Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1938)
- Date
- 1938-08-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Nr. 34 Der Israelit 25. August 1938 ihm nähern. Dies ändert von außen gesehen, vielleicht nichts, aber der, der dies übt, erwartet auch keine Aenderung oder besser noch: er will sie nicht herbeizwingen. Entscheidend ist, wie intensiv Leid gespürt wird; und die richtige Haltung läßt Leid leicht ertragen. T'schuwa, ja! aber nur in dem Bewußtsein, daß über dem einzelnen das Volk G'ttes in seiner Gesamtheit steht, daß nur der thoratreu sich nennen darf, der mit dem Volke der Thora sich verbunden fühlt. Also.' nicht was ist dagegen zu tun, sondern was ist dafür zu tun. Und die Antwort: Dienst G'ttes in der Gemeinschaft derer, die gewillt sind, im Geiste der Thora im Volke G'ttes zu dienen. Denn die Thora in ihrer Gesamtheit, vom ersten bis zum letzten Wort, ist ja nur ein Mittel, um glaubhaftes Wissen über die Tatsächlichkeit dieser Führung durch G'tt zu bringen. Jeder von uns ist nur Jude durch Eingliederung der Diener am Werke G'ttes. In diesem Sinne haben wir das Golus zu bejahen, oder, mehr noch, zu erfüllen! Gegenüber der passiven Bekämpfung oder Negation des Golus durch organisierte Selbsthilfe ist dies die wahre und würdige Form einer sozusagen „aktiven Negation" des Golus, Mit vollem ganzem Herzen sollen wir ja zu G'ttes Schickungen sagen lernen! Die von einer kristallklaren Logik erfüllten, in ihrem erschütternden Ernst aufwühlenden Worte des verehrten Redners werden weiter wirken in allen denen, die Wert darauf legen, ein rechtes Wort zur rechten Stunde zu vernehmen. Dr. —ger. Ferienkolonie für erholungsbedürftige Kinder aus Deutschland in AUschwil. Basel, 23. August. Nun schließt die von der Agudas Jisroel-Jugend- und Mädchengruppe Basel organisierte Ferienkolonie nach fünf Wochen ihre Tore. Mit Freude und Genugtuung blicken wir auf dieses soziale Hilfswerk zurück und danken all denen herzlich, die so opferbereit dazu beigetragen haben, jüdischen Kindern und damit auch ihren Eltern diese Freude zu bereiten. Daß sich, die uns anvertrauten Kinder in unserem so ideal gelegenen Waldheim, bei dem herrlichen Wetter und nicht zuletzt dank der von bewährter Hand zubereiteten Kost prächtig erholt haben, gibt uns das Bewußtsein, der Sympathie, die unserem in echt jüdischem Sinne geführten Ferienheim begegnet ist, gerecht geworden zu sein. Wer sich die Mühe nahm, unserer Ferienkolonie einen Besuch abzustatten, glaubte sich mitten im Wald in die Märchenwelt versetzt. Und auch AUschwil hat die netten Kinder mit ihren niedlichen Schweizerkäppchen gerne gesehen. Mit roten Backen und voll froher Erinnerungen sind unsere Buben heimgekehrt. Uns aber wird das Gelingen unseres Werkes Ansporn sein zu weiterem Wirken im Dienste unserer Mitbrüder. —n. Kercn Hajischuw-Dircktorium iür CSR. in Bratislava. Unter dem Vorsitze des Obmannes, Herrn Heinrich Schwarz, haben im neuen Büro des K e r e n H a j i s eh u w - EM/r e k t o r ium s in Bratislava wichtige Beratungen stattgefunden. Herr Dr. Isaac Breuer, der für kurze Zeit nach Bratislava kam, berichtete über die Lage in Erez Israel im Allgemeinen und eber den Keren Hajischuw insbesondere. In einem fast einstündigen Referat, das gleichmäßig belehrend und erleuchtend wirkte, schilderte Dr. Breuer die Lage in Erez Israel, die stets zu Opfern bereite Poalim, die mit ganzer Hingabe ihrer Eigenpersönlichkeit mit wahrem M'siras Nefesch trotz aller Entbehrungen, denen sie ausgesetzt sind, in Erez Israel arbeiten, Er gedachte jener unserer Chaluzim, die sich in Poale Agudas Jisroel in flammender Begeisterung für den Aufbau des Landes scharen, um im Geiste der Toiroh Hakd zu wirken und zu werken. Unsere Freunde und Chawerim, die in der Agudas Jisroel organisiert sind, wollen vor den Augen der ganzen Welt den Beweis erbringen, daß dem Judentum bei freier Entfaltung seiner Kräfte, hohe, ethische und kulturelle Werte innewohnen, und daß der oft gehörte Vorwurf von der zersetzenden Kraft des Judentums unbegründet ist. Wir müssen durch den Keren Hajischuw die Gola zur Anerkennung dieser heroischen Tat unserer Poalim in Erez Hakd erziehen, um so auch den thoratreuen Teil der Gola zur opferfreudigen Tat für den Keren Hajischuw heranzuziehen. Er berichtete ferner über den Zweck seiner Europareise, denn es galt rasche Hilfe für Erez Jisroel und seinen Poalim zu holen. Die Arbeit des' Keren Hajischuw in der Schweiz, so auch *n Litauen sind in vollem Umfange im Gange. Im Laufe der Woche trat Herr Dr. Breuer seine Heimreise nach Erez Israel an, da dort seiner große Arbeiten und erfüllungsschwere Pflichten harren. Es wurde der Beschluß gefaßt, die Werbung von Freunden und Gönnern für den Keren Hajischuw in Form von Monatsbeiträgen zu beginnen. Diese Form wurde darum gewählt, um einerseits dem Keren Hajischuw eine sichere Einnahmequelle zu schaffen. Es wurde von der Durchführung einer Büchsenaktion für den Keren Hajischuw Abstand genommen, um so ein lebendiges Wirtschaftsinstrument zu schaffen. Diese Monatsbeiträge sind so gedacht, daß es auch dem kleinen Manne ermöglicht sein wird, seinen Beitrag für das große Aufbauwerk des Keren Hajischuw in Erez Israel zu leisten. In Anbetracht der schweren wirtschaftlichen Lage unserer Brüder in Erez Israel soll mit einer großen Kampagne für den Keren Hajischuw in der Slovakei eingesetzt werden. Die Vertreter der Jugend haben namens der von ihnen vertretenen Gruppen dem Keren Hajischuw-Direktorium die treue Gefolgschaft und rege Mitarbeit zugesagt. Personalien. Amtsjubiläum. Köln, 18. August. Am 1. September können Herr Direktor Dr. Leopold Rothschild Und seine Gattin, Frau Zippora, auf eine 25jährige Wirksamkeit am Isra elitischen Waisenhaus zu Dinslaken (Niederrhein) zurückblicken. Die Anstalt, die bereits eine über fünf Dezennien umspannende Geschichte aufweist und somit fast die Hälfte dieser Zeit unter Herrn Dr. Rothschilds Regie steht, gehört heute wohl zu den bestgeführten jüdischen Institutionen dieser Art, Trotz Kriegs-, Nachkriegs- und Inflationszeit gelang es immer wieder aufs Neue, das Unstete einer krisenhaften Umwelt vom Hause möglichst fernzuhalten, Was dem derzeitigen Direktor und seiner Gattin zum besonderen Lobe gereicht, das ist die Einzigartigkeit, wie für das streng im Religiös-traditionellen geführte Heim eine glückliche Synthese für ein familiäres, individuell gestaltetes und dabei doch denkbar diszipliniertes Leben gefunden wurde, eine Synthese, die sich ausnahmslos bei allen Zöglingen in dem Gefühl des Wohlgeborgenseins und eines restlosen Vertrauens auslöst. Als moderner Pädagoge hat der Jubilar stets darauf gesehen, dem Hause auch in architektonischer und sanitärer Hinsicht eine markante Linie zu geben. Ebenso wurde stets darauf Wert gelegt, daß die dem Dinslakener Waisenhaus anvertraute Jugend neben den vielen geistigen und religiösen Anregungen das Interesse für das Sportliche keineswegs vernachlässigt. Im Zuge der Zeit hatte sich nun in den letzten Jahren die Aufgabe der Anstalt infolge Aufnahme von Haushaltsschülerinnen beträchtlich erweitert. Der große Kreis der Zöglinge, der durch die Dr. Rothschild'sche Schule gegangen ist und z. T. führende Positionen im Leben einnimmt, wird sich heute mit besonderer Dankbarkeit seiner Dinslakener Zeit erinnern. Hz. Rabbiner Dr. Rosenak V'XT zum Gedächtnis. Bremen, 23. August. Am 3. Ellul sind fünfzehn Jahre vergangen, seitdem auf der Rückkehr von einer Amerikareise, die im Interesse der damals in Europa gestrandeten jüdischen Emigranten unternommen war, Rabbiner Dr. Leopold Rosenak S"r auf hoher See in die Ewigkeit abberufen wurde. Der Tag weckt über die Grenzen seines engeren Wirkungskreises der Israelitischen Gemeinde in Bremen hinaus die Erinnerung an eine rabbinische Persönlichkeit, die in den Jeschiwaus von Neutra und Preßburg geprägt wurde. Ein Meister des Wortes und der Feder, hat Rabbiner Dr, Rosenak für die Geltung des jüdischen Namens und die Verbreitung der Thora sich eingesetzt. In der Israelitischen Gemeinde Bremen wird deshalb sein Andenken unvergänglich sein. Sein Name gewann Weltruf durch seine umfassende Hilfstätigkeit, die er vielen Tausenden seiner aus dem Osten auswandernden Glaubensbrüder zuteil werden ließ. Was hätte ein solcher Mann, der zu den Mitbegründern des Hilfsvereins der Juden in Deutschland gehörte, unserer heutigen Zeit bedeuten können? Vorzeitig wurde er in die f^J>» niw> abberufen, weil er im Wirken für Hilfsbedürftige keine Rücksicht auf sich selber nahm. nsna^ p-n* ist Mirjam Stern n"3?- Sirct (Bukowina), 18. August. Die Trauertage des Aw, der Jahrzeitstag' unseres großen Lehrers Dr. Deutschländer s. A, sind vorbei, da drückt uns in der Bukowina neue, furchtbare Trauer nieder, trifft uns ein unersetzlicher Verlust! Am 18. Aw verschied hier nach mehrjährigem, schwerstem Leiden Frl. Mirjam Stern rvv> das einzige Kind ihrer allseits hochverehrten Eltern, Rabbi Josef Stern und Frau Rosa geb. Schreiber. Schon als Kind war sie so bedeutend, so geistvoll und klug, daß ihr berühmter und gelehrter Großvater, Rabbi Schlaumau Alexandri Schreiber s. A., (der Herausgeber der bp naio ann •>«rnnV welcher damals schon im Greisenalter stand, die Fragen der Vierjährigen niederschrieb. Sie war der Stolz des Beth Jacob-Seminars in Wien, die Lieblingsschülerin Dr. Deutschländers s. A„ der sie, wenn er verhindert war, am Seminar Tehillim mit den Erklärern vortragen ließ. Ihr Ruf war so groß, daß schon lange vor ihrem Examen viele Bukowiner Beth Jacob- Komitees die Wiener Seminarleitung baten, ihnen die blutjunge Lshrerin als Leiterin ihrer Schule zuzuteilen. In Suceava, dem schwersten Boden für die Beth Jacoberziehung, gründete sie die Beth Jacob- Schule, und sicherte durch ihre unvergleichlichen Fähigkeiten, ihre pädagogische Begabung, ihre Redekunst, vor allem aber durch ihren wunderbaren Charakter und ihre alle mitreißende Liebe zur Sache den Bestand und die musterhafte Ausgestaltung dieser Schule. Dann leitete sie zwei Jahre die Schule in Gura-Humora, wo die Krankheit sie ereilte, der sie nun nach 23Ajährigem Leiden erlegen ist. Wunderbar war ihr Geist, groß ihr lauterer, vornehmer, fester Charakter, am größten ihre Herzensgüte, ihre unendliche Hilfsbereitschaft. Ihr Leiden trug sie mit unendlicher Geduld, ihr einziger Schmerz war die Sorge um ihre Eltern. Zu ihrem Vater sagte sie tröstend: „Es ist doch G'ttes Fügung, warum grämst du dich so?" Ebenso schärfte sie allen Verwandten ein, der Mutter nach ihrem Heimgang tröstend zur Seite 2U sein. Mirjam Stern war das Glück ihrer Eltern, die Zierde der altehrwürdigen Familie Schreiber, der Liebling ihrer Landsleute und aller, die sie kannten. Die ganze jüdische Bukowina ist in tiefe Trauer gehüllt. n-asjJi Melanie Zimmermann B. J.-Lehrerin in Siret. * * * Rabbiner Wolf S, Jacobson, der Direktor der B. J.-Zentrale, welcher uns diesen Nachruf zuleitet, begleitet ihn mit folgendem Schreiben: Seit Jahren haben wir Menschen von Beth Jacob um dieses kostbare Leben gebangt, und nun hat Beth Jacob durch den Heimgang Mirjam Sterns n-y wiederum einen Menschen verloren, der trotz seiner Jugend für uns eine hohe Gewißheit bedeutete. Leo Deutschländer s, A, bezeichnete Mirjam Stern als die „Wunderblüte am Baume von Beth Jacob"( nannte sie die Schülerin, auf die er zwei Jahrzehnte gewartet, um von der Fülle ihres Geistes und dem Reichtum ihrer Seele, beflügelt aus seinem eigenen Geist, aus seiner eigenen Seele das Letzte herausholen zu können. Mirjam Stern war ein genialer Geist, das aber war Gnade, die ihr geworden war, war das Erbe ihrer großen Eltern und ihrer heiligen Ahnen, ihre unbeschreibliche Güte, ihre kaum faßbare Seelengröße, das war ihr Verdienst! Unvergessen lebt in meinem Herzen jene Stunde vor zwei Jahren in Wien, da sie zu mir sagte; „Ich bin schon ganz bereit, den Weg zu gehen, den G'tt mir bestimmt, aber meine geliebten Eltern, die sollen nur gesund und stark bleiben.'" Dieses Wort, das an die Akedo Isaaks, des Einzigen, gemahnt, ist mir so oft gegenwärtig, und so möchte ich es heute als Trost ihren Eltern schicken, unserm hochverehrten Freund, Rabbi Jossei Naftali Stern, und seiner gleichgestimmten Gattin, daß sie an der Größe ihrer Töchter erstarken und sich aufrichten. Daß sie wissen, daß uns Freunden allen ihr Kind in seiner Größe und in seiner Güte ewig unvergessen bleiben wird. Im onsio wm, der Einleitung zu den von ihm berausgegebenen "ibid ann msm schreibt der Vater von der Heimgegangenen, seinem einzigen Kind: npm tw3 aioii ernn Nun, da ihr Kind von ihnen gegangen ist, möge er mit seiner Gattin dieses Wort vor Augen haben; Ihre Mirjam hat nun das Gute ihres Lebens in die Hand genommen und" als die Gabe ihrer kurzen, aber so reichen Erdentage am g'ttlichen Throne niedergelegt/ Und durch die vielen, vielen Schülerinnen und Genossinnen, in die Mirjam Stern hineingepflanzt von dem unerschöpflichen Gut ihres Geistes und ihrer Seele, wird Mirjam Stern so stark und ewig ungestorben weiterleben, daß trotz Allem und Allem nicht versiegen wird der Quell und nicht verdorren der Baum! t W. S. J. Dr. Gedalia Unna ^"ST* Jerusalem, 21. August. In der misrachistischen Kolonie „Tirath Zwi" erlag einem Herzschlag Dr. Gedalia Unna, der Sohn des in Deutschland bekannten und allgeachteten früheren Mannheimer Rabbiner Dr. Isaak Unna. Dr. Gedalia Unna wurde von Jugend auf für den rabbinischen Beruf vorbereitet und absolvierte seine Studien, nachdem er unter Leitung seines Vaters sich ein tüchtiges talmudisches Wissen errungen hatte, am Berliner Rabbiner-Seminar. Von der Liebe zu Erez Israel getrieben, ging er nach Palästina, wo er sich erst als Lehrer betätigte und dann die geistige Leitung der Misrachiniederlassung in Rodges übernahm. Von dort siedelte er mit den ersten Chaluzim, die diese neue gesetzestreue Kolonie schufen, nach „Tirath Zwi" über. Ein Jugendführer par excellenee, hatte Dr. Unna kein anderes Streben, als die jungen Menschen, die sich um ihn gruppierter, zu minn "rnrw und zu V"isn t\tx\ heranzuziehen. Noch am Donnerstag abend leitete er eine Sitzung in der Kolonie und entwarf bedeutsame Pläne für . die Sicherung des Nachwuchses in der Niederlassung. Mitten in der Verhandlung wurde er von einem Unwohlsein befallen, das seine sofortige Ueberführung nach dem Krankenhaus in Afule bedingte. Dort hauchte er am Freitagvormittag seine reine Seele aus. Die Beisetzung fand am Sonntag in Jerusalem unter großer Beteiligung statt, Dr, Gedalia Unna reichte ein Alter von 30 Jahren. Die Teilnahme mit der auch in Palästina so hoch verehrten und beliebten Familie Unna ist allgemein und. äußert sich m den Nachrufen und Kundgebungen in den hebräische" Zeitungen in ergreifender Weisen'asan«