, Verständnis gezeigt haben. In Europa wie in Amerika besitzen wir bereits solche Stellen. Sie heißen: Agudas Jisroel, religiöse Auswandererberatung", Berlin N 4, Johannisstraße 8; „Agudas Jisroel Worid Organisation", London N 16, 1 Queen Elizabeth Walk, und „Agudas Jisroel Immigration Departement New York", 2 West, 86th Street, Room 217. Das Nstz in den überseeischen Ländern muß aber ausgaweitet und ausgebaut werden, und es bedarf dazu der Hilfe aller, die mit uns der Meinung sind, daß, ob Zertifikat in . die Heimat oder Affidavit ins Galut weist — der Weg immer ein jüdischer Weg zu jüdischen Zielen bleiben muß. Kreise Palästinas bedeutet, nunmehr den Weg zur Mutter versperrt zu finden. Auch diejenigen Schichten, die auf die Kraft des Gebetes nicht im gleichen Maße bauen wie die Frommen, empfinden zutiefst die nationale Benachteiligung und Entrechtung, die diese Maßregel involviert. Gewiß, es geschieht nicht aus bösem Willen. Die Wege sind unsicher, Ueberraschungen sind überall zu erwarten. Die Terroristen haben es auf Plätze abgesehen, wo sich viele Menschen ansammeln. Es wäre doch aber eine vollkommene Bankrotterklärung der englischen Polizeimacht, wollte sie zugeben, daß sie dieser Widerstände nicht Herr werden könnte und nicht imstande sei, ihren Bürgern im Lande den nötigen Schutz zu bieten. Es hat sich ein großangelegter und vortrefflich organisierter jüdischer Sicherheitsschutz gebildet, und so wäre es ein leichtes, aus diesem Sicherheitsschutz eine kleine Schutzgarde zu rekrutieren, die den Ehrendienst gern übernehmen und vollkommen ausreichen würde. Wie . JPB. erfährt, hat die Aguda-Exekutive in L o n d o n nunmehr die Sache in die Hand genommen, und die Hoffnung ist nicht unberechtigt, daß es an höchster Stelle gelingen wird, uns wenigstens das Recht auf Tränen in Erez Israel zu sichern. R. B. im Jerusalemer „Hazofeh" übernimmt unsere Ausführungen über die letzten Orgelklänge (Siehe Nr. 29 des Israelit") fast wörtlich — ohne Quellenangabe natürlich. Aus Eigenem ist lediglich der folgende Schlußsatz: „Und bei alldem gibt es noch eine Dame in London — Lilli Montagu — die Geld und Einfluß und nur eine Sorge hat: Wie beglückt man Jerusalem mit einer Orgelsynagoge? Ob diese Dame aus Zürich und Worms etwas lernen wird?" Wir übernehmen die Schlußbemerkung und schließen uns der Frage an — m i t Quellenangabe. Dieser Tage erhielten viele Thorainstitute in Jerusalem Antwortschreiben auf ihre Gesuche nach Amerika, daß sie mit ihren Anliegen sich an Mrs. Henriette S z o 1 d wenden möchten. Diese neueste Adresse ist die Folge einer eifrigen Propaganda in Amerika, sämtliche amerikanischen Unterstützungsgelder für Palästina durch die Hände des Waad L e u m i fließen zu lassen. Dazu schreibt der „Hajessod": ,.Diese Maßnahme könnte zu ganz ungeahnten Konsequenzen führen. Das Verhalten des Waad Lcumi gegenüber der Stätten der Thora ist allbekannt. Die Männer an der Spitze dieser nationalen Körperschaft haben bei ihrer Einstellung zur Thora nicht das geringste Interesse, ihre Pflanzstätten zu erhalten. Man hat es oft tfenug erfahren müssen, welche Schwierigkeiten von dieser Seite allen Thorabestrebungen in den Weg gelegt werder. Wenn jetzt die einzige Quelle, aus der die Thoraanstalten genährt werden, durch diese wenig liebevolle Hand fließen soll, läßt sich leicht denken, welchem Schicksal die Lehrer und Jünger der Thoraschulen und die Insassen der Lehrhäuser in Jerusalem entgegengehen. Eine Konzentration und Zentralisation des Spendenwesens für Palästina ist nirgends so populär wie in Amerika. Man erhofft aus diesem Modus ThviM ttnhriiif nach wie vor hei GELLHORN, Steinweg 9