Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 79 (1938)
- Issue
- Heft 33 (18.8.1938)
- Date
- 1938-08-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 33 D e Ii t 18. August 1938 Kein jüdisches Haus ohne dje KEREN HATORAH Sammeldose! Bitte Dosen bei der Zentrale anfordern : Hamburg 13, Heinrich Barths fräße 21 her nicht, da diese Löhne immer schon sehr hoch sind) zwischen 4.—.— und 5.—.— per Woche. Diese Löhne erhalten alle Arbeiter über 21 Jahre. Das ist hier die Grenze. Kaufmännische Angestellte erhalten bedeutend weniger, außerdem ist es vollkommen unmöglich, als kaufmännischer Angestellter irgendwo unterzukommen! Also Jungens unter 21 Jahren oder Erwachsene mit sehr gutem handwerklichen Können sind hier erwünscht und kommen sehr schnell unter. Sonst ist es hier herrlich, die schönste Umgebung, die man sich nur denken kann, ziemlich warm zwischendurch; durchschnittlich nicht mehr als vier verschiedene Jahreszeiten-Temperaturen pro 24 Stunden. D. h. nachts Winter-Frost-Grenze, tagsüber Hochsommer- Bullenhitze, und morgens und abends Frühling bezw. Herbst- Wenn man sich aber erst, an diese Eigenartigkeit gewöhnt hat, gefällt es einem hier wunderbar. Ich habe noch nie so herrliche und vielfältige Flora gesehen. Es wächst hier praktisch jeder Baum und jede Pflanze, und der Blumenreichtum ist noch viel größer, als der Hollands, was doch bestimmt viel sagen will. Die Mensehen sind sehr höflich und hilfsbereit und die jüdischen Alteingesessenen einfach fabelhaft In Ihren Bestrebungen, eä den Neuankömmlingen so angenehm wie nur möglich zu machen. Man schreibt uns: Die „Nieun Amsterdam" ist ein unbeschreiblich schönes Schiff, die 3. Klasse ist bestimmt so schön wie auf alleren Schiffen die erste. Ich kam mir vor wie im feinsten Hotel, doch auch hier zeigten sich Schwierigkeiten. Obwohl wir uns eingehend nach dem Roscher-Essen erkundigt hatten, hieß es plötzlich an Bord, es ginge nicht, das andere Essen wäre aber genau so koscher und weitere ähnliche Ausflüchte. Da wir aber darauf bestanden, das zu erhalten, was uns vor Reiseantritt versprochen worden war, tauchten plötzlich Speisekarten auf, auf denen ,(Koscher" stand. Auf Wunsch konnte man jetzt ,,Koscher"-Essen erhalten, das anders als das anders Essen war. Aus vielerlei Betrachtungen heraus (z. B, wurden stets die gleichen Teller, die gleichen Bestecke benutzt; wurde zuerst Bouillon, dann hinterher meiner Ansicht nach bestimmt milchdinge Speisen angeboten usw.) glaube ich aber, die Aufschrift auf der Speisekarte war das einzige „Koschere". Hinter die Kulissen hätte ich nicht sehen mögen. Jeder Kommentar zu diesen Zeilen ist überflüssig. Sie zeigen uns, daß es jüdische Pflicht aller ann' ist, sich nicht auf die Auskunft der Schiffahrtsgesellschaften zu verlassen, sondern sich Immer an die „Religiöse Auswandererbetreuung der Agudas Jisroel" zu wenden. W. Korrespondenzen, Deutsches Reich. Das Preisausschreiben Jüdische Winterhilfe 1938/39. Berlin, 15 Aug. Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland. Abt. Zentralwohlfahrtsstelle, als zentrale Trägerin der Jüdischen Winterhilfe, wandte sich, wie bereits mitgeteilt, auch in diesem Jahr an die jüdischen Künstler mit der Aufforderung zur Teilnahme an einem Preisausschreiben für die Jüdische Winterhilfe. Aufgabe der Jüdischen Winterhilfe ist es, alle Juden in Deutschland zum freiwilligen Qpfer monatlicher Geldspenden im Rahmen der Richtlinien für die Jüdische Winterhilfe, zur Leistung der Eintopfspende (an den Eintopfsonntagen) und zur Teilnahme an der Pfundspende zu gewinnen, um die Betreuung aller jüdischen Hilfsbedürftigen während der sechs Wintermonate (Oktober 1938 bis März 1939) sicherzustellen. Verlangt werden graphische, zeichnerische, photographische oder in sonstiger Technik ausgeführte Bildentwürfe, die in Ausführung und Ideengehalt dem Sinn der Jüdischen Winterhilfe Rechnung tragen und sich sowohl auf die allgemeine Werbung als auch auf die Werbung der verschiedenen Spendenarten (Geldspenden. Eintopfspenden oder Pfundspenden) beziehen und die zur Veröffentlichung in der jüdischen Presse oder für die Herstellung von Plakaten zum Anschlag in öffentlich-jüdischen Räumen geeignet sind. Die jüdischen Künstler und interessierten Mitglieder der jüdischen Gemeinden werden nochefnmal zur Einreichung von Entwürfen aufgefordert. Die Entwürfe sind mit einem Kennwort zu versehen. Name und Adresse des Einsenders sind mit dem Kennwort zusammen in einem besonderen verschlossenen Briefumschlag einzureichen. Letzter Termin der Einsendungen ist der 15. September 193 8. Die Anschrift für alle Einsendungen lautet: Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Abteilung Zentralwohlfahrtsstelle (Jüdische Winterhilfe], Berlin-Charlottenburg, Kantstraße 158. Aus dem Badischen. Karlsruhe, 12. Aug. Mit der Einbeziehung der Israelitischen Religionsgemeinschaft Badens als Bezirksorganisation in den neugegründeten Reichsverband der Juden in Deutschland fallen einige personelle Aenderungen im Oberrat der Israeliten in Baden zusammen. Der Vorsitzende Friedrich A. Straus (Karlsruhe) ist aus dem Oberrat ausgeschieden, mit ihm Josef Erlang er (Mannheim) und Dr. Erwin Weil (Karlsruhe). An ihre Stelle treten der Vorstand der Israelitischen Gemeinde Mannheim. Josef Stiefel, der Synagogenrat der Gemeinde Karlsruhe, Rechtsanwalt Hugo Stein, und Dr. Herbert Großberger (Heidelberg), Zum Vorsitzenden des Gremiums wurde Rechtsanwalt Dr. Julius Ellenbogen, gewählt, das Oberrätsmitglied Oberregierungsrat a. D. Dr. Siegfried Weißmann zum weiteren stellvertretenden Vorsitzenden. Aufruf der Kultusgemeinde. Wien, 13, Au«. Die Kultusgemeinde Wien erläßt folgenden Aufruf: Die in Wien wohnenden Juden sind im Begriffe, in die Ferne zu ziehen, um in anderen Ländern neue Arbeitsmöglichkeit zu suchen. Viele Mitgliedei' de»* Wiener Kultusgemeinde sind heute nicht mehr in unserer Mitte; täglich werden weitere Haushalte aufgelöst, um am Ziele der Wanderung wieder errichtet zu werden. Jene, die bereits in der glücklichen Luge sind, das Ziel ihrer Wanderung zu kennen und aus eigener Kraft zu erreichen, mögen nun an die Unzähliger denken, die bis zu ihrer Ausreise in banger Erwartung leben, an all' diejenigen, die nicht mehr in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Mehr als 15.000 Juden müssen täglich von der Kultusgemeinde ausgespeist werden; viele Tausende erhalten von ihr die nötigen Mittel, um sich bis zum Zeitpunkt ihrer Auswanderung ein Obdach zu sichern. Rund 5000 Juden konnten mit Hilfe der Kultusgemeinde alle Schwierigkeiten überwinden und ihre Wanderung antreten. Jeder, der von uns scheidet, möge an die noch hier verbleibenden Schicksalsgenossen denken. Bei der Auflösung des bisherigen Besitzes werden viele Wanderer die Möglichkeit haben, einen Teil jener Werte, die für den Aufbau einer neuen Existenz nicht in Betracht kommen, zur Unterstützung ihrer notleidenden Brüder zu verwenden, um auch ihnen eine Auswanderungsmöglichkeit zu schaffen. Die Kultusg'emeinde ist das Sinnbild jener Schicksalsgemeinschaft, die alle Juden in Wien umfaßt. Diese Bande können auch durch Auswanderung und räumliche Entfernung nicht zerstört werden. Nach Jahrzehnten der Zusammenarbeit und inniger Verbundenheit ergeht nun ein letzter Ruf an, die auswandernden Brüder: Erfüllet eine heilige Pflicht und scheidet mit dem Bewußtsein, Euren Beitrag für die Juden in Wien geleistet zu haben. Tagung der jüdischen Gemeinden Oesterreichs. Wien, 10. Aug. Am 7. August traten im großen Sitzungssaale der Israelitischen Kultusgemeinde Wien die Vertreter von 28 deutsch-österreichischen Gemeinden zusammen, um über Wanderungsfragen zu beraten. Die Tagung wurde vom Leiter der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Dr. Josef Löwenherz, .eröffnet, der einen allgemeinen Bericht über das Emigrationsoroblem erstattete und auf die Bedeutung der Konferenz in Eyian wie a u c h; der in London statt find enden B,e s p(r e c h u,n g e n hinwies. Als vorteilhaft wurde die Zusammenlegung der deutschen und deutschösterreichischen Einwanderungsquote für :N o r d a m e r i k a dargestellt, da die in Oesterreich wohnenden Juden hierdurch weit mehr über die ursprüngliche, 1400 pro Jahr betragende Quote für sich in Anspruch nehmen können. Es ist zu erwarten, daß die Konferenz von Evian vor allem die südamerikanischen Staaten für die jüdische Einwanderung erschließen werde. Die erste Welle der Auswanderer trägt eine große Verantwortung; die in ein Zielland kommenden Juden müssen arbeitswillig und arbeitsfähig sein, weil sie sonst jede weitere Einwanderungsmöglichkeit zunichte machen. Dr. Löwenherz gab der Hoffnung Ausdruck, daß sich das Judentum Oesterreichs seiner Auswanderer nicht zu schämen habe und daß diese Einwanderung den Zielländern zum VorteiJ gereichen werde. Der Leiter der Auswanderungsabteilung Amtsvbrstand Emil Engel besprach die bestehenden Einwanderungsmöglichkeiten im Einzelnen. Er warnte vor allem vor übertriebenen Erwartungen und dementierte energisch die verschiedenen Gerüchte, die von bei der Kultusgemeinde erliegenden Einreisebewilligungen, Affidavits usw. zu erzählen wissen. Wir dürfen nicht verzweifeln, müssen aber mit Tatsachen.' und mit Schwierigkeiten rechnen. Die Einwanderungsquote nach USA macht für Deutschland einschließlich Deutschösterreich rund 27.000 jährlich aus. Die polnische Quote beträgt 6524, die russische 2784, die ungarische 869, die litauische 386 und die rumänische 295 im Jahr. Nach Canada bestehen gegenwärtig bloß Einwanderungsmöglichkeiten für erfahrene Landwirte. Mexiko, Argentinien, Uruguay und Paraguay kommen augenblicklich für eine größere Einwanderung nicht in Frage. Gewisse Möglichkeiten sind zu erhoffen bei der erwarteten Aenderung der brasilianischen Einwanderungsbestimmungen. Derzeit kommt als Zielland bis zu einem gewissen Maße Columbien in Frage. Abschließend warnte Amtsvorstand Engel vor der Anschauung, daß Australien besonders günstige Einwanderungsmöglichkeiten biete und mahnte auch in dieser Beziehung zu Nüchternheit und Sachlichkeit. Abteilungsleiter Dr. Blauer erinnerte an die int November 1937 im Saale. der Kultusgemeinde stattgefundene Tagung der jüdischen Gemeinden Oesterreichs, di.e sich mit der Weiterbefördefung jüdischer Wanderer durch Oesterreich befaßte, und schilderte im Einzelnen die Tätigkeit der Auswanderungsabteilung. Es wurden bereits rund 41.000 Emigrationsbogen ausgegeben, von denen ein Großteil schon statistisch bearbeitet ist. Von den 14.Q00 ausgegebenen Fragebogen der Emigrationsgesellschaft HIÄS wurden 6000 bereits nach New York weitergeleitet und konnten in einigen hundert Fällen einen Erfolg verzeichnen. Die Nachmittagssitzung war hauptsächlich wirtschaftlichen Fragen gewidmet. Dr. Kapralik, Referent der Beratungsstelle in Devisenangelegenheiten, erörterte die gesetzlichen Bestimmungen betreffend die Devisenvorschriften und allfällige Transfermöglichkeiten. Mit besonderer Aufmerksamkeit wurden die Mitteilungen über die Möglichkeit, mit Genehmigung der Devisenstelle Landungsgelder zugewiesen zu erhalten bezw. Maschinen in das Zielland, zu transferieren, entgegengenommen. Die Vertreter der einzelnen Gemeinden gaben kurze Berichte über den Stand der Auswanderung in ihrem Sprengel, wobei die Auswanderungsbereitschaft der Juden im Burgenland, von denen bereits 950 ausgewandert sind, Hervorgehoben werden muß. Es wurde die Schaffung eines Pro vinzref er.ates im Rahmen der Aus- .vanderungsabteilung der Israelitischen Kultusgemeinde Wien angeregt, ein Wunsch, dem die Kultusgemeinde entsprechen wird. Tschechoslovakei. Beth Jakob-Semester-Schlußfeler. Bratislava, 10. Aug. Am Sonntag, den 3. Aw 5698, fand die Semesterschlußfeier der Beth Jakob-Lehrerinnenbildungsanstalt im Saale der neuen Israelitischen Volksküche statt. Ein zahlreiches Publikum aus den Reihen der Eltern, Freunde und Förderer der Beth Jakob-Idee hatte sich zu diesem Feste, das unter Mitwirkung der Dozentinnen aufs Schönste verlief, eingefunden. Im heurigen Schuljahr hatten 48 Schülerinnen die Anstalt besucht. Nun hatte die Schülerschar des vierten Semesters, die zum Großteil von auswärts und aus dem nahen wie fernen Auslande stammt, Gelegenheit, Proben ihres Könnens den Festgästen zu bieten. Eine Schülerin hielt 'die Begrüßungsansprache und Herr. .Max W e i ß , dep,.gemeinsam mit Herrn Paul Sternfeld die ganze finanzielle' Last de"r Anstalt trägt, gab in kurzen Worten der Genugtuung Ausdruck, daß von der großen Oeffentlichkeit nach mühevoller Arbeit die Idee von Beth Jakob' i