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Der Israelit · 1938-08-25 · Heft 34 (25.8.1938) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 34 (25.8.1938)
Date
1938-08-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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25. August 1938 Der Isfäilii Nr, 34 Seite 7 bigungen anführen. Ehegatten haben die bei der Eheschließung maßgebende Religion anzugeben. Israelitische Ehegatten müssen dazu die Religionsgemeinde mitteilen, der sie angehören. Dem Datum über den Eintritt in die Faschistische Partei ist von Parteimitgliedern die Mitgliedsnummer beizufügen. Kriegs- und andere Verdienste sind ebenfalls anzugeben. Zur Zeit des Stichtages abwesende Mitglieder werden bei den Familien erfaßt unter Angabe des derzeitigen Aufenthaltsortes und des Grundes der Abwesenheit. Nichtausfüllung des Fragebogens oder wissentlich falsche Angaben werden bestraft. Jetzt schon weiß aber die in Ferrara erscheinende Zeitung „Corriere Padano" folgende statistische Angaben über die Berufsgliederung der Juden in Italien zu machen, Danach sind von rund 48 000 Juden in Italien 15 000 (31,4 Proz.) Kaufleute und Handeltreibende, 11 000 {23,1 Proz.) Angestellte und Beamte, 4724 (9,9 Proz.) Angehörige freier Berufe und 4170 (8,7 Proz.) von unbekanntem Beruf. Dagegen sind nur 2460 (5,1 Proz.) Handarbeiter, 731 (1,5 Proz.) Gewerbetreibende, 327 (0,7 Proz.) in der Landwirtschaft Tätige, 246 (0,5 Proz.) Offiziere und 87 (0,2 Proz.) Soldaten. Eine Statistik aus Mailand. Mailand, 18. August. In Mailand haben sich seit Mitte März ds. Js. bis zum Ende des vergangenen Monats insgesamt 1572 Juden bei der Polizeibehörde gemeldet. Vom 12. März bis Ende März meldeten sich 135 österreichische, 80 deutsche und 39 polnische Juden, insgesamt 254. Die entsprechenden Zahlen für die folgenden Monate sind: im April 59, 159 und 50, zusammen 268; im Mai 56, 85 und 110, zusammen 251 im Juni 121, 118 und 103, zusammen 342; im Juli 209, 140 und 108, zusammen 457. England. Der Rundiunkbericht des Kolonienministers über seinen Palästinabesuch. London, 18. August. Die Rede, die der Kolonienminister MacDonald nach der Rückkehr von seiner kurzen Palästinareise im Londoner Rundfunk hielt und über die wir be reits berichtet haben, lautet in ihren wesentlichen Teilen folgendermaßen: „Sieht man auf den Landstraßen den arabischen Bauern auf seinem kleinen Esel reiten, so würde man denken, daß kein Land friedlicher ist. In Jerusalem sammeln sich fromme Juden in den Straßen, um einen ihrer Fasttage zu begehen, so als ob tausend Meilen um sie herum keine Gefahr bestünde. Aber bewaffnete Soldaten und Polizisten patrouillieren durch di< Straßen. In Stadt und Land ist' jeder Omnibus mit dicken Eisenriegeln quer über die Fenster geschützt, um seine Fahrgäste vor Bomben zu bewahren. Unter dem Mandat hat eine große Masse j üdischer Einwanderer sich in Palästina angesiedelt, um dort ihr Nationalheim zu finden. Dieses friedliche Eindringen hat die Araber alarmiert, und viele von ihnen werden in ihren Anstrengungen dagegen nicht im geringsten nachlassen. Die dritte Partei, die in den Stteiv. verwickelt ist, ist Großbritannien, die Mandatsmacht, die dort unter der Autorität des Völkerbundes wirkt, gebunden durch eine feierliche Verpflichtung, die Errichtung des Jüdischen Nationalheims zu erleichtern, wobei die Rechte und die Lage der arabischen Einwohner des Landes gewahrt werden sollen. Unter unseren mannigfachen Verantwortlichkeiten haben wir keine delikatere Aufgabe als die Verwaltung dieses kleinen Landes, das einige der Heiligen Stätten der Christen, der Juden und der Mohammedaner zugleich in sich birgt. Zur Lösung des Problems des scharfen Zusammenpralls zwischen Arabern, "die seit vielen Generationen in Palästina leben, und Juden, die aus ihrer Verbannung in das Land zurückkehren, das vor Jahrhunderten ihre Heimat war, hat kürzlich die Königliche Kommission ein drastisches Heilmittel empfohlen — Teilung des Landes in getrennte jüdische und arabische Staaten mit einem britischen Korridor zwischen beiden. Unsere Regierung hat diese Politik als die beste und hoffnungsvollste Lösung angenommen. Endgültige Entscheidungen können jedoch nicht getroffen werden, bevor nicht die Technische Kommission, die zur Zeit die Einzelhelten dieser Teilung untersucht, ihre Arbeiten beendet hat, was noch mehrere Wochen in Anspruch nehmen wird. Danach muß mit der geringstmöglichen Verzögerung entschieden werden. In der Zwischenzeit haben die Behöiden die schwere Aufgabe, die Ordnung wiederherzustellen;. Ich ging nach Jerusalem, um mit dem High Com- JJiissioner und mit General Haining, der die britischen Truppen kommandiert, die gegenwärtige Lage und besonders die Frage der Sicherheit zu erörtern. Diese beiden Menschen sehen sieh einer Aufgabe gegenüber, die so schwierig ist, wie irgendeine, die seit dem Kriege in irgendeinem Lande britischen Behörden oblag; ihre Zusammenarbeit flößt Vertrauen ein. In einem Lande jedoch, in dem manche Teile _ schwer zugänglich sind, wo eine so furchtbare Fehdi sich erhoben hat, wird ihre Aufgabe nicht rasch erfüllt werden. Möglicher w e i s e kann nicht vollständig gelöst werden, bevo die Politik endgültig festgelegt un wirksam geworden ist. Die britische Regierung wird ihre Vertrauensaufgabe ausführen auf der Grundlage von Gerech t i g k e i t zwischen den Juden, die schließlich und endlich ihr Nationalheim erbauen,' und den Arabern, deren Anspruch auf das Land ihrer Geburt nicht bestritten werden kann. Manchmal erscheint dii Kraft des Menschen zur Versöhnung und Schöpfung gering. Es scheint, daß sie leicht überwältigt werden kann durch die Mächte der Gewalt und des Hasses, die ebenso leicht zu entfesseln sind. Aber es gibt einen Geist, der über Palästina webt, und mit G'ttes Hilfe wird im Heiligen Lande der Friede wieder hergestellt werden." (Siehe Wochenrundschau Nr. 33.) Litauen. Eine Erklärung der litauischen Regierung. K o w n o , 18. August Die litauische Regierung hat eine Erklärung abge geben, in der sie von dem jüngsten antisemitischen Artikel, der im Regierungsorgan erschienen war, und die Absonderung der Juden in den litauischen Bade orten verlangt, entschieden abrückt. Die litauisch' Regierung lege den größten Wert darauf, daß die Beziehungen zwischen Juden und Litauern freund liehe blieben. Die in dem Artikel erwähnten For derungen bringen nur die Ansichten einzelner oder kleiner Gruppen zum Ausdruck und es darf ihnen kein zu großer Wert beigelegt werden. Portugal Portugal und die jüdische Einwanderung. Lissabon, 17. August. Die portugiesische Regierung hat ein Communiqu< veröffentlicht, wonach sie sich jeder Massen einwanderung widersetzt. Es könnten nur individuelle Fälle von Einwanderung zugelassen wer den nach sorgfältiger Prüfung jedes einzelnen Falles. Kein Flüchtling, welcher Nationalität auch immer, könne sich in den portugiesischen Kolonien (Angola) niederlassen, ohne zuerst die gesetzlichen Erfordernisse zu erfüllen und ohne zu beweisen, daß er bedeutende finanzielle Mittel zur Verfügung habe. Die Regierung hat sich allen Versuchen ver schiedener Auswanderungsko m i tees gegenüber ablehnend verhalten und deshalb auch keinen Vertreter zur Evian-Konferenz entsandt, weil sie die Aufnahmefähigkeit Portugals für Flüchtlinge als erschöpft betrachte. Dementsprechend hat das portugiesische Komitee für jüdische Flüchtlinge eine Warnung veröffentlicht, nach Portugal zu kommen ohne zuerst mit dem loka len Komitee in Verbindung getreten zu sein. Auf der anderen Seite veröffentlicht das führende katholische Blatt Lissabons einen projüdischen A tikel. Aus der Agudas Jisroel-Bewegung. Vortrag in der Breslauer Agudas Jisroel. Am Montag, den 8. August, hielt Herr Rabbiner Dr. Breslauer, Fürth, im hiesigen Agudä-Ortsverband einen Vortrag, der „Schicksalsfragen des Judentums" betitelt war. Es seien hier die hauptsächlichsten Gedanken des Referates wiedergegeben. Der Redner betonte eingangs, er werde nichts grundsätzlich Neues sagen, aber dafür Dinge, die leider oft vergessen würden, Wahrheiten, die man nicht immer dann zur Verfügung hat, wenn man sie dringend braucht. Zwei Fragen sind es heute, die das Denken jedes Juden in Deutschland beherrschen, die den Grundton .eder Unterhaltung geben. Die erste Frage lautet: Was geht mit Uns vor? Warum geht es uns so? und wohin führt das alles? Ein Wirbel wandert über die Erde, jetzt hat er uns erfaßt, wohin wird er nächstens wandern? Die zweite' Frage lautet: Was kann man dagegen tun? Diese Frage ist die wichtigere, die erste mehr theoretischer Natur. Der Grundfehler ist der falsche Ton, der in der Frage mitschwingt, der Ton der Resignation, mehr noch, der Ratlosigkeit, der Verzweiflung. Wir fühlen uns verlassen. Die oberflächliche Reaktion darauf ist diese: wir versuchen durch Mittel der Vernunft unser Schicksal, wie man zu sagen pflegt, selbst „in die Hand zu nehmen", es zu „meistern". Unsere Antwort also, die wir auf das Schicksal geben, ist Selbsthilfe durch Zusammenschluß, durch Charitas, durch Organisation. Es ist eine rationalistische Selbsthilfe; dieses aus der Ratio geborene Wollen hat schon einmal in der jüdischen Geschichte eine verhängnisvolle Rolle gespielt, damals, als das Volk der Führung durch Moses überdrüssig geworden war, eigenmächtig sich einen neuen Führer zu wählen drohte und unter seiner Leitung nach Aegypten zurückkehren wollte, um ein Volk wie alle anderen Völker zu sein und der Außerordentlichkeit jüdischen Seins zu entrinnen. Diese Eigenmächtigkeit ist uns damals schlecht bekommen. Der resignierte Ton der Frage ist leicht abzutun: wir sind nicht verlassen! Wir wissen, daß wir nicht verlassen sind! Wir können nie verlassen sein! Die Tatsache, daß wir bei allem, was im Laufe der Jahrtausende über uns hinweggegangen ist, trotz unserer Kleinheit, nie verloren gegangen sind, zeigt sichtbar, daß eine höhere Macht uns mit besonderem Willen und zur Erfüllung besonderer Aufgaben in der Menschheit leitet. Die Tatsache, daß wir trotz unserer Schwäche nicht zu Grunde gehen können — auch wenn wir es manchmal möchten, damit alles Leid zu Ende sei —, diese erschütternde und erstaunliche Tatsache ist ja die Ursache unseres Lei-, dens. Resignation ist nicht am Platze; die oberflächliche und seichte Reaktion auf das Schicksal, der Versuch, es durch organisierte Charitas zu „meistern", ist es eben so wenig. Die Frage aber bleibt in voller Schärfe. Nun können wir statt des mehr theoretischen Weges den empirischen Weg gehen, der uns Antwort gibt auf die Frage: Was können wir tun? oder besser; was können wir dagegen tun? Auch diese Fragestellung in dieser Art ist gefährlich und überdies falsch. Es setzt doch voraus, daß es sich bei unserem Schicksal um blindes Geschehen, um Zufall also, handelt. Und hier sucht man nun zu helfen, zu heifen durch Erfassung des Einzelnen in großen Verbänden, um die Leistungsfähigkeit dieser Verbände durch Massierung der Kräfte zu steigern und so wiederum besser helfen zu können. Auch der thoratreue Jude wird, ob er will oder nicht, unwiderstehlich hereingezogen in diese Apparatur der Hilfstätigkeit, die jetzt schon Selbstzweck geworden ist und mehr und mehr geradezu Weltanschauung und Ausdruck jüdischen Wollens und Denkens überhaupt zu sein beansprucht. Hier liegt eine eminente Gefahr für die jüdische Seele! Denn: wo der einzelne sein Brot findet, dort wird er auch, allmählich, seine Ueberzeugung finden. Dieser Weg ist gefährlich und falsch dazu, denn die Dinge sehen nur nach Zufall aus. Es gibt nun noch eine andere Möglichkeit der Reaktion auf das Leid, das den Einzelnen trifft; es ist dies die Anwendung „religiöser" Mittel zur Abhilfe. „Frömmer werden" wird hier die Parole lauten! Auch dieser Weg birgt Gefahren in sich, die es zu erkennen gilt, um dagegen gewappnet zu sein. Diesen Weg gehen, heißt nichts anderes als religiöse Mittel anwenden, um das Golus zu beseitigen. Auch hier ist die Grundhaltung nicht richtig. Und noch etwas anderes an diesem Wege ist gefährlich: Leid spüren kann nur das Individuum, nicht die Masse. Der Einzelne aber wird, um dem Leid zu entgehen, erster Linie für seine Person Abhilfe in der T'schuwa suchen. Die Folge ist für die jüdische Gesamtheit auflösend, destruktiv, atomisierend. Diese Gefahr einer Atomisierung ist nicht minder beachtlich als die der Massierung durch Organisation. Dieser Weg der Vereinzelung ist gefährlich und mangelhaft, weil er davon ausgeht, die Schickung des Golus zu nichte machen zu wollen und weil er den einzelnen in der jüdischen Gesamtheit zu isolieren geeignet ist. Die würdige Einstellung zur Golusschickung kann nur die sein: es ist unsere Bestimmung, unfer die Völker uns zu verlieren, aber dennoch sind wir nie und nirgends verloren, und es ist unsere Pflicht, immer und überall zu unserer Sendung zu halten. Wir sind nicht nur durch Jahrtausende Sträflinge G'ttes, sondern vielmehr seine Zöglinge/ In Jecheskel (20, 33) heißt es: „Chaj-oni, n'um Haschern Elokim, im-lau b'jod chasokoh u wisraua tuioh u'w-chemo schfuchoh emlauch aleichem!" Es heißt hier emlauch aleichem, also: als Euer König werde ich walten! Ein König herrscht nicht über Sträflinge, sondern über sein Volk, sein dienendes Volk. Golus ist so nicht nur Strafe, sondern Dienst und Bemühung im Dienste G'ttes. Jetzt erst zeigt sich klar, wie unsere Frage gestellt werden muß. Nicht, was kann ich dagegen tun, muß sie lauten, sondern w i e kann ich im Golus meine Pflicht G'tt gegenüber erfüllen. Die Antwort kann nur die sein: wir haben G'tt zu dienen und dies können und sollen wir nicht tun in Vereinzelung, sondern in dor Gemeinschaft der Thoratreuen, der Jereim. Eine Gemeinschaft von Menschen, die T'schuwa tun wollen. ann bedingt sein. Die Gemeinschaft der Dienenden an G'ttes Werk ist unbedingt. Das Drückende des Golus richtig zu bekämpfen, ist nur dann möglich, wenn man zu unterscheiden versteht zwischen der eigentlichen Ursache des Uebels und seinen Symptomen. Gegen Symptome des Golus helfen Affidavits und Landing-Permits, gegen Je tiefere Ursache gibt es nur Heilung in dem Bewußtsein, daß über dem scheinbaren Zufall G'ttes leitende Hand steht und daß es gilt, G'tt zu dienen. So wird sich auch das Leid im Fühlen des Einzelnen, lindern lassen, wenn wir uns vor Augen führen, daß 'tt uns Sein Antlitz verhüllt, so daß wir Ihn nicht sehen können, obwohl Er uns sieht. (Wir nennen dies Hastorath Ponim). So wollen wir uns in D'weikus

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