Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1938)
- Date
- 1938-08-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2451012-2451044--83906-2541939- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
18. August 1938 Der Israelit Nr. 33 Seite 7 Anerkennung findet. Frl. Michels, als Dozentin jles Semiaars, richtete sowohl in ihrem .als im Namen 1 jhrer Kollegin Frl, Wechslet* Worte der Ermahnung an die Schülerinnen, stets in ehrlichem Eifer und sittlichem Ernst der großen Begründer der Beth Jakob-Iidee, Frau Sarah Schenirer s. A. und Direktor Samuel^ Deutschender V'xr eingedenk zu sein. — Vorträge und Darbietungen von Schülerinnen schlössen sich an. Namens, der Leitung dankte Herr Sekretär M. Spitzer den Erschienenen für das große Interesse, und sprach der Leitung der Anstalt für ihre ersprießliche Tätigkeit bei der ■ Beratung und Festlegung des Lehrplanes, wie auch den Dozentinnen, namens der Eltern und der erschienenen Gäste den aufrichtig gefühlten Dank aus. Ungarn. Vom Beten in den Eisenbahnen, Budapest, 10. Aug. „Tarsadalmuk" und „Egyenlöseg" verzeichnen eine vertrauliche Anweisung der Direktion der ungarischen Slaatseisenbahn, die besagt, daß jüdischen Passagieren, die ,,in Uebereinstimmung mit den jüdischen orthodoxen Riten in der Eisenbahn ihre Gebete verrichten und dadurch die anderen Passagiere stören ', sofort die Fortsetzung ihrer Reise unter sagt werden: müsse. Die Blätter drücken die Hoff imng aus,, daß die Regierung, sobald sie von dieser Verordnung erfährt, dieselbe widerrufen wird. Polen. Unrituelle Verpflegung jüdischer Kinder, Warschau, 14. Aug. In einer jüdischen Sommerkolonie, die durch den Verein „Toss" ausgehalten wird, erhalten, wie . man jetzt erfährt, über 300 Kinder unrituelles Fleisch. Als die Gerüchte sich bestätigten, entstand größte Aufregung hier und in allen jüdischen Gemeinden. Die Erregung ist um so größer undt berechtigter, als der Kolonie ein spezielles Kontingent von Koscherfleisch von 25 kg per Tag zugebilligt wurde. Freilich stellt sich das unrituelle Fleisch etwas billiger. Die Kinder sowohl wie die aufgebrachten Gelder kommen zum größten Teile aus frommen Familien. Italien. Die Zahl der Juden in Italien. Rom, 9. Aug. Wiederholt wurde die Zahl der Juden in Italien mit 44 000 ausgeben. Die „Tribuna" weist in einem Leitartikel nach, daß diese Zahl zu niedrig angesetzt sei. Man hielt sich bei obiger Angabe an die Ziffern der amtlichen Bevölkerungszählung von 1931, die 47 825 Personen israelitischen Glaubens auswiesen. Dabei, so schreibt die „Tribuna", müsse die Zahl der Personen mit unbekannter Religion mit 5573 und der Personen ohne Religion mit 17 283 berücksichtigt werden. Schon für das Jahr 1901 müsse man annehmen, daß ein Fünftel der italienischen Juden nicht das Religionsbekenntnis angegeben habe. Dafür sprächen schon die jüdische« Pressestimmen über die Bekenntnislauheit vieler Juden der damaligen Zeit. Aus dem Jahre 1901 stamme auch die letzte nichtamtliche Statistik über die Zugehörigkeit der Juden zu den verschiedenen Berufsgruppen. Danach seien von 100 Juden in der Industrie 24,7. im Handel 45,7, in den freien Berufen 21,6 und in der Landwirtschaft 8 Proz. gewesen. Heute müsse man besonders in den großen Städten mit einer wesentlichen Verstärkung des jüdischen Anteils in Handel und Industrie rechnen. Die erwähnte jüdische Veröffentlichung zeige diese städtische Zuwachsrate bei den Juden deutlich. Zwischen den Jahren 1903 und 1913 sei allein in Rom die Zahl von 7000 auf 12 000 gestiegen, die Gesamtzahl der Juden in Italien von 33 000 auf 50 000. Als Juden hätten sich im Jahre 1911, bei der letzten Zählung vor 1931. die die Frage nach dem Bekenntnis gestellt habe, welche 1921 fortgelassen worden sei, 34 324 Personen erklärt. Zu der amtlichen Ziffer von 1931 sei daher in der Berücksichtigung des Zuwachses seit 1911 und der fehlenden Bekenntnisangaben noch ein Viertel öder rund 12 000 Personen hinzuzurechnen, so daß man heule auf 59 956 Juden in Italien komme. Dabei seien die. wie hervorgehoben wird, zahlreichen Fälle der Religionsänderung und die sich seit fünf Jahren mit fremder Staatsangehörigkeit in Italien aufhaltenden Juden nicht miteingerechnet. England. Taylor über die Persönlichkeit von Rublee, •;»"; London, 12. Aug. Myron Taylor, der Wortführer Amerikas auf den Konferenzen von Evian und London, sprach sich über den Direktor des Ständigen Büros R u b I e e etwa wie folgt aus: Rublee ist einer der bedeutendsten Advokaten der Vereinigten Staaten tind. gilt "als Kapazität auf dem Gebiete des internationalen Rechtes. 1915 wurde er durch den Präsidenten, Wils.'on zum Mitglied der H a-n d e l s k o m m i s's'i o n der USA und zwei Jahre später zum Mitglied des Wirtschaftsrates der nationalen V e r t e i d ig u n g ernannt. Ebenso wirkt er als Finanzberater der Vereinigten Staaten. In den höchsten Stellungen im In- und Auslande genoß er das rückhaltlose Vertrauen des Präsidenten und der Regierung. So war er auch 1930 der Führer der amerikanischen Delegation auf der Schiffsverkehrkonferenz in London. Man darf seiner Tatkraft vertrauen, daß e3 ihr gelingen wird, all die Beschlüsse der Flüchtlingskonferenzen zur baldigen und besten Ausführung zu bringen. Zur Kolonisierung von Kenya. London, 14. Aug. Im Zusammenhang mit den Vorschlägen über Errichtung von jüdischen Siedlungen in Kenya wird bekanntgegeben, daß demnächst eine Kolonisationsgesellschaft mit dieser Aufgabe betraut wird. Es seien bereits 75.000 Dollar bereitgestellt, um die ersten 25 jüdischen Familien in Kenya anzusiedeln. Es kommen zunächst nur Spezialarbeiter in Betracht, die die Vorbereitungen für die Schaffung von sechs jüdischen Kolonien treffen, vorausgesetzt, daß die jüdischen Organisationen Kapitalien dafür schaffen. Amerika. Histadruth und Revisionisten in Palästina. New York, 11. Aug. Die „New York Times" kündigt einen scharfen Kampf innerhalb der jüdischen Reihen in Palästina an. Die Arbeiterorganisation werde sich in der nächsten Zeit mit größter Entschiedenheit gegen die revisionistischen Versuche, die Juden zur Selbsthilfe aufzuputschen, wenden, während auf der anderen Seite die Revisionisten fortfahren, die Jewish Agency und andere jüdische Organisationen als Verräter an den jüdischen Interessen anzugreifen. Mordechai Schwartz. New York, 11. Aug. Elf jüdische und nichtjüdische Organisationen haben sieh heute auf telegTaphischem Wege an den Kolonialminister in London, im Interesse des zum Tode verurteilten jüdischen Polizisten Mordechai Schwartz gewandt, darunter die Union Orthodoxer Rabbiner, die Neue Zionistische Organisation, der Misrachi. die Agudas Jisroel und die Pro-Palestine Federation. (Schwartz wurde inzwischen hingerichtet. Siehe Seite 1. Red.). Aegypten. Die Sinai-Eisenbahn. Kairo, 14. Aug. Dieser Tage beginnen die Verhandlungen zwischen der ägyptischen und englischen Regierung über die Eisenbahnlinie, die die Sinaiwüste umspannen soll. Aus den früheren Verhandlungen ist zu ersehen, daß die Palästinaregierung auf ihrer Meinung verharrt, die Linie als Fortsetzung der Paläs'inaeisenbahnlinien in ihrer Regie ZU behalten, während die ägyptische Regierung diese Linie mit Hinblick darauf, daß sie zum größten Teil über ägyptisches Territorium führt, ankaufen will. Auf alle Fälle wird man in absehbarer Zeit die Sinaiwüste in mehreren Stunden im D-Zug durchfahren können. Australien. Einwanderung in Australien. S i d rt e y , 8. Aug. Vom 1. Juli 1937 bis zum 30. Juli 1938 sind nach amtlicher Verlautbarung 7284 Ausländer ins Land gekommen. Davon waren 5082 aus Südeuropa, 572 aus Polen (1935/36; 35; 1936/37: 289). aus Deutschland 571 (1935/36: 55, 1936/37: 213). Günstigere Stimmen in Australien. . Melbourne, 10. Aug. ■; Mehrere Redner in der Landwirtschaftskammer von Victoria'sprachen sich heute entschieden gegen die Beschränkungen aus, die man der Einwanderung wjertvollen Menschenmaterials aus Deutschland und Oesterreich ^auferlege, während man die Einwanderung anderer Nationalitäten nur deshalb gestatte, weil sie Verwandte in Australien haben. Viele Land? wirtschaftsgesellschaffen im Staate Victoria haben ihre Mitglieder angeregt, die Zulassung von Flüchtlingen aus Deutschland als landwirtschaftliche Arbeiter zu fordern. Die Melbourner Zeitschrift ,,Age:' gibt heute einen Artikel ides jüdischen Blattes „Jewish Herald" bekannt, worin gegen die Verweigerung der Zulassung jüdischer Emigranten Verwahrung eingelegt wird. Manche Einwanderer brauche Australien, sagt das Blatt, andere braucht es nicht. Es muß sicherlich möglich» sein, die nicht wünschenswerten Immigranten fern 'zu halten, ohne deshalb die Tore gegen jedermann zu versperren. Aus der Agudas Jisroel-Bewegung. Aguda kennt auch in Amerika keine Kompromisse, Die „Zeiii'öi Agudas Jisroel" in New York breiten sich von Monat zu Monat mehr aus. Wenn dieses bisher den auch in New York lebenden Orthodoxen oft verborgen bleibt, so deswegen, weil die führenden Menschen der „Zeiirei Agudas Jisroel" ihre Haupttätigkeit darin sehen, die. Gruppen und ihre Mitglieder zu vervollkommnen. 13 Gruppen von „Zeiirei Agudas Jisroel" und „Bnoth" fördern das Taurohwissen ihrer Mitglieder durch tägliche regelmäßige Schiurim. Vorträge, gesellschaftliche Veranstaltungen und eine besondere Arbeitsgemeinschaft stärken und fördern Allgemeinbildung. Mit der vor einigen Monaten erfolgten Gründung des „Agudas Jisroel Immigration - Department" in New York erwächst der Agudas Jisroel in Amerika ein neues Arbeitsfeld. Aufgabe des „Immigration- Department" konnte und kann es naturgemäß nicht sein, als Arbeitsfeld allein die Betreuung der Auswandernden in physischer und finanzieller Hinsicht zu betrachten. Aufgabe eines Immigration-Departments einer thoratreuen Organisation muß auch sein, für die seelischen Bedürfnisse der Einwandernden zu sorgen. So wurden als ein Teil der Gesamtorganisation „Zeiirei Agudas Jisroel in Amerika" zwei Agudagruppen in denjenigen Teilen der Stadt neu gegründet, in denen sich die aus Deutschland Einwandernden seßhaft machen; Uptown New York und Washington Heights. Es werden Schiurim veranstaltet, man kommt zu gemütlichen Aussprachen zusammen, es ist ein harmonisches Band in diesen Gruppen — alles Mitglieder von Agudagruppen in Deutschland —, das alle verbindet, einer steht dem anderen mit seinen Erfahrungen zur Seite, Ein Gebot unterscheidet die Mitglieder dieser Gruppen von anderen Organisationen; das Gebot der Kompromißlosigkeit. In Amerika, wo alles nach Kompromiß heischti WO jeden Tag in den verschiedensten Gestalten die Sünde des Kompromisses an die Menschen, und in erster Linie an die Neueingewanderten herankommt, sind die Mitglieder dieser beiden Agudagruppen zur Kompromißlosigkeit verpflichtet. Junge Menschen agudistischer Prägung haben vor einigen Jahren, beim Beginne der g'foßen Einwanderung aus Deutschland, versucht, unter dem Namen Schomreh Hadath" eine orthodoxe Jugendorganisation zu gründen. Alle Versuche, diese Organisation politisch neutral und auf strengster religiöser Basis zu halten, haben sieh nunmehr als vergeblich er-, wiesen, was auch von agudistischen Manschen, die bisher führend im „Schomreh Hadath" tätig gewesen sind, zugegeben wird. Trotzdem arbeiten in sozialer Beziehung „Schomreh Hadath und „Agudath Jisroel" im besten Einvernehmen zusammen. So hat auch das „Agudas Jisroel Immigration Department" den größten Wert darauf gelegt, in engster Zusammenarbeit mit dem ,Schomreh Hadath" zu stehen und hat auch ihr alle ihre Kräfte zur Verfügung gestellt; denn es heißt, den religiösen Charakter der Immigranten zu erhalten und in religiöse Bahnen zu lenken. Die Stellenvermittlung des „Schoin/eh Hadath" arbeitet mustergültig und hat schon die schönsten Erfolge zu verzeichnen. In kultureller Beziehung kann jedoch „Agudas Jisroel" seine Arbeit nur in agudistischen Gruppen leisten, die die eigene spezifische thoratreue und agudistische Arbeit in den Vordergrund stellen. Den agudistischen Einwanderern kann nicht oft genug gesagt werden, daß sie sich allen Kompromissen, mögen sie auch noch so unschädlich scheinen, fern zu halten haben. Es empfiehlt sich daher dringend für jeden Agudisten, sich nach seiner Einwanderung sofort der Agudas Jisroel anzuschließen. Sprcchsaal. Das Geräusch einer Dampfpfeife bei der Glasspinnerei macht die Glasfaser zäher, fester und elastischer. Diese Entdeckung machten Dale Kleist und John H. Thomas in Newark (Ohio). — Nach der Boraißo stellte, wie bekannt, R. Noßon fest, daß der laute Ton der Stimme bei der Herstellung des K'taures günstig Wirkt. — Es liegt in beiden Fällen offenbar an den Schall-Vibrierungen, die die Moleküle aufrühren und schütteln, i G. G. - V.