Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 34 (25.8.1938)
- Date
- 1938-08-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2451012-2451045--83916-2541950- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 4 Nr. 34 Der Israelit K ER EN H AT O R A H steht im Dienste unserer Jugend! Talmud Tora-Schulen - für unsere Jugend! Religionsunterricht in lehferlosen Gemeinden - für unsere Jugend! Keren Hatorgh-Heime - für. unsere Jugend! v Subventionierung des Jeschiwa-Besuches - für unsere Jugend! Landesdirektorium' d e~s Keren Ha.torah, Hamburg, Postscheckkonto: Hamburg 24753. ,,Jene, die bereits in der glücklichen Lage sind, das Ziel ihrer Wanderung zu kennen und aus eigener Kraft zu erreichen, mögen nun an die Unzähligen denken, die bis zu ihrer Ausreise in banger Erwartung leben, an all diejenigen, die nicht mehr in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Mehr als 15 00Q Juden müssen täglich von der Kultusgemeinde ausgespeist werden; viele Tausende erhalten von ihr die nötigen Mittel, um sich bis zum Zeitpunkt ihrer Auswanderung ein Obdach zu sichern. Rund 5000 Juden konnten mit Hilfe der Kultusgemeinde alle Schwierigkeiten überwinden und ihre Wanderung antreten. Jeder, der von uns scheidet, möge an die noch hier verbleibenden Schicksalsgenossen denken. Bei der Auflösung des bisherigen Besitzes werden viel*; Wanderer die Möglichkeit haben, einen Teil jener Worte, die für den Aufbau einer neuen Existenz nicht in Betracht Icommen, zur Unterstützung ihrer notleidenden Brüder zu ^verwenden, um auch ihnen eine Auswanderungsmöglichkeit zu schaffen." Jeder Jude, der unter günstigeren Verhältnissen zum Wandefstabe greift oder sich bereits ir» gendwo eingeordnet hat, möge sich von diesen Worten zur Pflichterfüllung gegen seine Muttergemeinde und seine früheren Gemeindebrüder angerufen fühlen. Der Aufruf des Sicherheitsschutzes in Palästina hat, wie berichtet wird, ein über alles Erwarten erfreuliches Echo gefunden. Schon in den ersten zwei Tagen gingen die Anmeldungen in die Tausende. Es meldeten sich nicht nur erwachsene junge Leute, sondern auch Jungen und Mädels im Alter von 15 bis 16 Jahren, die aber zum großen Teile wegen ihres unreifen Alters abgewiesen werden mußten. Unzählige Arbeiter und Beamten stellten ihre Urlaubszeit dem Schutz des Jischuw zur Verfügung. Die Wirkung zeigt sich jetzt schon, indem die übermüdeten Wächter in den Kolonien von frischen jungen Menschen abgelöst werden konnten und andere Kräfte für die Arbeit im Felde frei geworden sind. Daß auf arabischer Seite diese „jüdische Mobilisation" große Aufregung hervorrufen würde, war zu erwarten. In Protest- und örtlichen Streikversammlungen verlangen sie „die Entwaffnung der jüdischen Angreifer". Hält die merklich eingetretene Besserung der Lage an, so wird man jene Proteste hinnehmen können. Die besonnenen Elemente im Arabertum werden bald einseheni daß die erhöhten jüdischen Schutzmaßnahmen nicht minder auch ihnen, den Arabern, zugute kommen. Das einzige, was uns an der Sache nicht gefällt, ist der Name ova (Mobilisation), unter dem in der hebräischen Presse die Aktion propagiert wird. Sol! das Ganze dem Schutz und der berechtigten und notwendigen Abwehr dienen, so unterlasse man alle starken Worte und militärischen Gesten. Eine gerechte Sache trägt ihre Werbekraft in sich und bedarf der starken Anregungsmittel nicht. „Und so ist Abba der E i n z i g" e unter dreihundert Menschen, der nach dem Essen — benscht." Mit diesen Worten schließt die Schilderung eines K i b b u z in Palästina in dem führenden zionistischen Blatte Deutsehlands. Kein Vorwurf, keine Kritik, kein Wort des Bedauerns, kein Staunen, eine Feststellung nur. daß es in einem Kibbttz von dreihundert Juden nw einen gibt, der benscht.- Und dieser fällt aul, er ist ein Typ, ein Original. Im zweiten Abschnitte des Tischgebetes danken wir G'tt für „das liebliche, gute und geräumige Land, das Er unseren Vätern vererbt." Dieser Gebetsabschnitt beurkundet mit vielen anderen unser Recht auf das geräumige, d. h. ungeteilte Land. Und unter dreihundert Menschen fällt einer auf, der sich auf diese Urkunde beruft ... Wenn man auswandern will. Ein Treffpunkt in New York, In amerikanischen und Warschauer Zeitungen wird der Gemeinsinn jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland in Amerika lobend hervorgehoben. Aus hunderten von Städten, Städtchen und Dörfern zusammengewürfelt, finden sie in New York ihr Gemeinsames, sei es in dem Viertel, in dem sie wohnen, in der Schule, in die sie ihre Kinder schicken und am meisten in der „Schul", wo sie sich zum Gebete versammeln. Von den drei kleinen Synagogen, die von Juden aus Deutschland gegründet wurden oder besucht werden, sind zwei nach streng orthodoxem Ritus gehalten, und gerade diese sind tagtäglich und erst recht an Sabbat und Feiertagen bis auf den letzten Platz voll besetzt. Der Berichterstatter fand an einem Freitagabend in der einen dieser zwei Synagogen sogar die Frauenschul angefüllt von betenden Frauen und Mädchen, Er hörte am Sabbatmorgen, wie die Neuankömmlinge alle ,,Gomel benschten" und mit welcher Andacht und Begeisterung sie alle den Gebeten folgten. Die hier beschriebene Schul wurde vor drei Jahren'von 17 Flüchtlingen gegründet. Einer der Begründer, ein früherer Großindustrieller aus Nürnberg, ist heute noch ihr erster Vorsteher. Ein anderer jüngerer Herr aus Frankfurt versieht ehrenamtlich den Vorbetefdienst und hält gelegentlich religiöse Vorträge. Beide Herren ^sind darauf bedacht, ihre Gemeinde zu einer geistigen Zufluchtsstätte für alle thoratreuen Landsleute auszubauen. Zu Anfang hielt die kleine Gemeinde ihre G'ttesdieriste in einem Lokale ab, für das sie 45 Dollar monatliche Miete zu zahlen hatte. Als sich die Beterzahl vergrößerte, mietete man einen großen Saal für 85 Dollar monatlich. Der monatliche Mietspreis des jetzigen Bethauses beträgt 100 Dollar, aber die 400 Plätze sind jetzt schon am Sabbat vollb - setzt. Im Ganzen hat die Synagoge noch außerdem Ausgaben von 50 Dollar, also insgesamt 150 Dollar im Monat, die die bis jetzt eingeschriebenen 310 Mitglieder in Form von kleinen Beiträgen (50 Cent per Monat) aufbringen. Zu den hohen Feiertagen wird der Betrag erhöht. Außerdem kommen noch Stiftungen und Spenden hinzu. Es ist auch schon ein Platz angekauft für einen kleinen eigenen Friedhof. An Männern in der kleinen Gemeinde, die sich nach heimischen Traditionen in der C h e w r a zur Leistung der letzten Liebestaten hergeben, fehlt es natürlich nicht. Sieht und hört man sich das alles an, so drängt sich doch einem'immer wieder jene tröstliche Gewißheit auf: „Wohin der Jude auch wandert, .die Schechina wandert mit ihm . . Die Synagoge ist geöffnet für jeden, doch darf keiner ans Vorbeterpult treten und wird keiner zur. Thora aufgerufen, der nicht nachgexviesenermaßen den Sabbat streng halt. Es ist wohl die einzige Synagoge in New York und in Amerika, die diese Vorschrift hat und streng durchführt, wie der Berichterstatter überhaupt noch keine Schul in Amerika gesehen hat. Der Psalm 27. Zum Ellulbeginn, I. Ein Lieht geht dem königlichen Sänger auf, ein Heil erblüht ihm. Aus Licht und Heil formt er ewigschöne Worte, die den meisten Gemeinden als Schlußgebet für die „heiligen Tage" (in vielen Gemeinden bis zum ietzten Sukkaustage) angemessen erscheinen.' Midrasch erklärt: ms, „mein Licht" — am Roschhaschana, und ">vvr>> „mein Heil" — am J o m k i p p u r, H3D3 'aasx' '3, die Schutzhütte in Vers 5 weise aber auf das Sukk ausfest hin, so daß sich die ganze Skala der mit Ellul beginnenden und mit Simchathora ausklingenden ernsten und freudigen Tage in diesem Psalm widerspiegelt. Es gleicht einem Wanderer durch tiefe finstere Nacht, sagen die Midraschweisen, der ebenso die Steine und Dornen des Anstoßes wie die wilden Tiere und die Abirrung vom richtigen Wege fürchtet. Da findet er ein Kerzenlicht, das ihn vor Anstoß schützt. Mählich "tagt ein M o r g e n heran und die wilden Tiere ziehe« sieh in ihre Schlupfhöhlen zurück. Endlich steht er.vor einem Wegweiser, der ihn bei hellem Tageslichte auf den richtigen Weg zum Ziele weist. Mit der Ellulrüstung geht uns erst ein schwache? Lichtlein auf, aber mit Roschhasehana leuchtet uns voller Tag heran. Wohin aber führt der Weg? Jomkippur ist der Wegweiser. B"Drr>2 'yp'i noa 'TiR Was kann bei soviel Vertrauen und Lebenszuversicht uns auf dem jüdischen Wege — nach welchen Kontinenten er auch führt — noch schrecken, von diesem abirren lassen? Nicht vermögen die in Scharen sich häufenden Widerstände mein Herz bange zu machen, noch der harte Lebenskampf mein Vertrauen zu erschüttern. rnj« nit mia "ui;unn nann dk. Sagen wir, daß wir auf r-iwr vertrauen, so ist es naheliegend, daß wir über Wortsinn und Zusammenhang hinaus an all das denken, was sich für uns an das Wörtchen r-»«r knüpft. "Wn 'nana nst „D i e s" (Thora und G'ttvertrauen) mein einziger Trost in meiner Pein (Psalm 119)." *'m« p bv »ai» b& a'twt mi'. „Dies" nehme ich mir zu Herzen, darum kann ich ausharren" (Klagelieder). Wie Kinder beim Anblick ihres Kostbarsten jubeln wir der offenen Thorarolle entgegen: mwn nsn „Dieses" die Thora.1" r-iKu. „mit diesem" tritt Ahron ins Heiligtum." Denn wir wissen, daß n 8 T n rninn Hvi? Mb px' daß uns von allem „nur „dieses", die Thora, übriggeblieben ist." Was auch von den Dingen, die der Psalm in den Vorsätzen aufzählt, über uns kommen mag 'is r-mta non auf das uns so vertraute r-mi dürfen wir bauen. II. "lÄVPpas aWR 'n nsn mbxp nnn. Der Wortsinn dieses Satzes ist klar. Des Sängers Sehnsüchte.und Wünsche konzentrieren sich auf den einen Punkt, der Liebe G'ttes teilhaftig zu werden und in Seinem Tempel zu weilen. Auffällig in der Konstruktion des Satzes ist, daß er mit der Vergangenheitsform beginnt bnWv) und dann unvermittelt und scheinbar grundlos zur Zukunftsform übergeht. (»?ax). Eine Erklärung des Chofez Chajim behält noch dann ihren tiefen Gedankengehalt, wenn sie auch mit Deutungen der Sprachwissenschaft sich nicht decken sollte, Sie lautet; Es ist erklärlich, daß die Empfindungen, Gedanken und Gefühle der Menschen je nach Stand, Alter und Beruf grundverschieden sind. Kann ein Hirtenjunge im Felde von den gleichen Wünschen und Empfindungen beseelt sein wie der König auf dem Throne? In einem aber, so sagt hier der königliche Dichter, bleibt unsere Einstellung die gleiche, in unserem Verhältnis zu unserem G'tte nämlich irbHV JinK, WäS ich mir dermaleinst im Aufblick zum blauen Himmel und zu den Sternen und zu dem, der über den Sternen thront, als Hirtenjunge gedacht und gewünscht habe, all die Empfindungen, die damals meine kleine Seele ausfüllten cpa« nms, es sind die gleichen Gefühle und Wünsche, die mich jetzt a i s König eines Volkes erfüllen: Daß ich in 'der Nähe G'ttes weile und bleibe, in der Sphäre seir.es Lichtes all die Kraft gewinne, die ich für meine hohe Mission benötige. Auf welchen Posten . der Merisch im Leben auch gestellt ist, die Kraft zur Ausfüllung seiner Mission bezieht er stets, in jedem Alter und in jeder Lebenslage, aus .der gleichen zentralen Stelle: iVa'M' "ipiVi "t irtaa' rmnV