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Der Israelit · 1938-08-18 · Heft 33 (18.8.1938) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
79 (1938)
Issue
Heft 33 (18.8.1938)
Date
1938-08-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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18. August 1938 Der Israelit Nr. 33 Seite : Zum Schlitze der Kolonien. TFortsetzung von Seite 1.) tens 98 bis 99 Proz. des jüdischen Jischuw zu den Hawlagisten zählen, die solche Heldentaten scharf verurteilen und keinen sehnlicheren Wunsch haben, als ihre Urheber der verdienten Strafe zuzuführen. Fände sich nur ein einziger Anhaltspunkt dafür, daß ein Jude an den mörderischen Explosionen in Haifa beteiligt war, jene 98 Proz. würden es begrüßen, wenn der Uebeltäter, egal zu welcher Partei er sich zählt, dem Strafrichter zugeführt wird. Und gewiß gäbe es dann keine Bittgebete, keine Interventionen und keine Proteste, wenn solche Tat mit der schwersten Strafe geahndet würde. Aber diese 98 Proz. sind nicht gegen die H a g a n a , denn wenn jemand in Erez Israel am Hawlagasystem zweifelt oder verzweifelt ist und statt dessen die Methode der Hagana vorschlägt, so will er damit keine Anarchie und keine wilden „Racheakte". Die Opposition g'egen die Hawlaga ist nicht nach außen, sondern nach innen gerichtet: Man protestiert gegen eine bürokratische Führung, die unter der Marke der nHawIaga" unbestimmte Anklagen gegen Andere erhebt, in sich aber eine Müdigkeit und einen Mangel an Kraft und Initiative zeigt, die oft auch den Ruhigsten und Besonnensten zu denken geben. Geduld und passive Haltung müssen ihre Grenze haben, zumal es nicht immer sicher steht, daß dieses Maß von Geduld von den Regierungsbehörden nach Gebühr geschätzt und jJeschützt wird. Die arabische Offensive wächst mit jedem Tage, und hinter ihr steht mit moralischer und materieller Unterstützung die mohammedanische Welt. Was hatten wir in all der Zeit gegenzubieten? Einen Wertstreit darüber, was zweckmäßiger sei, Hagana oder Hawlaga. In einem der Kibbuzim fand ein Anhänger der Hagana auf einer Inspektionsreise bei Nacht den Schomer in tiefen Schlaf versunken. Er weckte ihn und sprach ihm ins Gewissen, wie er es verantworten könne, durch diese Lässigkeit den ganzen Kibbuz in schwere Gefahren zu bringen und ob er nicht wisse, daß er selbst dann als erstes Opfer fallen müßte. Aufrichtig und treuherzig gab darauf der Wächter zur Antwort: „Ist schon bald alles egal, meine Kraft ist einfach ZU Ende." Es wird wohl nicht überall so sein, es gibt Helden, die bis zum Letzten aushalten. Aber man darf der menschlichen Kraft nicht allzuviel zumuten. Die Schuld, wenn von einer Schuld die Rede sein kann, trifft aber hier die. einen wie die anderen, die Anhänger der Hawlaga wie der Hagana, wobei der Unterschied höchstens darin liegt, daß Hawlagisten den Fatalismus zum System ausbauen, während die Haganisten nicht die Kraft und auch nicht die strategische Kunst besitzen, einzeln ganze Arbeit zu leisten. Aus alldem ist nur eines zu entnehmen; Es wäre an der Zeit, daß man aufhört, mit Worten und um Worte zu kämpfen. „Hawlaga" oder „Hagana" — der Selbstschutz darf im heutigen Stadium der Dinge nicht mehr Einzelnen oder einzelnen Kreisen überlassen werden, sondern muß Sache des gesamten Jischuw sein. Hier darf man die Arbeit nicht freiwilligen „Ordnern" überlassen, sondern es muß, mit Will e n und u n t e r M i t h i 1 f e der M a cht ein Netz des Selbstschutzes gebildet werden, das ebenso stark und wirksam nach außen ist. wie es nach innen alle Teile des Jischuw umfaßt. Wir. haben in der jüngsten Nummer des „Israelit" berichten können, daß der Sicherh e i t s a u s s c h u ß in Palästina sich zu einer großangelegten Hilfe entschlossen hat und die Grundzüge einer durchgreifenden Aktion zum Schutze der Städte und Kolonien aufgestellt hat, die darauf ausgehen, alle Kräfte der Bevölkerung in Form von Spenden und tätiger Hilfe mit heranzuziehen. Dreiviertel der Einnahmen sollen für den Schutz derer verwendet werden, die am meisten gefährdet sind, nämlich der Kolonien. Im Aufruf, der zu diesem Zwecke erlassen wird, wird kein Zweifel darüber gelassen, daß die Regierung dieses großangelegte Selbstschutzwerk, schon zu ihrer, eigenen Entlastung, legalisieren und un-; terstützen wird. Wenn gleichzeitig vor Gewalttaten gegen Unschuldige gewarnt wird, so wissen wir nach den obigen Ausführungen, daß 98 Proz." des Jischuw sich dieser Warnung anschließen. Wie aus Palästina berichtet wird, hat auch die Leitung der Poale Agudas Jisroei ihre Mitglieder aufgerufen, sich an der Aktion des Sicherheit,sausschusses aktiv zu beteiligen, und man darf den Wunsch und die Hoffnung aussprechen, daß Hagana und Hawlaga sich auf dieser Basis finden und daß die beiden Worte endlich aus der Diskussion verschwinden. Wochenrundschau, Malcolm MacDonald an der Westmauer - Zwei Rundfunkreden - Was der Hochkommissar weiß - Thoralehranstalten in Berlin In einem palästinensischen Blatte lesen wir: „Kolonienminister Mr. MacDonald, der 36 Stunden in Jerusalem weilte, kam am Sonntag zur Westmauer just zur Stunde, da dort die jüdischen Gruppen ihre Klagegebete aus Anlaß des neunten Aw verrichteten. Ussischkin, der sich unter den Betenden befand, erkannte als erster den unauffällig und interessiert dastehenden englischen Touristen im Tropenhelm." Trifft diese Darstellung zu, dann hätte MaeDonaid an diesem Tage an dieser Stätte eine Urkunde in die Hand bekommen, die ungleich wichtiger ist als alles Aktenmaterial der ersten und zweiten Kommission, und sein Flug nach Palästina wäre sehr lohnend ge wesen. Eines der Argumente der Araber und ihrer euro päischen Freunde ist, „die jüdische Invasion" nach Palästina sei durch die kritische Lage der Juden in der Welt bedingt. Die Juden hätten seit Jahrtausenden alle Beziehungen zum Lande gelöst und hätten daher kein Recht, bei der Scuhe nach einer neuen Heimat die Araber zu verdrängen. Daß dem nicht so ist und daß Jischuw und Alijah eine jüdische Heimkehr ohne Verdrängung Anderer bedeuten, wollen nicht einmal alle in England einsehen. MacDonald hat am Tischabeaw die jüdischen Tränen gesehen, die nicht von heute, sondern die Tränen der Jahrtausende sind und unser Recht auf Erez Israel deutlicher ausweisen als alle Zahlen und Daten in den dicken Aktenbündsln. Vielleicht drang die Weheklage Jehuda Haie v i s an sein Ohr. „Ich im Westen und mein Herz im Osten!" Der Ruf kommt nicht aus Not und Drangsal eigenen Lebens, sondern mitten aus der Glanzzeit der kastilischen Diaspora, die aber den Sehnsuchtsflug der jüdischen Seele nach der Heimat im Osten nicht hemmen kann . . . Warum aber soweit zurückgreifen? Gewiß hat der Minister die obere Schicht der Quadern an der Mauer gesehen. Sie stammt von einem jüdischen Landsmanne MacDonalds aus dem vorigen Jahrhundert, MosVes MontefLore, dessen Frau sich mit dem Zelte um das Rachelgrab ebenfalls ein ewiges Denkmal gesetzt hat, Straßen und Stiftungen in der heiligen Stadt zeugen, von diesen und anderen jüdischen Menschen, die, in Europa in Wohlstand und höchsten Stellungen lebend, der Heimaterde in Erez Israel ihre Verbundenheit zeigten. Die Denkmäler, die Stiftungen, die Tränen — sie besagen mehr als die von Kommissionen aufgestellten Zahlen und gezogenen Grenzlinien. Ein neues Dokument kann der Kolonienminister von der Westmauer heimgebracht haben. Er möge es bei der Sichtung und Schichtung des angehäuften Materials ganz z u o b e r st legen. Man wäre versucht gewesen, dieses zu hoffen, als man die ersten Sätze der . Rede, die Mr. Malcplm MacDonaldj.am 8. August nach seiner Rückkehr aus Palästina im Londoner Radio hielt, zu hören bekam. Sd'ine Erklärungen legen Zeugnis ab von der für den Engländer typischen tiefen Liebe zu Palästina als dem heiligen Lande der Bibel. Leider aber bedeuten seine weiteren Ausführungen in politischer Hinsicht die schwerste Enttäuschung, für alle diejenigen, die sich von der Reise etwa eine entschiedene Wende in der Methode der Terrorbehandlung versprochen hatten. Der Minister hält sich, in seinen Erklärungen durchaus im Rahmen der im Parlament unzählige Male wiederholten For-. mein, wonach die Regierung die Partition für die „hoffnungsvollste Lösung" halte und weitere Entschlüsse erst nach Erstattung des Berichtes dev Woodhead-Kommission fassen könne. Inzwischen müsse natürlich die Ordnung hergestellt werden; auf welchem Wege das geschehen soll, verrät der Minister jedoch nicht. Und wiederum eine Rundfunkrede. Sir Harold MacMichael, der High Commissioner, hielt im Jerusalemer Rundfunk eine Ansprache, in der er u. a. folgendes ausführte: „Der jetzige Zeitpunkt erscheint mir geeignet, um einen Aufruf an Alle in diesem Lande, welcher Nationalität oder Religion sie angehören, zu richten, alles zu tun, was in ihren Kräften Hegt, um dert Frieden wiederherzustellen. Nicht durch gegenseitige Beschuldigungen, Beschimpfungen oder durch Intrigen wird der Frieden wiederhergestellt werden können, wohl aber durch die aktiven Bemühungen aller gemäßigten Männer und Frauen, energisch und aufrichtig an der Beruhigung der Leiden schaffen zusammenzuwirken, welche Mord und Sabotageakte entfesselt haben. Diejenigen, die zur Gewalt greifen, erweisen ihrer eigenen Sache den schlechtesten Dienst. Anstatt die Welt von ihrer Fähigkeit zu überzeugen, sich selbst zu regieren, haben sie bloß den Beweis dafür erbracht, daß sie hierzu nicht fähig sind; sie sind weit davon entfernt, die Regierüng 2u beeindrucken, daß sie ihre Forderungen in vollem Ausmaße akzeptiert, zwingen vielmehr die Behörden, der Gewalt nicht zu weichen. In der politischen Frage der Teilung des Landes kann während einiger Monate noch keine endgültige Entscheidung getroffen werden. Sollen diese Monate durch Vorfälle befleckt werden, wie diejenigen, die in den vergangenen Monaten geschehen sind? Wem würde das nützen? Ich weiß nicht, was die Kommission empfehlen, noch was die Regierung beschließen wird; eines weiß ich aber: daß die Fortsetzung der Gewaltakte keinen Einfluß auf die eine oder die andere haben kann, es sei denn zuungunsten der Schuldigen." Der Hochkommissar sprach an alle, und der jüdische Jischuw wird 'ihm um so mehr zustimmen, als auch er alle Gewalt verpönt und den wenigen, die auch nur so tun, als dürfte man Gewalt mit Gegengewalt beantworten, oft, fast schon zu oft sagt, welch schlechten Dienst sie damit ihrer und unserer Sache erweisen. Ein „Außenseiter" besuchte die Thoralernstätten in Berlin, das „Stübel" in der Oranienburgerstraße, das älteste Beshamidrasch neben der Alten Synagoge und zuletzt die Talmudtli'ora „Ez Chajim". Seine Eindrücke 'in der letzteren Thoraschule schildert er im Berliner „Jüdischen Gemeindeblatte" wie folgt: „Hier sehen; wir Kinder und Jugendliche mit einem wahren Feuereifer beim Studium. Dieselben Themata wie bei den Alten und Aeltesten, dieselben Folianten, derselbe Sang und dasselbe Erfülltsein. Die Talmud-Thora, eine Gründung des Bejäeijt j45 Jahren Tabak JOSEPH, Sandweg 7 ''iÖf&ÄRRENLAGER allererster Fabrikanten'zu.jeder Preislage und Geschmacksrichtung. . 'Proben zu Diensten, auf Wunsch unverbindliche Vorlage. KEIN LADEN^JelefoV 44475 DAS LICHT DER EWIGKEIT von Rabb. Dr. Elle Munli in Ansbach broschiert RM. 4.oo Lwbd. RM. 5.00 VERLAG DES ISRAELIT UND RERMOH GMBH., Frankfurt a. M. Schützenstr. 12 Postsch. 19802

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